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Beitrag von Delinat (18 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 21:18.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Nanett,

    ich glaube das niemand der das nicht selber erlebt hat nur ansatzweise verstehen kann wie es uns geht.
    Ich gehe zum Beispiel mit meinen Freunden um, indem ich keine Erwartungen habe.
    Woher sollen die von alleine drauf kommen was ich gerade brauche.
    Ich äußere ganz klar was ich wann von wem möchte.
    Letztens fragten Freunde ob sie was für mich tun könnten.
    Ja sagte ich, ich brauche am Samstag besuch, ich möchte im Garten arbeiten und es wäre schön wenn ihr kommt und meine Pause mit mir verbringt
    . Sie kamen zu dritt und halfen mir sogar im Garten.
    Ich gehe oft selber auf Freunde zu und fordere sie für mich ein.
    Ohne Erwartungen.......
    Sie sind dann auch gerne für mich da. Wenn ich darauf warten würde, .........
    Ich denke von den Freunden ist es oft Unsicherheit, nicht wissen damit umzugehen und nicht wissen was du brauchst.
    Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute und vielleicht doch noch ein paar helfende Hände.
    Liebe Grüße
    Delinat


    *** editiert von Delinat am Mittwoch, 15.11.2017, 21:21 ***

Dein Beitrag:

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Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 20:26.

  Reaktion von Freunden

    Hallo in die Runde,

    ich beobachte, dass die meisten Freunde sich zurückziehen.
    Ich stehe jetzt vor meinem großen Umzug (von Schleswig-Holstein nach NRW), und alles ist schwierig für mich. Weniger der Umzug an sich (wobei es natürlich schon schwierig ist, ihn allein zu meistern, aber ich habe ihn gut organisiert), sondern die Umstände, die zu diesem Umzug geführt haben und die Perspektive, in der neuen Wohnung allein leben zu müssen.

    Freunde/Freundinnen (die künftige Wohnung ist am Ort, wo Peter und ich vorher wohnten, daher spreche ich gerade von den dortigen Freunden, die noch da leben), die vor Monaten Hilfe zugesagt haben, sind entweder wie vom Erdboden verschluckt oder schreiben mir Karten, Whats'Apps oder Mails, wonach sie sicher sind, dass ich ach so taffe Frau das Ganze meistern werde und ich "sicherlich genügend gute Freunde und Bekannte habe, die mir Unterstützung geben".
    Toll, um sich aus der Affäre zu ziehen, nicht wahr. Wie schön für sie alle, oder?

    So auch mit einer guten, langjährigen Freundin. Immerhin hat sie es aber doch geschafft, mich anzurufen. Aber dann nahm das Gespräch einen seltsamen Lauf. Als ich ihr klarmachte, dass ich mich einsam fühle und schön fänd, wenn mehr von Freunden käme (so, dass nicht ich bitten muss), sagte sie irgendwie à la beleidigte Leberwurst ein wenig gereizt: "Ja, aber Anne-Marie, ich kann dir da nicht helfen, ich kann dir das nicht wegnehmen!".
    Bei mir war das wie ein Schuss ins Herz. Ich ignorierte aber mein Gefühl, weil ich mich mit ihr nicht streiten wollte. Aber ich merkte, dass sie (was eigentlich nicht zu ihr passt...) nicht in der Lage war, sich in mich hineinzuversetzen. So ging das Gespräch weiter: "Du hast ja ganz andere Krisen bewältigt bislang". "Wie bitte? Nein, Schlimmeres als Peters Tod?". Ich hatte aber keine Kraft, keinen Mut und keine Lust, mehr dazu zu sagen. DAs Gespräch ging auf diese Art weiter, ich hatte einen Kloß im Hals, weil es sich so "daneben" anfühlte, was sie so von sich gab.

    Alles in allem klang es etwa wie "Also ehrlich, du wirst es schon schaffen, Peters Tod zu meistern, wo ist das Problem". Auch ihr gereizter Ton und ihre Art, sich rechtfertigen zu müssen, klang feindlich, nein, fremd, so weit weg von dem, was ich empfinde.

    Dabei wäre es so einfach für sie gewesen zu sagen: "Ich weiß, ich kann dir den Schmerz nicht wegnehmen, aber ich fühle mit dir".
    Das hat sie zwar mit seltsamem Lachen noch versucht hinzuzufügen: "Hoffentlich weißt du, dass ich jeden Tag an dich denke". Das klang wieder wie eine Rechtfertigugng, das hat mir wehgetan statt gutgetan. Es klang so aufgezwungen, so ....falsch, so gereizt, so irgendwie fremd.

    Zum Schluss versprach sie allerdings, nach meinem Umzug vorbeizuschauen. Ich hatte ihr noch gesagt, dass es mir gut tun würde, nicht allein zu sein, wenn ich nach und nach die Kartons auspacke. Ich will nicht, dass Freundinnen das für mich tun, ich will nur, dass sie dabei sitzen, bei einer Tasse Kaffee, während ich meine neue Wohnung einrichte. Einfach da sein, seelische Unterstützung geben, durch die reine Anwesenheit.

    Ich sage mir: Immerhin habe ich meinen Mann verloren, ein Riesenhaus aufgelöst, ziehe 520 km weiter weg, allein, in eine Wohnung, die ich allein bewohnen muss und von wo aus ich mir ein neues Leben ohne Peter basteln muss/soll. Und keiner der dortigen Freunde/Freundinnen denkt dran von sich aus, niemand hat von sich aus den Einfall, dass es mir vielleicht gut tät, dass jemand dabei ist, einfach wie gesagt da sitzt und mit mir redet, während ich die Kartons auspacke.
    Wie kann das angehen??
    (Zum Glück habe ich 2 Freundinnen, die von sich aus da sind für mich, aber wo sind die anderen?).

    Ich bin gespannt, ob sie kommt, und ob es mir gut tut - hoffentlich fängt sie nicht wieder an, mir zu sagen, dass ich so langsam Freude empfinden muss (hat sie auch versucht), und all den Kram, der uns Trauernden nicht nur nicht hilft, sondern uns weh tut, weil es am Ende bedeutet, dass wir falsch sind und bitteschön schnell wieder lustig und "normal" sein müssten.

    Sorry, das ist lange geworden. Auch sehr persönlich. (Diese Freundin wird wohl nicht ins Forum schauen). Es ist eine liebe Freundin. Ich verstehe die Situation deshalb erst recht nicht.
    Ich musste es euch erzählen. Vielleicht erlebt ihr Ähnliches.
    Auch drängt sich die Frage: Erwarte ich da zuviel? bin ich ungerecht? zu egozentrisch? Erhebe hier Ansprüche (verstanden zu werden, meinen Schmerz ANERKANNT zu bekommen), die nicht erfüllbar sind für andere Menschen?
    (Wie gesagt: ich habe 2 Freundinnen, die völlig anders sind, nicht soviel reden, was sie für mich tun können, sondern einfach da sind und selbst auf die Idee kommen, dass ich dies und jenes an seelischer Unterstützung brauchen könnte. Immerhin 2....)

    Liebe Grüße
    Nanett (Anne-Marie)





    *** editiert von Nanett am Mittwoch, 15.11.2017, 20:40 ***

Beitrag von Delinat (18 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 21:11.

  Re: Reaktion von Freunden




    *** editiert von Delinat am Mittwoch, 15.11.2017, 21:24 ***

Beitrag von Delinat (18 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 21:18.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Nanett,

    ich glaube das niemand der das nicht selber erlebt hat nur ansatzweise verstehen kann wie es uns geht.
    Ich gehe zum Beispiel mit meinen Freunden um, indem ich keine Erwartungen habe.
    Woher sollen die von alleine drauf kommen was ich gerade brauche.
    Ich äußere ganz klar was ich wann von wem möchte.
    Letztens fragten Freunde ob sie was für mich tun könnten.
    Ja sagte ich, ich brauche am Samstag besuch, ich möchte im Garten arbeiten und es wäre schön wenn ihr kommt und meine Pause mit mir verbringt
    . Sie kamen zu dritt und halfen mir sogar im Garten.
    Ich gehe oft selber auf Freunde zu und fordere sie für mich ein.
    Ohne Erwartungen.......
    Sie sind dann auch gerne für mich da. Wenn ich darauf warten würde, .........
    Ich denke von den Freunden ist es oft Unsicherheit, nicht wissen damit umzugehen und nicht wissen was du brauchst.
    Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute und vielleicht doch noch ein paar helfende Hände.
    Liebe Grüße
    Delinat


    *** editiert von Delinat am Mittwoch, 15.11.2017, 21:21 ***

Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 21:44.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Delinat,

    ich kann auch manchmal bitten. Habe ich auch für konkrete Dinge (Lampen, Regale anbringen, etc.) getan, die ich nicht allein machen kann und die mir mein ehemaliger Nachbar machen wird (ohne Umschweife fragte er heute nach, wann genau er nächste Woche kommen soll, und er wird da sein, ohne große Worte).

    Von den Freundinnen erwarte ich eher eine seelische Unterstützung. Das ist wohl das, was Angst auslöst.
    Und diese Unterstützung, die will ich mir nicht erbetteln müssen.
    Im "normalen Alltag" sehe ich ein, dass vielleicht niemand drauf kommt, dass ich Hilfe gut gebrauchen könnte. Aber bei einem UMZUG? Allein zu wissen, dass eine FReundin umzieht und allein ist, sollte doch die Idee auslösen, dass Hilfe angesagt sein könnte, finde ich...

    Und du schreibst es ja selbst: Letztlich fragten dich Freunde, was sie für dich tun könnten. Darum geht es doch gerade: die meisten meiner Freundinnen fragen ja nicht einmal... Wenn sie fragen würden, würde ich es ihnen auch klar sagen können....
    NOch schlimmer: Eine hat vor Wochen gefragt. Und als ich es ihr konkret sagen wollte, hatte sie keine Zeit, sagte, sie würde zurückrufen, was sie nicht tat. Statt dessen kam von ihr eine Whats'App, sie wünsche mir alles Gute zum Umzug, ich hätte sicherlich gute Bekannte und Freunde, die helfen würden.
    Tja, was soll ich da noch von ihr wollen wollen (lach)??

    LG
    Nanett





    *** editiert von Nanett am Mittwoch, 15.11.2017, 22:08 ***

Beitrag von Delinat (18 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 23:23.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Nanett,

    da hast du allerdings recht.
    Bei einem Umzug und alleine sollten Freunde wirklich unaufgefordert auf der Matte stehen. Sorry mein Kommentar war eben zu allgemein.
    Es ist schon traurig wie sich sogenannte Freunde verhalten

    Liebe Grüße Delinat


Beitrag von Molly8 (333 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 06:28.

  Re: Reaktion von Freunden

    Guten Morgen an alle!

    Ich habe sogar nachgefragt, warum man mir nicht mehr hilft und bekam die Antwort ich sei zu negativ und anstrengend von einer Person. Habe ich da geweint und gesagt:"Ja, ich finde mich auch negativ und anstrengend, ich musss das die ganze Zeit aushalten, Olaf ist nämlich tot."
    Irgendwie war ich doch froh über die Ehrlichkeit, da weiß man ja, wo man dran ist.
    Insgesamt bekam ich auch den Spruch:Melde dich, wenn du was brauchst, was eine frisch verwitwete Person kaum kann in ihrem Zustand. Von selbst kam kaum eine Person. Ich habe gelernt zu fragen, gar nichts mehr erwarten mag ich nicht, denn wir sind soziale Wesen und sollten uns doch gegennseitig helfen in Not.
    Es sind welche "übrig" geblieben, Gott sei Dank, es sind aber wenige und in schweren Zeiten habe ich zu kämpfen, weil es kaum einer hören will, die Trauer, meinen Kummer, meine Überforderung.
    Als mir im Wald beim Spaziergang jemand folgte letzte Woche, als mich der Förster anschrie, als ein Reh vor mein Auto lief, da bräuchte ich viel Zuhören, Umarmen, Hilfe und ausgerechnet dann sind die wenigen Menschen gerade zu beschäftigt. Klar schaffe ich das, auch alleine, habe mich gut gewehrt, aber was kostet es mich denn für eine Kraft????? Dann glaube ich nicht mehr zu können und brauche eine helfende Hand.
    Allen wünsche ich einen hablbwegs erträglichen und vielleicht guten Tag.
    Marie-Luise

Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 08:24.

  Re: Reaktion von Freunden

    Liebe Molly,

    bei mir ist es nicht einmal so. Ich wirkte bislang positiv und taff - ich habe gut funktioniert, damit der Hausverkauf und der Umzug nicht in Chaos enden. Ich habe nicht vor Menschen geweint (kann ich nur in geschützten Räumen, z. B. beim Trauerwochenende letztlich, ansonsten trocknen meine Tränen sofort, wenn jemand um die Ecke kommt). Ich war ja auch so stark, nicht wahr...

    Und auf einmal melde ich den Freundinnen "Trauer!". Das verstehen sie wohl nicht. Nach 5 Monaten sollte ich wohl "durch" sein damit.
    Was auch immer sie denken, ist egal. Sie haben keinen Zugang dazu. All das fänd ich nicht schlimm und sogar verständlich. Was ich vermisse, ist ganz einfach das Bedürfnis, bei mir nachzufragen, was ich fühle und inwiefern die Freundinnen für mich etwas tun könnten.

    Aber okay, es ist so. Gestern war es schlimm, heute Morgen hatte ich einen dicken Kloß im Hals, und jetzt sage ich mir: Das werde ich auch noch überleben, und ich werde mich ab jetzt nur von Menschen umgeben, die mir nicht weh tun...

    Dir wünsche ich auch einen erträglichen Tag.

    LG
    Nanett







Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 08:17.

  Re: Reaktion von Freunden

    alles gut, liebe Delinat.

    Inzwischen finde ich mich damit ab, dass eben nur 2 Menschen nach dem Umzug mir seelische Unterstützung geben werden. Ich will auch nichts bewerten, niemandem böse sein, nicht ungerecht sein. Ich spüre einfach tief in mir drin, dass ich (wir alle hier auch) in einer anderen Welt bin als meine Freundinnen. Das kann ich ihnen nicht verübeln. Aber ich verstehe, dass es mir nicht gut tut und ich meine Welt, die Welt der Trauernden, stark brauche, um meiner Trauer, die bislang zu kurz kam (Umzugsvorbereitungen), Raum zu geben.
    Dann passen diese Freundinnen nicht hinein. Ob sie später hineinpassen werden in meine neue Welt, das wird sich zeigen...

    Ja, der Verlust des Partners weitet sich aus, es kommen einige andere Verluste dazu. Aber auch Neues, neue Freundschaften mit Menschen, die wissen, was Trauer bedeutet.

    LG
    Nanett

Beitrag von Beate17 (113 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 22:00.

  Re: Reaktion von Freunden

    Liebe Nanett,
    ich hab nicht so viel zu bewältigen, wo es echt toll ist wenn viele Hände helfen. Aber bei mir sind auch zwei Freundinnen übrig geblieben, die immer für mich da waren und sind. Alle Anderen die so freundlich für Alles ihre Hilfe angeboten hatten, habe auch ich nicht mehr gesehen, sogar wenn ich mich mit viel Mühe um einen Kontakt bemüht habe, kamen Absagen wegen eigener Probleme. Schade für uns, aber vielleicht können wir nach und nach und ganz langsam ein Umdenken in unserem Freundeskreis beim nächsten Todesfall angehen. Ich hoffe es jedenfalls.
    Alles Liebe
    Beate

Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Mittwoch, 15.November.2017, 22:12.

  Re: Reaktion von Freunden

    Liebe Beate17,
    ...oder uns auf die wenigen, echten konzentrieren.

    Und auf die neuen Freundschaften, die sich auftun...

    Ich begreife es so langsam, auch wenn ich es nicht gerne begreifen möchte...
    LG
    Nanett

Beitrag von conny2 (1304 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 10:22.

  Re: Reaktion von Freunden

    Liebe Nanett,

    was Du da gerade leistest, ist eigentlich zuviel. Du steckst noch in der Phase des größten Verlustschmerzes und organisierst schon das „Danach“ wie eine Weltmeisterin. Das geht oft nicht gut. Sei deshalb behutsam mit Dir selbst, aber auch mit Deinen Mitmenschen. Denn im Verlustschmerz ist der Blick der Trauernden auf die Mitmenschen besonders scharf.

    Die Trauerpsychologin Verena Kast schreibt in ihrem Vorwort zu dem Büchlein „Über die Trauer“ von Clive S. Lewis Folgendes:

    „Die Mitmenschen ertragen trauernde Menschen oft nicht gut. Sie erinnern sie daran, dass kein Leben vor dem Verlust gefeit ist. Außerdem lassen sie sich in der Regel nicht leicht trösten. Deshalb werden ihnen dann bald einmal Vorschriften gemacht, oder es wird ihnen aufgelistet, was sie eben machen müssten, damit es ihnen wieder besser ginge. Der Trauerprozess ist für den Menschen, der ihn durchsteht, ein einsamer Prozess. Trauernde machen es ihren Mitmenschen auch schwer: Sie gehen nicht auf sie zu, gelten oft auch als ansprüchlich – denn eigentlich möchten sie den verstorbenen Menschen zurückhaben –, und sie verlieren in der Regel auch das Verbindliche. Der Trauerprozess bringt es mit sich, dass sehr deutlich unterschieden wird zwischen dem existenziell Wesentlichen im Leben und dem Beiwerk. Auf das Beiwerk kann der Trauernde keine Rücksicht nehmen. So ist die Beziehung von beiden Seiten, von den Trauernden und von denen, die trösten wollen, erschwert.“

    So ist es wohl. Vielleicht hat der Tod unserer Liebsten ja sogar einen über unseren persönlichen Verlust hinausgehenden Trauerschmerz in uns ausgelöst, in dem wir noch schärfer erkennen als zuvor, was überall im Argen liegt - und was uns zusätzlich betrübt, weil wir sehen, dass es oft zu einer Zweiteilung der Welt kommt, wenn es um existenzielle Dinge geht. Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen (Ludwig Wittgenstein). Die Welt der Gesunden ist eine andere als die der Kranken; die Welt der Reichen eine andere als die der Armen usw. – und die Welt derjenigen, die ihre PartnerInnen noch haben, ist eine andere Welt als die Welt derjenigen, die sie verloren haben. Damit müssen wir leben solange wir trauern. Und eben dieses empfinden wir als Verstärkung unserer Trauer, gewissermaßen als Trauer in der Trauer.

    Ich sehe es so, dass wir als Trauernde einen Zugang in die Welt der nicht von Trauer um ihre PartnerInnen Betroffenen haben; sie dagegen haben nur eine kleine Luke in unsere Welt, die sie auch noch oft übersehen. Das ist der Unterschied. Ich weiß genau um die Oberflächlichkeit ihrer Gedanken: „Der kann den Tod seiner Frau nicht verwinden“ sagen sie, wenn ich nicht dabei bin, und was, von außen gesehen, nicht ganz falsch ist. Aber mir sagen sie das natürlich nicht ins Gesicht. Ihre Gespräche haben einen anderen Zungenschlag, je nachdem, ob ich dabei bin oder nicht. Wie soll ich ihnen da erklären, dass es nicht darum geht, ihren Tod zu „verwinden,“ sondern darum, über den Tod hinaus mit ihr zu sein?

    Manchmal scheint es mir, als wollten mich meine Mitmenschen mit ihren Worten in Watte packen, und dann trampeln sie wieder auf meinen Gefühlen herum wie die Elefanten in den Porzellanläden, gerne hinter meinem Rücken. Aber es ist, wie Bert Brecht bemerkte: „Die Menschen sind schlecht; wer könnte sie schelten?“ Oder vielleicht doch so, wie Heinrich Böll seinen Clown sagen ließ: „Ich liebe die, von deren Art ich bin, die Menschen.“

    LG, conny2


Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 10:35.

  Re: Reaktion von Freunden

    Lieber conny,

    du schreibst es so schön.
    Aber keine Angst, ich passe auf. Nach Peters Tod wollte ich aus vielen Gründen, die sich heute noch richtig anfühlen, das Haus verkaufen und wieder in die frühere gemeinsame Heimat zurück und habe daher nur gewühlt wie blöd und wie besessen. Es ging nicht anders, und ich hatte Kraft, weil Wut, und habe sie genutzt. Es war gut so.

    Nun geht mir so langsam die Kraft aus, die Trauer kommt durch, das ist gut so. Der Umzug wird nächste Woche erledigt sein, uff. Und dann kommt wirklich die Zeit, die ich ausschließlich mir und der Trauer widmen kann, will und auch muss (kommt von innen).

    Und was die Mitmenschen angeht und unseren Blick auf sie, das ist, wie es ist..

    LG
    Nanett



    *** editiert von Nanett am Donnerstag, 16.11.2017, 10:54 ***

Beitrag von spanisheye (33 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 15:26.

  Re: Reaktion von Freunden

    Liebe Nanett,
    auch wir hatten "viele Freunde". Nach einem halben Jahr änderte ich aus Enttäuschung mein whattsapp Profil in,
    "Freunde kommen und gehen, nur die wahren Freunde bleiben!"
    Geholfen hat es nicht. Es fühlte sich wohl niemand angesprochen.
    Liebe Grüße
    Heidi

Beitrag von Bina1980 (58 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 21:04.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Nanett

    Ich kann dich total verstehen.
    Freunde haben für einen da zu sein, vor allem wenn sie sich "Wahre Freunde" nennen. Es ist doch. iChat hUviel verlangt zu fragen, ob du Hilfe brauchst oder wie es dir im Moment geht. Gerade bei einem Umzug sollten alle auf der Matte stehen.

    Ich bin auch seid ein paar Wochen auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Diese Woche bin ich das erste Mal an meine Grenzen gestoßen, ich musste mich Montag von Morgens bis Abends übergeben. Dazu kommt dass ich seid Samstag nur 2-3 Std in der Nacht schlafe und einfach am Ende bin. Gestern habe ich meine kleine Maus schon heftig angemotzt, kenne ich überhaupt nicht von mir.

    Aber so wirklich interessiert das in meinem Freundeskreis auch niemand. Für alle ist der Alltag eingekehrt, dass kann ich ja verstehen. Hätte es einen Mann meiner Freundinnen erwischt, würde ich wenigstens mal anrufen und auch immer mal wieder vorbeifahren.
    In meinem Beruf habe ich schon viel Leid gesehen, deshalb weiß ich was es bedeutet. Vielleicht ticken wir alle hier auch anders.

    Ich bin auch sehr enttäuscht und zutiefst verletzt, auf der Beerdigung waren alle da, über 200 Leute, vieles davon Freunde und seid dem haben sich schon sehr viele nicht mehr gemeldet. Ist es zuviel verlangt? Ich finde nicht!

    Und ich denke wir sollten unsere Meinung vertreten und du solltest deiner lieben Freundin mal sagen, wie es dir damit geht. Ich habe mir fest vorgenommen, dass zu tun, wenn ich jemand treffe, möchte das nur persönlich tun.

    Ich wünsche dir viel Kraft für den Umzug, meiner steht mir noch irgendwann bevor...
    Hier ist es nicht leicht eine Wohnung zu finden, viele möchten keine Alleinerziehende.
    Was soll man dazu sagen, so ist der Mensch!

    Lg

Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 21:45.

  Re: Reaktion von Freunden

    Ja, Bina, so isses...So sind die Menschen. Ich war auch nicht fehlerfrei, habe auch Verfehlungen auf meinem Konto. Deshalb bin ich niemandem böse, aber ich möchte momentan nur Menschen um mich, die meinen Schmerz zumindest ahnen können...

    Ich drücke dir die Daumen für die Wohnungssuche. Auch nicht einfach mit Kind.

    Verdammt, das Leben kann so was von sch... sein. Soviel sinnloses Leid...

    Ich drücke dich
    Nanett

Beitrag von Shania2701 (15 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 21:18.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Nanett

    Es ist überall das gleiche, die ach so “guten Freunde“, sie verschwinden einfach, melden sich nicht mehr ( bin ja als Einzelpersonen nicht mehr für die Paarwelt passend), Hilfsangebote nur sehr sporadisch ( also sollen wir mal kommen), und überhaupt, Du kommst doch so gut klar (bin ja auch nicht sonderlich unterhaltsam), na ja, sie war ja immer schon schwierig...

    Was bleibt sind ein paar Freundinnen, auf die ist Verlass, den Rest kann man vergessen. Aber wie gesagt, das ist leider bei fast allen so.
    Wir müssen uns neu orientieren, das alte Leben ist weg und das neue noch nicht da.
    Liebe Grüsse, Shania

Beitrag von ErnaLu1961 (76 Beiträge) am Donnerstag, 16.November.2017, 22:36.

  Re: Reaktion von Freunden

    Ich habe 6 Monate nach dem Tod meines Mannes keine Freunde mehr...niemand da, als ich sie am nötigsten brauchte...
    Jetzt können sie mich alle mal...a.A.l.
    Neue Menschen, die ich jetzt kennenlerne,tun mir gut"es"
    All die anderen werde ich schnell vergessen...
    Und es gelingt...jeden Tag ein bisschen besser...warum also Zeit an Sie verschwenden...
    LG Belinda

Beitrag von Molly8 (333 Beiträge) am Freitag, 17.November.2017, 06:18.

  Re: Reaktion von Freunden

    Guten Morgen!
    Es sind viele interessante Aussagen dabei zu diesem Thema. Ich bin mal gespannt, wie sich das in ein zwei Jahren zeigt für mich.
    Was ich sehr nachdenkenswert finde ist die Aussage mit der Welt der Kranken und Gesunden, der Welt der Trauernden und Nichttrauernden. Habe gestern viel daüber nachgedacht.Ich war/bin in zwei Trauergruppen, ich fühle mich nicht mehr verbunden als mit anderen Menschen oder mehr vertanden. Es kommt auf den Menschen selbst an, finde ich, nicht nur auf die eigene Erfahrung, kann helfen, mus aber nicht und doch glaube ich fast, dass man gerne "unter sich" bleibt, bleibt spannend.
    Ansonsten tut mir das hier für alle leid, die ganz schön alleine da stehen , wenn sie Trost, Hilfe und Zuhören brauchen.
    Es hat nichts mit euch zu tun, die Welt ist so beschäftigt immer mit sich selbst...ich ich ich ich ich......
    Und doch, es gibt diese Lichtblicke, die Menschen, die genug Platz, Mut ,Stätke und Herz haben und wenn wir mal helfen können, werden wir es ja wohl tun.
    Ich habe auch Freunde, die mir gut tun, die aber wirklich mit Beruf, Familie und Freunden schon "ausgebucht" sind und nur manchmal da sein können, ist ja klar.
    LG
    Marie-Luise

Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Freitag, 17.November.2017, 09:27.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Marie-Luise,

    es gibt, glaube ich, schon eine Welt der Trauernden. Dort hat alles einen anderen Platz, eine andere Gewichtung. Dort ist alles schon langsamer, tiefer, sensibler.

    Aber klar, wie ich auch schon schrieb: Es gibt in der normalen Welt auch Menschen, die verstehen oder zumindest genügend Empathie haben, um ahnen zu können, wie es Trauernden gehen kann. Und zum Glück habe ich solche Freundinnen auch. Den anderen versuche ich das gerade, ein wenig zu vermitteln, aber ich höre jetzt auf, der Widerstand ist zu groß. Empathie kann man nicht aufzwingen. Die ist vorhanden im Herzen eines Menschen oder eben nicht..

    Wiederum (ich schreibe es gerne nochmals als "Schuldbekenntnis") verstehe ich durchaus, dass jeder sein Leben hat und oft ausgebucht ist. Für meine Umwelt trifft es bedingt zu, da die meisten meiner Freunde jetzt auch in Rente sind.

    Ich ich ich ich, wie du schreibst. Ja, ich war und bin auch so. Im Prinzip nicht verkehrt: Wenn ich gut zu mir bin und für mein Wohlergehen selbst sorge, brauche ich keine Hilfe von außen. Finde ich eigentlich total richtig.

    Aber bei uns Verwitweten ist es anders. Wir sind wirklich ein wenig schutzbedürftiger als vorher und können uns aufgrund des Schmerzes oft nicht mehr genügend selbst helfen.

    Nun ja, es ist, wie es ist. INzwischen finde ich das okay, wenn Freundschaften sterben, dafür aber neue dazukommen...Es ist der Lauf des Lebens. Ich alte Lebenshäsin (lach) müsste das eigentlich vorher schon gewusst haben.

    Na ja, und ich selbst habe auch hier und da auch andere Menschen im Stich gelassen. Aus Bequemlichkeit, aufgrund falscher Prioritäten (Berufstätigkeit immer vorschieben, kann bequem sein), etc...

    Es ist, wie es ist...

    Liebe Grüße
    Nanett

Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Freitag, 17.November.2017, 09:33.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo Belinda,

    ja, es ist bitter. Aber verbittern ist genauso doof... Du brauchst die, die dich im Stich lassen, nicht vergessen. Das war ein anderer Lebensabschnitt. Sie gehören nicht in den neuen.

    FReut mich zu hören, dass neue Freundschaften entstehen. Bei mir auch, und das ist erst einmal gut so...

    LG
    Nanett

    *** editiert von Nanett am Freitag, 17.11.2017, 09:37 ***

Beitrag von RehTse (157 Beiträge) am Freitag, 17.November.2017, 10:59.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo ihr Lieben,

    es stimmt mich durchaus nachdenklich, dass so viele von euch von zerbrechenden Freundschaften berichten. Ich habe das in dieser Form noch nicht erlebt und habe mich seit Eröffnung des Themas gefragt, warum. Und habe gemerkt: ich habe klare "Schubladen" für meine Freunde/Bekannte und entsprechend unterschiedliche Erwartungshaltungen.

    In der obersten, wichtigsten Schublade sind die engen Freunde. Bei denen ich mich immer melden kann, die da sind, zuhören, bei denen ich weinen und lachen kann, mit denen ich ganz normale Freizeitaktivitäten machen kann, aber mit denen ich auch besondere "Gedenktage" verbringen kann. Das ist eine Handvoll Menschen. Aber auch bei ihnen muss ich (seelische) Unterstützung manchmal "einfordern", eben weil sie nicht wissen, was ich gerade brauche. Aber wenn ich es tue, dann sind sie da. Ohne Wenn und Aber.

    Ich weiß aber auch, dass ich das nicht von jedem erwarten kann. Es gibt Leute, die sind damit überfordert. Mit 40 den Tod so ins Leben zu lassen, das kann und will nicht jeder. Das ist auch Okay. Wer bin ich, darüber zu urteilen? Trotzdem halte ich den Kontakt, denn mit diesen Menschen kann ich mich fürs Kino, auf ein Glas Wein oder zum Sport verabreden. Ich habe die Erwartung an ein paar nette Stunden und Ablenkung. Aber auf tiefschürfende Gespräche brauche ich hier nicht zu setzen - das würde diese Freunde eher verschrecken. Also lass ich sie in der "Freizeit-Schublade".

    Und dann gibt es noch die Schublade mit den "Alltagshelfern", meist Nachbarn. Die mir helfen, den Sperrmüll rauszutragen oder die Winterräder ins Auto zu wuchten. Nicht mehr, nicht weniger.

    Alle sind auf ihre Art und Weise wichtig. Je nachdem, was ich gerade brauche, steuere ich die Leute aus der passenden Schublade an. Das funktioniert tatsächlich ganz gut. Die guten, engen Freunde verheize ich nicht mit banaler Alltagshilfe, die "Ausgeh-Freunde" überfordere ich nicht mit tiefschürfenden und/oder traurigen Gedanken. Das schützt auch mich vor Enttäuschungen.

    Das funktioniert sicherlich nicht bei jedem und ganz sicher gibt es Leute, von denen man sich "mehr" erwartet hätte. Ich hoffe, ihr habt trotzdem alle immer einen "passenden" Menschen in der Nähe. Es müssen ja nicht viele sein, aber Hauptsache die richtigen.



Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Freitag, 17.November.2017, 12:31.

  Re: Reaktion von Freunden

    Liebe RehTse,

    die Schubladen habe ich auch.
    Von den 6-7 Freundinnen, die ich in die Schublade "echte Freundschaft" einordne, sind gerade mal 2, die den Hilfe-Reflex hatten und für mich jederzeit da sind, die Empathie zeigen, die ahnen können, wie es mir gehen könnte.

    Das ist das, was mich so fassungslos gemacht hat.
    Aber inzwischen habe ich es verdaut. Es ist, wie es ist. Ich weiß jetzt, sie wollen mich nicht trauernd, sie wollen mich nur fröhlich-zupackend. Und ich möchte sie jetzt nicht um mich haben.

    Die "Freizeit-Schublade" kann ich nutzen, wenn es mir danach ist.

    So gesehen werde ich jetzt einige Freundschaften von der "Enge-Freundschaft-Schublade" in die "Freizeit-Schublade" legen. Passt zu meinem Umzug: umräumen ! (JO, supergutes Symbol, danke für den Gedanken, RehTse!).
    Vielleicht passt es dann...

    Danke für deine Zeilen, RehTse, das hat mich weitergebracht.

    LG
    Nanett




Beitrag von everest (599 Beiträge) am Freitag, 17.November.2017, 12:59.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo RehTse,

    ich sehe es auch so!

    Der Begriff "Freunde" wird viel zu inflationär gebraucht und Deine "Unterteilung" entspricht auch meine Vorstellung!

    Beste Grüße
    everest

    PS: eine andere Frage wäre: Was könnten denn die eigenen Anteile sein, dass sich die "Freunde" distanzieren?

Beitrag von Nanett (144 Beiträge) am Freitag, 17.November.2017, 19:34.

  Re: Reaktion von Freunden

    Hallo everest,
    mit deinem PS hast du nicht Unrecht.
    Die Frage habe ich mir gestellt. Eine eindeutige Antwort habe ich nicht, was an mir gelegen haben kann. Ich will nicht ungerecht sein und denke: entweder haben die "Freunde" einen guten Grund, oder sie sind einfach gedankenlos und empathielos.

    Alles ist erlaubt.
    Bloß: Mir tun mir solche Menschen gerade nicht gut. Mich damit auseinandersetzen, was an mir gelegen haben könnte, weshalb sie sich zurückziehen, kann ich immer noch, wenn ich die Kraft dazu habe und feststelle, dass mir diese Menschen noch wichtig sind.

    LG
    Nanett

    *** editiert von Nanett am Freitag, 17.11.2017, 19:36 ***


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  Re: Loslassen- was heißt das ??   conny2 30.5.19, 10:29
  Re: Loslassen- was heißt das ??   everest 30.5.19, 16:49
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