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© 2001 - Robert Scheithe
Trauer


    Theorie -









    Einleitung
          1. Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens: Schock und Verleugnung
          2. Die Phase der aufbrechenden Gefühle
          3. Die Phase der langsamen Neuorientierung
          4. Neues inneres Gleichgewicht
    Schlusssatz
    1. Ziel des Trauerprozesses beim Kind
    2. Voraussetzungen für den Verlauf und Ausgang des Prozesses.
    3. Einfluss von Rahmenbedingungen auf den Trauerprozess.
    4. Entwicklung des Todeskonzeptes beim gesunden Kind.
    5. Ausdrucksformen von Trauer bei Kindern
    6. Begriffserklärungen
    Gutgemeinte Ratschläge und Meinungen
    Wie im Trance...
    ... nach über drei Jahren ...
    Bilanz ziehen
    Große Dankbarkeit
    Der letzte Kuss
    Die ersten Monate
    Der Alltag
    Ein Dorffriedhof
    Tod des Vaters
    Wenn der Stein dann steht...
    Ich habe einen Knoten in der Brust
    Ich kann nicht mehr hoffen
    Der Krebs hat nicht nur schlechte Seiten
    Mitten im Gespräch gestorben
    Das Geschehen
    Die Nachricht
    Die Beerdigung
    Erfahrung mit der Trauer
    Nach nun fast 4 Jahren
    1. Viel darüber reden
    2. Schmerz und Trauer zulassen
    3. Wenden Sie sich anderen Menschen zu - interessieren Sie sich für das Schicksal anderer Menschen.
    4. Analysieren Sie Ihr Leid, versuchen Sie die Ursachen zu ergründen.
    5. Betrachten Sie den neuen Lebensabschnitt auch als Chance für Ihre persönliche Entwicklung.

    § 20 Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen
    § 21 Unterstützung bei notwendiger Unterbringung zur Erfüllung der Schulpflicht
    § 22 Grundsätze der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen
    § 23 Tagespflege
    § 24 Ausgestaltung des Förderungsangebots in Tageseinrichtungen
    § 27 Hilfe zur Erziehung
    § 28 Erziehungsberatung
    § 31 Sozialpädagogische Familienhilfe
    § 32 Erziehung in einer Tagesgruppe
    Aus einem Brief an das Bundesministerium:
    Aus dem Antwortschreiben des Bundesjugendministeriums:
    Wer erhält Unterhaltsvorschuss?
    Wie hoch ist der Unterhaltsvorschuss?
    Wie lange wird der Unterhaltsvorschuss gezahlt?
    Kann Unterhaltsvorschussleistung auch rückwirkend gezahlt werden?
    Was musst du tun, um Unterhaltsvorschuss zu erhalten?
    Wie wird der Unterhaltsvorschuss gezahlt?
    Wie erfährst du von der Entscheidung?
    Was kannst du gegen eine Entscheidung tun?
    In welchen Fällen muss der Unterhaltsvorschuss zurückgezahlt werden?
    Was musst du beachten, wenn du Unterhaltsvorschuss beantragt hast?
    Wann wird der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss überprüft?
    Wie wirkt sich der Unterhaltsvorschuss auf die Sozialhilfe aus?
    Einleitung
    Mein Brief an das Jugendamt vom 27. April 1999
    Anhang zum Schreiben vom 27. April 1999
    Fortsetzung der tagebuchartigen Aufzeichnung (bis Januar 2002):
          Schreiben vom 02. Juli 1999 an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.
          Widerspruch zum Bescheid vom 08.01.2002
    Das geschah seit dem Bescheid vom 08.01.2002


    Einleitung
    Wer kann eine solche Kur machen bzw. beantragen?
    Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit eine Kurmaßnahme gewährt wird?
    Wie wird ein Kurantrag auf eine Mutter-Kind bzw. Vater-Kind-Kur gestellt?
    Wie lange wird eine solche Kur durchgeführt?
    Wie sieht es mit den Kosten einer Kur aus?
    Was muss ich als Berufstätige/r beachten?
    Welches Kurhaus ist das richtige?
    Wie oft kann ich eine Kur beantragen?
    Wo bekomme ich weitere Informationen bzw. Attestvordrucke etc.?
    Wo sind im Internet Informationen zum Thema Mutter-Kind bzw. Vater-Kind-Kur zu finden?
    Einleitung
    Erziehungsgeld
    Elternzeit
    Kindergeld
    Kindergeld (Besonderheiten bei Alleinerziehenden)
    Steuerliche Freibeträge für Kinder
    Kinderbetreuung und Haushaltshilfe
    Freistellung von der Arbeit zur Pflege kranker Kinder
    Unterhaltsvorschuss
    Haushaltsfreibetrag
    Sozialhilfe
    Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge und des Umgangsrechts
    Wenn Kinder dem Tod begegnen
    Kinder als Trauernde - der Prozess des Trauerns bei Kindern
          Schock
          Kontrollierte Phase
          Regression
          Adaption
    Todesvorstellungen in den einzelnen Altersgruppen
          Säuglinge von der Geburt bis zum 10. Monat
          Babys zwischen 10 Monaten und 2 Jahren
          Vorschulkinder 3 bis 6 Jahre
          Grundschulkinder 6 bis 9 Jahre
          Schulkinder 9 bis 12 Jahre
          Jugendliche
    Tod eines Bruders oder einer Schwester
    Kann es durch einen früh erfahrenen Tod zu einem Trauma kommen?
    Kinder bei der Beerdigung
    Trauer und ihre Überwindung in der Bibel entdecken
    Kinder in Ihrer Trauer begleiten
          Über den Tod sprechen
          Nähe geben
          Zeit geben
          Begleiten
          Gefühlsäußerungen erleichtern
          Raum für Spiele und kindgerechte Rituale geben
          Hoffnung über den Tod hinaus ermöglichen
          Medien und Hilfsmittel einsetzen
    Impressum
    Dezember 2002
    Februar 2003
    März 2003
    April 2003
    Juli 2003
    September 2003
    Der Autor
    Einleitung
    I. Patientenverfügung
    II. Vorsorgevollmacht
    Einleitung
    A. Keine Erbregelung
    B. Gemeinsames Testament
          1.) Wechselseitige Erbeinsetzung
          2.) Vor- und Nacherbfolge
    C. Testamentarische Anordnung für Sorgerecht und Vermögen
    D. Sonstige Anordnungen
    Übersicht
    Im Todesfall ist es unbedingt erforderlich, die folgenden Unterlagen beizubringen
    weitere Unterlagen
    Übersicht
    Übersicht
    Antrag zur Hinterbliebenenrente
    Zusatzversorgungskasse
    Nachlassgericht - Amtsgericht
    Sterbefallanzeige - Ortsgericht
    Finanzamt - Nachlass
    Bankangelegenheiten
    Krankenkasse und Versicherungsleistungen
    Bestattungsarten
    FriedWald
    Trauerredner
    Was ist passiert
    Die Zeit nach dem Tod
    Autor
    Vorwort
          Kontakt zum Trauernden
          Überwindung der Hilflosigkeit
          Erste Reaktionen auf die Todesnachricht
          Praktische Hilfe
          Zeit und Aufmerksamkeit
          Angebot zur Hilfe
          Entferntere Beziehung
          Hilfe am Arbeitsplatz
          Was tut nicht gut?
    Nachwort
    Dank
    die Fortsetzung
    Autor
    Onlineausgaben von Printmedien






    In diesem Bereich sollen alle Infos gebündelt werden, die verwitwete Mütter und Väter interessieren könnten.

    Hier findest du:

    • Erfahrungsberichte zu Ämtern und Behörden,
    • Infos zu Gesetzen,
    • Tipps zu verschiedenen Bereichen,
    • Termine rund um verwitwet.de und
    • Links zu anderen interessanten Seiten im Internet.

    Wenn du auch zum Bereich Wissenswertes beitragen möchtest, wende dich einfach an mich.

    Grüße
    Oliver ;-)


    Oliver




    Definition:

    Trauer ist das Bündel an emotionalen* und kognitiven* Reaktionen auf den Verlust eines geliebten Objektes, durch das die schmerzhaften Gefühle des Verlustes ausgedrückt werden. Diese emotionalen und kognitiven Reaktionen stellen gleichzeitig den Verarbeitungsprozess auf den Verlust dar.

    *emotional = auf Gefühle beruhend; kognitiv = auf Erkenntnis beruhend.



    Soweit die (oder eine) Definition von Trauer aus einem Lexikon. Aber was bedeutet eigentlich Trauer? Wie sieht Trauer aus? Wie drückt sie sich aus? Wie trauern Erwachsene? Wie trauern Kinder? Was erwartet die Umwelt von den Hinterbliebenen?

    Diese Fragen und mehr sind die Themen in diesem Bereich von verwitwet.de.

    Einerseits werden hier theoretische Grundlagen angesprochen und andererseits findet man hier Erfahrungsberichte von Betroffenen über Trauer von Erwachsenen und Kindern.

    Dieser Bereich ist in Theorie und Praxis getrennt. Innerhalb dieser Bereiche wird zwischen Erwachsenen und Kindern unterschieden.

    Gerade der Praxisbereich lebt von deinen Erfahrungen. Ich würde mich freuen, wenn du dazu beitragen könntest. Schick mir einfach eine Mail (siehe Impressum).

    Immer mehr Communitymitglieder nutzen mit der Gestaltung einer eigenen in memoriam-Seite für ihren verstorbenen Partner eine weitere Möglichkeit der Trauerarbeit. Sieh dir die Ergebnisse mal an. Vielleicht möchtest du auch mal eine solche Seite gestalten.

    Oliver ;-)

    Oliver




    Theorie

    Für die Trauer von Erwachsenen hat mir Frau Dr. Wolf erlaubt, aus ihrem Buch Einen geliebten Menschen verlieren - Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer (erschienen im PAL Verlag) einige Passagen für diesen Bereich zu zitieren.

    Dabei freue ich mich, dass ich auf ihre Fachkompetenz als Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin zurückgreifen kann.

    Für den Bereich Trauer von Kindern hat mir Reimer Bierhals sehr geholfen. Er hat mir dafür sein Redemanuskript zu einem Referat mit dem Thema "Trauern mit Kindern" an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zur Verfügung gestellt.

    Reimer hat Mitte 1998 seine Lebensgefährtin bei einem Autounfall verloren. Die gemeinsame Tochter Nele war zu dem Zeitpunkt etwa 2 Jahre alt.

    Wenn du auch einen Beitrag zu dieser Rubrik beitragen möchtest, würde ich mich sehr freuen.

    Oliver ;-)



    Oliver




    Praxis



    Es ist Donnerstag. Ich bin - wie jeden Tag - bei meiner Frau, die seit Sonntag im Koma auf der Intensivstation eines Bonner Krankenhauses liegt. Ihr körperlicher Zustand hat sich verbessert. Das Fieber ist gesunken; sie sieht wunderschön aus. Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Krankengymnastin, die sich zukünftig um meine Frau kümmern soll. Ich habe die Lieblingsmusik meiner Frau mitgebracht und streichele ihre Hand. Der Oberarzt ruft mich in sein Zimmer.

    Ein Neurologe hat am Vorabend den Hirntod bei meiner Frau festgestellt...



    An dieser Stelle möchte ich gerne Erfahrungsberichte sammeln und veröffentlichen. Ich wäre euch daher sehr dankbar, wenn Ihr mir eure Erfahrungen mitteilen würdet.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Berichte anderer, über deren Trauererlebnisse, sehr hilfreich für die eigene Trauer sind. Man kann die eigenen Gefühle, das Verhalten der Kinder oder der Umwelt mit den eigenen Erfahrungen vergleichen. Dabei läßt sich dann häufig feststellen, was normal oder nicht mehr normal ist.

    Grüße
    Oliver ;-)


    Oliver


    Einleitung

    Phasen der Trauerverarbeitung


    Das Leben
    eines lieben Menschen
    ist zu Ende.
    Es erscheint Ihnen,
    als ob damit auch Ihr Leben
    zu Ende gegangen sei.
    Das Leben mit ihm ist zu Ende,
    doch Ihr Leben geht weiter.


    Sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden, ist ein langsamer und lang andauernder Prozess, der nicht mit dem Begräbnis endet. Wir benötigen Zeit, bis wir die Trauer überwinden und die Endgültigkeit der Trennung akzeptieren können. Die Trauer ist nicht vergleichbar mit einer Krankheit, einer Grippe, bei der wir nur ein paar Medikamente nehmen und uns ausreichend Ruhe gönnen müssen. Die Trauer ist aktive Arbeit, die wir in Angriff nehmen müssen. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen zu lernen, den Verlust anzunehmen. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen, uns von dem geliebten Menschen zu verabschieden. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen, Gewohnheiten, die wir mit dem geliebten Partner verbanden, aufzulösen. Niemand kann uns die Arbeit abnehmen, neue Gewohnheiten zu entwickeln. Der Trauer können wir nicht entgehen, indem wir gegen sie ankämpfen, sie in Drogen und Alkohol ersticken, sie zu vermeiden versuchen, oder abzuwarten, bis die Zeit sie heilt. Wenn wir gesund aus diesem Lebensabschnitt hervorgehen möchten, können wir die Trauer nur durchleben. Wenn wir sie zulassen und durchleben, werden wir sie überwinden.

    Der Verlust eines Menschen konfrontiert uns mit Gefühlen, die wir uns vielleicht niemals zuvor zu fühlen imstande gesehen haben; Gefühle, von denen wir nicht wissen, woher sie kommen, geschweige denn, wie wir mit ihnen umgehen sollen.

    Es liegt in unserer menschlichen Natur, dass wir das betrauern, was uns wichtig ist und was wir nicht mehr haben können. Wir haben keine Möglichkeit, etwas, was für uns von großer Bedeutung ist, loszulassen, ohne es nicht auch zu betrauern. Die Trauer teilt uns mit, dass sich etwas geändert hat in unserer Umgebung. Sie ist ein Warnsignal unseres Körpers und unserer Seele. Jeder Mensch hat seine eigene Zeit und seine eigene Art, wie er trauert. Bei jedem Ereignis, ob es Trennung, Umzug, Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust der Gesundheit durch eine chronische Erkrankung, einen Unfall, Verlust der Jugend oder der Verlust eines Partners durch Tod ist, reagieren Körper und Seele. Sie geraten aus dem Gleichgewicht. Die Reaktionen unterscheiden sich darin, wie lange es bis zu einem neuen Gleichgewicht dauert und wie intensiv die Reaktionen selbst sind. Die Trauer über den Verlust eines Partners kann mehrere Jahre dauern. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten in dem, was wir erleben. Ich möchte Ihnen kurz die verschiedenen Phasen vorstellen, die wir auf dem Weg von der Trauer bis zu einem neuen Gleichgewicht durchlaufen ‑ auch wenn Ihnen im Augenblick der Kopf nicht so sehr nach theoretischen Ausführungen steht. Sie können Ihre Gefühle dann besser verstehen und haben weniger Angst vor Ihren Reaktionen und Verhaltensweisen. Sie kommen sich dann nicht so unfähig vor und haben nicht mehr den Eindruck, "verrückt" zu werden.


    Der Tod ist demokratisch. Er kommt zu jedem.
    Er ist ein unausweichlicher Teil unseres Lebens –
    auch wenn er uns unfair erscheint.


    Oliver


    1. Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens: Schock und Verleugnung

    Diese Phase kann von einigen Stunden bis zu Monaten andauern. Der Betroffene hat die Nachricht des Todes erhalten, kann sie aber gefühlsmäßig noch nicht nachvollziehen. Er ist wie erstarrt, im Schock oder reagiert mit einem Gefühlsausbruch. Er macht Äußerungen wie "Ich kann es immer noch nicht glauben, dass er nicht mehr wiederkommt“.

    Oliver


    2. Die Phase der aufbrechenden Gefühle

    In ihr wechseln sich Gefühle der tiefen Verzweiflung, der Angst und Hilflosigkeit, der Einsamkeit, der Schuld, aber auch der Wut auf sich und den verstorbenen Partner ab. Gleichzeitig geht diese Phase einher mit massiven körperlichen Begleiterscheinungen: mit Appetitverlust oder Fressanfällen, Durchfällen, Verstopfung, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit, Merkfähigkeits‑ und Konzentrationsstörungen. Diese Phase kann zwei Jahre anhalten, manchmal sogar länger, bis der Betroffene den Tod akzeptieren lernt.
    Oliver


    3. Die Phase der langsamen Neuorientierung

    In ihr findet sich der Trauernde langsam mit dem Verlust des Verstorbenen ab. Er nimmt alte Aktivitäten wieder auf oder beginnt, seinen Blick auf neue Aktivitäten zu lenken. Er denkt an die schönen, wie auch enttäuschenden Erfahrungen mit dem verstorbenen Partner und empfindet keinen starken Schmerz mehr. Er entwickelt ein neues Selbstwertgefühl.
    Oliver


    4. Neues inneres Gleichgewicht

    Der Mensch empfindet ein neues seelisches und körperliches Gleichgewicht. Er denkt dankbar, vielleicht auch ein klein wenig traurig an die gemeinsame Vergangenheit mit dem verstorbenen Partner und hat sich ein neues Leben ohne den verstorbenen Partner aufgebaut. Er hat einen neuen Sinn im Leben gefunden. Er hat eine positive Einstellung zu sich, seinen Fähigkeiten und der Zukunft entwickelt.
    Oliver


    Schlusssatz

    Die einzelnen Trauerphasen können sich überlappen, zusammenfallen und sich miteinander vermischen oder in einer anderen Reihenfolge, als hier beschrieben, verlaufen. Jeder muss jedoch diese einzelnen Phasen durchleben, wenn seine Wunde heilen soll und er sich einen neuen Lebenssinn aufbauen will.

    Die Phasen der Trauerverarbeitung verlaufen nicht kontinuierlich. Es wird Fortschritte und Rückschritte geben. Nach dem Aufbrechen der Gefühle wird es täglich Schwankungen zwischen den verschiedenen Gefühlen geben. In der Phase 3 wird es manchmal z.B. an besonderen Tagen wie dem Todestag, Weihnachten, Geburtstag, Hochzeitstag etc. Rückfälle in die Phase 2 geben. Doch sie werden vorübergehen.


    Aus
    Einen geliebten Menschen verlieren - Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer
    von Doris Wolf
    erschienen im PAL Verlagsgesellschaft mbH Mannheim 1991
    Oliver


    1. Ziel des Trauerprozesses beim Kind


    • Andenken an den verstorbenen Elternteil bewahren.
    • Bindung an den verlorenen Elternteil soweit lösen, dass neue Beziehungen eingegangen werden können.
    Oliver


    2. Voraussetzungen für den Verlauf und Ausgang des Prozesses.


    • Personenpermanenz, d.h. das Kind muss über eigene Vorstellungsbilder von der verstorbenen Person verfügen (Piaget, 1975) .
    • Todeskonzepte der Kinder beeinflussen ihre Auseinandersetzung.
    Oliver


    3. Einfluss von Rahmenbedingungen auf den Trauerprozess.


    • Ursache und Umstände des Verlustes sowie Informationen und Erklärungen darüber von den Erwachsenen.
    • Die Beziehungen innerhalb der Familie nach dem Verlust.
    • Die Beziehungsmuster zwischen Eltern und Kind vor dem Verlust (Bowlby 1983).
    • Subjektive Gewissheit des Kindes in Stabilität der verbleibenden Beziehungen (Sicherheit).
    • Kommunikation über den Tod in der Familie zur Korrektur kognitiver Fehldeutungen sowie gemeinsame Gefühle erleben zu können (Furmann 1977).
    • Art und Güte der Anpassung des überlebenden Elternteils an den Verlust ist für Adaption des Kindes von großer Bedeutung (Hildgard 1960, Hurme 1981).
    • Reaktion der sozialen Umgebung.
    • Konstanz der sozialen und räumlichen Umgebung.
    • Beibehaltung der Alltagsroutine.
    • Geschlecht des Elternteils des Kindes.
    Oliver


    4. Entwicklung des Todeskonzeptes beim gesunden Kind.

    (Wintsch 1996 bis 3 Jahre; Wittkowski 1990 ab 3 Jahre)

    9 Monate bis 1 Jahr:

    • Unterscheidung von belebten und unbelebten Objekten.
    • Noch in dieser Zeit erfährt das Kleinkind einen Verlust ausschließlich durch die traurige Stimmung und Gefühle der Eltern.

    1 bis 2 1/2 Jahre:


    • Beobachtung von belebt und unbelebt wird ausgedehnt und differenziert.

    2 1/2 bis 3 Jahre:


    • Negativ-Definition von Leben: Tod ist "nicht-leben".
    • Die Endgültigkeit wird nicht erfasst.
    • Rollenspiele, z.B. von Verkehrsunfällen, wie "Du bist jetzt schnell tot und nachher gleich wieder lebendig" sind häufig.

    Falls Verluste von engen Bezugspersonen erlebt werden, werden auch von unter 3jährigen klare Vorstellungen von der Endgültigkeit und Irreversibilität beobachtet.

    3 bis 5 Jahre:


    • Universalität und Unvermeidlichkeit des Todes noch nicht realisiert.
    • Glaube, den Tod durch bestimmte Verhaltensweisen (Verstecken) vermeiden zu können (magische Phase).
    • Meist Verständnis, dass einige Menschen (Alte) sterben müssen, aber Vorstellung, dass bestimmte Menschen (Eltern/Lehrer) nicht vom Tod betroffen sind.
    • Tod wird noch als vorübergehender Zustand (Schlaf oder Reise) angesehen.
    • Statt Nonfunktionalität herrscht Meinung: Todsein bestehe in einem reduzierten Leben = Graduelle abgestuftes Lebendigsein.
    • Äußere Gewalteinwirkung als Todesursache erkannt, innerorganische aber noch nicht.

    6 bis 8 Jahre:


    • Mindestens ein partielles Verständnis der konstituierenden Komponenten des reifen Todeskonzeptes wird erworben. Anscheinend werden Subkonzepte Universalität, Irreversibilität, Nonfunktionalität und Kausalität innerhalb dieser Zeitspanne verstanden.

    Ab 9 Jahren:


    • Reifes Todeskonzept. Das Kind kann logisch und biologisch zutreffende Kennzeichnungen der einzelnen Subkonzepte des Todeskonzeptes geben.
    Oliver


    5. Ausdrucksformen von Trauer bei Kindern


    • Kinder sind Gefühlen hilflos ausgeliefert (können sie nicht benennen), versuchen alles, was sie verunsichert, zu verdrängen
    • haben den Wunsch, möglichst normal zu sein
    • was sie fühlen, zeigen sie meist im Tun z. B. im Spielen, Zeichnen, Selbstgesprächen, körperlichen Reaktionen (Appetitlosigkeit, unruhiger Schlaf, plötzliche Aggressivität, oder Zurückziehen ins Schneckenhaus)
    • brauchen übliche Aktivitäten wie Spiele, Sport, Unterhaltung
    • reagieren oft mit Wut auf Verluste, zum Teil mit ungerichteter Aggression, aber auch mit direkten Vorwürfen an die Eltern oder den überlebenden Elternteil
    • sind verletzlich (Schutz vor Spott und Auslachen)
    • trauern sprunghaft, fragen direkt, sind in paar Minuten schon wieder vergnügen
    • wollen viel wissen, über den Unfall, die Krankheit, die Umstände, was passiert mit dem Toten
    • haben oft Wiedervereinigungswünsche (decken z. B. Tisch für Verstorbenen)
    • idealisieren den verstorbenen Elternteil während best. Phasen
    • leben unmittelbar, d.h., sie wollen traurig sein in Momenten, in denen sie wollen
    • nehmen manchmal intensiv Kontakte zu Tieren auf (verfügbarer als Menschen)
    • führen keine langen Gespräche. Aber brauchen Angebote dazu
    • sind ungern Außenseiter. Verständnis ja, Samthandschuhe nein!
    • reagieren nach einem Todesfall (insbes. eines Elternteils) häufig mit Trennungsängsten
    Oliver


    6. Begriffserklärungen

    Definition Todeskonzept nach Wittkowski (1990):

    Das Todeskonzept bezeichnet die Gesamtheit aller kognitiven Bewusstseinsinhalte (Begriffe, Vorstellungen, Bilder), die einem Kind oder einem Erwachsenen zur Beschreibung und Erklärung des Todes zur Verfügung stehen.

    Das Todeskonzept beinhaltet eine kognitive Komponente, an der primär Wahrnehmung und Denken beteiligt sind, sowie eine emotionale Komponente, welche die mit einzelnen kognitiven Inhalten des Todeskonzeptes verbundenen Gefühle abdeckt.


    Adaption (Adaptation) = Anpassungsvermögen an die Umwelt

    Universalität = Einsicht, dass alle Lebewesen sterben müssen.

    Nonfunktionalität = Erkenntnis, dass alle lebensnotwendigen Körperfunktionen mit dem Eintritt des Todes aufhören.

    Irreversibilität = Unumkehrbarkeit des einmal eingetretenen Todes.

    Kausalität = Todesursache sind physikalischer und biologischer Art.
    Oliver


    Gutgemeinte Ratschläge und Meinungen

    In der ersten Zeit empfand ich die gutgemeinten "Ratschläge" und "Meinungen" eher als belastend, und habe mich ein wenig zurück gezogen. Niemand konnte so richtig nachvollziehen, was wirklich in mir vorging.
    Mit einigen wenigen Familienmitgliedern und Freunden habe ich ganz offene tiefergehende Gespräche über das Leben, den Tod, dem Leben nach dem Tod geführt.
    Hierzu ist es natürlich notwendig, dass man selbst eine gewisse Meinung / Vorstellung von den Themen hat. Hinzu kommt auch, dass man hier an verschiedene Grenzbereiche stößt, mit dem der eine mehr, der andere weniger anfangen oder umgehen kann.
    Mir persönlich haben diese Gespräche sehr viel gebracht, da ich mich in der Meinung des Sinns des Lebens bestätigt fühlte.
    Die Personen, die daran glauben, dass mit dem Tod eben nicht alles vorbei ist, waren, wie auch ich, besser in der Lage, mit dem plötzlichen Tod meiner Frau umzugehen, als diejenigen, für die das Leben einmalig ist. Für diesen Personenkreis war es dann doch schockierend, auf einmal mit dem Tod konfrontiert zu werden. Die "gesellschaftlichen Regeln", wonach ja eher die alten Leute sterben, als die jungen, wurden aus den Angeln gehoben. Damit hatte dieser Personenkreis ein Problem.
    Dem anderen Umfeld (Bekannte, Nachbarn oder Arbeitskollegen) habe ich mich zumindest nicht verschlossen. Ich spürte, dass diese Leute zunächst nicht wussten, wie sie mir auf Grund des Schicksalsschlages gegenüber auftreten sollten.

    Verfasser ist mir bekannt, möchte aber anonym bleiben.
    Oliver


    Wie im Trance...

    Die Beerdigung habe ich damals wie in Trance erlebt. Ich hatte für Notfälle- auch schon während der Krankheitszeit meines Mannes - ein stärkeres Beruhigungsmittel, das ich an diesem Morgen einnahm. Irgendwie zog alles wie ein (Alp-) Traum an mir vorbei, doch ich habe funktioniert. Und ich musste für die Kinder stark sein, die ja auch dabei waren. Vielleicht hätte ich es aus diesem Grund auch ohne Medikament geschafft, aber ich hatte Angst vor einem Zusammenbruch, weil ich mich am Ende meiner Kräfte fühlte.

    Die Trauerhalle war voll mit Menschen, die mir zum größten Teil nur schemenhaft in Erinnerung sind. Was ich sehr bewusst wahrnahm, war das laute Schluchzen um mich herum, das von allen Seiten kam - nur ich konnte nicht weinen, fühlte mich irgendwie ganz starr, mein Gesicht war wie eine harte Maske. Meine größere Tochter legte ein Abschiedsbild auf den Sarg, als wir nach vorne gingen. Weil es eine Urnenbestattung war, entschied ich mich spontan dazu, den Raum selbst zu verlassen, weil der Sarg stehen blieb - und handelte auch so, selbst wenn es unüblich war (was ich nicht wahrnahm, jedoch sehr wohl andere Leute, die mich hinterher darauf ansprachen).

    Weil mein Mann sich diese Art der Bestattung gewünscht hatte, die mir - genauso wie jede andere auch - fremd war , musste ich ca. drei Wochen später noch einen schweren Gang machen - bis zur Urnenbeisetzung (bzw. vorher Einäscherung) blieb der Sarg aufgebahrt, aber ich entschied mich dazu, nicht noch einmal hinzugehen. Die Zeit zwischendurch war für mich schlimm, weil ich wusste, dass noch etwas kam.

    Diesen zweiten Tag erlebte ich ganz bewusst (ohne Hilfsmittel). Es waren nur ganz wenige Menschen da - die engsten Angehörigen. Für mich war es ein Schock festzustellen, das vom Körper eines Menschen so wenig übrigbleiben kann! Es war alles so fremd. Meine Kinder habe ich nicht mitgenommen, weil meine ältere Tochter es nicht wollte. Irgendwie habe ich auch diesen Morgen geschafft.

    Als ich nachmittags mit meiner Tochter zu dem kleinen Urnengrab ging, fand ich es zuerst nicht wieder auf dem großen Friedhof. Ich war schon ganz verzweifelt, weil wir regelrecht durch die Gegend irrten. Als wir es gefunden hatten, äußerte meine "Große" zum erstenmal abwehrende Gedanken: "Es muss dem Papa doch ganz weh getan haben, als er verbrannt wurde" - und das, obwohl ich mit ihr öfter über das Sterben, die leibliche Hülle und all das gesprochen hatte. An diesen Punkt hatte ich einfach nicht gedacht, und wäre auch damals damit überfordert gewesen.

    An den folgenden Tagen sprach sie immer wieder davon und ich merkte, dass auch sie starke Probleme mit dem Urnengrab hatte. Schließlich rief ich bei einer Frau an, die bei der Hospizbewegung arbeitet, und die mir vorher schon in zwei Gesprächen geholfen hatte. Sie gab mir den Rat, selbst erst mal etwas Positives an dieser Art von Grab zu suchen. Ich kam auf die Idee, die ich auch jetzt noch befürworte, dass nichts mehr dem Leib etwas anhaben kann, wenn er zu Asche geworden ist - weder Kälte, Hitze, Regen noch sonst irgendetwas. Die Asche ist in der Urne geschützt (natürlich ist es bei einem Sarg nicht anders, aber mir fiel das eben dazu ein). Und diese Gedanken vermittelte ich meiner Tochter, die seitdem besser damit zurechtkam. Um das kleine Grab vor allem für die Kinder als lebhafte und persönliche Erinnerung zu gestalten, ließ ich einige Zeit später auf dem Grabstein ein ovales Bild meines Mannes anbringen (was ja besonders in südlichen Ländern verbreitet, hier allerdings relativ selten zu sehen ist).

    Verfasser ist mir bekannt, möchte aber anonym bleiben.
    Oliver


    ... nach über drei Jahren ...

    Heute habe ich - nach über drei (!) Jahren - wieder einen Schritt in Richtung Verarbeitung gemacht, obwohl ich zwischenzeitlich dachte, ich hätte es "geschafft". Aber es war in dieser Zeit immer so, dass ich Tage oder Phasen hatte, bei denen ich dachte, es "gepackt", "verarbeitet" oder was auch immer zu haben - und dann - urplötzlich war sie wieder da - die Trauer.
    Heute will ich über die Dinge schreiben, die ich aus meinem Leben geräumt habe (wie z. B. heute ganz bewusst!!!), wobei wohl jeder nach seinem Gefühl völlig anders handelt. So habe ich z. B. - vorwiegend schon öfter von älteren Menschen gehört - dass sie die Kleidungsstücke des verstorbenen Partners oder andere Gegenstände genauso ließen, wie sie waren, und das über Jahre.

    Bei mir war es so, dass ich ein paar Tage nach dem Tod meines Mannes alles zusammenpacken musste (!), weil ich es anders nicht ertragen hätte, täglich in den Kleiderschrank zu sehen. Bei anderen Dingen war es so, dass ich länger dafür gebraucht habe, z. T. bis heute, weil sie mich einerseits lähmten, ich es andererseits nicht fertig brachte, irgendetwas davon zu ändern oder wegzugeben. Manchmal dachte ich, es sei wie Verrat, bestimmte Dinge, die nur ihn interessiert haben, auszusortieren. Irgendwann habe ich immer wieder kleine Schritte gemacht. Der größte Schritt war der Umzug in eine andere Wohnung am selben Ort, bei dem einfach eine Veränderung fällig war. Er hat zwar sehr viel Kraft gekostet, und ich war hinterher einige Tage lang richtig krank, aber insgesamt war es doch besser so, finde ich jetzt.

    Ich glaube, dass darin jeder einen eigenen Prozess durchmacht und dass es keine allgemeingültigen Ratschläge gibt.

    Wichtig ist auf jeden Fall - meiner Meinung nach - dass man dieses Verhalten einfach nicht bewerten kann, ob es "gut" oder "schlecht" ist.

    Verfasser ist mir bekannt, möchte aber anonym bleiben.
    Oliver


    Bilanz ziehen

    Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass ich immer wieder "Bilanz ziehe", wie die Vergangenheit eigentlich war, und dabei habe ich völlig verschiedene Phasen durchgemacht. Es gab bisher alles, von einem völligen "Heiligenbild" am Anfang mit der Verleugnung negativer Wesenszüge des Verstorbenen, über die Erkenntnis, dass es eine völlig "normale" Ehe war, bis hin zur Hinterfragung der ganzen Beziehung in ihren problematischen Aspekten.
    Man hat keine Gelegenheit mehr, irgendetwas direkt mit dem Partner zu besprechen oder zu kritisieren.

    In der aller ersten Phase konnte ich nur bis in die Krankheitszeit zurückdenken, die ja länger dauerte, wobei ich mir wünschte, es könnte anders sein. Erst nach und nach kamen Erinnerungen an die Zeit "davor" zurück, manchmal wie Mosaiksteinchen, die kein Bild ergeben wollten. Es gab keine Gesamterinnerung, sondern immer wieder nur Bruchstücke, die auf einmal da waren - auch ohne "Abruf" - manchmal bei bestimmten Erlebnissen, Sätzen, die ich hörte, Musikstücken usw. Jeder, der eine längere Ehe oder Beziehung geführt hat, weiß, wie schwierig es auch manchmal sein kann, und gerade das sind die Dinge, an denen man länger zu "knacken" hat als an den einfachen, glücklichen Momenten.
    Hinzu kommen Kommentare anderer Menschen, die ihn kannten, und die ihn in ganz anderen Zusammenhängen erlebt haben - ob es die eigenen Kinder sind, Arbeitskollegen oder z. B. Verwandtschaft - jeder hat andere Aspekte erfahren.
    Und das alles ist unwiderruflich, endgültig, unabänderlich. Darin sehe ich den großen Unterschied zu getrennt lebenden Paaren, die wissen, dass irgendwo noch jemand ist, den sie anrufen/sprechen/hören/provozieren/was auch immer können.
    Aber der Tod rückt alles in ein anderes Licht.

    Verfasser ist mir bekannt, möchte aber anonym bleiben.
    Oliver


    Große Dankbarkeit

    Da der Tod meiner Frau plötzlich und unerwartet und in meinen Augen brutal kam, habe ich versucht einen Weg zu finden, der die Trennung "langsam" und "einfühlsamer" vollzieht.
    So habe ich in unserer Wohnung alles so gelassen, wie es war. Viele Leute brauchen eine Veränderung - bei mir war es genau anders. Diese bekannte, gewohnte Umgebung hat mir einen Großteil an Sicherheit gegeben. Ich habe eine Bildersammlung zusammengestellt, die meine Frau oder uns zusammen während unserer gemeinsamen Zeit zeigt.
    Dazu stellte ich eine Kerze und eine Blume. Jeden Tag habe ich für sie gebetet und "zu ihr gesprochen". Viel Zeit habe ich auch an ihrem Grab verbracht. Ich brauchte einfach etwas "greifbares" um mit der Situation fertig zu werden.
    In tiefen, einfühlsamen Gedanken habe ich unsere gemeinsame Zeit Revue passieren lassen. Das war bestimmt nicht einfach und tut oftmals auch sehr weh. Aber ich habe mich der Situation gestellt und heute denke ich, dass es für mich persönlich der richtige Weg war.
    Durch diese Gedanken und der Art der Verarbeitung des Geschehenen glaube ich zu verstehen, warum sich in der Vergangenheit gewisse Dinge ereignet oder eben nicht ereignet haben. Eine endgültige Bestätigung bekommt man natürlich nicht, aber vielleicht dafür ein Gefühl, dass einem hilft, das Schicksal ein wenig besser annehmen zu können.

    Es sind zwar erst ca. 10 Monate seit dem Tod vergangen und doch ist es eine lange Zeit des Verarbeitens, was letztendlich dazu geführt hat, dass die Trauer mehr und mehr einer großen Dankbarkeit gewichen ist. Dankbarkeit dafür, einen (kleinen) Teil seines Lebens mit einem wunderbaren Menschen verbracht zu haben. In unserer gemeinsamen Zeit gab es nichts was nicht ausgesprochen wurde. Somit hoffe ich, dass auch das ein wichtiger Punkt ist, der dazu beiträgt, ein Lebenskapital irgendwann einmal beruhigt schließen zu können.

    Verfasser ist mir bekannt, möchte aber anonym bleiben.
    Oliver


    Der letzte Kuss

    Meine (damals siebenjährige) Tochter war anfangs blass und weinerlich, und ich hatte das Gefühl, dass sie mit irgendetwas nicht fertig wurde. Zunächst hielt ich sie einfach öfter umarmt, ohne viele Fragen zu stellen. Irgendwann fragte ich dann ganz vorsichtig, was mit ihr los sei. Sie erzählte mir dann, dass sie traurig sei, weil sie ihrem Vater kein Küsschen mehr geben konnte. Sie war dabei, als er starb, klammerte sich danach aber an mich und wollte - wahrscheinlich doch im Schock - Schokolade und bei den Nachbarn spielen - einfach raus aus der Situation und weitermachen.

    Als ich vorher meinem verstorbenen Mann ein Küsschen auf die Wange gab, konnte sie es einfach nicht, was ich auch nicht verlangte und worüber ich nicht weiter nachdachte. Aber ihr machte später dieser Punkt zu schaffen, weil sie es wohl doch gern getan hätte, obwohl sie während der Krankheit sehr viel und auch lustig mit ihm zusammen war. Es stimmte mich traurig, dass mein Kind so belastet reagierte und ich wollte ihr helfen. Zwei Tage später hatte ich eine Idee - etwas, womit sie handeln konnte!

    Ich ließ sie ihren Wunsch bzw. ihr Problem als Brief formulieren. In einer feierlichen Handlung verbrannten wir dann das Ganze, und ich sagte ihr, dass es so wahrscheinlich als Gedanke bei ihm ankommen würde. Die Asche brachten wir ebenso feierlich zum Friedhof und ließen sie tief in der Erde verschwinden. Seit diesem Zeitpunkt war sie wieder gelöst und befreit von diesem vermeintlichen Problem.

    Dieser Erfahrungsbericht wurde mir mit der Bitte zugesandt, ihn anonym zu veröffentlichen.
    Oliver


    Die ersten Monate

    Mein Sohn hat sehr lange bebraucht, um den Verlust seines Vaters zu überwinden und er hat auch heute noch Schwierigkeiten, wenn er andere Kinder mit ihrem Vater spielen sieht.

    Fangen wir aber beim Tag X an. Es war furchtbar, diese Nachricht irgendwie kindgerecht zu verpacken. Was danach folgte habe ich sehr lange verdrängt. Tony weinte und schrie, selbst stärkste Medikamente brachten ihn nicht zur Ruhe. Seine Körpertemperatur ging bedrohlich nach unten, sein Lebenswille war gebrochen. Er wollte sterben um bei seinem Vater sein zu können. Mit seinen 6 Jahren suchte er ständig nach Messern, alle Fenster mussten verriegelt werden. Diese Phase hielt ca.1 Woche an.

    Mir kam dann der Gedanke, ihn ein Päckchen für seinen Vater packen zu lassen. In diesem Moment war Tony sehr froh darüber, etwas tun zu können. Er packte all die Sachen ein, die er seinem Vater ins Grab mitgeben wollte. Am Tag der Beerdigung nahm er dieses Päckchen mit zum Friedhof. Die Bestatter reagierten ganz toll und befestigten es mit Klebeband auf dem Sarg.

    Einige Tage später ging Tony wieder in die Schule. Ich weiß bis heute noch nicht, ob diese Entscheidung richtig war. Seit der Einschulung waren gerade 4 Wochen vergangen. Was muss in ihm beim Lesen der Fibel durch den Kopf gegangen sein; überall stand da "Papa", "Mama" usw. In den folgenden Wochen entwickelte er seine Art, den Schmerz zu bekämpfen. Er wurde so übertrieben albern, dass es kaum noch möglich war, mit ihm irgendwo hinzugehen. Obwohl seine Umgebung wusste, warum er so war, stieß er überall auf Ablehnung. Diese Phase zog sich durchgängig bis einem weiteren einschneidenden Erlebnis (ungefähr 6 Mon.) hin.

    Meine Oma lebte in einem Pflegeheim. Bei unseren Besuchen erlebte Tony intensiv wie das Leben sich auf natürliche Art zu Ende neigt. Er sah die einsetzende Blind- u. Taubheit, das Wickeln der alten Menschen und auch deren Einsamkeit. Er sah aber auch, dass der Tod Erlösung sein kann und die alten Menschen keine Angst davor haben. Nie ließ er sich vom Personal aus dem Zimmer weisen, z.B. beim Urinbeutel wechseln. Diesmal konnte er sich von einem geliebten Menschen verabschieden. Diese Erfahrung war unheimlich wichtig für ihn. Auf der anderen Seite erschreckte es mich immer wieder, wie schnell Tony seine kindliche Unbefangenheit verlor.
    Oliver


    Der Alltag

    In den ersten Wochen gaben sich die Lehrer sehr viel Mühe damit, verständnisvoll zu wirken. Es war aber zu spüren, dass sie der Situation genauso ohnmächtig gegenüberstanden wie wir. Bereits nach 4 Wochen fand das erste "Muttergespräch" statt. Darin wurde mir mitgeteilt, dass Tony sehr albern sei und seine Mitschüler davon genervt wären. Mir wurde angeraten, einen Psychologen aufzusuchen. Über dieses Thema möchte ich aber zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher berichten.

    Tony entwickelte sich den folgenden Jahren zu einem guten Schüler, dass Verhaltensproblem blieb aber noch sehr lange. Immer wenn sich der Todestag seines Vater näherte, war es besonders schlimm.

    Schwierigkeiten gab es auch in der Freizeitgestaltung. Gemeinsam mit seinem Vater hatte Tony beschlossen, zum Judo zu gehen. Mein Mann war früher Boxer und Tony wollte genauso stark wie sein Vater. Schnell zeigte sich, dass er für diese Sportart viel zu sensibel ist. Wie sollte sich Tony nun entscheiden ? Er hatte seinem Vater ein Versprechen gegeben, dessen war er sich mit seinen jungen Jahren schon voll bewusst. Wir haben sehr viel darüber gesprochen, eine Entscheidung konnte nur Tony allein treffen. Er quälte sich wochenlang beim Training, bis er selbst beschloss aufzuhören. Besser ging es ihm trotzdem nicht. Seine Selbstzweifel wurden immer stärker; er hielt sich für die absolute Niete. Ich wollte ihm so gern helfen, aber bei uns auf dem Dorf ist das Freizeitangebot über den Sport hinaus minimal.

    In meiner Not wandte ich mich an unsere junge Pastorin. Endlich hatte ich jemanden gefunden, der die Situation meines Sohnes verstand. Sie lud Tony zu einem unverbindlichen Besuch der kleinen Blockflötengruppe ein und er war begeistert. Endlich konnte er zeigen, dass auch er etwas gut kann. Heute spielt Tony bereits drei Instrumente und besucht die Musikschule in unserer Kreisstadt. Sein Selbstbewusstsein ist enorm gewachsen.
    Oliver


    Ein Dorffriedhof

    Ich möchte hier noch schildern, wie schwer es für ein Kind sein kann, wenn sein Vater auf einem kleinen Dorffriedhof beerdigt ist.

    Im ersten Bericht schrieb ich von dem Päckchen, welches auf dem Sarg war. Die Diskussionen darüber waren noch nicht richtig verklungen, da regte man sich schon wieder auf. Tony hatte ein Bild für seinen Vater gemalt. Wir haben es in eine Klarsichtfolie gelegt und mit einem Gummiband am Grabstein befestigt. Ich ließ mich vom Dorfklatsch nicht beirren und gestattete meinem Sohn auch weiterhin die alleinige Grabgestaltung.
    Im Laufe der Zeit wurde dies auch akzeptiert. Dann gab es plötzlich eine neue Friedhofsordnung, in der stand, dass Kinder unter 12 Jahren nur in Begleitung von Erwachsenen den Friedhof besuchen dürfen. Ich fuhr zur Amtsgemeinde und teilte den "Herrschaften" mit, dass ich mich an diese Anordnung nicht halten werde. Mit welchem Recht wollten sie meinem Kind verbieten, mit seinem Vater allein auf dem Friedhof sein zu dürfen. Von da an hatten wir Ruhe.

    Tony führt noch heute auf dem Friedhof lange Gespräche mit anderen Trauernden. Selbst sehr alte Leute freuen sich, wenn sie ihn dort treffen. Sie spüren seine Unbefangenheit und haben
    in ihm auch einen Gesprächspartner, der ihre Einsamkeit versteht.

    Diese Erfahrungsberichte wurden mir von Heike Schönberg zugesandt.
    Oliver


    Tod des Vaters

    Nach langjähriger Krankheit, verlor ich - einen Tag vor meinem 21. Geburtstag- meinen Vater, mit anderen Worten, den Sinn meines Lebens, mein Gegenstück, denjenigen mit dem ich mich immer ohne Worte verstand, der mich immer zum Lachen brachte, egal wie schwer die Situation auch erscheinen mochte. Ich sah ihn sterben, völlig hilflos daneben stehend, immer darum bemüht der Familie (oder ihm, trotz herbeigeführter Bewusstlosigkeit) keinen zusätzlichen Kummer durch unkontrollierte Gefühlsausbrüche zu bereiten.

    Ich erinnere mich, als sei es gestern geschehen (es sollen bald drei Jahre vergangen sein). Mein erstes Gefühl war das der unbeschreiblichen Freude - obwohl ich mich selber nicht verstand - gefolgt von Stolz auf meinen Vater. Eigentlich auch Erleichterung.

    Ich habe lange nicht sehen können, dass das Ende nahte und war letztlich trotz jahrelanger Kenntnis der Aussichtslosigkeit (ihm ging es doch gut)....ich weiß nicht, war ich gefasst?...

    Sicher ist jedoch, ich war mir der Endgültigkeit der Situation irgendwie bewusst, und auch wieder nicht. Ich hatte mich auf das Abitur vorzubereiten, was ich auch in unnötigem Ausmaße tat, auch als sehr gute Schülerin, Nächte lang. Ich hatte sogar oftmals das Gefühl, mein Vater achtete darauf, dass ich es tat, komisch, er war nie sonderlich streng gewesen.

    Die Arbeitswut war sicher noch die harmloseste Trauermethode von allen. Ich las vorstehend vom Funktionieren....ich kann dies bestätigen, denn genau das tat ich ebenfalls, jedoch mit ungewollt offensichtlichen anderen Makeln. Ich aß nicht mehr, was sich leider auch heute, wenn auch in abgeschwächter Form noch zeigt.
    Die Gründe? Essen, besonders in Gesellschaft, empfand ich als pietätlos (nicht nur auf der Trauerfeier, eigentlich Monate lang,). Wie konnte man sich nach so einem Verlust gierig hinsetzen und essen? Es erfüllte mich mit einer maßlosen Wut auf diejenigen, die es konnten, und das schlimme, sie taten es augenscheinlich gerne und mit Freude. Ich verachtete die Esser und hasste sie, da ich es als Respektlosigkeit meinem Vater gegenüber empfand.

    Der zweite, für mich unbewusstere Grund war, dass ich mich auf einem Drahtseilakt zwischen Leben und Tod befand. Das Leben ohne ihn war (und ehrlich gesagt ist oft noch) eine Qual. Es war nicht der klare Gedanke ."Ich bringe mich um!" Vielmehr verspürte ich einen wider jeder vernünftigen Überlegung einfach sich in mein Gehirn fressenden Sog, ich müsse ihm folgen. Ich provozierte in Abwesenheit meiner Familie gewisse Situationen, die mich dem Tod näherbrachten, ich aber letztlich keinen Einfluss auf dessen Eintreten hatte und fühlte mich meinem Vater so unglaublich nahe, konnte ihn beinahe spüren und es waren so wahnsinnig glückliche Momente. Aber das beschriebene Glücksgefühl dem Tod und damit meinem Vater nahe zu sein, war wie eine Sucht.

    Im Laufe der Zeit habe ich schon verstanden, dass er fort ist. Doch ich kann nicht abstreiten, dass sowohl der Gedanke zu folgen - wenn auch kaum intensiv und sicher nicht bedrohlich ernst- und auch das, inzwischen einfach angewöhnte Essverhalten, also keine Nahrungsaufnahme unter Stress oder eben Erbrechen (nicht herbeigeführt!), nicht gänzlich abgeklungen sind. Doch es sind eben ein paar Momente, nicht mein ganzer Alltag. Das einzige, was mich wohl nie mehr loslassen wird, sind die Bilder, als er starb.

    Ich weiß, dass ich seinen Tod noch lange nicht akzeptiert habe, aber eines Tages, werde ich es. Sollte der Tag kommen, an dem ich bereit bin, ihn endlich loszulassen, so betrete ich erneut das Krankenzimmer, in dem er starb und werde abschließen. Sie werden vielleicht sagen, ich liefe weg... stimmt....da ich gerade ein wenig Kraft habe, mein Leben zu leben. Besuche auf dem Friedhof und in Krankenhäusern ließen mich erneut in eine tiefe Krise fallen, die ich mir jedoch nicht erlauben kann und will.

    Eine von tausend Eigenschaften meines Vaters trage ich voller Stolz in mir:. Egal wie traurig viele unter Ihnen sein mögen....bitte, verlernen Sie nie das Lachen. Selbst in den schlimmsten Momenten der Sehnsucht, Trauer, Hilflosigkeit oder Verzweiflung habe ich gelacht....herzlich gelacht....wenn auch manchmal unter Tränen. Meist aufgrund der Erinnerung an die dummen Witze meines Vaters. Und auch diesen Text beende ich mit einem liebevollen Lächeln in der Hoffnung, dass einer von Ihnen mitgelächelt hat.....

    Denn dann ist er nicht umsonst gestorben!


    Dieser Erfahrungsbericht wurde mir mit der Bitte zugesandt, ihn anonym zu veröffentlichen. Wer aber möchte, kann sich gerne mit Prinzessin Leia per eMail in Verbindung setzen.
    Oliver


    Wenn der Stein dann steht...

    Sabine ist vor mehr als 2 Jahren gestorben. Zuerst war der Gedanke an einen Grabstein völlig unwichtig. Es gab so viele andere wichtige Sachen. Aber dann, ganz langsam, gab es auch Überlegungen darüber. Was wird ihr gerecht, wie sollte er aussehen, was sollte darauf stehen. Bei ersten bewußten Begutachtungen der anderen Grabsteine auf dem Friedhof fast immer dasselbe Resultat : Standardform, überwiegend poliert, Name, Geburts- und Sterbedatum, kein Spruch. Reicht ja auch. Alles andere bleibt in den Gedanken erhalten. Wofür ist so ein Grabstein? Zum Auffinden der richtigen Grabstätte oder doch mehr? Und immer wieder die Frage: Was wird ihr gerecht? Es soll auf gar keinen Fall protzig aussehen, aber auch so ein Standardstein? Worauf achte ich, wenn ich Grabsteine anschaue und Namen und Daten lese: Auch so jung gestorben! Ist das nicht oft der Fall, wenn auf dem Grab ein Stein in Form eines aufgeschlagenen Buches steht? Ein Buch, das nicht mehr zu Ende gelesen werden konnte. Die Gedanken rotieren. Was wird ihr gerecht?
    Ich beschloß, mir Steine bei Steinmetzen anzuschauen. Eigentlich dasselbe Resultat, nur ohne Schrift. „Was stellen sie sich denn vor?“ Tja, was stelle ich mir eigentlich vor? Ich versuche meine Gedanken in Worte zu fassen. „Ich möchte eine Form, die darstellt das Leben zwar endlich ist, aber dass das nicht bedeuten muß, daß es für die Seele nicht weiterhin eine andere Form der Existenz gibt. Vielleicht etwas das nach oben hin offen ist.“ Schweigen. Dann die Antwort: „Die modernen Sachen stehen weiter vorne.“ Die „modernen Sachen“ sind Variationen mit schiefer Aufsicht, gewellten Kanten oder dreieckig statt viereckig. Ganz gewagt sogar, ein rundes, liegendes Modell. Ich merke, daß ich hier nicht richtig bin.

    Ein Freund erzählt mir von einem Bekannten, der Steinmetz ist, jetzt aber Architektur studiert und zur Finanzierung des Studiums künstlerisch gestaltete Grabsteine zu normalen Preisen herstellt.
    Ich treffe mich mit ihm. Wir sitzen an einem Spätsommerabend auf dem Balkon und führen ein langes Gespräch. Er stellt Fragen wie: „ Was war deine Frau für ein Mensch? Was für ein Leben hat sie geführt? Wie ist sie gestorben?“ Er versucht sich ein Bild von ihr zu machen. Ich rede über 2 Stunden. Er macht sich Notizen. Ich versuche wieder das mit dem „nach oben offen“ zu erklären. Dann die Frage: “Soll ein Spruch mit drauf?“ Ich überlege. Dann sage ich, was eigentlich schon länger im Kopf ist. „Ja, er soll lauten: Der Körper braucht die Seele, aber die Seele braucht keinen Körper.“ Nun war es raus. Darum ging es die ganze Zeit. Das sollte der Stein ausdrücken. Er sagt, daß er darüber nachdenkt und mir dann einen Entwurf schickt.
    Ich dachte auch nach. War das richtig so? Ist das die Essenz aus einem Leben, das was für andere sichtbar bleibt? Steht das alles für sie, oder sind es meine Gedanken? Ein kurzer Blick von Vorübergehenden wird auf diesen Stein fallen. Und in diesem Moment soll er all das ausdrücken, was für sie steht. Das kann nicht klappen. Sie werden dasselbe denken wie ich beim Betrachten von Grabsteinen mit solchen Daten. So jung gestorben. Also ist es doch eine Sache, die mir wichtig ist und die ich für sie machen will.
    Es vergeht einige Zeit und es kommen vereinzelt verhaltene Beschwerden, daß das Grab ohne Stein schwer aufzufinden ist. Ich beschrifte eine weiße viereckige Marmorplatte mit ihrem Namen. Sonst nichts. Ich lege die Platte in die obere Hälfte des Grabes und stelle unterhalb des Namens eine Vase mit Blumen darauf. Nun ist das Grab benannt.
    Irgendwann kommt der Entwurf. Thüster Kalkstein, unbehandelt. Vier viereckige längliche Steinsäulen die zusammengefaßt sich zur Mitte verjüngen, nach oben auseinanderstreben und am oberen Ende wie abgebrochen wirken. In der Mitte auf einer Seite Name, Geburts- und Sterbedatum, auf der daneben liegenden Seite der Spruch. Er soll nicht gerade, mit einer Seite nach vorn, sondern diagonal aufgestellt werden. Ich hatte zunächst keine Meinung dazu. Es ist auch alles irgendwie abstrakt. Und wieder die Frage: Wird ihr das gerecht?
    Nach vielen Erklärungen und Überlegungen über das, was machbar ist, stimme ich zu.

    Wieder vergeht einige Zeit und es kommt auch zu Verzögerungen durch saisonbedingte Lieferschwierigkeiten des Rohsteines. Merkwürdigerweise stört es mich nicht. Zwischendurch Anmerkungen von anderer Seite: Eigentlich wäre es schön gewesen, wenn der Stein zum 2.Todestag gestanden hätte. Aber ich will eigentlich nicht drängen. Und dann geht es auf einmal doch ganz schnell. Nachdem der Rohstein abgeholt werden konnte, ist der eigentliche Grabstein innerhalb von 3 Wochen rausgehauen. Es gibt eine Besichtigung vor der Anbringung der Schrift. Das Abstrakte hat Form angenommen und steht nun monumental in hellem, ein Meter fünfzig hohen Kalkstein vor mir. Ich bin beeindruckt. Er sieht viel besser aus, als ich es mir vorgestellt hatte. Und er drückt wirklich etwas aus, wirkt aus sich heraus.
    Kurze Zeit später der Termin zur Aufstellung. Ich habe an diesem Tag keine Zeit, zeige nur morgens die Grabstelle, um keine Verwechslung zuzulassen. Am späten Nachmittag gehe ich dann zum Grab, um den Stein an seinem Bestimmungsort anzuschauen.
    Auf einmal weiß ich, warum es mir nichts ausgemacht hat, das solange kein Grabstein vorhanden war. Der Stein ist trotz aller Überlegungen und seiner subtilen Schönheit wie ein 800 KG schwerer Stempel auf einem Blatt, auf dem Endgültig steht.
    Eine Tatsache, die auch vorher schon klar war, aber jetzt ist sie auf gar keinen Fall mehr zu übersehen und hat wohl auch symbolischen Charakter. Der letzte Schritt der Phase des Gehenlassens, jedenfalls für mich.




    Michael Gomolka
    Oliver


    Ich habe einen Knoten in der Brust



    April 1998



    "Ich hab einen Knoten in der Brust”

    Der Satz klang lange in meinem Kopf nach. Ich wusste sehr genau was das bedeuten konnte. Aber das konnte ja gar nicht sein.

    An diesem Tag kurz nach Weihnachten 1997 waren wir schon um 21:30 Uhr ins Bett gegangen, um uns noch einen gemütlichen Fernsehabend zu machen. Die Kinder lagen alle drei auch schon im Bett und hatten sich nicht mehr gemeldet, was eher eine Seltenheit war. Im Fernsehen lief eine halbwegs interessante Magazin-Sendung, es war inzwischen kuschelig warm unter der Bettdecke und nun dieser Satz...

    Mein Beruf als Fachkrankenpfleger auf der Intensivstation hatte mich auch nicht davor bewahrt, so zu denken wie alle anderen: So etwas betrifft dich und deine Familie nicht. Ich hab einen Knoten in der Brust ! Der Satz wiederholte sich in meinen Gedanken. Ich begann krampfhaft darüber nachzudenken, was für andere Ursachen das haben könnte. Es gab bestimmt tausend andere harmlose Erklärungen.

    “Michel, hast du überhaupt gehört was ich gesagt habe?” Natürlich hatte ich es gehört. Und endlich antwortete ich: ”Bist du sicher?” “Hier fühl doch mal.“ Sabine nahm meine Hand und legte sie auf die Stelle auf ihrer rechten Brust, wo sie den Knoten gefühlt hatte. Ich legte all meine verfügbare Sensibilität in meine Fingerspitzen und sperrte mich doch gleichzeitig dagegen etwas zu ertasten, was ich nicht wahrhaben wollte. ”Hmm”, sagte ich, "ich kann nur eine kleine Verhärtung spüren. Aber ob das ein Knoten ist, das kann ich dir beim besten Willen nicht sagen.” Ich schaute in Ihr Gesicht. Es spiegelte Verunsicherung und eine Art unspezifische Angst wider. ”Ich weiß was du jetzt denkst” antwortete ich auf ihre unausgesprochene Frage, “aber es gibt eine Menge andere Möglichkeiten, die als Grund dafür in Frage kommen, als das an was du jetzt denkst.” “Guck mal, die Brustwarze hat sich eingezogen”, sagte sie, “Das war bei einer früheren Freundin von mir auch und dann stellte sich heraus, das es Krebs war.”

    Nun war das Wort ausgesprochen. Ein böses Wort mit schrecklichen Assoziationen. Mehr ein Urteil als eine Diagnose. Ein Wort dessen Bedeutung jedem klar ist, aber trotzdem wird möglichst wenig darüber nachgedacht. Jetzt fällt dieses Wort an einem ruhigen, lauschigen Winterabend der eigentlich so schön begonnen hatte. Aber vor allen Dingen : Das Wort gehörte zu einem Satz den meine eigene Frau gerade gesagt hatte! “Das muss ja aber nicht bedeuten, dass es bei dir genauso ist.” entgegnete ich. “Hast du nicht auch erzählt, dass Julia aus der rechten Brust nicht trinken will ? Vielleicht hast du da einen Milchstau oder eine Brustdrüsenentzündung. Und überhaupt, das eine Brustwarzeneinziehung ein Symptom für Brustkrebs ist, habe ich noch nie gehört.”

    Hätte ich in diesem Moment bloß ein Fachbuch zur Hand genommen, wie ich es dann später getan habe. In unserem uralten Pschyrembel von 1977 stand unter Symptome des Brustkrebses :” im fortgeschrittenen Stadium solitärer schmerzloser Knoten von derber Konsistenz, der nicht verschiebbar ist und der die darüber liegende Haut bzw. Mamilla eingezogen hat.“ Aber das wusste ich damals nicht. Ich hatte es wirklich noch nicht gehört, oder nicht behalten, als wir es im Unterricht besprochen hatten vor vielen Jahren.

    “Vielleicht ist es aber besser, wenn du dir einen Termin bei deinem Gynäkologen holst, wenn du dir soviel Gedanken machst und solche Ängste hast.” fügte ich noch an. “Ich hab sowieso einen Termin nächste Woche” sagte Sabine und nahm ihre Hand von der Brust, die sie die ganze Zeit selber nochmals abgetastet hatte.” Ich glaube auch das es mehr als eine kleine Verhärtung ist. Bei der letzen Krebsvorsorge hat er die Brust nicht abgetastet, weil er meinte, während der Stillzeit kann man nichts ertasten. Aber diese Verhärtung wird er wohl fühlen. Und du meinst es ist nichts Schlimmes ?” “Nein,” sagte ich, “ich glaube nicht, dass es was Schlimmes ist.” Eine ganze Weile dachte ich noch über das alles nach, während ich ohne wirklich etwas wahrzunehmen zum Fernseher schaute. Ich wollte aber weder Sabine noch mich selber weiter beunruhigen, bevor nicht das Ergebnis der gynäkologischen Untersuchung vorlag. Also beschloss ich meinen eigenen Schlussworten Glauben zu schenken und langsam nahmen Bild und Ton des Fernsehprogramms wieder Raum in meinem Kopf ein.
    Oliver


    Ich kann nicht mehr hoffen

    Ziemlich genauso spielte sich der Abend ab, in dem sich der Krebs in unser Leben schlich und meiner Frau Sabine zwei Wochen nach ihrem 39. Geburtstag auch das Leben nahm. Er hat aber auch etwas von mir genommen. Ich kann nicht mehr hoffen. Wir haben beide in jedem Stadium der Krankheit gehofft. Vielleicht sogar mehr als das. Wir haben sogar geglaubt, dass wir es schaffen werden.

    Wir sind einen anderen Weg gegangen und haben von Anfang an nicht nur auf die Medizin vertraut. Sabine hat viel gelesen und mir darüber erzählt. Ich habe auch angefangen zu lesen und begriffen, dass da über Sachen geschrieben wurde, die wir uns für uns selber auch überlegt hatten. Das Krebs kein Urteil sein muss, dem man nicht ausweichen kann. Das Krebs eben eine Krankheit ist, die Auslöser hat, die vielmehr im psychischen Bereich liegen als man glaubt oder als die Schulmedizin zugibt. Das der eigene Körper mit seinem Immunsystem mehr ausrichten kann als jede Chemotherapie. Ob man nun ein ein Buch aus der Esoterikecke, ein Buch von einem christlichen Geistheiler oder ein wissenschaftliches zur Hand nahm, der Kern war immer gleich: Wenn die Psyche lange leidet, ob bewusst oder unbewusst, wehrt sie sich über den Körper.

    Nicht gleich mit Krebs. Aber wer misst schon immer ständigen grippalen Infekten oder auch einer Nierenbeckenentzündung die richtige Bedeutung zu ? Das kann ja immer mal sein. Heute weiß ich, dass beinahe jede Krankheit eigentlich nur das Ergebnis einer leidenden Psyche ist. Und die medizinische Behandlung, die durchaus ihr Gutes hat, oft trotzdem nur symptomatisch bleibt.
    Oliver


    Der Krebs hat nicht nur schlechte Seiten

    “Der Krebs hat nicht nur schlechte Seiten, er hat uns auch Gutes gebracht.” hat Sabine mehr als einmal gesagt. Es stimmt, er hatte uns wieder viel weiter zusammengeführt als wir es die Jahre vorher waren. Wir haben sogar in den letzten anderthalb Jahren mehr gelacht als vorher. Und mehr geredet, wir waren nie soviel zusammen unterwegs trotz der Kinder, haben nie vorher so intensiv unser Umfeld von Nachbarn bis Kneipe, von Kindern bis Bücher, von Müttern bis Ämtern wahrgenommen. Wir hatten nie vorher ein solches Gemeinsamkeitsgefühl. Nie vorher haben wir so viele Dinge wirklich geändert, von Ernährung bis Meditieren, von Wehren bis Nichtaufregen, von Verständnis bis Wut zulassen. Wir haben trotz allem Witze mit den Ärzten gemacht und bis einen Tag vor ihrem Tod Zukunftspläne geschmiedet und überlegt was wir unbedingt ändern müssen. Wir haben auch etwas dafür bekommen. Sabine hat ihre neu gewonnene innere Ruhe bis zum allerletzten Moment behalten und nach Aussage der Ärzte, haben wir auch ein halbes Jahr gewonnen.
    Oliver


    Mitten im Gespräch gestorben

    Nachdem im April 1998 die rechte Brust entfernt wurde und die erste Nachuntersuchung im November völlig OK war, wurden im Januar 1999 unzählige Lebermetastasen festgestellt. Es war die Rede von explosionsartigem Auftreten. Die Prognose war zu diesem Zeitpunkt denkbar schlecht. Bei einer ersten Nachuntersuchung im April war das Wachstum aber nicht weiter fortgeschritten. Bis im Mai dann eine Blutung auftrat, und sich der Krebs wahrscheinlich über die Blutung im gesamten Bauchraum ausbreitete. Am 24. August morgens ist Sabine dann mitten im Gespräch gestorben. Bis dahin war sie bis auf zwei ganz kurze Aufenthalte nach der Brustamputation nicht mehr im Krankenhaus, alles ist ambulant abgewickelt worden. Und Sie brauchte bis auf wenige Ausnahmen keine Schmerzmittel und war somit die ganze Zeit klar im Kopf. Mehr noch, sie hat die ganze Zeit am Leben teilgenommen, war für die Kinder, mich, Freunde und Verwandte ansprechbar, hat manchmal denen die sie trösten wollten Trost gegeben und vieles noch geklärt was ausgesprochen werden musste.

    An ihrem Todestag, mitten im August, haben draußen im Garten die Magnolien geblüht.





    Michael Gomolka
    Oliver


    Das Geschehen

    Am Samstag den, 03. August 1996 verließ ich wie immer, samstags morgens gegen 8.00 Uhr mit Alexander die Wohnung. Karl-Heinz lag noch im Bett weil er Spätschicht gehabt hatte und ich nicht wollte, dass er durch Alexander, beim Schlafen gestört wurde. Er sagte zwar immer, es würde ihn nicht stören, aber so konnte der Kleine halt draußen bei meinen Eltern im Garten spielen.

    Wir hatten uns für mittags zum Essen bei meinen Eltern verabredet. Als er nicht kam, rief ich ein paar mal daheim an. Keiner meldete sich. Was auch nichts besonderes war, weil Karl-Heinz des öfteren in die Stadt fuhr. Als er gegen 16.30 Uhr immer noch nicht da war, fuhr ich mit Alexander heim. Dort fand ich die Wohnungstür von innen mit der Kette verriegelt. Ich rief und klopfte, aber ich bekam keine Antwort. Dann versuchte ich mit Alexander auf dem Arm die Glasscheibe in der Eingangstür mit meinem Schuh einzuschlagen. Dies misslang. Ich lief in den Keller holte einen alten Metallzapfhahn und schlug damit die Scheibe ein. Alexander damals noch nicht 2 Jahre blubberte irgendwas: „Mama nicht so laut!“

    Da ich durch mein Rufen schon keine Antwort bekommen hatte, wusste ich, dass irgendetwas passiert war. Ich bemerkte schon beim Eintreten einen merkwürdig süßen Geruch. Bevor ich nachsehen ging, setzte ich Alexander in sein Gitterbett. Anschließend ging ich ins Bad, da dort die Tür aufstand. Mein Mann lag vor der Toilette. Zuerst schubste ich ihn mit dem Fuß ihn die Seite und sagte: „Verdammt noch mal dass kannst Du doch nicht machen.“ Danach fühlte ich nach seinem Puls und stellte fest das alles still war.

    Vielleicht schütteln jetzt einige den Kopf, aber für mich war es ihn dem Moment als hätte mir jemand eine dicke Last von den Schultern genommen. Endlich war die Zeit der Angst vorbei; ich wurde nicht mehr belogen, mir wurde kein schlechtes Gewissen gemacht, in der Hinsicht: ich würde ihn durch mein Misstrauen wieder zu den Drogen treiben.

    Ich rief dann den Notarzt. Der wiederum informierte die Kripo bzw. den Leichenwagen. Die Kripobeamten befragten mich über den Ablauf des Tages und ob ich wüsste woher mein Mann sein Heroin habe. Darauf konnte ich ihnen leider nichts sagen.
    Oliver


    Die Nachricht

    Nachdem mein Mann abgeholt worden, war bin ich mit Alexander zu meinen Eltern. Als ich denen sagte das Karl-Heinz tot sei, dachten sie erst ich würde einen Witz machen. Doch als sie den Ernst der Lage erfassten, brach für sie eine Welt zusammen. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten sie nichts davon, dass Karl-Heinz drogenabhängig war. Wir hatten es die ganze Zeit vor ihnen geheimgehalten.

    Alexander fragte einmal in der Zeit nach seinem Papa. Leider konnte zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen dass sein Papa tot ist, hätte ich das zu diesem Zeitpunkt schon getan, wären Alexander viele Trennungsängste erspart geblieben.

    Ich ließ den Kleinen bei ihnen und fuhr dann zu meinen Schwiegereltern. Da mein Schwiegervater zu dem Zeitpunkt schon schwerstkrank war, machte ich mir sorgen, wie er die Nachricht verkraftete. Meine Schwiegereltern nahmen den Tod ihres Sohnes sehr gefasst auf. Wir fuhren dann zu ihren beiden anderen Söhnen. Beide Brüder waren sehr geschockt. Nur bekam ich dann von meinen Schwiegereltern sowie von einem Bruder zuhören, ich hätte ja mal früher etwas sagen können. Dann könnte Karl-Heinz vielleicht noch leben.

    Am nächsten Tag (Sonntag) rief meine Schwägerin (das ist eine andere Geschichte) an, ich solle doch die Nachricht vom Tod meines Mannes seinem Sohn aus erster Ehe selbst mitteilen. Andreas war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre und regelmäßig alle 2 Wochen bei uns. Als ich in sein Zimmer kam, schaute er mich groß an und fragte wieso ich denn da sei. Ich erzählte ihm vorsichtig was passiert war. Er schrie zuerst auf und weinte ganz herzzerreißend. Da kam die Frage nach dem warum?!? Darauf konnte ich ihm leider keine befriedigende Antwort geben.
    Oliver


    Die Beerdigung

    Nach 5 Tagen wurde Karl-Heinz für die Beerdigung freigegeben. Eigentlich wollte ich mich noch von ihm verabschieden, aber das Beerdigungsinstitut riet mir davon ab, wegen der Obduktion.
    Bei der Beerdigung wollte ich von Anfang an Alexander dabei haben. In der Trauerhalle lief Alexander dort herum und schaute sich die Blumen an. Das war für meine Eltern, die sowieso nicht besonders glücklich über meine Entscheidung waren, ein Grund, Alexander mit meiner Freundin auf den Spielplatz zu schicken. Ich war zu sehr mit meiner eigenen Beherrschung beschäftigt. „Der Tot war für mich ja eine Erleichterung!“ Andreas blieb die ganze Zeit an meiner Seite. Als die Beisetzung beendet war, blieben Andreas und ich solange am Grab bis Alexander vom Spielplatz kam und seinem Papa das mitgebrachte Stofftier ins Grab werfen konnte und sich dann mit einem “Tüss Papi“ verabschiedete.
    Oliver


    Erfahrung mit der Trauer

    Ehefrau

    2 Tage nach der Beerdigung bin ich auch wieder zur Arbeit gegangen. Die Kolleginnen und Kollegen zeigte sich sehr erstaunt und wussten gleichzeitig aber auch nicht wie sie sich mir gegenüber verhalten sollten. Nach den Tod meines Mannes kam eine Welle der Hilfsbereitschaft auf mich zu. Ich hatte das Gefühl als wolle mich Gott für die schweren Jahre belohnen.

    Über Weihnachten bin ich mit dem Kleinen zur Kur. Dort merkte ich dann zu erstenmal, dass ich doch nicht so stark war wie ich glaubte. Dort kam für mich der erste kleine Zusammenbruch. Weihnachten war für mich schrecklich.


    Alexander

    In der Nacht vom 04. auf den 05.08. hatte ich das Gefühl als könne ich Alexander nicht weiter belügen. Ich sagte ihm also, dass sein Papa von der Arbeit nicht mehr zurück komme, er sei gestorben. Alexander verstand natürlich mit seinen kapp 2 Jahren die Bedeutung noch nicht. Ich erzählte ihm, dass sein Papa jetzt der hellste Stern am Himmel ist und er versucht immer auf uns aufzupassen. Heute noch schaut Alexander zum Himmel rauf und sagt ab und zu: „Hallo Papi“

    Ein Tag nach der Beerdigung hatte Alexander seinen 2. Geburtstag. Ich ließ diesen Geburtstag nicht ausfallen. Er war zwar nicht so schön wie die folgenden, aber für mich sollte das Leben so normal wie möglich weitergehen.

    Nach etwa einem Jahr fing Alexander jeden Morgen an zu weinen, wenn ich zur Arbeit wollte. Er schrie und tobte, klammerte sich an mich und sagte immer wieder: „Ich habe Angst dass Du nicht mehr von der Arbeit kommst.“ Zuerst konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie er auf die Idee kam. Doch so nach und nach fiel mir ein was ich ihm August 96 gesagt hatte. Auf anraten einer Psychologin klärte ich Alexander über seine Angst auf. Zuerst schaute er mich groß an, dann weinte er ganz kräftig auf. Nach einiger Zeit beruhigte er sich wieder. Danach war die Angst überwunden.

    Heute ist er traurig, dass er keinen Papa wie die anderen hat. Manchmal sagte er dann: „Wenn ich an meinen Papa denke, muss ich weinen. Warum hat Papa Drogen genommen?“ Ich versuch ihm zu erklären, dass sein Papa krank war und er nicht stark genug war, von den Drogen wegzukommen.

    Andreas

    Ist heute 17 und kommt trotz des Todes seines Vaters weiterhin regelmäßig alle zwei Wochen und bleibt über Nacht. Er spricht nicht viel über den Tod und seinen Vater. Nur vor kurzem, als ich ihm von meinem Trauerseminar in Bensberg erzählte, erzählte er mir eine Geschichte, die er mit seinem Vater in der Stadt erlebt hatte. Damals wusste er nicht, warum ihn sein Vater bei McDonalds alleine sitzen ließ und nach einiger Zeit fröhlich wieder auftauchte. Heute weiß er was damals passiert ist. Er macht sich nur Vorwürfe, dass er nicht auf seinen Vater genug aufgepasst hat.
    Oliver


    Nach nun fast 4 Jahren

    Die Zeit verging für mich wie im Fluge. Anderen Menschen gegenüber bin ich toleranter geworden. Ich selbst denke heute zuerst an meine „Kinder“ und an mich bevor ich mich mit Problemen anderer belaste. Zank oder Streit muss für mich kurz sein, ich weiß ja nicht wie lange uns Zeit bleibt, uns wieder zu vertragen.

    Nur bin ich Problemen und Sorgen in der Familie gegenüber Dünnheutig geworden. Ich bin immer schnell mit den Nerven zu ende wenn ich merke es läuft etwas aus der Bahn.

    Ich trauere heute noch um Karl-Heinz; er fehlt mir an allen Ecken und Enden. Vom Kopf her sage ich auch heute noch, es war gut so. Besser damals als heute wo Alexander vielleicht alles hätte mitgekommen. Aber trotz seiner Drogenabhängigkeit war er für mich ein wertvoller Mensch, ein liebevoller Mann und Vater. Der Mann mit dem ich alt werden wollte. Ich fühle mich heute immer noch verheiratet, obwohl ich mir manchmal schon eine Schulter zum anlehnen wünsche.



    Dieser Erfahrungsbericht sollte anonym veröffentlicht werden. Fragen oder Mitteilungen an die Betroffene leite ich gerne weiter. Schickt mir einfach ein Mail.
    Oliver


    1. Viel darüber reden


    • Krankheitsgeschichte

    • Umstände des Todes

    • Über die Beziehung zum Verstorbenen


    Ich kann nur jedem raten die Zeit zu nutzen, denn die Menschen in unserer unmittelba-ren Umgebung akzeptieren dieses Thema nur eine relativ kurze Zeit.
    Deshalb ist es hilfreich, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Alle Mitglieder der Gruppe haben ähnliche Erfahrungen gemacht und können zuhören und anteilnehmen.
    Fritz


    2. Schmerz und Trauer zulassen

    Akzeptieren sie den Schmerz, der durch die Trennung von dem Verstorbenen verur-sacht wird.
    Eine Woche nach der Beerdigung meiner Frau machte ich eine Bergtour. Es war meine erste Wanderung nach 34 Jahren, die ich ohne meine Frau und ohne Begleitung un-ternahm.
    Ich versuchte nicht die Tränen abzuwischen, wenn mir andere Wanderer begegneten. Ich ließ sie ungehindert fließen. Dabei hatte ich nicht das Gefühl, als ob mir der Hals abgeschnürt werden würde, sondern war entspannt. Der berühmte Kloß im Hals tritt nur auf, wenn man sich gegen das Weinen wehrt. Gleichzeitig stellte ich zu meinem Er-staunen fest, wie schön die Welt - die Bergwelt immer noch für mich war.

    • Jeder muß einsehen, daß der Schmerz, der durch die Trennung von dem Ver-storbenen verursacht wird normal ist. Man sollte nicht versuchen allen Situatio-nen, die schmerzliche Erinnerungen bereiten aus dem Wege zu gehen. Wer den Schmerz und das Leid nicht akzeptiert, begibt sich in die Gefahr, aus Angst vor neuem Verlust, keine neuen Beziehungen zu Mensch oder Tier aufnehmen zu können.

    • Man muß einsehen, daß wir diesen Schmerz und die Trauer dem Verstorbenen schuldig sind.


    Schauen Sie sich in ihrer Umgebung um - außerhalb der Verwandtschaft:
    Wer von den 100, wenn’s hoch kommt 200 Menschen, die den Verstorbenen beim Na-men kannten, erinnert sich häufiger an ihn?
    Nach 6 Monaten ist der Durchschnittsmensch vergessen! Kein Hahn kräht mehr nach ihm - Er ist austauschbar; ersetzbar!
    Ich glaube, daß meine Frau das gefühlt hat.
    An ihrem Todestag sagte sie zu mir: „Bitte versprich mir - heirate nicht zu bald wieder. Dieser Wunsch ist egoistisch, aber wir waren so lange zusammen und diese Zeit war so schön. Der Gedanke daran, daß du schon kurz nach meinem Tod mit einer anderen Frau leben könntest, ist für mich unerträglich“.
    Sie wollte wenigstens in diesem Punkt nicht einfach austauschbar und ersetzbar sein.
    Ich habe mich damals über den Wunsch meiner Frau gewundert. Ich hätte ihr geraten möglichst bald wieder zu heiraten. Aber ich glaube meine Frau hatte recht! Eine Verar-beitung des Verlustes ist notwendig - erst dann kann eine neue Verbindung aufgebaut werden.
    Fritz


    3. Wenden Sie sich anderen Menschen zu - interessieren Sie sich für das Schicksal anderer Menschen.

    Dazu ist eine Selbsthilfegruppe, der trauernde Menschen angehören, hervorragend geeignet!
    Als ich ca. zwei Monate nach dem Tod meiner Frau zum ersten mal an einem Treffen unserer Gruppe teilnahm, ging es mir seelisch nicht besonders gut.
    Ich hörte die Geschichte von Frau W., die sie tränenüberströmt vortrug, sprach mit Frau O., bei der das Schicksal gleich zweimal zugeschlagen hatte und sah wie tapfer Frau M. war, die sich nicht nur mit der Trauer um ihren Mann, sondern zusätzlich mit einer schweren Krankheit auseinander setzen mußte.
    Während ich den Schilderungen der Trauernden zuhörte und darauf einging, war mein eigenes Leid fast vergessen.
    Schlagartig ist mir klar geworden, daß mein Schicksal nichts außergewöhnliches ist und daß andere Menschen sogar noch schlechter damit zurecht kommen, bzw. noch mehr zu leiden haben. Ich habe mich sogar plötzlich richtig stark gefühlt!
    Fritz


    4. Analysieren Sie Ihr Leid, versuchen Sie die Ursachen zu ergründen.

    Buddha sagte: Erkenne die wahre Natur des Leidens, dann wirst du einen Weg finden es aufzulösen.
    Objektiv betrachtet gibt es wenig Grund den Verstorbenen zu bedauern. Meist wurde er durch den Tod von einem schweren Leiden befreit, das ihm kein menschenwürdiges Leben mehr ermöglicht hätte (so war es bei meiner Frau). Oder er ist einen plötzlichen Tod gestorben, um den ihn viele beneiden würden.

    Wenn man an ein Leben nach den Tode glaubt, sollte man dieses als eine Verbesse-rung gegenüber dem irdischen empfinden. Der Verstorbene ist uns einen Schritt vor-aus, den wir erst noch gehen müssen.

    Zu bedauern sind die Schwerkranken, die gegen ihre Krankheit ankämpfen müssen und feststellen, daß ihnen immer mehr Lebensqualität verloren geht. Zu beklagen ist auch, daß jungen Menschen durch den frühen Tod viel Lebensfreude entgeht. Zu be-dauern sind selbstverständlich auch die Hinterbliebenen, die jetzt ohne den Verstorbe-nen zurecht kommen müssen.

    Trauern wir, weil der Verstorbene leiden mußte, oder trauern wir, weil uns etwas zuge-stoßen ist?
    Wenn man ehrlich zu sich ist, wird man feststellen, daß bei dem Leid, das wir empfin-den, ein großer Anteil unproduktives Selbstmitleid im Spiele ist. Dieses Selbstmitleid sollte man nicht zu lange pflegen, sondern versuchen es zu überwinden.
    Die ersten Tage, vielleicht auch Wochen leidet man an einer lähmenden Depression. Erst wenn diese Lähmung überwunden ist, kann man sich mit den Fakten beschäftigen und etwas gegen das eigentliche Leid unternehmen.
    Wenn man z. B. besonders darunter leidet, weil man seinen wichtigsten Gespächspartner verloren hat, kann man das Leiden lindern, indem man sich einer Person, oder einem Kreis zuwendet, mit dem man sich austauschen kann. Wichtig ist, daß Teillö-sungen gesucht werden und akzeptiert wird, daß die große Lösung (ich möchte den Verstorbenen wieder zurück; oder möchte einen neuen Partner, der genauso ist wie der Verstorbene war) nicht realisierbar ist.
    Durch Teillösungen können soziale Grundbedürfnisse befriedigt und die Lebensum-stände erheblich verbessert werden. Wenn es auf diese Weise gelingt, das Leben zu meistern, wird man mit der Zeit auch über den Verlust des geliebten Menschen hin-wegkommen, dessen Persönlichkeit die Quelle war, die bisher alle diese Bedürfnisse befriedigte.
    Oft genügt es, sich bestimmte Dinge bewußt zu machen und einen Vorsatz oder Ent-schluß zu fassen.

    Das heißt nicht, daß man Erinnerungen an den Verstorbenen verdrängen soll, denn sie gehören zu unserem Leben. Es kommt eher darauf an, wie man sie bewertet. Oft sind es ja gerade die schönen Erinnerungen, die uns aus dem seelischen Gleichgewicht werfen. Ich glaube, je besser es uns gelingt unsere sozialen Bedürfnisse zu befriedigen und je ausgeglichener wir dadurch werden, desto besser können wir mit den Erinne-rungen umgehen.
    Grundsätzlich muß jeder selbst seinen Weg aus der Trauer finden; ein für jeden gülti-ges Patentrezept gibt es nicht.
    Fritz


    5. Betrachten Sie den neuen Lebensabschnitt auch als Chance für Ihre persönliche Entwicklung.

    In einer Ehe, oder eheähnlichen Beziehung ergänzen sich die Partner. Durch den Tod eines Partners tritt eine Leere auf, die wieder aufgefüllt werden muß.
    Ich hatte vor dem Tod meiner Frau berufsbedingt überwiegend naturwissenschaftliche Interessen (Chemie, Physik und Technik), während sich meine Frau mehr für Literatur, Psychologie und Esoterik interessierte. Es bestand ein fortwährender Austausch zwi-schen uns. Nach dem Tod meiner Frau merkte ich, wie armselig die einseitige natur-wissenschaftliche Orientierung ist und ich interessiere mich nun verstärkt für die Gebie-te, die vorher eine Domäne meiner Frau waren.

    Das erfahrene Leid und die Trauerarbeit bringen Erfahrungen mit sich, die zur Reifung der eigenen Persönlichkeit beitragen. Wir haben dabei anderen Menschen etwas vor-aus, was nicht durch Lesen und Studium erworben werden kann.
    Fritz




    Neben den diversen Gesetzen, mit denen man sich "rumschlagen" muss, ist für mich das Kinder- und Jugendhilfegesetz sehr wichtig.

    Ich denke, es ist immer gut, dass man sich ein wenig mit den Gesetzestexten vertraut macht, wenn man zum Jugendamt geht. Da meine Mutter Sozialarbeiterin ist, hatte ich es da natürlich leichter das richtige Gesetz zu finden. Obwohl... im Gesetz ist der Verlust einer Mutter durch Tod nicht vorgesehen. Eigentlich ist nur der vorübergehende Ausfall geregelt.

    Im Folgenden habe ich ein paar interessante Texte und Paragraphen aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (Achtes Buch Sozialgesetzbuch; Stand 5. Auflage, April 1993) herausgesucht:

    • Ein Beispielfall aus einem Brief an das Bundesministerium und die Antwort des Ministeriums.
    • Auszug aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG)

    Was auch oft (gerne) von Jugendämtern vergessen wird, ist das

    • Unterhaltsvorschussgesetz (UVG).

    Dieses Gesetz dient zur Sicherung des Unterhalts von Kindern alleinstehender Mütter und Väter. Zu dieser Gruppe gehören auch Witwen bzw. Witwer.

    Daher möchte hier über dieses Gesetz informieren. Als Grundlage dafür dient mir die Broschüre "Der Unterhaltsvorschuss" vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

    Wenn du weitere interessante Texte oder Paragraphen kennst und meinst, dass sie hier erwähnt werden sollten, so schreib mir ein Mail.

    Oliver ;-)



    Oliver


    § 20 Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen

    (1) Fällt der Elternteil, der die überwiegende Betreuung des Kindes übernommen hat, für die Wahrnehmung dieser Aufgabe aus gesundheitlichen oder anderen zwingenden Gründen aus, so soll der andere Elternteil bei der Betreuung und Versorgung des im Haushalt lebenden Kindes unterstützt werden, wenn

    1. er wegen berufsbedingter Abwesenheit nicht in der Lage ist, die Aufgabe wahrzunehmen,
    2. die Hilfe erforderlich ist, um das Wohl des Kindes zu gewährleisten,
    3. Angebote der Förderung des Kindes in Tageseinrichtungen oder in Tagespflege nicht ausreichen.

    (2) Fällt ein alleinerziehender Elternteil oder fallen beide Elternteile aus gesundheitlicher oder anderen zwingenden Gründen aus, so soll unter der Voraussetzung des Absatzes 1 Nr. 3 das Kind im elterlichen Haushalt versorgt und betreut werden, wenn und solange es für sein Wohl erforderlich ist.

    Der § 20 ist nicht für eine Dauerhilfe gedacht. Aber in der ersten Monaten (je nach Jugendamt bis zu einem oder sogar zwei Jahren möglich) kann er durchaus angewandt werden und mithelfen, die ersten schwierigen Monate zu überbrücken. Sollte also der Todesfall des Partners nicht so lange zurück liegen oder aber man selbst fällt gesundheitlich aus, so kann man beim Jugendamt Hilfe nach § 20 KJHG beantragen.
    Oliver


    § 21 Unterstützung bei notwendiger Unterbringung zur Erfüllung der Schulpflicht

    Können Personensorgeberechtigte wegen des mit ihrer beruflichen Tätigkeit verbundenen ständigen Ortswechsels die Erfüllung der Schulpflicht ihres Kindes oder Jugendlichen nicht sicherstellen und ist deshalb eine anderweitige Unterbringung des Kindes oder des Jugendlichen notwendig, so haben sie Anspruch auf Beratung und Unterstützung. In geeigneten Fällen können die Kosten der Unterbringung in einer für das Kind oder den Jugendlichen geeigneten Wohnforrn ein schließlich des notwendigen Unterhalts sowie die Krankenhilfe übernommen werden, wenn und soweit dies dem Kind oder dem Jugendlichen und seinen Eltern aus ihren Einkommen und Vermögen nicht zuzumuten ist. Die Kosten können über das schulpflichtige Alter hinaus übemommen werden, sofern eine begonnene Schulausbildung noch nicht abgeschlossen ist, längstens aber bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres.
    Oliver


    § 22 Grundsätze der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen

    (1) In Kindergärten, Horten und anderen Einrichtungen, in denen sich Kinder für einen Teil des Tages oder ganztags aufhalten, (Tageseinrichtungen) soll die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gefördert werden.

    (2) Die Aufgabe umfasst die Betreuung, Bildung und Erziehung des Kindes. Das Leistungsangebot soll sich pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientieren.

    (3) Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben sollen die in den Einrichtungen tätigen Fachkräfte und anderen Mitarbeiter mit den Erziehungsberechtigten zum Wohl der Kinder
    zusammenarbeiten. Die Erziehungsberechtigten sind an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Tageseinrichtung zu beteiligen.
    Oliver


    § 23 Tagespflege

    (1) Zur Förderung der Entwicklung des Kindes, insbesondere in den ersten Lebensjahren, kann auch eine Person vermittelt werden, die das Kind für einen Teil des Tages oder ganztags entweder im eigenen oder im Haushalt des Personensorgeberechtigten betreut (Tagespflegeperson).

    (2) Die Tagespflegeperson und der Personensorgeberechtigte sollen zum Wohl des Kindes zusammenarbeiten. Sie haben Anspruch auf Beratung in allen Fragen der Tagespflege.

    (3) Wird eine geeignete Tagespflegeperson vermittelt und ist die Förderung des Kindes in Tagespflege für sein Wohl geeignet und erforderlich, so sollen dieser Person die
    entstehenden Aufwendungen einschließlich der Kosten der Erziehung ersetzt werden. Die entstehenden Aufwendungen einschließlich der Kosten der Erziehung sollen auch ersetzt werden, wenn das Jugendamt die Geeignetheit und Erforderlichkeit der Tagespflege für das Wohl des Kindes und die Eignung einer von den Personensorgeberechtigten nachgewiesenen Pflegeperson feststellt.

    (4) Zusammenschlüsse von Tagespflegepersonen sollen beraten und unterstützt werden.

    Wie hoch die Kostenübernahme durch das Jugendamt ausfällt ist auch hier unterschiedlich. Der einfache Satz ist immer die untere Grenze. Je nach Fall und Sozialarbeiter kann der bewilligte Betrag auch deutlich darüber liegen.
    Oliver


    § 24 Ausgestaltung des Förderungsangebots in Tageseinrichtungen

    Ein Kind hat vom vollendeten dritten Lebensjahr an bis zum Schuleintritt Ansprach auf den Besuch eines Kindergartens. Für Kinder im Alter unter drei Jahren und Kinder im schulpflichtigen Alter sind nach Bedarf Plätze in Tageseinrichtungen vorzuhalten. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben darauf hinzuwirken, daß ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen zur Verfügung steht.
    Oliver


    § 27 Hilfe zur Erziehung

    (1) Ein Personensorgeberechtigter hat bei der Erziehung eines Kindes oder eines Jugendlichen Anspruch auf Hilfe (Hilfe zur Erziehung), wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist.

    (2) Hilfe zur Erziehung wird insbesondere nach Maßgabe der §§ 28 bis 35 gewährt. Art und Umfang der Hilfe richten sich nach dem erzieherischen Bedarf im Einzelfall dabei soll das engere soziale Umfeld des Kindes oder des Jugendlichen einbezogen werden

    (3) Hilfe zur Erziehung umfasst insbesondere die Gewährung pädagogischer und damit verbundener therapeutischer Leistungen. Sie soll bei Bedarf Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen im Sinne von § 13 Abs. 2 einschließen.

    Die §§ 27 ff. ziehen immer dann, wenn auffällige Erziehungsschwierigkeiten vorliegen. Wenn einem die Kinder "über den Kopf wachsen", kann man Hilfe nach diesen Paragraphen beantragen. Kompetente Sozialarbeiter/innen des Jugendamtes (soll es geben(!)) klären über die Hilfsmöglichkeiten auf.
    Oliver


    § 28 Erziehungsberatung

    Erziehungsberatungsstellen und andere Beratungsdienste und ?einrichtungen sollen Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme und der zugrundeliegenden Faktoren, bei der Lösung von Erziehungsfragen sowie bei Trennung und Scheidung unterstützen. Dabei sollen Fachkräfte verschiedener Fachrichtungen zusammenwirken, die mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen vertraut sind.
    Oliver


    § 31 Sozialpädagogische Familienhilfe

    Sozialpädagogische Familienhilfe soll durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie.
    Oliver


    § 32 Erziehung in einer Tagesgruppe

    Hilfe zur Erziehung in einer Tagesgruppe soll die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen durch soziales Lernen in der Gruppe, Begleitung der schulischen Förderung und Elternarbeit unterstützen und dadurch den Verbleib des Kindes oder des Jugendlichen in seiner Familie sichern. Die Hilfe kann auch in geeigneten Formen der Familienpflege geleistet werden.
    Oliver


    Aus einem Brief an das Bundesministerium:

    Im Februar verstarb meine Frau im Alter von 29 Jahren. Seit dieser Zeit lebe ich mit meinen 3 Kindern im Alter von 7, 8 und 10 Jahren im Haus meiner Schwiegereltern, allein. Etwa ein Jahr lang wurde mir durch finanzielle Mithilfe der Caritas eine Erziehungshilfe gewährleistet. Jedoch seit Mai diesen Jahres bin ich, obwohl ich berufstätig bin, mit der Erziehung meiner Kinder und den im Haushalt anfallenden Arbeiten alleine. Dies ist einfach für mich nicht zu bewältigen...
    Verhandlungen mit dem Sozial- bzw. Jugendamt haben lediglich ergeben, dass mir eine Haushaltshilfe für 2 Stunden pro Woche bewilligt werden kann oder als Alternative wurde mir angeboten, meine Kinder in ein Heim zu geben.

    Aber ich denke, diese letztere Konsequenz kommt für meine Familie nicht in Betracht, zumal ich nun auch Verbindung mit einer Erzieherin aufgenommen habe, die sogar bereit wäre, evtl. ,für halbe Tage die Erziehung und Betreuung meiner Kinder und Haushaltsarbeiten mit zu übernehmen. Jedoch kann ich diese Hilfe, die für mich und meine Kinder dringend erforderlich wäre, nicht finanzieren. Welche Möglichkeiten bzw. Rechtsansprüche habe ich in meiner Familiensituation? Denn ich weiß nicht, an welche Institution ich mich noch wenden kann, um eine Hilfe für mich bzw. meine Kinder in Anspruch zu nehmen...
    Oliver


    Aus dem Antwortschreiben des Bundesjugendministeriums:

    Im Rahmen der vorgesehenen Neuordnung des Jugendhilferechts wollen wir ... einen Anspruch auf Unterstützung bei Führung des Haushalts und der Erziehung der Kinder für die Fälle einführen, in denen der haushaltsführende Elternteil ausfällt. Eine solche Lösung scheint uns sowohl aus pädagogischen wie aus finanziellen Gründen sinnvoll: Sie erhält den minderjährige Kindern die Familie und erspart ihnen eine für diese Situation auch gar nicht gedachte aufwendige Erziehung in einer Ersatzfamilie oder in einer Einrichtung.

    Bis zur Änderung Jugendwohlfahrtsgesetzes... werden Jugendämter nur im Einzelfall bereit sein, solche ambulanten Hilfen auf freiwilliger Basis zu leisten. Dennoch müsste es bereits jetzt jedem Jugendamtsleiter einleuchten, dass die Stellung einer Haushaltshilfe wesentlich ist als die angebotene Unterbringung der Kinder in einem Heim. 

    Quelle: Kinder- und Jugendhilfegesetz (Achtes Buch Sozialgesetzbuch; 5. Auflage, April 1993)
    Oliver


    Wer erhält Unterhaltsvorschuss?

    Unterhaltsleistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz sind Unterhaltsvorschussleistungen oder Unterhaltsausfalleistungen.

    Diese erhält ein Kind, wenn es

    • in Deutschland einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat und
    • hier bei einem alleinerziehenden Elternteil lebt und
    • von dem anderen Elternteil nicht oder nur teilweise oder nicht regelmäßig Unterhalt in Höhe des maßgeblichen Regelbetrages nach der Regelbetragverordnung erhält und
    • das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

    Ausländischen Kindern werden Unterhaltsvorschussleistungen gezahlt, wenn sie selbst oder ihr alleinerziehender Elternteil eine Aufenthaltserlaubnis oder Aufenthaltsberechtigung besitzen. Kein Unterhaltsvorschuss wird Kindern von Alleinerziehenden gezahlt, die nur im Besitz einer Aufenthaltsbefugnis (z.B. bei Bürgerkriegsflüchtlingen) oder einer Aufenthaltsbewilligung (bei Aufenthalt zu Studienzwecken) sind. Kein Unterhaltsvorschuss wird auch Kindern von Alleinerziehenden gezahlt, die von ihren im Ausland ansässigen Arbeitgebern für eine vorübergehende Tätigkeit nach Deutschland entsandt worden sind. Asylberechtigte und sog. Kontingentflüchtlinge haben grundsätzlich eine Aufenthaltserlaubnis, so dass sie von der Einschränkung nicht betroffen sind.

    Das Kind und der alleinerziehende Elternteil müssen in einem Haushalt zusammenleben. Dies muss aber nicht der eigene Haushalt des Elternteils sein. Die Voraussetzung ist z.B. auch erfüllt, wenn Elternteil und Kind im Haushalt der Großeltern zusammenleben.

    Der Elternteil ist nicht alleinerziehend, wenn er verheiratet ist und nicht dauernd getrennt lebt oder wenn er unverheiratet mit dem anderen Elternteil zusammenlebt.
    Oliver


    Wie hoch ist der Unterhaltsvorschuss?

    Die Höhe des Unterhaltsvorschusses richtet sich wie im Unterhaltsrecht nach den für die betreffende Altersstufe festgelegten Regelbeträgen in der Regelbetragverordnung.

    Seit 1. 7. 2003 gelten folgende Unterhaltsvorschussbeträge:

    In den alten Bundesländern:

    • für Kinder bis unter 6 Jahren 122 Euro monatlich;
    • für ältere Kinder bis unter 12 Jahren 164 Euro monatlich.

    In den neuen Bundesländern und dem Ostteil Berlins:

    • für Kinder bis unter 6 Jahren 105 Euro monatlich;
    • für ältere Kinder bis unter 12 Jahren 145 Euro monatlich.

    Die für die Unterhaltsvorschussleistung maßgeblichen Regelbeträge in den neuen Ländern werden weiter schrittweise an die im alten Bundesgebiet geltenden Sätze angeglichen.

    Von den genannten Unterhaltsvorschussbeträgen werden abgezogen:

    • Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils oder die Waisenbezüge, die das Kind nach dessen Tod oder nach dem Tod eines Stiefelternteils erhält.

    Nicht abgezogen werden sonstige Einkünfte des Kindes und das Einkommen des alleinerziehenden Elternteils.
    Oliver


    Wie lange wird der Unterhaltsvorschuss gezahlt?

    Die Unterhaltsvorschussleistung wird insgesamt längstens für 72 Monate gezahlt. Die Zahlung endet spätestens, wenn dein Kind 12 Jahre alt wird. Das gilt auch dann, wenn die Unterhaltsleistung noch nicht volle 72 Monate gezahlt worden ist.
    Oliver


    Kann Unterhaltsvorschussleistung auch rückwirkend gezahlt werden?

    Die Unterhaltsvorschussleistung kann rückwirkend auch für den Monat vor dem Eingang des Antrags bei der Unterhaltsvorschussstelle gezahlt werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen bereits in dieser Zeit erfüllt waren.
    Oliver


    Was musst du tun, um Unterhaltsvorschuss zu erhalten?

    Die Leistung nach dem Unterhaltsvorschussgesetz (UVG) musst du schriftlich beantragen. Ein mündlicher Antrag (z.B. durch Telefonanruf) genügt nicht. Der Antrag ist von dir bei der zuständigen Unterhaltsvorschussstelle - in der Regel bei dem zuständigen Jugendamt - zu stellen. Das ist das Jugendamt, in dessen Bezirk dein Kind lebt. Das Antragsformular und das UVG-Merkblatt erhältst du bei der Stadt-, Gemeinde- oder Kreisverwaltung. Das Jugendamt hilft dir (vielleicht ;-) ) auf Wunsch bei dem Ausfüllen des Antrages.
    Oliver


    Wie wird der Unterhaltsvorschuss gezahlt?

    Der Unterhaltsvorschuss wird kalendermonatlich im voraus gezahlt. Eine weitergehende Vorauszahlung ist nicht möglich. Besteht der Unterhaltsanspruch deines Kindes nicht für den ganzen Monat, so wird die Unterhaltsvorschussleistung anteilig berechnet.
    Oliver


    Wie erfährst du von der Entscheidung?

    Auf deinem Antrag erhältst du schriftlichen Bescheid. Darin wird dir mitgeteilt, ob

    dem Antrag in vollem Umfang entsprochen wird oder

    • dem Antrag nicht oder nicht in vollem Umfang entsprochen werden kann oder
    • der Unterhaltsvorschuss herabgesetzt oder die Zahlung ganz eingestellt werden muss.

    Aus dem Bescheid kannst du entnehmen,

    • für welches Kind die Leistung bestimmt ist,
    • wie hoch die monatliche Leistung ist,
    • für welchen Zeitraum sie bewilligt wird und
    • welche Beträge ggf. angerechnet werden.
    Oliver


    Was kannst du gegen eine Entscheidung tun?

    Wird dem Antrag nicht oder nicht voll entsprochen, kannst du gegen die Entscheidung Widerspruch einlegen. Der Widerspruch bewirkt, dass die Entscheidung von einer besonderen Stelle nochmals überprüft wird. Den Widerspruch musst du innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung bei der Unterhaltsvorschussstelle (Jugendamt) einlegen. Diesen kannst du schriftlich einreichen oder in der Unterhaltsvorschussstelle persönlich zur Niederschrift erklären.

    Kann deinem Widerspruch nicht abgeholfen werden, erhältst du einen Widerspruchsbescheid, gegen den du Klage vor dem Verwaltungsgericht erheben kannst.
    Oliver


    In welchen Fällen muss der Unterhaltsvorschuss zurückgezahlt werden?

    Hat das, Kind zu Unrecht Unterhaltsvorschuss erhalten, musst du den Betrag ersetzen, wenn und soweit du

    die Überzahlung verursacht hast durch

    • vorsätzlich oder grobfahrlässig falsche oder unvollständige Angaben oder
    • nicht rechtzeitige Anzeige einer Veränderung in den Verhältnissen, die für die Leistung erheblich sind (s. nächster Abschnitt) oder

    wusstest oder zumindest wissen musstest, dass dem Kind der Unterhaltsvorschuss nicht oder nicht in der gezahlten Höhe zustand.

    Das Kind muss den Unterhaltsvorschuss zurückzahlen, wenn es nach Antragstellung

    • Waisenbezüge erhalten hat, die bei der Berechnung der Höhe des Unterhaltsvorschusses hätten angerechnet werden müssen.
    Oliver


    Was musst du beachten, wenn du Unterhaltsvorschuss beantragt hast?

    Schon ab Antragstellung und für die gesamte Zeit des Leistungsbezugs musst du der Unterhaltsvorschussstelle unverzüglich alle Änderungen in den Verhältnissen mitteilen, die für den Anspruch von Bedeutung sein können oder über die du im Zusammenhang mit dem Unterhaltsvorschussgesetz Erklärungen abgegeben hasst. Mitteilungen an andere Behörden (z.B. an die Gemeindeverwaltung oder das Einwohnermeldeamt) genügen nicht.

    Das Jugendamt musst du insbesondere sofort benachrichtigen, wenn

    • das Kind nicht mehr bei dir lebt,
    • du heiratest oder
    • du umziehst.

    Wenn du dieser Anzeigepflicht nicht nachkommst, bist du zum Ersatz der zuviel gezahlten Unterhaltsvorschussleistung verpflichtet. Daneben kann die vorsätzliche oder fahrlässige Verletzung dieser Anzeigepflicht mit Bußgeld geahndet werden.
    Oliver


    Wann wird der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss überprüft?

    Die Unterhaltsvorschussstelle muss in bestimmten Abständen prüfen, ob die Voraussetzungen für den Anspruch auf Unterhaltsvorschuss noch vorliegen. So ist z.B. zu prüfen, ob

    • du geheiratet hast,
    • das Kind noch in deinem Haushalt lebt und
    • du mit dem Kind in einen anderen Jugendamtsbezirk verzogen sind.

    Um diese Überprüfungen zu ermöglichen, wirst du vom Jugendamt aufgefordert, entsprechende Fragen zu beantworten und, Unterlagen vorzulegen.
    Oliver


    Wie wirkt sich der Unterhaltsvorschuss auf die Sozialhilfe aus?

    Die Unterhaltsvorschussleistung nach dem Unterhaltsvorschussgesetz gehört zu den Mitteln, die den Lebensunterhalt des Kindes decken sollen. Diese Leistung schließt den Sozialhilfeanspruch des Kindes nicht aus. Sie wird aber als vorrangige Sozialleistung auf die Hilfe zum Lebensunterhalt (Sozialhilfe) nach dem Bundessozialhilfegesetz angerechnet. Soweit der notwendige Lebensunterhalt durch den Unterhaltsvorschuss nicht vollständig gedeckt wird, kommt ergänzende Sozialhilfe in Betracht.
    Oliver


    Einleitung

    Unmittelbar nach dem Tod meiner Frau begannen auch meine Kämpfe mit dem Jugendamt.

    Das was sich abspielte, war nach meinem Empfinden so unglaublich, so dass ich es irgendwann über eine Homepage veröffentlichen wollte.

    Dies war also mit ein Grund, warum es verwitwet.de überhaupt gibt.

    Aber lest selbst:
    Oliver


    Mein Brief an das Jugendamt vom 27. April 1999

    Die Namen der Mitarbeiter des Jugendamtes wurden durch "X", "Y" oder "Z" ersetzt. So werden nun der Fachbereichsleiter Herr ZZZZZZZ, der Gruppenleiter Herr YYYYYY und die für mich zuständige Bezirkssozialarbeiterin Frau XXXX genannt.

    Sehr geehrte Frau XXXX,

    Ihr Schreiben vom 08. April 1999 nebst Anlage habe ich erhalten und ich muss sagen, dass mich der Inhalt verzweifeln lässt.

    Ich werde dazu im Anhang zu diesem Schreiben noch Stellung nehmen, aber zunächst will ich erst mal den bisherigen Verlauf der Geschehnisse skizzieren. Da ich dies in Form eines Tagebuches darlege, sehen Sie mir bitte nach, dass ich Sie nicht direkt anspreche.

    Tagebuchartige Aufzeichnung der Ereignisse:

    Sonntag, den 13. September 1998


    Ich besuche mit meiner Familie und einem befreundeten Ehepaar die Kirmes Pützchen's Markt in Bonn-Beuel. Nachdem wir uns einige Schausteller und Kirmesgerätschaften ansehen, will meine Frau mit mir auf die sogenannte  Affenschaukel . Dies ist ein Schaukelkäfig, mit dem man versucht, aus eigener Kraft diesen zu einem Überschlag zu bewegen.

    Wir platzieren unsere Kinder so vor das Gerät, dass sie uns gut beobachten können. Nachdem wir etwa die halbe Höhe erreicht haben, schaut meine Frau plötzlich mit großen, aufgerissenen Augen meine Kinder an (so beschreibt es hinterher mein Sohn Fabian) und fällt mir kraftlos in meine Arme. Nach dem Stillstand der Schaukel ziehe ich meine Frau ins Freie und versuche sie mit Hilfe einiger Passanten wiederzubeleben. Nach ca. 5 bis 10 Minuten übernehmen Rettungssanitäter diese Tätigkeit. Nach ca. weiteren 30 Minuten erfolgloser Wiederbelebung (vor den Augen meiner Kinder) wird sie in den Rettungswagen getragen und ich begleite sie ins Bonner Johanniter-Krankenhaus. Unsere Freunde und meine Kinder müssen zur Vernehmung ins Polizeirevier.

    Nach insgesamt etwa einer Stunde fängt das Herz meiner Frau wieder richtig an zu schlagen. Sie gibt aber ansonsten keine Reaktionen von sich. Sie liegt im Koma.

    Montag, den 14. September

    Es zeigt sich ein weitgehend unverändertes Bild. Sie hat nur zusätzlich zwischen 39 und 40 Grad Fieber und wird künstlich beatmet. Ich halte mich von ca. 10 bis 16 Uhr im Krankenhaus bei meiner Frau auf. Meinen Sohn habe ich trotz des Vorfalles für drei Tage auf Klassenfahrt geschickt, Mira ist vormittags in der Schule und nachmittags wird sie, wie auch meine jüngste Tochter Annika, von Freunden bzw. meinen Eltern betreut.

    Dienstag, den 15. September

    Der Zustand meiner Frau hat sich insofern verbessert, als dass das Fieber zurückgegangen ist. Sie sieht bis auf die Beatmung sehr gut aus. Sie macht optisch keinen kranken Eindruck. Die Ärzte ermutigen mich, einen Kassettenrecorder mitzubringen, um ihr bekannte Lieder oder die Stimmen unserer Kinder vorzuspielen. Ich halte mich wieder den ganzen Tag im Krankenhaus auf.

    Mittwoch, den 16. September

    Ich kann nur den Vormittag im Krankenhaus bleiben, da ich Fabian bei der Rückkehr von der Klassenfahrt empfangen will. Eine Krankengymnastin erklärt mir noch, wie sie meine Frau stimulieren will. Ihr Zustand ist fast unverändert, jedoch fieberfrei. Voller Zuversicht fahre ich nach Hause.

    Donnerstag, den 17. September

    Im Krankenhaus werde ich zum leitenden Facharzt der Intensivstation gerufen. Er erklärt mir, dass am Mittwoch Nachmittag ein Neurologe meine Frau untersucht hatte und dabei den Hirntod feststellte. Eine solche Diagnose muss immer durch eine zweite Untersuchung bestätigt werden, bevor die lebenserhaltenden Geräte abgestellt werden können. Ich muss noch entscheiden, ob diese Diagnose durch die gleiche Untersuchung nach einer Woche oder durch technische Hilfsmittel am nächsten Tag stattfinden soll. Ich entscheide mich für die zweite Variante, da ich nicht so lange im Ungewissen bleiben kann. Ferner ist noch die Frage einer Organspende zu klären. Meine Eltern sind in diesen Tagen eine starke Stütze für mich.

    Freitag, den 18. September

    Ich werde telefonisch darüber informiert, dass die Beatmungsgeräte abgestellt und der Tod um 12 Uhr eingetreten ist. Meine Kinder und ich haben den wichtigsten Menschen unseres Lebens verloren. Ich bin nun im Alter von 31 Jahren und nach über 10 glücklichen Ehejahren Witwer und meine Kinder im Alter von 10, 6 und 3 Jahren Halbwaisen.

    An diesem Nachmittag kommt mir die Aufgabe zu, diese Nachricht meinen Kindern beizubringen.

    Gestützt durch meine Eltern und Freunde muss ich mich zunächst um die Beerdigung meiner Frau kümmern und mir erste Gedanken machen über welche Verbände oder Behörden ich an Hilfe für die Versorgung und Erziehung meiner Kinder sowie an das Aufrechterhalten meines Haushalts komme.

    Montag, den 21. September

    Die Planung der Beerdigung bedeuten sehr schwere Stunden für mich. Ich bin froh, dass diese bereits heute beendet sind und die eigentliche Organisation von Freunden übernommen wird.

    Auch um meine zukünftige Hilfe haben sich Freunde und Bekannte Gedanken gemacht. Doch leider müssen sie und ich sehr schnell feststellen, dass der endgültige Ausfall einer Mutter in unserem Sozialsystem nicht vorgesehen ist.

    Ein vorübergehender Ausfall durch Krankenhausaufenthalt oder ähnliches ist kein größeres Problem. Für zwei bis drei Monate erhält man schnell und relativ unbürokratisch Hilfe. Doch auf eine auf Jahre angelegte Hilfe - so wie ich sie benötige - ist keine Organisation und sind scheinbar auch die Ämter nicht eingestellt.

    Erster Kontakt zum Jugendamt nach dem Tod meiner Frau.

    Ich frage Frau XXXX, als die für mich zuständige Bezirkssozialarbeiterin nach Hilfsangeboten des Jugendamtes.

    • Sie spricht davon, dass vielleicht die Betreuung meiner Kinder durch eine Tagesmutter möglich ist; das Jugendamt mir derzeit aber niemanden vermitteln kann.
    • Finanziell könnte ich mit ca. DM 250 je Kind rechnen, wenn eine Tagesmutter zu mir ins Haus kommt. Bei ca. DM 400 liegt der Satz, wenn die Kinder zur Tagesmutter gingen.
    • Ich könne ja sehen, ob ich jemanden finden würde; das Jugendamt würde mir dann mitteilen, wie viel es zu zahlen bereit wäre.

    Ich muss sagen, dass ich mich nicht gut beraten und unterstützt fühle (dieses hat sich bis heute nicht geändert ).

    In den nächsten Tagen wende ich mich noch an verschiedene Oganisationen wie Caritas, Verband alleinerziehender Mütter und Väter und andere. Aber auch hier stoße ich vielfach auf Ratlosigkeit oder es gibt nur das Angebot von Hilfen für maximal drei Monaten.

    Freitag, den 25. September

    Auf dem Melatenfriedhof findet die Beerdigung meiner Frau statt.

    Samstag, den 26. September

    Den 3. Geburtstag meiner Tochter Annika lassen wir ausfallen und verschieben ihn um einen Monat. Sie hat vorzeitig einen Platz im Kindergarten bekommen.

    40. Kalenderwoche

    Zu Wochenanfang bringe ich meinen  Antrag auf Hilfe zur Erziehung  persönlich beim Jugendamt vorbei.

    Ich beginne mit der Suche nach einer Betreuung für meine Kinder.

    Pfarrer Beuscher (evangelischen Gemeinde Lindenthal) vermittelt mir Frau Kleis, eine Sozialpädagogin auf der Suche nach einer Stelle für das Anerkennungsjahr. Sie stellt sich bei uns vor und ist grundsätzlich bereit, in meiner Familie zu arbeiten. Sie hat zwei ältere Töchter und arbeitet derzeit als Honorarkraft in der Kindertagesstätte  Paulchen  am Lindenthalgürtel.

    Da sie auf mich einen positiven Eindruck macht und auch die Kinder sie sofort annehmen, mache ich mir Gedanken darüber, ob Frau Kleis in meiner Familie ihre Ausbildung beenden kann. Was fehlt ist eine professionelle Anleitung.

    Die erste Anlaufstelle in dieser Frage ist für mich das Jugendamt.

    Frau XXXX sieht keine Möglichkeit, mir dabei zu helfen.

    41. Kalenderwoche

    Über eine befreundete Kinderärztin wird der Kontakt zu dem Verein  Kranke Pänz e.V.  bzw. dessen Gruppe  Betreute Pänz  hergestellt. Dieser erklärt sich sofort und äußerst unbürokratisch dazu bereit, Frau Kleis für das Anerkennungsjahr bei sich anzustellen. Einzige Bedingung ist ein positives Vorstellungsgespräch.

    Urlaubsbedingt ist Frau Kleis kurzfristig nicht erreichbar. Und so suche ich parallel weiter, weil ich nicht sicher sein kann, dass sie nicht bereits eine andere Stelle angenommen hat.

    Frau XXXX gibt mir die Telefonnummer einer kommerziellen Firma, die Arbeitslose im Rahmen einer ABM-Maßnahme zu einem niedrigen Stundensatz als Haushaltshilfen vermittelt. Nach einen von mir vereinbarten Vorstellungstermin stellt sich eine Frau vor, die jedoch von meinen Kindern nicht positiv aufgenommen wird.

    Auch mit der Caritas bin ich im Gespräch. Die könnten mir kurzfristig eine Praktikantin für maximal drei Monate zur Verfügung stellen.

    Dienstag/Mittwoch, den 13./14. Oktober

    Frau Kleis meldet sich zurück. Da ich auf ihren Anrufbeantworter gesprochen hatte, wußte sie von meinem Kontakt zum Verein Kranke Pänz e.V.. Sie hat bereits für den Mittwoch ein Vorstellungsgespräch vereinbart, welches positiv verläuft. Auch ich bin anwesend. Man sagt mir die Hilfe mündlich zu.

    43. Kalenderwoche

    Frau Kleis nimmt in meiner Familie die Arbeit auf.

    Donnerstag, den 22. Oktober

    Das erste Hilfeplangespräch mit dem Jugendamt findet statt.

    Beteiligte Fachbereichsleiter Herr ZZZZZZZ, Gruppenleiter Herr YYYYYY, Frau XXXX als Bezirkssozialarbeiterin, Herr von Orde von  Kranke Pänz e.V. , Frau Marx eine Freundin meiner Familie und ich.

    Die Atmosphäre bei dem Hilfeplangespräch ist erfreulich entspannt.

    • Mein Eindruck nach sehen alle Beteiligten die Notwendigkeit, daß meine Kinder und ich längerfristig Hilfe benötigen.
    • Herr ZZZZZZZ erklärt, dass meine Kinder noch lange Zeit zu Hause betreut werden müssen.
    • Er sagt zu, dass das Jugendamt sich noch lange Zeit an einer Hilfe finanziell beteiligen wird.

    Strittig ist in dem Gespräch lediglich die Finanzierung der ersten sechs Monate. Laut Herrn von Orde benötigt der Verein sechs Monate lang einen Tagespflegesatz von DM 215 (ca. DM 4.000 im Monat) zur Finanzierung von Frau Kleis. Für das restliche Jahr kommt er mit
    DM 2.700 aus. Herr ZZZZZZZ ist zunächst aber nur bereit für die ersten drei Monate den Tagespflegesatz zuzusagen. In einem zweiten Hilfeplangespräch nach dem ersten Quartal soll dann festgestellt werden, ob dieser Satz auch für weitere drei Monate gezahlt wird.

    Es ist ein neuer Termin für Dezember/Januar vorgesehen.

    Nach dem Hilfeplangespräch wollen mich Herr ZZZZZZZ und Herr YYYYYY ohne Anwesenheit des Vereins sprechen.

    • Mir wird gesagt, dass mir die Hilfe von Frau Kleis für ihr Anerkennungsjahr sicher sei.
    • Nur für die Zeit nach diesem Jahr muss ich mich wohl um eine andere, weniger professionelle Frau kümmern, da eine ausgebildete Sozialpädagogin sicherlich nicht mehr bezahlt werden kann.
    • Er stellt mir DM 2.700 in Aussicht, die das Jugendamt mir auch über das Annerkennungsjahr von Frau Kleis hinaus langfristig zur Verfügung stellen könnte.

    Seit dem Tod meiner Frau bin ich krank geschrieben.

    Erst im November - nachdem vorerst das Meiste geklärt ist - beginne ich wieder meine Arbeit als Bankkaufmann aufzunehmen.

    Nach einer Woche breche ich erschöpft zusammen. Ich werde zunächst für weitere zwei Wochen krank geschrieben. Anschließend vereinbare ich mit meinem Arbeitgeber und meiner Krankenkasse eine sogenannte Wiedereingliederung, bei der ich ca. 24 Stunden die Woche arbeite. Dies wird von meinem Hausarzt zunächst für ein halbes Jahr bis Ende Mai 99 projektiert. Ich sende monatlich eine Krankmeldung an die Krankenkasse.

    Inzwischen befinde ich mich auch in psychotherapeutischer Behandlung.

    Montag, den 18. Januar 1999

    Das zweite Hilfeplangespräch findet statt.

    Anwesende: Herr ZZZZZZZ, Herr YYYYYY, Frau XXXX, Herr von Orde, Frau Kleis, meine Mutter und ich.

    Offenbar überrascht von der Tatsache, dass ich krank geschrieben bin und deshalb nur noch Teilzeit arbeite, ist die Atmosphäre von Seite des Jugendamtes sehr gereizt.

    Die Betroffenheit des ersten Gespräches ist gewichen.

    Das Gespräch verläuft unsachlich. Für meine Mutter und mich sieht es so aus, als wolle man moralisch auf uns einwirken.

    • Herr ZZZZZZZ macht die Aussage, dass ich mir ja aussuchen kann, ob ich nun krank bin oder nicht.
    • Es wird mir unterstellt, dass ich nur auf meine berufliche Karriere bedacht bin.
    • Meine Mutter wird befragt, wie denn ihre Beziehung zu meinen Kindern sei. Auf die Antwort, dass sie die Kinder in der Vergangenheit aufgrund der räumlichen Entfernung und ihrer Berufstätigkeit nicht so häufig gesehen habe erwidert er: 'Das gibt mir aber zu denken.'
    • Der Wortbeitrag von Frau XXXX:  Herr Scheithe, Sie müssen die Realitäten sehen! 

    Es scheint, als würde das Jugendamt begrüßen, wenn ich nun langfristig in Teilzeit arbeiten könnte. Somit wäre ich auf keine oder kaum noch Hilfe angewiesen. Das die vorübergehende Teilzeitbeschäftigung aufgrund meiner Krankheit erfolgt, wird nicht
    wahrgenommen.

    Letztendlich wird - nach meinem Empfinden  zähneknirschend - die Finanzierung zum Tagespflegesatz für vorerst zwei Monate weiterbewilligt. Dabei soll ich mich aber bis zum nächsten Termin verbindlich festlegen, ob ich zukünftig nun Voll- oder Teilzeit arbeiten will.

    Das Gespräch hat mich nachhaltig belastet. Ich bin sehr deprimiert. Ich mache mir Gedanken, ob ich dieser Belastung auf Dauer standhalten kann.

    Freitag, den 12. März

    Auf meine Bitte hin findet ein Vier-Augen-Gespräch  mit Herrn YYYYYY statt.

    Ich teile Herrn YYYYYY mit, dass ich beim dritten Hilfeplangespräch noch nicht sagen kann, ob ich zukünftig Voll- oder Teilzeit arbeiten werde. Dazu muss ich vorher vom Jugendamt wissen, wie die Hilfe im einen wie auch im anderen Fall aussehen wird.

    Auch bei einer Teilzeittätigkeit schaffe ich es nicht dauerhaft, Haushalt und Kinder alleine zu versorgen. Die Deckung eventueller Betreuungsfehlzeiten seitens des Jugendamtes reicht nicht aus. Ferner erläutere ich ausführlich, weshalb ich noch nicht die Möglichkeit von Hort- bzw. Über-Mittag-Betreuung meiner Töchter sehe.

    Nebenbei erwähne ich, dass Frau XXXX, als die für mich zuständige Sozialarbeiterin, bislang noch nicht den Weg zu mir in die Familie gefunden hat.

    Nach dem Gespräch habe ich das Gefühl, dass grundsätzlich Verständnis für meine Argumentationen gezeigt wird.

    Montag, den 22. März

    Frau XXXX besucht mich. Ich erläutere noch einmal ausführlich unsere familiäre Situation.

    Freitag, den 26. März

    Drittes Hilfeplangespräch mit dem Jugendamt.

    Anwesende Herr ZZZZZZZ, Frau XXXX, Herr von Orde, Frau Kleis und ich.

    Herr YYYYYY nimmt nicht teil.

    • Das Gespräch verläuft nicht konstruktiv.
    • Herr ZZZZZZZ antwortet nicht auf meine Frage nach der Hilfe des Jugendamtes bei eventueller Voll- oder Teilzeitarbeit.
    • Es wird die Kompetenz einer Psychologin in Frage gestellt, die es für notwendig hält meinen Kindern ein  Trauerjahr  zu gewähren
    • Herr ZZZZZZZ schlägt eine Internatsunterbringung für meinen Sohn vor.

    Die Stimmung ist wiederum sehr gereizt.

    Ende der Aufzeichnung.

    Das Hilfeplangespräch und das mir daraufhin zugesandte Protokoll sind nicht identisch.

    Hierzu nehme ich im Anhang Stellung.

    Es wird deutlich, dass es im persönlichen Gespräch zwischen mir und Ihnen bzw. Herrn ZZZZZZZ Kommunikationsprobleme gibt. Deshalb möchte ich Ihnen auf diesem Wege noch einmal meine Sichtweise der Dinge darlegen.

    Meine drei Kinder und ich befinden uns durch den plötzlichen Tod meiner Frau in einer schwierigen Lebenssituation voller Trauer und immer wiederkehrender depressiver Zustände. Die Traumatisierung der Kinder hat zur Folge, dass alle Kinder unter großen Verlustängsten leiden, mir gegenüber besonders anhänglich sind und für Fabian - eventuell auch Annika - eine Psychotherapie erwogen wird. Es ist dringend notwendig, daß die Kinder zunächst zusammen und in ihrem gewohnten Umfeld und Tagesablauf verbleiben, um ausreichend Sicherheit und Geborgenheit zu erfahren. Dies erfordert weiterhin eine häusliche Betreuung für einen längeren Zeitraum.

    Ich bitte zu bedenken, dass bis zu dem Tod meiner Frau mein Leben 10 Jahre lang darauf ausgerichtet war, berufstätig zu sein, um meine Familie zu ernähren. Meine Frau war bis dahin mit der Erziehung der Kinder und der Führung des Haushalts voll ausgelastet.

    Mit Berufstätigkeit, Kindererziehung und Haushalt bin ich alleine überfordert.

    Es ist für mich mit Hilfe von Frau Kleis schon jetzt eine enorme Belastung, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ich ohne Hilfe dies alles alleine bewältigen kann.

    Mein großes Anliegen ist es, dass die Kinder die Möglichkeit haben, sich weiterhin positiv zu entwickeln. Sie sind verunsichert, in hohem Maße zuwendungsbedürftig und benötigen mich als Hauptbezugsperson und auch sich gegenseitig. Ihre Vorschläge der Hort- und Internatsunterbringung sind in unserer speziellen Situation meiner Meinung nach noch nicht sinnvoll.

    In der Hoffnung auf einen künftig konstruktiven Dialog und adäquate Hilfe verbleibe ich

    mit freundlichem Gruß

    Oliver Scheithe
    Oliver


    Anhang zum Schreiben vom 27. April 1999

    An dieser Stelle nehme ich nun, wie in meinem Brief erwähnt, zu Ihrem Schreiben vom 08. April nebst Protokoll des dritten Hilfeplangesprächs Stellung.

    Zunächst zu Ihrem Brief:

    Sie schreiben (blau = Zitat):

    Das letzte Hilfeplangespräch am 26.03.1999 führte leider nicht zu einer abschließenden und einvernehmlichen Einigung über die Weiterführung der o.g. Hilfe.

    Sie haben recht! Dies lag daran, dass das Gespräch bedauerlicherweise nicht konstruktiv verlaufen ist.

    Wie mit Ihnen vereinbart, fand zwischenzeitlich ein Treffen der Fachkräfte in einem Beratungsgespräch statt.

    Mit mir wurde das nicht vereinbart.

    Für die weitere Versorgung Ihrer Kinder ist zunächst Ihre Mitwirkung vorrangig erforderlich.

    Nichts anderes mache ich seit dem Tod meiner Frau.

    Wie in den Hilfeplangesprächen mehrfach von meiner Seite betont wurde, ist eine baldige Unterbringung Ihrer Kinder in einer Regeleinrichtung mit einer Nachmittagsbetreuung, wie Kindertagesstätte und Hort dringend angezeigt.

    Zum einen haben Sie das lediglich im letzten Gespräch erwähnt. Im ersten Gespräch hatten Sie sich an der Diskussion überhaupt nicht beteiligt. Im zweiten Hilfeplangespräch sagten Sie lediglich: „Herr Scheithe, Sie müssen die Realitäten sehen“.

    Und zum anderen fehlt mir hier die Begründung, warum eine baldige Unterbringung dringend angezeigt ist.

    Ebenso wäre es für die weitere Planung günstig, wenn Sie bis dahin für sich eine berufliche Perspektive entwickelt haben.

    Wie bereits erwähnt, benötige ich von Ihnen konkrete Informationen über die Möglichkeiten der Hilfe des Jugendamtes bei Teil- bzw. bei Vollzeitarbeit?

    Komme ich nun zu Ihrem Protokoll:

    Den aktuellen Sachstand geben Sie relativ genau wieder. Allerdings haben Sie hierfür auch den Bericht des Vereins Kranke Pänz e.V.. Lediglich bei den Passagen über mich haben Sie vergessen zu erwähnen, daß ich bei der Entscheidung über meine berufliche Zukunft auf eine Aussage des Jugendamtes warte, wie denn die Hilfe im jeweiligen Fall aussieht (siehe oben).

    Unter Punkt „Eltern/Personensorgeberechtigten“ schreiben Sie:

    Herr Scheithe gab an, dass er weiterhin die Hilfe in der bisherigen Form beanspruchen möchte. Eine Einschränkung wurde von ihm abgelehnt.

    Natürlich möchte ich die Hilfe in der bisherigen Form weiter beanspruchen. Eine Einschränkung wurde von mir nicht abgelehnt. Ich sehe zur Zeit jedoch weiterhin die Notwendigkeit einer adäquaten Betreuung, wie sie bisher erfolgt ist und mir auch von Herrn ZZZZZZ über einen längeren Zeitraum im ersten Hilfeplangespräch in Aussicht gestellt wurde.

    Im Gespräch konnte er keine Zukunftsperspektiven bezogen auf seine weitere Berufstätigkeit bzw. Einschränkung der Berufstätigkeit geben.

    Auch wenn ich mich wiederhole: Sie haben vergessen zu erwähnen, daß ich Sie und Herrn ZZZZZZ mehrmals gefragt habe, mit welcher Hilfe ich in dem einen oder den anderen Fall rechnen kann. Auch die Bitte von Herrn von Orde (Betreute Pänz) an Herrn ZZZZZZ auf meine (klare) Frage zu antworten war vergebens.

    Auch die getroffenen Vereinbarungen im letzten Hilfeplangespräch vom 18.01.1999 wurden von Herrn Scheithe nicht angegangen, da er die Notwendigkeit nicht sah.

    Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, welche Vereinbarungen wir im Hilfeplangespräch am 18. Januar getroffen hatten. Auch eine Rückfrage bei meiner damals anwesenden Mutter konnte keine Klärung bringen. Ich weiß nur noch, dass Herr ZZZZZZ mich heftigst dazu aufgefordert hatte, im nächsten Gespräch meine berufliche Perspektive festzulegen (dazu siehe oben).

    Eine Ganztagsbetreuung durch Kindergarten und Hort wurde von ihm zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt.

    Sie haben vergessen zu erwähnen, dass ich ein Schreiben der Leiterin von Annikas Kindergarten mitgebracht hatte. Darin wird die „Tagesplatzfähigkeit“ meiner Tochter eindeutig verneint. Außerdem hatte ich im Gespräch mitgeteilt, dass ich zur Zeit sehr froh darüber bin, dass meine Tochter Mira derzeit sehr gut von den Müttern ihrer Freundinnen aufgefangen wird, die sie abwechselnd auf den Schulweg begleiten. Diese Gemeinschaft ist sehr wichtig für Mira, aus der ich sie im Moment – auch zu meiner Entlastung – nicht rausnehmen möchte.

    Auch eine spätere Versorgung durch Regeleinrichtungen wie Hort und Kindertagesstätte wurde von ihm im Gespräch nicht angenommen.

    Dies ist nicht wahr.

    Ich habe gesagt, dass ich mir darüber im Klaren bin, dass die derzeitige Hilfe sicherlich keine Dauerlösung sein wird, die über Jahre besteht. Außerdem könnte ich mir den Besuch einer solchen Einrichtung zu einem späteren Zeitpunkt durchaus vorstellen. Nur wann dieser Zeitpunkt sein wird, kann ich heute noch nicht sagen. Meine Kinder sind keine Maschinen.

    Herr Scheithe vertrat die Ansicht, dass die jetzige Hilfe bis zum 22. Oktober 1999 weiterhin in dieser Form erhalten bleibt. Weiterhin erkundigte sich Herr Scheithe nach der Möglichkeit der Hilfe ab dem 23.10.1999.

    Dies halte ich für falsch ausgedrückt. Ich hatte gesagt, dass ich es für sinnvoll halte, dass Frau Kleis bis zum Ende ihres Anerkennungsjahres in meiner Familie bleibt.

    Außerdem war meine Vorstellung, dass ich auf Basis dieses Anerkennungsjahres nach den Sommerferien mich in Ruhe um eine Hilfe auf privater Basis, ohne den Verein Kranke Pänz e.V., kümmern könnte.

    Unter Punkt „Träger der Hilfeart/durchführende Stelle“ schreiben Sie:

    Der Verein vertrat die Auffassung, dass die kontinuierliche Betreuung und Begleitung der drei Scheithe-Kinder in der jetzigen Form notwendig ist. Hierzu wurde nach Aussage des Vereins eine Psychologin befragt, die die Ansicht vertrat, dass weitere Veränderungen im Umfeld zum jetzigen Zeitpunkt für die Kinder vermieden werden sollten.

    Hier haben Sie die Psychologin falsch zitiert. Diese vertrat die allgemein anerkannte Meinung, dass man trauernden Kindern ein „Trauerjahr“ mit möglichst wenig Veränderungen im Umfeld gewähren sollte und nicht nur zum jetzigen Zeitpunkt. Herr ZZZZZZ gab dabei zu verstehen, wie wenig er von solchen Fachkräften halte.

    Die Gespräche, die mit Herrn Scheithe geführt wurden in Richtung von Unterbringung und Versorgung in Kindergarten und Hort, wurden von Herrn Scheithe abgelehnt.

    siehe oben

    Unter Punkt „Jugendamt/sonstige Stellen“ schreiben Sie:

    Von Seiten des Jugendamtes wurden die im letzten Hilfeplangespräch vereinbarten Punkte angesprochen.

    Ich kann mich immer noch nicht daran erinnern, welche das waren (siehe oben).

    Dies war einmal die Reduzierung der Stundenanzahl, der Betreuung der Frau Kleis sowie eine Versorgung der beiden jüngeren Kinder durch eine Regeleinrichtung wie Hort und Kindertagesstätte.

    Dies sollen die Punkte gewesen sein? Vereinbarungen hatten wir aber darüber nicht getroffen, denn dies hätte ja eine Einigung vorausgesetzt.

    Bezogen auf seine eigene Situation konnte Herr Scheithe keine Auskunft darüber geben, ob er in Zukunft weiterhin Teilzeit arbeitet oder einer Vollzeittätigkeit nachgeht.

    Siehe oben.

    Die Problematik des ältesten Sohnes bezüglich seiner Schulschwierigkeiten wurde eine Lösungsmöglichkeit durch das Angebot einer Internatsunterbringung vom Fachbereichsleiter angeboten. Dies wurde jedoch von Herrn Scheithe abgelehnt.

    Dieser Vorschlag zeigt, wie wenig Sie sich mit der Thematik trauernder Kinder und insbesondere mit den Problemen meines Sohnes befasst haben. Mein Sohn hat seine Mutter verloren. Er hat große Angst mich auch noch zu verlieren. Er kann es kaum ertragen wenn ich eine Stunde abwesend bin. Und dann soll er die Woche über in ein Internat?!

    Insgesamt könnte man tatsächlich der Meinung sein, wenn man dieses Protokoll unreflektiert liest, dass ich notorisch alles ablehne und man mit mir nicht zusammenarbeiten könne.

    Für mich ist vorrangig wichtig, dass meine Kinder nicht günstig, sondern gut untergebracht bzw. versorgt sind und keine psychischen Defizite erleiden.

    Oliver Scheithe

    Oliver


    Fortsetzung der tagebuchartigen Aufzeichnung (bis Januar 2002):

    Mai 1999
    Ohne die mehrfach erbetene Information vom Jugendamt, mit welcher Unterstützung ich bei Teil- oder Vollzeittätigkeit rechnen kann, habe ich mich dafür entschieden, ab Juni zum Wohle meiner Kinder nur noch in Teilzeit zu arbeiten.

    29. Juni 1999
    Das Jugendamt hat bislang auf mein Schreiben vom 27. April noch nicht reagiert. Da für Juli das nächste Hilfeplangespräch avisiert war, informiere ich das Jugendamt über meinen bevorstehenden Urlaub vom 3. bis 30. Juli.

    1. Juli 1999
    Aufgrund meiner Information über meinen Urlaub, teilt das Jugendamt „Kranke Pänz e.V.“ mit, dass es die Zahlungen an den Verein einstellen wird.

    2. Juli 1999
    Mit der Bitte um Hilfe wende ich mich an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages (zuständigkeitshalber an den Landtag weitergeleitet).

    30. Juli 1999
    Aus dem Urlaub kommend finde ich einen Brief des Jugendamtes vom 15. Juli vor. Darin steht, dass die Gewährung der Hilfe durch „Kranke Pänz e.V.“ bis 31. August 1999 befristet wird und dass ich bei einer privaten Versorgungslösung (also nicht über Hort bzw. Übermittagsbetreuung) für die Kosten selber aufkommen müsste.

    2. August 1999
    Ich lege Widerspruch gegen das Schreiben des Jugendamtes vom 15. Juli ein.

    Mitte August
    Ich setze eine Anzeige in die Zeitung und suche jemanden für Haushaltshilfe und Kinderbetreuung. Das Interesse ist groß. Ich vereinbare fast 20 Vorstellungstermine für die folgenden zwei Wochen.

    Letzte Augustwoche:
    Vom Jugendamt habe ich bezüglich meines Widerspruchs noch nichts gehört. Frau Kleis, die seit Oktober 1998 meine Kinder betreut, verabschiedet sich langsam von meinen Kindern. Inzwischen habe ich eine Frau gefunden, die ab September von Montags bis Freitags für fünf Stunden in meinen Haushalt kommt. Ob das Jugendamt sich an den Kosten beteiligt ist noch unklar.

    30. August 1999:
    Ich schicke ein FAX an das Jugendamt, mit der Bitte, mir doch mitzuteilen, wie mein Widerspruch bewertet wurde. Gleichzeitig bitte ich nun um Bewilligung der Kostenübernahme der Tagespflege nach § 23 des KJHG.

    31. August 1999:
    Herr YYYYYY, der zuständige Gruppenleiter des Jugendamtes, ruft mich an und vereinbart mit mir einen Termin für Freitag den 3. September. Man hat auf meinen Widerspruch noch nicht geantwortet, weil der Vorgang aufgrund meiner Petitionsanfrage in einer anderen Abteilung bearbeitet wird.

    03. September 1999:
    Treffen mit Herrn YYYYYY. Das Gespräch findet in einer freundlichen Atmosphäre statt. Man ist sehr zuvorkommend und relativ schnell bereit, die Kosten für die Betreuung meiner Kinder für ein Jahr voll zu übernehmen. Das nächste Hilfeplangespräch ist für Mai 2000 vorgesehen.

    Mitte September:
    Frau Kleis besucht uns. Sie informiert uns darüber, dass das Jugendamt zwei Tage vor Ende der Frist (also am 30. August) bei Kranke Pänz e.V. eine Verlängerung des Betreuungsvertrages bis Ende Oktober angekündigt hat. Kranke Pänz lehnte dies ab, weil 1. ich bereits eine Nachfolgerin gefunden hatte und 2. dies pädagogisch nicht sehr sinnvoll sei, da sich Frau Kleis bereits von meinen Kindern verabschiedet hatte.

    11. Mai 2000
    Das nächste Hilfeplangespräch findet statt. Das Gespräch zwischen Herrn YYYYYY, Frau Haas und mir findet in ruhiger, sachlicher Atmosphäre statt. Es wird festgestellt, dass die bisherige Versorgung meiner Kinder gut angelaufen ist. Die Hilfeart wird für ein weiteres Jahr befürwortet. Eine andere Versorgung meiner Kinder soll mit der Einschulung meiner jüngsten Tochter thematisiert werden. Das nächste Hilfeplangespräch wird für April 2001 avisiert.

    Juni 2001
    Beim Hilfeplangespräch ist „nur“ Frau Haas anwesend. Am Ende des Gespräches kündigt Frau Haas an, dass sie die Weitergewährung der Hilfe bis zum Sommer des nächsten Jahres bzw. Einschulung meiner jüngsten Tochter befürworten wird.

    Ende Juni/Anfang Juli 2001
    Die Tagesmutter meiner Kinder teilt mir kurzfristig mit, dass sie aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit bei mir nicht mehr fortsetzen kann. Ich verzichte zunächst auf eine Information des Jugendamtes, da ich von dort – wie die Vergangenheit zeigte - keine kurzfristige Hilfe bei der Suche einer neuen Kraft erwarten kann.

    Ich erhalte ein Schreiben vom Jugendamt (datiert vom 3. Juli), in dem mir mitgeteilt wird, dass die Hilfe gem. § 20 KJHG weiterhin gewährt wird.

    Nach einer einwöchigen Suche, finde ich eine polnische Studentin, die bereit ist, ab August die Tätigkeit als Tagesmutter zu übernehmen. Ich informiere sie darüber, dass diese Stelle vom Jugendamt finanziert wird und diese Mittel bis zum nächsten Sommer gezahlt werden.

    August 2001
    Die neue Tagesmutter beginnt mit der Arbeit. Ich möchte erst eine Probezeit abwarten, bevor ich das Jugendamt über den Wechsel informiere.

    Anfang September 2001
    Überraschender Weise erhalte ich ein weiteres Schreiben vom Jugendamt, indem die Jugendhilfe bis zum 31. Dezember 2001 befristet wird. Ich gehe mehr von einem formellen Akt aus, da sich zum Jahreswechsel an unserer persönlichen Situation nichts ändern wird. Bei der Gelegenheit informiere ich das Jugendamt über den Wechsel der Tagesmutter.


    29. November 2001
    Ich treffe mich zu einem Hilfeplangespräch mit Frau XXXXXX im Jugendamt. Meine Erwartungen, dass dies lediglich ein formeller Akt sei, erfüllen sich nicht.

    Das einzige Ziel der Gespräche ist, die Mittel zum Jahreswechsel zu kürzen.

    Mein Argument, dass sich unsere Situation seit dem Sommer nicht geändert habe, findet kein Gehör.

    Ich soll jetzt an die Alternative Hort bzw. Übermittagbetreuung für meine Kinder zum Jahresanfang oder an eine zeitliche und finanzielle Kürzung für die Betreuung meiner Kinder denken.

    Dass die Mittel ursprünglich bis zum Sommer 2002 zugesagt waren, scheint nicht mehr zu gelten. Es wird ein Besuch in meiner Wohnung vereinbart. Außerdem möchte sie sich beim Kindergarten über eine Übermittagbetreuung erkundigen.

    3. Dezember 2001
    Ich erfahre von der Leiterin des Kindergartens, dass Frau XXXXXX sich bereits am 30. November über eine mögliche Übermittagbetreuung erkundigt habe. Solche Plätze sind derzeit nicht frei. Auskünfte über Annika wurden abgelehnt, da Frau XXXXXX sich am Telefon nicht ausweisen konnte.

    6. Dezember 2001
    Frau XXXXXX kommt zu Besuch zu mir nach Hause. Da meine jüngste Tochter mit einer Freundin verabredet war und mein Sohn noch in der Schule ist, ist nur meine Tochter Mira anwesend.
    Inhaltlich kommen wir nicht weiter. Die Stimmung wird zunehmend gereizt. Sie kündigt an, dass sie die Lehrer meiner Kinder über deren Entwicklungsstand befragen wolle. Außerdem will sie in der kommenden Woche noch einen Hausbesuch machen und die Tagesmutter und meine jüngste Tochter sprechen. Da sie einen genauen Termin nicht nennen kann, vereinbaren wir, dass sie vorher anruft und als Uhrzeit halten wir schon einmal 13.00 Uhr fest (zwischen 12.15 und 12.30 Uhr wird Annika vom Kindergarten abgeholt).

    Die ehemalige Tagesmutter ruft mich aufgelöst an und teilt mir mit, dass Frau XXXX Erkundigungen über ihre damalige Tätigkeit und über mich bzw. meine Familie eingeholt hat.

    8. Dezember 2001
    Von Miras Lehrerin erfahre ich, dass Frau XXXXXX bereits vor unserem Treffen am Donnerstag Kontakt zu ihr gesucht hat. Sie hat in der Schule eine Nachricht hinterlassen und um Rückruf gebeten, der auch am 7. Dezember erfolgte.

    9. Dezember 2001
    Aufgrund meiner Verärgerung über das merkwürdige sozialarbeiterische Handeln von Frau XXXXXX schreibe ich ein FAX an das Jugendamt. Darin erkläre ich, dass es zur Zeit nicht möglich ist, meine Töchter über Mittag bzw. in einem Hort unterzubringen. Ich bin noch auf die Hilfe angewiesen und bitte daher um Weitergewährung bis zum Ende das Schul- bzw. Kindergartenjahres. Meine existenzielle Grundlage ist auf den vom Jugendamt ursprünglich zugesagten Zeitpunkt ausgerichtet. Eine Abänderung ist von meiner Seite nicht möglich.
    Ferner wünsche ich einen weiteren Besuch von Frau XXXXXX nicht, da ich aufgrund ihres Auftretens und Handelns kein Vertrauen mehr zu ihr habe.


    10. Dezember 2001
    Als ich von meiner Arbeit nach Hause komme, erfahre ich, dass Frau XXXXXX ungeachtet meines Faxes und entgegen unserer vorherigen Absprache gegen 11.45 Uhr meine Wohnung aufgesucht und mit der Tagesmutter gesprochen hat. Daraufhin schicke ich ein weiteres FAX an das Jugendamt, in dem ich noch einmal klar stelle, dass ich es Frau XXXXXX nicht erlaube, irgendwelche Erkundigungen oder Auskünfte über ein Mitglied meiner Familie oder mich einzuholen.

    18. Dezember 2001
    Herr YYYYYY ruft mich an und bitten um einen Termin. Er würde gerne mit Herrn ZZZZZZ (Leiter des Jugenamtes) vorbeikommen und mit mir über die Angelegenheit sprechen. Aufgrund der Dringlichkeit verabreden wir uns für den nächsten Tag.

    19. Dezember 2001
    Herr ZZZZZZ und Herr XXXXXX treffen zum Gespräch ein. Mein Vater ist ebenfalls anwesend.

    Herr ZZZZZZ wiederholt mehrfach, dass die Hilfe zu Jahresbeginn reduziert werden und ich mich für die Zeit nach den Sommerferien um einen Hortplatz bzw. eine Übermittagbetreuung für meine Töchter kümmern müsse.
    Ich informiere darüber, dass ich Annika bereits beim Schulhort angemeldet habe, aber natürlich nicht wisse, ob sie genommen würde, da es nur wenige Plätze gibt. Bei Mira kann ich noch keine Aussage machen, da die zukünftige Schule noch nicht fest steht. Aber auch bei ihr werde ich mich um eine Lösung bemühen.
    Im Prinzip ist mir klar, dass die Hilfe in der jetzigen Form mit Annikas Einschulung nicht mehr weiter gewährt wird, aber eine Kürzung zum jetzigen Zeitpunkt macht keinen Sinn. Die derzeitige Tagesmutter ist nicht bereit für einen reduzierten Betrag zu arbeiten und ist auf das Geld angewiesen. Es ist für sie nicht möglich ist, aufgrund der Arbeitszeiten bei mir und der von ihr darauf angepassten Seminarzeiten, eine weitere Arbeitsstelle anzunehmen.
    Herr ZZZZZZ scheint kein Gehör für meine Argumente zu haben. Er wiederholt mehrfach, dass es doch pädagogisch sinnvoll (!) sei, die Familie Scheithe an eine gekürzte Hilfe zu gewöhnen, da sie ja zum Sommer hin ganz wegfallen würde.
    Nach etwa 1 ½ Stunden verabschiedeten sich Herr ZZZZZZ und Herr YYYYYY mit den Worten, dass sie das Gesagte nun erst einmal überdenken müssten und ich dann kurzfristig eine Entscheidung erhalten würde.

    27. Dezember 2001
    Herr YYYYYY ruft mich an. Da Herr ZZZZZZ im Urlaub ist, teilt er mir mit, dass er die undankbare Aufgabe hat, mich über die Kürzung der Hilfe ab Januar um DM 400,00 p.M. zu informieren. Da die Tagesmutter nicht bereit ist, für weniger Geld zu arbeiten, bitte ich Herrn YYYYYY mir eine neue Tagesmutter zu beschaffen, die auch für den geringeren Betrag bereit ist zu arbeiten. Nach Ansicht von Herrn YYYYYY, gehört dies nicht in seinen Aufgabenbereich.

    Ohne einen schriftlichen Bescheid zu haben, widerspreche ich vorsorglich schon einmal der Entscheidung des Jugendamtes per FAX.

    04. Januar 2002
    Inzwischen habe ich das Bürgerbüro des Oberbürgermeisters um Vermittlung in meiner Angelegenheit gebeten. Ich teile dem Jugenamt schriftlich mit, dass ich die derzeitige Betreuungsperson zum vereinbarten Satz weiterbeschäftigen werde und hoffe, dass das Jugendamt von der Kürzung der Mittel wieder Abstand nehmen werde.

    10. Januar 2002
    In meinem Briefkasten liegt der Bescheid des Jugendamtes über die Kürzung der Mittel. Ich lege sofort Widerspruch ein. Kopien meines Schreibens und Informationen über die bisherigen Vorgänge erhalten der Dezernent, der Oberbürgermeister und der Petitionsausschuss des Landtages.
    Oliver


    Schreiben vom 02. Juli 1999 an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.

    Dieses Schreiben wurde zuständigkeitshalber an den Petitionsausschuss des Landtages NRW weitergeleitet.

    Deutscher Bundestag
    Petitionsausschuss
    Bundeshaus

    53113 Bonn

    Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wegen der Versorgung meiner drei Kinder im Alter von 3, 7 und 11 Jahren nach dem Tod meiner Frau.

    Sehr geehrte Frau Lüth,
    sehr geehrte Damen und Herren,

    ich überreiche Ihnen in der Anlage mein Schreiben an das Jugendamt der Stadt Köln vom 27. April 1999.

    Im September letzten Jahres ist unerwartet meine Frau im Alter von 31 Jahren verstorben. Sie hinterließ mich und meine drei Kinder Annika (geb. 26.09.1995), Mira (geb. 12.06.1992) und Fabian (geb. 19.05.1988).

    Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt erwies sich von Beginn an als schwierig.

    Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass mir dort geholfen wird; ein Beratungsgespräch hat nie stattgefunden. Das Jugendamt handelt nicht zum Wohle meiner Kinder, sondern im Sinne einer kurzfristig einfachen und billigen Lösung. Auf meine Bedürfnisse und die meiner Kinder wird nicht eingegangen (siehe Anlage).

    Inzwischen befürchte ich sogar, dass „Mobbing“ gegen meine Person und meine Familie betrieben wird.

    Ergänzend zur Anlage noch folgende Informationen:

    Auf mein Schreiben vom vom 27. April 1999 hat das Jugendamt nicht reagiert. Seit dem letzten Hilfeplangespräch wurde kein Kontakt mehr zu mir aufgenommen.

    Ohne die Information vom Jugendamt, mit welcher Hilfe ich bei Teil- oder Vollzeittätigkeit rechnen kann, habe ich mich im Mai dafür entschieden, zum Wohle meiner Kinder nur noch in Teilzeit zu arbeiten.

    Da das nächste Hilfeplangespräch für Juli avisiert war, habe ich das Jugendamt am 29. Juni darüber informiert, dass ich vom 3. Juli bis voraussichtlich 30. Juli im Urlaub sein werde (den ich auch dringend benötige). Darauf hin hat das Jugendamt am 1. Juli dem Verein „Kranke Pänz e.V.“, der derzeit für die Versorgung meiner Kinder zuständig ist (siehe auch Anlage), mitgeteilt, dass es die Zahlungen an den Verein einstellt.

    Ich fahre jetzt mit der Ungewissheit in den Urlaub, ob meine Kinder auch nach den Ferien während meiner beruflicher Abwesenheit versorgt werden.

    Ich bitte nun um Ihre Hilfe. Die ständige Ungewissheit, ob ich auch nach zwei oder drei Monaten noch eine Hilfe im Haushalt und zur Kinderbetreuung habe, setzt mich nervlich und psychisch stark unter Druck. Ich weiß nicht, ob ich diesem Druck noch lange standhalten kann (ich befinde mich seit dem Tod meiner Frau in psychotherapeutischer Behandlung).

    Sollten Sie bereits im Juli zur Bearbeitung meiner Petitionsanfrage kommen, können Sie sich bei Rückfragen auch meine Mutter

    xxxxxxxx Scheithe
    xxxxxxxxxxxxxx Str. xx
    12345 xxxxxxxxxxxxx

    wenden.

    Vielen Dank.

    Mit freundlichem Gruß

    Oliver Scheithe



    Anlagen
    Oliver


    Widerspruch zum Bescheid vom 08.01.2002

    Stadt Köln
    Bezirksjugendamt XYZ
    XYZ Str. 2

    50XXX Köln

    Widerspruch

    Ihr Zeichen: 123456789

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit lege ich Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom 08. Januar 2002 ein.

    Unbeteiligten Dritten gegenüber scheinen Ihre Argumente für den Bescheid durchaus plausibel sein, doch näher betrachtet ist die plötzliche Kürzung Ihrer Hilfe unbegründet und willkürlich.

    Im zweiten Absatz der Bewilligung schreiben Sie:

    „Bisher erhielten Sie für die Versorgung aller drei Kinder einen Betrag von monatlich 1.400,00 DM, der analog dem Tagespflegesatz von monatlich 450,00 DM pro Kind berechnet wurde. Ihr Sohn Fabian besucht mittlerweile ganztags die Gesamtschule, so dass er keine zusätzliche Betreuung mehr benötigt.“

    Der Besuch der Gesamtschule, die an drei Tagen in der Woche auch nachmittags Unterricht anbietet, kann kaum als Argument für eine Kürzung dienen. Dass Fabian im Sommer 1999 vom Gymnasium in die Gesamtschule gewechselt ist, wussten Sie spätestens seit dem Hilfeplangespräch am 02. September 1999 (siehe Fortschreibung vom 06. September 1999). Das heißt, mit Erstbewilligung der Hilfe über 1.400,00 DM war Ihnen diese Situation klar.

    Im dritten Absatz schreiben Sie:

    „Für Ihre Töchter wäre normalerweise eine Betreuung im Kinderhort bzw. Ganztagskindergarten völlig ausreichend. Obwohl Sie jedoch bereits mehrfach drauf hingewiesen wurden, haben Sie sich nicht ausreichend um die Unterbringung Ihrer Töchter in Kindertagesstätten bemüht.“

    Zunächst einmal stelle ich fest, dass es Ihre Meinung ist, dass eine Betreuung im Kinderhort bzw. Ganztagskindergarten völlig ausreichend ist. Diese Meinung haben Sie sich gebildet, ohne meine Kinder zu kennen.
    Meine Kinder haben sich in den drei Jahren nach dem Tod meiner Frau gut entwickelt; ihr psychischer Zustand ist stabil. Meiner Meinung nach ist das eine positive Folge der Betreuungsform, die ich für meine Kinder im Zusammenspiel mit meiner Teilzeittätigkeit gewählt habe.
    In allen Hilfeplangesprächen von Ende 1998 bis Mai 2000 habe ihnen erklärt, dass ich eine auswärtige Übermittagbetreuung in unserem Fall noch nicht für sinnvoll halte. Insofern kann von einer „nicht ausreichenden“ Bemühung meinerseits nicht die Rede sein. Ich wollte diese Betreuungsform für meine Töchter nicht und das war Ihnen bewusst. Folgerichtig wurde im Hilfeplangespräch am 11. Mai 2000 festgehalten, dass eine „andere Versorgung mit der Einschulung der jüngsten Tochter thematisiert wird“ (siehe Protokoll vom 12. Mai 2000). Aus diesem Grund wurde auf dieses Thema im Gespräch mit Frau XXXXXX im Juni 2001 nur wenig eingegangen und mir die Hilfe bis Sommer 2002 zugesagt (vgl. mein Schreiben vom 09. Dez. 2001).

    Im fünften Absatz schreiben Sie:

    „Sofern Sie der Meinung sind, mit einem Betrag von 511.29 € monatlich die Versorgung Ihrer Töchter in Ihrem Haushalt bis zum Sommer 2002 nicht sicherstellen zu können, besteht auch die Möglichkeit, Ihre Töchter nach Schulschluss bzw. nach dem Kindergarten im Haushalt einer Tagesmutter zu versorgen. Diese Lösung wäre für alle Beteiligten wesentlich kostengünstiger.“

    Ich habe Ihnen mehrfach erläutert, dass ich die derzeitige Betreuungsperson Frau SSSSSSSS aufgrund der Zusage von Frau XXXXXX bis zum Sommer 2002 für eine Entgeltpauschale von 1.400,00 DM pro Monat eingestellt habe. Grundsätzlich halte ich meine Zusagen ein. So wie ich es auch von einem Amt erwartet hatte.
    Auch hatte ich Ihnen mitgeteilt, dass Frau Szarbiewska auf den gesamten Betrag angewiesen ist.
    Davon abgesehen kann es sicherlich nicht Ihr ernst sein, meine Töchter für die letzten sechs Monate Ihrer Hilfeleistung an eine neue Betreuungsperson bzw. Tagesmutter zu übergeben.

    Insgesamt bleibt festzustellen, dass Sie Ihre Zusagen nicht einhalten und hier willkürlich eine Hilfeleistung kürzen.

    Ich bitte Sie daher Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und die Hilfe in ursprünglich zugesagter Höhe für die letzten sieben Monate weiter zu bewilligen.

    Mit freundlichem Gruß

    Oliver Scheithe
    Oliver


    Das geschah seit dem Bescheid vom 08.01.2002

    30. Januar
    Ich erhalte die ersten gekürzten Mittel.

    04. Februar
    In meinem Briefkasten liegt ein Schreiben aus dem Dezernat für Kinder, Jugend, Familie, Soziales und Sport.

    Darin schreibt mir Frau Dr. Christiansen (in Vertretung):

    Sehr geehrter Herr Scheithe,

    nach ausführlicher Überprüfung Ihres Schreibens bin ich zu dem Ergebnis gekommen, das die Hilfe nach § 20 KJHG im laufenden Schuljahr nicht zu verändern ist und die Zahlung in vollem Umfang bis Sommer 2002 zu leisten ist.

    Die weitere Vorgehensweise werde ich mit dem Bezirksjugendamt Köln-XYZ absprechen.
    Sie erhalten von dort unaufgefordert Nachricht.


    Ich bin natürlich erfreut und gespannt auf die Nachricht vom Jugendamt.

    Ende Februar und Ende März
    Auf meinem Konto gehen weiterhin die gekürzten Mittel ein.

    Mitte April
    Ich rufe im Dezernat an, um zu Fragen, wann ich denn mit der Nachricht vom Jugendamt rechnen könnte. Der zuständige Sachbearbeiter ist leider nicht zu sprechen. Daher lasse ich meine Frage ausrichten.

    Am nächsten Tag erhalte ich einen Anruf, dass das Geld mit der nächsten Zahlung überwiesen werde.

    Ende April
    Die ungekürzten Mittel und die Nachzahlung sind auf meinem Konto eingegangen.

    Eine Nachricht vom Jugendamt habe ich bislang noch nicht erhalten.



    An dieser Stelle endet vorläufig die Aufzeichnung des "Abenteuers" mit dem Jugendamt. Ich hoffe eigentlich, dass ich nicht weiter berichten muss.

    Oliver ;-)
    Oliver




    An dieser Stelle möchte ich Erfahrungsberichte von den Ämtern und Behörden veröffentlichen. Es ist oft unglaublich, was man sich von diesen Institutionen gefallen lassen muss.

    Hier Erfahrungsberichte zu veröffentlichen könnte verschiedenes bewirken:

    • sie helfen eventuell anderen Betroffenen, die in einer ähnlichen Situation stehen und
    • sie können ein wenig Druck ausüben, da Ämter und Behörden in der Regel "öffentlichkeitsscheu" sind

    Allerdings sollen hier nicht nur negative Erlebnisse geschildert werden. Es soll ja auch positive Erfahrungen mit verschiedenen Institutionen geben.

    Hast du auch Erlebnisse und Erfahrungen mit Ämter und Behörden gemacht? Dann schick mir ein Mail und wir überlegen gemeinsam, wie wir diese hier darstellen können.

    Oliver ;-)



    Oliver




    An dieser Stelle werde ich Tipps veröffentlichen, die gerade für verwitwete Mütter und Väter hilfreich bzw. interessant sein könnten.

    Die Tipps können aus allen Bereichen des Lebens sein.

    Wenn du also meinst, dass hier noch etwas fehlt (und es fehlen hier noch viele Tipps), dann teil mir bitte deine Ideen oder Vorschläge mit. Schicke mir einfach ein Mail an service@verwitwet.de .

    Oliver ;-)



    Oliver


    Einleitung

    Durch den plötzlichen Verlust des Partners oder auch die lange Phase der Pflege eines kranken Partners kann es zu psychosomatischen /körperlichen Störungen bei dem hinterbliebenen Partner kommen, z. B. Schlaflosigkeit, allgemeine Erschöpfungszustände, Rückenschmerzen etc. Wenn hier durch andere Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge oder Medizin keine Erfolge erzielt werden können, sollte man vielleicht daran denken, eine Kur zu beantragen, bei der man die Kinder mitnehmen kann. Möglich ist auch, dass die Kinder krank sind und eine Begleitperson für einen Kuraufenthalt benötigen. Es gibt auch Kind-Mutter bzw. Kind-Vater-Kuren, bei denen vorrangig die Gesundheit des oder der Kinder im Vordergrund stehen.

    Es gibt sowohl Vorsorge- als auch Rehabilitationskuren.

    Die Notwendigkeit einer Mutter-Kind-Kur muss stets vom Arzt bescheinigt werden. Das heißt, wenn bestimmte gesundheitliche Störungen vorliegen (z. B. eher psychische Probleme oder auch körperliche Störungen) wird entscheiden, welches Kurheim am besten geeignet ist.

    Was sicher nur wenige wissen, auch Väter können zur Kur! Obwohl die Bezeichnung 'Muttergenesungskur' dies nicht aussagt, Kuren für Väter werden nach denselben Grundsätzen wie Kuren für Mütter gewährt!

    Im folgenden werden allgemeine Informationen dargestellt, die auch auf den untenstehenden Webseiten zu finden sind. Es besteht kein Anspruch auf die Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der Informationen, sondern es soll – so gut wie möglich – ein erster Überblick verschafft werden.
    Oliver


    Wer kann eine solche Kur machen bzw. beantragen?

    Zur Zielgruppe gehören Frauen/Männer, die Kinder erziehen oder erzogen haben, wobei Anzahl der Kinder, Herkunft, Religion oder soziale Stellung keine Rolle spielen.

    Es gibt sehr unterschiedliche Situationen, die belastend sind und die Gesundheit von Müttern/Vätern und/oder der Kinder negativ beeinflussen.

    Meist sollte ein Mindestalter der Kinder von 2 Jahren erreicht sein.

    Oliver


    Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit eine Kurmaßnahme gewährt wird?

    Eine Mutter-/Vater-Kind-Kur kann aus

    • medizinischen
    • sozialen und/oder
    • psychischen Gründen

    beantragt werden.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, warum eine Kur nötig sein kann:

    • Mutter (bzw. Vater) und Kind sind kurbedürftig, wobei das Kind in der in frage kommenden Klinik ebenfalls behandelt werden kann,
    • Mutter/Vater ist kurbedürftig und eine Trennung wäre unzumutbar, da daraus psychische Schäden entstehen würden oder das/die Kind/er können während des Kuraufenthalts nicht versorgt werden,
    • Kind ist kurbedürftig und aufgrund des Alters des Kindes ist eine Durchführung der Kurmaßnahme ohne Begleitperson nicht möglich.

    Nach rechtlichen Gesichtspunkten (Sozialgesetzbuch) unterscheidet man:

    Vorsorgekuren (§ 24 SGB V):

    Diese sollen entweder:

    • Schwächungen der Gesundheit , die in absehbarer Zeit zu einer Erkrankung führen würden, beseitigen,
    • der Gefährdung der Gesundheit eines Kindes entgegenwirken,
    • Pflegebedürftigkeit vermeiden.

    Im Vorsorgebereich ist vor allem die psychosoziale Situation der Mutter/des Vaters ein Grund für eine solche Maßname, da dadurch eine gesundheitliche Gefährdung entstehen bzw. vorhanden sein kann, die sich in Befindlichkeitsstörungen äußert. Bei Kindern geht es meist um eine Vermeidung der vorhandenen Schwächung der Gesundheit .

    Rehabilitationskuren (§ 41 SGB V):

    Diese sollen

    • eine bereits eingetretene Erkrankung heilen,
    • eine solche bessern
    • oder deren Verschlechterung verhindern.

    Bei Müttern/Vätern hat hier eine psychosoziale Problemsituation bereits zu manifesten Krankheitserscheinungen geführt, die sich in körperlicher Schädigung, Fähigkeitsstörungen und/oder sozialer Beeinträchtigung zeigen.

    Bei Kindern ist eine Erkrankung vorhanden bzw. ergeben sich Folgen aus einem Krankheitsbild.

    Bei Mutter-Kind- Bzw. Vater-Kind-Kuren handelt es sich in der Regel um Vorsorgekuren.
    Oliver


    Wie wird ein Kurantrag auf eine Mutter-Kind bzw. Vater-Kind-Kur gestellt?

    Bei der Vorgehensweise sind zwei Varianten möglich:

    Variante I:

    Man beantragt bei der Krankenkasse oder den Wohlfahrtsverbänden Vordrucke für ärztliche Atteste. Vor Beantragung der Kurmaßnahme sucht man den Hausarzt oder Kinderarzt auf und schildert die gegebene Situation. Dies ist zwingend notwendig. Diese/r führt die erforderlichen ärztlichen Untersuchungen durch und füllt die Atteste aus, wobei er/sie präzise begründet, weshalb eine Kur notwendig ist. Diese ausgefüllten Atteste schickt man an einen Wohlfahrtsverband, der sich dann darum kümmert, dass ein Kurantrag gestellt wird (über den zuletzt die Krankenkasse entscheidet) . Oder man wendet sich mit den ausgefüllten Attesten direkt an die Krankenkasse, um eine Kur zu beantragen, wobei einem ein/e zuständige/r Sachbearbeiter/in helfen kann.

    Variante II:

    Man wendet sich zuerst an einen Wohlfahrtsverband bzw. Kurberatungs- und Vermittlungsstelle, um sich allgemein über die Möglichkeiten einer Kur zu informieren.

    Im Falle einer Ablehnung des Kurantrags durch die Krankenkasse kann man dagegen Widerspruch einlegen, damit der Antrag erneut geprüft wird. Ggf. ist dann eine persönliche Vorstellung beim medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) erforderlich, der dann die Notwendigkeit der Kur in einem Gespräch beurteilt.
    Oliver


    Wie lange wird eine solche Kur durchgeführt?

    In der Regel dauert eine Mutter-Kind bzw. Vater-Kind-Kur 3 Wochen. Bei Bedarf kann aber – in der Kur (und nicht vorher) - bei der zuständigen Krankenkasse eine Verlängerungswoche beantragt werden.

    Meist bieten die Wohlfahrtsverbände auch ergänzende Maßnahmen nach der Kur an, z. B. kreative Angebote, Gesprächsrunden etc.
    Oliver


    Wie sieht es mit den Kosten einer Kur aus?

    Das Sozialgesetzbuch (SGB) regelt die Kostenübernahme durch die Krankenkasse, d. h. in der Regel übernehmen die Kassen die vollständigen Kurkosten abzüglich der gesetzlichen Eigenbeteiligung oder zahlen einen in der Satzung vorhergesehenen Zuschuss zu den Kurkosten. Seit dem 01.07.1997 besteht ein neues Gesetz, nachdem die Eigenbeteiligung geregelt wird:

    In den Alten Bundesländern beträgt die kalendertägliche Zuzahlung 17,- DM, in den Neuen Bundesländern liegt sie bei 14,- DM (Euro ?). Über eine mögliche Befreiung bzw. Minderung des Eigenanteils muss man sich bei der Krankenkasse informieren, wobei die Einkommensverhältnisse maßgeblich sind. Es bleibt den Krankenkassen überlassen, ob sie Kuren voll oder nur zum Teil finanzieren. Urlaubstage dürfen auf Müttergenesungskuren nicht angerechnet werden (siehe auch unten : „Berufstätige").
    Oliver


    Was muss ich als Berufstätige/r beachten?

    Vom Arbeitgeber dürfen für eine Kur keine Urlaubstage angerechnet werden. Die Kur hat den Zweck, die Gesundheit des Arbeitnehmers zu erhalten bzw. wiederherzustellen und ist deshalb kein Urlaub.

    Wichtig ist eine Information (beim Betriebsrat oder Arbeitgeber) darüber, ob im Krankheitsfall die Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber gekürzt wird. Dann trifft dies auch für die Kurzeit zu, d. h. im Falle einer tariflichen Kürzung der Lohnfortzahlung um 20% erhalten auch berufstätige Mütter/Väter während der Kur nur 80% ihres Lohnes oder Gehaltes (Bundesurlaubsgesetz § 10, Abs. 3).
    Oliver


    Welches Kurhaus ist das richtige?

    Die Auswahl der Kurklinik hängt davon ab, welche gesundheitlichen Gefährdungen/Beeinträchtigungen der Arzt attestiert hat, da bestimmte Kurhäuser sich auf bestimmte Krankheitsbilder spezialisiert haben. Man kann den/die Sachbearbeiter/in der Krankenkasse danach befragen oder sich bei den Wohlfahrtsverbänden Broschüren über verschiedene Kurhäuser beschaffen.
    Oliver


    Wie oft kann ich eine Kur beantragen?

    Der Anspruch auf eine Kur besteht alle 4 Jahre.
    Oliver


    Wo bekomme ich weitere Informationen bzw. Attestvordrucke etc.?

    Allgemein gilt. Wenn man eine Mutter-Kind oder Vater-Kind-Kur beantragen will, kann man sich an folgende Verbände wenden:

    Caritas
    Bundesverband Katholischer Vorsorge- und
    Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche e.V.
    Karlstraße 40
    79104 Freiburg
    Geschäftsführerin Brunhilde Mayer
    Tel. (0761) 200 - 0
    Fax (0761) 200 - 671
    eMail: mayerb@caritas.de

    Diakonisches Werk
    Hauptgeschäftsstelle Stuttgart Stafflenbergstraße 76,
    70184 Stuttgart
    Telefon: 0711 / 2159 0
    Telefax: 0711 / 2159 288
    e-mail presse@diakonie.de

    allg. Emailadresse des Diakonischen Werkes diakonie@diakonie.de

    Arbeiterwohlfahrt (AWO):
    Oppelner Str. 130
    53119 Bonn
    Tel. 0228 6685 0
    Postfach 41 01 63
    53023 Bonn
    Fax 0228 6685 209
    AWO Bundesverband e.V. – info@awo.org

    Deutsches Rotes Kreuz
    DRK-Generalsekretariat -
    Friedrich-Ebert-Allee 71
    53113 Bonn

    Paritätischer Wohlfahrtsverband:
    Der PARITÄTISCHE Gesamtverband e.V.
    Heinrich-Hoffmann-Str. 3
    60528 Frankfurt am Main
    Telefon 069 / 6706-0
    Telefax 069 / 6706-204

    Jeweilige Krankenkasse

    Allgemeine Informationen /Auskünfte gibt es bei:

    Elly-Heuss-Knapp-Stiftung
    Deutsches Müttergenesungswerk
    Postfach 12 60
    90544 Stein / Mittelfranken
    Tel.: 0911/6 88 70 17
    http://www.muettergenesungswerk.de

    NRW-Heilbäderverband
    Kaiserstr. 14
    59505 Bad Sassendorf
    Tel. 0130/72 62 92.

    Mutter-Kind-Hilfswerk e.V.
    Millberger Weg 1
    D-94152 Neuhaus am Inn
    Tel.: 08503-91 49 -0
    Fax : 08503-91 49 20
    Infotelefon: 0800-8 50 33 44 (kostenloses Infotelefon)

    Sollten irgendwelche Adressen o. Telefonnummern nicht mehr stimmen, würde ich mich über eine kurze Nachricht freuen.
    Oliver


    Wo sind im Internet Informationen zum Thema Mutter-Kind bzw. Vater-Kind-Kur zu finden?

    Unter folgenden Webadressen findet man weiterführende Informationen zu diesem Thema:

    Müttergenesungswerk
    Mutter-Kind-Hilfswerk
    Mutter bzw. Vater-Kindkuren an der Ostsee (AWO)
    allgemeine Infos der Caritas
    Kur und Reha GmbH des Paritätischen Wohlfahrtverbandes BW
    Kurberatung
    Kurklinik für Mutter-/Vater-Kind-Kuren
    Deutscher Arbeitskreis für Familienhilfe e.V.

    Sollten die angegebenen Adressen nicht mehr korrekt sein oder kennst du noch weitere Adressen, wäre ich über eine kurze Info dankbar.
    Oliver


    Einleitung

    Aus der Broschüre "Staatliche Hilfen für Familien" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend habe ich im Folgenden die m.E. wichtigsten Punkte aufgelistet.

    Da sich das politische Klima ständig wandelt, ändern sich auch die Gesetze häufig recht schnell. Wenn also mal etwas überholt sein sollte, informiert mich darüber.

    Oliver ;-)


    P.S.: Seit März 2005 hat das Bundesministerium eine eigene Zusammenstellung staatlicher Hilfen online gestellt. Du findest die Hilfen für Alleinerziehende hier: Staatliche Hilfen für Familien - Alleinerziehende
    Oliver


    Erziehungsgeld

    Für Eltern mit Kindern ab Geburtsjahrgang 2001 gilt:Mütter oder Väter,die ihr Kind selbst betreuen und erziehen und nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeiten, erhalten Erziehungsgeld,das einkommensabhängig gezahlt wird.
    Die Eltern können wählen zwischen dem Regelbetrag in Höhe von höchstens 307 € monatlich bis zum Ende des 2.Lebensjahres des Kindes und dem Budget-Angebot in Höhe von höchstens 460 € monatlich bis zum Ende des 1.Lebensjahres des Kindes.

    In den ersten 6 Lebensmonaten wird das Erziehungsgeld gezahlt bis zu einer Einkommensgrenze von 51.130 € pauschaliertem Jahresnettoeinkommen bei Elternpaaren und 38.350 € bei Alleinerziehenden.
    Ab dem 7.Lebensmonat des Kindes gilt:




    Elternpaare beim 1.Kindvolles Erziehungsgeld bis zu
    einem Jahresnettoeinkommen von 16.470 €
    gemindertes Erziehungsgeld bis zu einem Jahresnettoeinkommen von etwa 23.500 €
    Alleinerziehende beim 1.Kindvolles Erziehungsgeld bis zu einem Jahresnettoeinkommen von 13.498 €gemindertes Erziehungsgeld bis zu einem Jahresnettoeinkommen von etwa 20.500 €
    bei jedem weiteren Kind des Geburtsjahrgangs

    2001
    2002
    ab 2003

    Erhöhung der Einkommensgrenze um

    2.454 €
    2.797 €
    3.140 €
    Erhöhung der Einkommensgrenze um

    2.454 €
    2.797 €
    3.140 €

    Auf das Erziehungsgeld wird das Mutterschaftsgeld für die Zeit nach der Geburt in der Regel angerechnet.Erziehungsgeld gibt es zusätzlich zu Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe,wenn der Bemessung dieser Leistungen eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von bis zu 30 Stunden zugrunde liegt.
    Erziehungsgeld gibt es auch neben Sozialhilfe, Wohngeld und Ausbildungsförderung. Die Elternzeit bis zur Vollendung des 3.Lebensjahres wird nicht in die Rahmenfrist des Anspruchs auf Arbeitslosengeld eingerechnet. Wenn vor der Geburt des Kindes eine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung bestand, bleibt diese während des Erziehungsgeldbezugs und der Elternzeit
    beitragsfrei bestehen, solange keine versicherungspflichtigen Einkünfte erzielt werden.

    Das Erziehungsgeld muss für jedes Lebensjahr des Kindes gesondert beantragt werden.

    Im Anschluss an das Erziehungsgeld gewähren einige Bundesländer vergleichbare Leistungen: Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen.

    Alleinerziehende können in besonderen Härtefällen auch bei einer Vollzeit-Erwerbstätigkeit Erziehungsgeld erhalten.
    Oliver


    Elternzeit

    Für Eltern mit Kindern ab Geburtsjahrgang 2001 gilt:Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,die ihr Kind selbst betreuen und erziehen,haben bis zum Ende des 3.Lebensjahres des Kindes einen Rechtsanspruch auf Elternzeit (früher: Erziehungsurlaub).

    Mutter und Vater können auch gleichzeitig Elternzeit nehmen.Mit
    Zustimmung des Arbeitgebers können sie bis zu einem Jahr der Elternzeit auf die Zeit zwischen dem 3.und dem 8.Geburtstag des Kindes übertragen. Wer Elternzeit nimmt, kann bis zu 30 Wochenstunden arbeiten (bei der gemeinsamen Elternzeit für Mutter und Vater jeweils bis zu 30 Stunden). In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten besteht ein Anspruch auf Teilzeitarbeit,wenn im Einzelfall keine dringenden betrieblichen Gründe entgegenstehen. Während der Elternzeit darf der Arbeitgeber grundsätzlich nicht kündigen. Der Kündigungsschutz beginnt mit der Anmeldung der Elternzeit durch die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer, frühestens jedoch 8 Wochen vor deren Beginn. Die Anmeldefrist für die Elternzeit beträgt 6 Wochen, wenn sich die Elternzeit unmittelbar an die Geburt oder an die Mutterschutzfrist anschließen soll,und in anderen Fällen 8 Wochen.
    Oliver


    Kindergeld

    Das Kindergeld wird einkommensunabhängig entweder in Form einer Steuervergütung nach dem Einkommensteuergesetz oder nach dem Bundeskindergeldgesetz (in Sonderfällen) monatlich gezahlt. Es ist nach der Zahl der Kinder gestaffelt und beträgt:


    für erste, zweite und dritte Kindermonatlich 154 €
    für vierte und weitere Kindermonatlich 179 €


    Kindergeld gibt es für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr,für Kinder in Ausbildung bis zum 27. Lebensjahr, für Kinder ohne Arbeitsplatz bis zum 21.Lebensjahr und zeitlich unbegrenzt für Kinder,die wegen einer vor dem 27.Lebensjahr eingetretenen Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten. Das Kindergeld für ein Kind über 18 Jahre entfällt bei eigenem Kindeseinkommen (Einkünften und Bezügen, mit Ausnahmen) ab 7.188 € im Jahr.
    Die Auszahlung des Kindergeldes erfolgt durch die Familienkassen der Arbeitsämter bzw. des öffentlichen Dienstes.

    Das Kindergeld wird an die Person ausgezahlt, in deren Obhut sich das Kind befindet. Lebt das Kind bei beiden verheirateten oder nicht verheiratet zusammenlebenden Eltern, können diese bestimmen, wer von ihnen das Kindergeld erhalten soll.
    Oliver


    Kindergeld (Besonderheiten bei Alleinerziehenden)

    Das Kindergeld wird an die Alleinerziehenden ausgezahlt. Bei dem barunterhaltspflichtigen Elternteil mindert sich die Unterhaltspflicht grundsätzlich um den ihm zustehenden Anteil am Kindergeld.

    Alternativ zum Kindergeld werden steuerliche Freibeträge für Kinder
    berücksichtigt, die sich wie folgt auf die Eltern aufteilen:

    • Jedem Elternteil steht ein Kinderfreibetrag in Höhe von 1.824 € und
      ein Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung in Höhe von
      1.080 € zu.
    • Der volle Kinderfreibetrag von 3.648 € sowie der volle Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung von 2.160 € werden bei einem Elternteil berücksichtigt, wenn der andere Elternteil verstorben oder nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist.
    • Der betreuende Elternteil kann den Antrag stellen,dass der dem anderen Elternteil zustehende Kinderfreibetrag auf ihn übertragen wird, wenn der andere, zur Unterhaltszahlung verpflichtete Elternteil seine Unterhaltsverpflichtung zu weniger als 75 % erfüllt. Es wird dann der volle Kinderfreibetrag von 3.648 € berücksichtigt.
    • Bei Alleinerziehenden wird auf Antrag der volle Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung von 2.160 € berücksichtigt, wenn das minderjährige Kind bei dem anderen Elternteil nicht gemeldet ist.

    Auf Großeltern können der Kinderfreibetrag sowie der Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung übertragen werden, wenn sie das Kind in ihren Haushalt aufgenommen haben. Entsprechendes gilt für die Übertragung auf einen Stiefelternteil.
    Oliver


    Steuerliche Freibeträge für Kinder

    Der Kinderfreibetrag beträgt 3.648 € . Der Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung beläuft sich auf 2.160 € . Wie beim Kindergeld gilt auch bei den Freibeträgen für Kinder das Monatsprinzip.

    Der Kinderfreibetrag und der Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung werden nur in den Fällen wirksam, in denen das gezahlte Kindergeld die steuerliche Freistellung von Einkommen in Höhe des sächlichen Existenzminimums eines Kindes und des berücksichtigten Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarfs nicht vollständig herbeiführt. Dies ist regelmäßig nur bei höheren Einkommen der Fall. Der Kinderfreibetrag und der Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung werden in diesen Fällen nachträglich bei der Veranlagung zur Einkommensteuer vom Finanzamt berücksichtigt. Dabei wird das im Veranlagungszeitraum (i.d.R.Vorjahr)gezahlte Kindergeld verrechnet. Die Freibeträge für Kinder mindern auch die Höhe des Solidaritätszuschlags und der Kirchensteuer. Deshalb ist es für Eltern von Kindern über 18 Jahre weiterhin von Bedeutung, die Zahl der Kinderfreibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen zu lassen. Bei getrennt Lebenden, Geschiedenen sowie Eltern nichtehelicher Kinder bleibt es bei der grundsätzlichen Halbteilung des Kinderfreibetrages und des Freibetrages für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung.

    Für Kinder unter 14 Jahren wird ab 2002 außerdem ein Abzug für nachgewiesene erwerbsbedingte Betreuungskosten von 1.500 € zugelassen,soweit diese Betreuungskosten einen Betrag von 1.548 € übersteigen. Bei Alleinerziehenden, die den halben Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung erhalten, setzt der Kinderbetreuungskostenabzug bei nachgewiesenen Kosten von mehr als 774 € ein und ist bis zu einem Höchstbetrag von 750 € möglich.
    Erwerbsbedingt bedeutet, dass entweder der allein erziehende Elternteil oder bei zusammenlebenden Elternteilen eines Kindes beide Elternteile erwerbstätig sein müssen.

    Für volljährige Kinder,die sich in Ausbildung befinden und auswärtig untergebracht sind, kann zur Abgeltung eines Sonderbedarfs ein Freibetrag von bis zu 924 € je Kalenderjahr abgezogen werden.
    Oliver


    Kinderbetreuung und Haushaltshilfe

    Es gibt Kinderbetreuungsangebote in Krippen, Kindergärten und Horten sowie durch eine Tagespflegeperson („Tagesmutter “). Die anfallenden Elternbeiträge sind sozial gestaffelt; sie können im Bedarfsfall vom Jugendamt ganz oder teilweise übernommen werden. Jedes Kind hat ab dem 3.Geburtstag bis zum Schuleintritt einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz.

    Mütter und Väter in der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten eine Haushaltshilfe, wenn ihnen insbesondere wegen einer Krankenhausbehandlung oder Kur die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist. Voraussetzung ist, dass im Haushalt ein Kind lebt,das das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder behindert oder auf Hilfe angewiesen ist. Kann die Krankenkasse keine Haushaltshilfe stellen, werden den Versicherten die Kosten für eine selbst beschaffte Haushaltshilfe in angemessener Höhe erstattet (nicht für Verwandte und
    Verschwägerte bis zum zweiten Grad).

    Wenn ein Elternteil aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, kann das Jugendamt eine Haushaltshilfe stellen oder andere vorübergehende Hilfen zur Versorgung und Betreuung von Kindern leisten. Hilfen zur Weiterführung des Haushalts bieten auch die Sozialen Dienste (u.a.Sozialstationen, Haus- und Familienpflege, Nachbarschaftshilfekreise) an.
    Oliver


    Freistellung von der Arbeit zur Pflege kranker Kinder

    Berufstätige Mütter und Väter in der gesetzlichen Krankenversicherung haben Anspruch auf Freistellung von der Arbeit zur Pf ege eines kranken Kindes, das das 12.Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist:


    Elternpaarepro Jahr, Kind und Elternteil 10 Tage – bei mehreren Kindern maximal
    25 Tage je Elternteil
    Alleinerziehendepro Jahr und Kind 20 Tage – bei mehreren Kindern maximal 50 Tage

    Besteht kein Anspruch auf bezahlte Freistellung, zahlt die gesetzliche Krankenkasse das Krankengeld, wenn auch das Kind in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist und im Haushalt keine andere Person lebt, die die Betreuung des Kindes übernehmen kann.
    Oliver


    Unterhaltsvorschuss

    Alle Alleinerziehenden,die vom anderen Elternteil keinen Unterhalt oder nicht mindestens Unterhalt in Höhe des Regelbetrags nach der Regelbetrag-Verordnung für ihre Kinder bekommen, erhalten Unterhaltsvorschuss (auch bei ungeklärter Vaterschaft). Ein gerichtliches Unterhaltsurteil ist nicht nötig. Unterhaltsvorschuss gibt es längstens für 72 Monate und längstens bis zur Vollendung des
    12. Lebensjahres des Kindes. Die Unterhaltsvorschussleistung berechnet sich nach der Höhe des Regelbetragssatzes abzüglich der Hälfte des Kindergeldes für erste Kinder. Nach Abzug des halben Erstkindergeldes ergeben sich ab dem 1.7.2003 folgende Unterhaltsvorschussbeträge:



    Alter des KindesUnterhaltsvorschuss in den neuen LändernUnterhaltsvorschuss in den neuen Ländern
    bis 6 Jahre105 € monatlich122 € montlich
    6-12 Jahre145 € monatlich164 € monatlich

    Siehe auch die ausführlichen Informationen im Bereich Gesetze.
    Oliver


    Haushaltsfreibetrag

    Der Haushaltsfreibetrag für Alleinstehende mit Kindern beträgt 2.340 Euro in den Jahren 2002 und 2003 und 1.188 Euro im den Jahr 2004 und wird ab 2005 völlig aufgehoben.

    Ursprünglich sollte nur anspruchsberechtigt sein, wer schon im Jahr 2001 den Haushaltsfreibetrag erhalten hat und die Voraussetzungen auch im Veranlagungszeitraum noch erfüllt.

    Aber die VAMV-Kampagne  'Ich bin kein Single'  gegen die Streichung des Haushaltsfreibetrags (an der sich auch verwitwet.de e.V. beteiligt hat) hat einen politischen Erfolg erzielt. Von der Regierung hat eine Gesetzesänderung zum 1. Juli 2002 vorgenommen: Rückwirkend zum 1. Januar werden alle Alleinerziehenden in die Steuerklasse 2 eingestuft. Es gibt dann keine Fälle mehr, die in Steuerklasse 1 bleiben. Wer schon Steuerklasse 1 auf seiner Lohnsteuerkarte eingetragen hat, kann diese sofort ändern lassen.

    Ergänzung für die Steuer 2004: Bei Alleinerziehenden wurde der bisherige Haushaltsfreibetrag durch einen so genannten Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ersetzt, der sich auf 1.308 Euro beläuft. Da die Voraussetzungen für die Gewährung des Entlastungsbetrags im vergangen Jahr mehrfach geändert worden sind, müssen Alleinerziehende genau prüfen, ob sie diesen Abzugsbetrag beanspruchen können.

    Der Entlastungsbetrag wird Alleinerziehenden gewährt, zu deren Haushaltsgemeinschaft mindestens ein Kind gehört für das ein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag besteht und das Kind mit Haupt- oder Nebenwohnung beim Alleinerziehenden gemeldet ist. Ist ein Kind mit Haupt- und Nebenwohnsitz bei mehreren Steuerzahlern gemeldet, dann erhält derjenige den Entlastungsbetrag, der das Kindergeld bekommt.

    Als alleinstehend gelten dabei Steuerzahler, die nicht die Voraussetzungen für das Splittingverfahren erfüllen oder verwitwet sind. Es darf auch keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bestehen, es sei denn, es handelt sich um Kinder, für die dem Steuerzahler Kindergeld oder ein Kinderfreibetrag zusteht oder um Kinder, die Wehr- oder Ersatzdienst leisten oder als Entwicklungshelfer tätig sind. Ist die andere Person in der Wohnung des Steuerzahlers gemeldet, dann wird vermutet, dass sie mit dem Steuerzahler eine Haushaltsgemeinschaft bildet. Diese Vermutung ist widerlegbar. Dies ist allerdings ausgeschlossen, wenn eine eheähnliche Gemeinschaft oder eine eingetragene Lebensgemeinschaft vorliegt. Quelle: steuerzahler.de
    Oliver


    Sozialhilfe

    Alleinerziehende, die wegen Kinderbetreuung nicht berufstätig sein können und denen keine anderen Mittel ausreichend zur Verfügung stehen, haben Anspruch auf Sozialhilfe. Sie erhalten einen Mehrbedarfszuschlag zum Sozialhilfe-Regelsatz:

    • 40 % mit einem Kind unter 7 Jahren oder mit 2 oder 3 Kindern unter 16 Jahren,
    • 60 % mit 4 oder mehr Kindern unter 16 Jahren.

    Kinder unter 7 Jahren, die bei Alleinerziehenden wohnen, erhalten 55 %des Regelsatzes für den Haushaltsvorstand (statt 50 %).
    Oliver


    Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge und des Umgangsrechts

    Mütter und Väter,die allein für ein Kind sorgen,haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge. Dies gilt auch für die Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen. Eltern, andere Umgangsberechtigte sowie Personen, in deren Obhut sich das Kind befindet, haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung bei der Ausübung des Umgangsrechts.
    Oliver


    Wenn Kinder dem Tod begegnen

    Oft tritt der Tod spät in unser Lebensumfeld. Manche Menschen werden
    vierzig Jahre, bevor zum ersten Mal ein naher Verwandter oder eine Verwandte stirbt. Um so weniger sind wir darauf vorbereitet, einen frühen Tod gemeinsam mit Kindern zu verarbeiten. Mit dieser Broschüre will die Diakonie dazu beitragen, dass Kinder in altersgemäßer Art und Weise trauern können und von Erwachsenen in ihrer Weise des Trauerns unterstützt werden. Sie kann im Trauerprozess oder auch im Sinne guter Vorsorge durch Erziehung und Bildung genutzt werden. Die Broschüre richtet sich an Mitarbeitende in Hospiz, Diakonie, Krankenhaus, Kindergarten und Pfarramt. Sie kann aber gleichwohl an betroffene Eltern weitergegeben werden.

    Auch Kinder begegnen bereits dem Tod
    Ein geliebtes Haustier stirbt, vom Tod eines entfernten Verwandten oder eines Nachbarn wird gesprochen, ein Großelternteil verstirbt, oder der Tod trifft einen Menschen in unmittelbarer Nähe des Kindes: ein Elternteil, ein Geschwister, eine Klassenkameradin oder ein Spielkamerad.
    Der erste Impuls vieler Erwachsener ist es, die Kinder vor der Begegnung mit dem Tod zu schützen. Doch wissen wir eigentlich: Sterben, Tod und Trauer gehören auch zum Leben von Kindern und müssen keinen schlimmen Schaden anrichten.
    Denn Kinder können trauern. Es liegt nur an uns, Kindern zuzutrauen, den Trauerprozess bewältigen zu können. Denn zu häufig übersehen wir Kinder als aktiv Trauernde. Kinder können trauern, brauchen dabei aber unsere Unterstützung im Umgang mit Trauer.
    Für Kinder, die ein Eltern- oder Geschwisterteil verloren haben, kommt zur Trauerbewältigung zusätzlich hinzu, dass sie sich meistens als einziges, trauerndes Kind erleben. Gehen sie nicht in eine Trauergruppe für Kinder, kennen sie meistens keine anderen Kinder in ähnlicher Situation. Trauererfahrungen in der Kindheit und Jugend sind gerade deshalb prägend, da sie als erste Begegnung mit dem Tod besonderes Gewicht haben. Der Trauerprozess von Kindern und ihre Begleitung darin soll hier besonders in den Blick genommen werden. Dennoch sind die in der Kindertrauer ablaufenden Prozesse auch formend für die Folgeerfahrungen in der Jugend und im Erwachsenenalter. Uns alle begleiten unsere in der Kindheit erworbenen Konzepte, Bilder und Vorstellungen über den Tod und den Umgang mit Trauer auch noch im Erwachsenenalter.

    Kinder leben in der Gegenwart
    So können Momente großer Trauer auf fröhliches Spiel folgen. Sie haben kaum die Möglichkeit sich durch Fragen Informationen zu holen, die sie brauchen, und erleben so den Tod eines ihnen nahe stehenden Menschen als tiefe Verunsicherung. Daher sind sie auf Erwachsene und ihren Beistand angewiesen. Sie drücken ihre Trauer und ihre Gefühle weniger über die Sprache aus als über nonverbale Ausdrucksweisen. Das Nachspielen von Schlüsselszenen, das Malen von Bildern oder erfinden von Ritualen kann eine für sie hilfreiche Möglichkeit sein, ihre unterschiedlichen Gefühle auszudrücken. Der Trauerprozess von Kindern verläuft zwar auch in Phasen, ist in sich aber diffuser und daher weniger klar erkennbar.

    Der Verlust eines nahen Angehörigen in der Kindheit ist eine schwere Erfahrung.
    Denn er erschüttert Kinder in ihren Grundfesten. Zum Verlust der geliebten Person kommt meistens noch eine veränderte familiäre Situation hinzu, auf die sich das Kind einstellen muss. Eine einfühlsame Begleitung ist deshalb viel wert. Dazu gehören
    • eine gute, stufenweise und altersgemäße Information über den bevorstehenden Tod. Auch wenn der Tod eingetreten ist, ist es für Kinder wie für Erwachsene wichtig, die Umstände des Todes zu kennen.
    • die Ermöglichung des persönlichen Abschieds in Begleitung eines vertrauten Erwachsenen. Auch wenn der Tod bereits eingetreten ist, empfiehlt es sich, mit den Kindern am aufgebahrten Leichnam Abschied zu nehmen.
    • die Unterstützung für die Kinder bei der Mitgestaltung des Trauerprozesses.
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    Kinder als Trauernde - der Prozess des Trauerns bei Kindern

    Wie Erwachsene durchlaufen Kinder in ihrer Trauerreaktion mehrere Phasen. Diese Phasen sind kein festes Schema, sondern nur Anhaltspunkte zum Verständnis. (Als Vergleich kann der Ablauf der vier Jahreszeiten herangezogen werden: Sommer folgt auf Frühling und trotzdem gibt es im Juli auch kühle, regnerische Tage). Ihr Verlauf wird stark von der Persönlichkeitsstruktur beeinflusst. Kinder zeigen und leben ihre Trauer eher tropfenweise, das heißt weniger kontinuierlich als Erwachsene. Das bedeutet, in einem Moment können sie hemmungslos weinen und im nächsten Moment intensiv spielen. Es gibt auch Wiederholungen, Sprünge und Überlappungen.
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    Schock

    Wenn die Todesnachricht plötzlich eintrifft, löst sie einen Schock aus. Daher ist es wichtig, dass die Todesnachricht in einer ruhigen Situation überbracht wird. Gut ist es, wenn genügend Zeit vorhanden ist, um Schock, Unverständnis und Fragen abwarten und auffangen zu können. Kinder sind auf möglichst genaue Informationen angewiesen, da sie ihre Sprachlosigkeit nicht durch Fragerituale überwinden können. Je unerwarteter die Todesnachricht für das Kind eintrifft, desto größer ist der
    Schock. Das Kind erstarrt innerlich und leugnet den Tod. Es zieht sich in sich zurück und versucht so zu leben, als sei nichts geschehen. Dieses Verhalten ist nicht mit Trotz gleichzusetzen, sondern dient der momentanen Entlastung. Im günstigen Fall bestimmt das Kind dadurch selbst, wann und im welchem Maße es sich mit der Todesnachricht konfrontiert. Wenn es sich um einen Elternteil handelt, reagiert das Kind oft mit einer existenziellen Angst, die dem Verlust einer primären Bezugsperson angemessen ist.
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    Kontrollierte Phase

    Sie folgt, nachdem der Schock abgeklungen ist (meistens maximal ein bis zwei Tage). Es herrscht eine doppelte Form der Kontrolle: die Kontrolle über sich selbst (weniger bei Kindern, da sie sich nicht gut selbst kontrollieren können; ihr Verhalten ist eher natürlich, unbeherrscht und wechselhaft). Hinzu kommen kontrollierende Maßnahmen von Außenstehenden. Sie entstehen durch Erwartungshaltungen und Verhaltensvorschriften, aber auch den Gewohnheiten der Nächsten, die das Kind zu imitieren versucht. Sie wirken auf Kinder häufig irritierend und damit erlahmend. Denn ihnen bleibt oft der Verhaltenskodex verborgen. So werden sie sich selbst und der Realität ein Stück entfremdet.
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    Regression

    Als Regression (von lateinisch: regredi – sich zurückziehen) wird ein bestimmtes Verhalten, besonders in belastenden Situationen, bezeichnet, bei dem Menschen auf früher erworbene, besonders kindliche Verhaltensmuster zurückgreifen. Die Phase der Regression im Trauerprozess ist von hoher Emotionalität gekennzeichnet. Dazu gehören Weinen, Klagen, Wutanfälle, aber auch Scham- und Schuldgefühle. Diese verschiedenen starken Gefühle führen zu einer psychischen Desorganisation. Bei Kindern (besonders im Vorschulalter und frühen Schulalter) kommt häufig eine Ursachenpersonalisierung hinzu: Der erlittene Verlust wird auf ein bestimmtes (Fehl-)Verhalten einer anderen oder der eigenen Person zurückgeführt: „Ich habe mir gewünscht, meine Schwester soll tot sein und nun ist sie (deshalb) tatsächlich tot.“ Das Kind entwickelt folglich Scham- und Schuldgefühle, die es nicht von alleine verbalisieren kann. Wenn sich Kinder in dieser Phase zurückziehen und apathisch wirken, so ist dies im Sinne eines Abwehrmechanismus im Dienst des Ichs zu verstehen. Der Rückzug zeigt an, dass die Seele überbelastet und schonungsbedürftig ist.
    Nach Sigmund Freud gibt es drei verschiedene Formen der Regression:
    1. Vorgänge und Verhaltensabläufe werden auf ein niedrigeres Niveau verschoben: zum Beispiel Weinen, Jammern.
    2. Es findet ein Rückzug auf frühere Entwicklungsstufen statt: zum Beispiel Bettnässen oder Verweigerung von Aufnahme fester Nahrung.
    3. Kinder greifen auf archaische Vorstellungs- und Denkmuster zurück, indem sie magische Ansichten vertreten: zum Beispiel „Wenn ich mein Lieblingstier opfere, dann kommt Mama zurück.“
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    Adaption

    Es findet wieder eine Annäherung an das Leben statt. Kinder können die Trauer in ihr Ich integrieren. Sie erneuern damit ihre innere Welt. Durch den Trauerprozess erhalten sie unter Umständen Zugang zu eigenen brachliegenden und unentdeckten seelischen Kräften.
    Oliver


    Todesvorstellungen in den einzelnen Altersgruppen

    ... und wie wir auf sie eingehen können
    Oliver


    Säuglinge von der Geburt bis zum 10. Monat

    Im Allgemeinen wird angenommen, dass Säuglinge den Tod der Mutter als Abwesenheit wahrnehmen. Der Tod eines Geschwisters, des Vaters oder eines anderen Familienmitgliedes ist vermutlich nicht im gleichen Maße traumatisch. Sie werden aber Veränderungen und negative Reize in ihrer Umgebung wahrnehmen.

    Was Sie tun können:
    • Andere Bezugspersonen, Tagesrhythmus und häusliche Umgebung so stabil wie möglich halten
    • Sich um das körperliche Wohl des Kindes kümmern
    • Anwesenheit schenken
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    Babys zwischen 10 Monaten und 2 Jahren

    Die Nachricht vom Tod kann in diesem Alter kaum sprachlich vermittelt werden. Babys in dieser Altersgruppe sind noch nicht in der Lage, den Begriff Tod zu verstehen. Ihre Angst, verlassen zu werden, ist groß. Sie sind stark auf Bezugspersonen fixiert und haben noch keine Zeitvorstellung. Auch vorübergehende Trennungen können großen Schmerz hervorrufen. Bei längeren Trennungen folgt auf eine Protestphase eine Zeit der stillen Verzweiflung und Traurigkeit, die schließlich in Gleichgültigkeit übergehen kann, wenn das Kind die Hoffnung auf eine Rückkehr aufgegeben hat. Der Schock des Kindes richtet sich nach der erwarteten Häufigkeit des Kontaktes. Die kontrollierte Phase ist bei Kindern in diesem Alter wenig ausgeprägt. Stärker hingegen die regressive Phase, die sich häufig in trauriger Gesamtstimmung ausdrückt und in regressivem Verhalten (zum Beispiel Trinken aus der Flasche oder verstärkt anhängliches Verhalten). Die Phase der Adaption ist bei Kleinkindern davon beeinflusst, ob sie weiterhin Zuwendung und Geborgenheit erfahren. Dann kann der Weg zurück ins Leben auch gegangen werden.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Einfache Sätze wie „Papa ist fort”, „Mama ist nicht mehr da” zu wiederholen, können ihnen helfen, zu verstehen, dass ein Verlust geschehen ist.
    • Zuwendung
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    Vorschulkinder 3 bis 6 Jahre

    Vorschulkinder kennen bereits das Wort tot, es hat für sie jedoch noch keine endgültige Bedeutung, sondern bedeutet so viel wie fort sein oder fort gehen oder eine Form von Schlaf, das heißt, sie erwarten eine Rückkehr des Verstorbenen. Daher kann man die Todeswünsche von Kindern besser verstehen. „Du sollst tot sein” bedeutet „Du sollst verschwinden”. Für manche Kinder kann sich ein Toter nicht mehr bewegen, aber er spürt noch etwas. Das heißt, Kinder stellen sich Tot-Sein wie ein Leben auf Sparflamme, wie reduziertes Leben vor. Kinder in diesem Alter beziehen alles auf sich und können Schuldgefühle entwickeln. Vorschulkinder meinen, nur andere Menschen würden sterben. Manchmal entwickeln sie eine besondere Verbindung zum Verstorbenen. Das Bestreiten des Todes kann sich auch in einem ganz konkreten Suchen des Verstorbenen äußern. Auch hier gilt, je mehr das Kind auf den Verlust vorbereitet ist (lange Krankheit, vorausgegangener Abschied), desto geringer ist die Schock-Reaktion. Ein selbst kontrolliertes Verhalten von Seiten des Kindes ist in diesem Alter nicht zu erwarten. Es richtet sein Verhalten an Verhaltenserwartungen und Gewohnheiten seiner Umwelt aus.
    Ungefähr zu diesem Zeitpunkt (auch schon direkt nach Kenntnis des Todes möglich) stellen Kinder häufig viele Fragen. „Warum ist Opa tot?“ Hinter dieser Frage kann sowohl die Frage nach der biologischen Antwort stehen – „Weil Opa krank war“ – wie auch die Frage, nach dem Warum des Sterbens als Ausdruck persönlicher Betroffenheit. Bei letzterer Variante ist es gut auch auf die Gefühlsebene des Kindes einzugehen – „Dir fehlt der Opa?“. Andere Fragen können sein „Ist Mama jetzt ein Engel?“, „Wird Papa jetzt nass?“. Diese Fragen können sich durchaus wiederholen. Dabei ist es wichtig, nicht ungeduldig zu werden. Denn dieWiederholung der Fragen dient Kindern zur Vergewisserung des Todesfalles. In der regressiven Phase verhalten sich Kinder im Kindergartenalter oft anhänglich und ängstlich oder störrisch und aggressiv. Auch apathisches Verhalten ist möglich. Sie brauchen äußere Sicherheiten und Kontinuität von Betreuungspersonen und Tagesrhythmen. Stofftiere können wieder zu konstanten Begleitern werden. Die eigenen Gefühle können gut auf das Stofftier projiziert werden, so dass das Kind in Distanz dazu treten kann. Die Regression kann sich ferner im Aufnehmen von Verhaltensweisen einer früheren Alters- und Entwicklungsstufe zeigen (Bettnässen, keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen, nicht allein schlafen können, Nuckeltuch oder Daumen lutschen). Impulse von sich aus über den Verstorbenen zu reden, können in dieser Phase zurückgehen. Dies geschieht vor allen Dingen dann, wenn das Kind das Gefühl hat, seine Trauer nicht äußern zu können oder zu dürfen. In solchen Situationen können behutsame Versuche mit dem Kind zum Beispiel durch Bilderbücher zum Thema in Kontakt zu kommen hilfreich sein. Das Kind kann anhand der Personen im Buch über seine eigenen Gefühle sprechen, ohne sich dabei zu sehr öffnen zu müssen (zum Beispiel „Leb wohl, lieber Dachs“ oder „Abschied von Rune“). Wir Erwachsenen sollten uns auch in dieser Phase nicht vom (wilden) Spiel eines Kindes täuschen lassen, mit der Annahme, dass die Trauerarbeit erledigt sei. Auch im Spielen verarbeitet das Kind seine Trauer, da es so sein seelisches Gleichgewicht auf natürliche Art und Weise wieder herstellen kann. Schließlich findet eine Hinwendung zum Leben statt. Die Kinder wirken wieder interessierter an ihrer Umgebung. Sie gewinnen wieder mehr Eigenständigkeit zurück und entwickeln wieder mehr Selbstbewusstsein und -vertrauen. Dennoch gibt es auch in dieser Phase immer wieder Anfälle von akuter Trauer und Rückfälle. Die Zeit der akuten Trauer ist dann vorbei, wenn das Leben insgesamt wieder auf die Gegenwart und Zukunft ausgerichtet ist. Aber auch dann können Kinder immer wieder Zeit für ihre Trauer brauchen.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Erklären Sie, dass der Körper ganz aufgehört hat zu funktionieren.
    • Bereiten Sie die Kinder im Falle einer langen, unheilbaren Krankheit auf den Tod vor.
    • Bleiben Sie geduldig, während das Kind sich langsam dem Gefühl der Trauer annähert.
    • Schicken Sie die Kinder nicht fort, sie fühlen sich sonst verlassen und verwirrt, weil man sie ausgeschlossen hat.
    • Lassen Sie sie an möglichst vielen Vorgängen in der Familie teilhaben.
    • Machen Sie ihnen klar, dass sie nicht schuld an dem Tod sind.
    • Helfen Sie dem Kind bei der Auswahl eines Andenkens.
    Oliver


    Grundschulkinder 6 bis 9 Jahre

    In ihrem Weltbild unterscheiden sie zwischen belebter und unbelebter
    Umwelt.
    Diese Kinder beginnen die Bedeutung des Todes zu verstehen und haben ein sachliches nüchternes Interesse an den Äußerlichkeiten des Todes. Trotzdem verstehen sie nicht alles und entwickeln deshalb Verlust- und Trennungsängste. Zum Beispiel kann ein Kind Atemnot bekommen, wenn der Sarg geschlossen wird. Die Angst vor dem eigenen Tod zeigt sich vor allem in Ängsten vor Gewalteinwirkungen, wie vor dem Erschossenwerden. Daher sind Cowboyspiele in dieser Altersstufe beliebt. In der Angst vor dem Tod der Eltern spiegelt sich die Angst vor dem Verlassenwerden. Auch wenn sie den Tod als Tatsache erfassen, können sie ihn nicht immer akzeptieren oder rational darauf reagieren. Die Kinder erkennen, dass der Tod alle Menschen treffen kann, auch ihnen sehr nahe stehende und auch sie selbst. Mögliche Gefahren werden ihnen bewusster, und sie entwickeln ein größeres Sicherheitsbedürfnis. Sie entwickeln Trennungsschmerz und Trauergefühle. Realität und Phantasie wechseln sich ab. Der Tod führt zu Veränderungen. Die Kinder fürchten, dass ihre Freundinnen und Freunde sie für anders halten.

    Was sie tun und sagen können:
    • Sagen Sie ihm, warum dieser Mensch gestorben ist.
    • Achten Sie sehr genau darauf, wie das Kind reagiert, welche Gefühle es zeigt.
    • Nehmen Sie sich Zeit, um über Ängste und Sorgen zu sprechen und den Kindern zuzuhören.
    • Geben Sie ihnen so gut wie irgend möglich das Gefühl von dauerhafter, verlässlicher Sicherheit.
    • Beziehen Sie das Kind bei der Planung und Durchführung der Trauerfeier mit ein.
    Oliver


    Schulkinder 9 bis 12 Jahre

    Die sachliche Einstellung der Kinder bezieht sich jetzt auch auf die biologischen Aspekte des Sterbens. Sie möchten wissen, wie sich der Körper eines Sterbenden verändert. Wichtig ist, den Kindern solche Tabu brechenden Fragen nicht auszureden, sondern ihre Fragen zu beantworten. Die Erkenntnis, dass der Tod etwas ganz anderes als das Leben ist, führt zu unheimlichen Vorstellungen und manchmal zu einer Vorliebe für Gruselgeschichten. Das eigene Sterben wird akzeptiert.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Umarmen und liebkosen Sie das Kind.
    • Ermutigen Sie das Kind zu weinen.
    • Gehen Sie mit dem Kind auf den Friedhof.
    • Ermutigen Sie das Kind, über die verstorbene Person zu sprechen.
    Oliver


    Jugendliche

    Jugendliche haben verstandesmäßig dieselben Vorstellungen vom Tod wie Erwachsene. Sie fürchten vor allem die Belastungen des Sterbens, Schmerzen und die Frage, was mit ihnen nach dem Tod geschieht. Besonders häufig ist das Gefühl der Angst, aber auch Unsicherheit und die Schwierigkeit, Gefühle die den Tod betreffen auszudrücken. Sie sind in dieser Phase verletzlich, möchten aber keinesfalls mit diesen Gefühlen konfrontiert werden. Wenn Jugendliche ein Elternteil verlieren, kann die Loslösung vom Elternhaus unterbrochen werden, weil sie die Verantwortung des Verstorbenen im Haushalt übernehmen müssen. Das Thema Selbstmord spielt eine Rolle. Der Tod verstärkt den Druck, dem Teenager sich sowieso schon ausgesetzt fühlen, wenn sie an die Zukunft denken.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Ermöglichen Sie es den Jugendlichen, an allen mit dem Todesfall zusammenhängenden Feierlichkeiten, Ritualen und Treffen teilzunehmen.
    • Versuchen Sie aufkommende Aggressionen zuzulassen und auf den Grund zu gehen.
    • Unterstützen Sie sie darin, sobald wie möglich in ihren Alltag
      zurückzukehren und den Kontakt mit Freundinnen und Freunden wieder aufzunehmen.
    • Zögern Sie nicht, professionellen Rat zu suchen, wenn Sie meinen, dass es nötig oder hilfreich sein könnte.
    Oliver


    Tod eines Bruders oder einer Schwester

    Verliert ein Kind ein Geschwister, kommt es zu Mehrfachverlusten. Die Eltern sind meist nicht mehr in der Lage, dem lebenden Kind genügend Aufmerksamkeit zu geben, da sie mit der eigenen Trauer beschäftigt sind. Das lebende Kind verliert also nicht nur ein Geschwister, sondern auch einen Teil der elterlichen Zuwendung. Häufig fühlen sie sich daher zu Ersatz-Kindern degradiert.
    Zusätzlich belastend ist für diese Kinder, dass die Beziehung der Eltern sehr häufig durch den Tod des Kindes vor hohe Anforderungen gestellt ist und nicht selten zerbricht. Bleiben mehrere Kinder in einer Familie am Leben, so ist nicht einfach davon auszugehen, dass diese sich gegenseitig ausreichend stärken und unterstützen können. Jedes Kind trauert individuell und für sich allein. Zur Isolation und Einsamkeit in der Trauer trägt auch bei, dass in den verschiedenen Altersstufen der Ausdruck der Trauer und die Bedürfnisse im Trauerprozess sehr verschieden und oft nicht kompatibel sind.
    Erschwerend kommt für solche Kinder hinzu, dass sie auch heute noch in der Regel von der Umwelt kaum als Trauernde wahrgenommen werden. Aus Unsicherheit, wie mit ihnen umzugehen ist, werden sie häufig nach dem Ergehen der Eltern gefragt, aber nicht nach dem eigenen Befinden.

    Kinder, die ein Geschwister verloren haben, fühlen sich oft
    • schuldig (weil sie sich schon gewünscht haben, dass der Bruder oder die Schwester tot sein soll)
    • erleichtert (weil sie jetzt vermeintlich mehr Aufmerksamkeit bekommen)
    • geängstigt (weil sie nun wissen, dass sie selbst auch sterben können)
    • verwirrt (weil sie – in einer ursprünglichen Zweiergeschwisterkonstellation – nicht mehr spürbar Bruder oder Schwester sind)


    Was Sie tun und sagen können:
    • Ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe schenken
    • Nach ihrem Ergehen fragen (nicht nur nach dem der Eltern)
    • Dafür sorgen, dass sie Freizeitangebote bekommen
    • Erzieherinnen und Lehrerinnen informieren
    • Im Fall der Überforderung der Eltern vertraute Ersatzpersonen um Hilfe bitten.
    Oliver


    Kann es durch einen früh erfahrenen Tod zu einem Trauma kommen?

    Wenn Kinder die ihrem Alter gemäße Möglichkeit zu Abschied und Trauer haben, unterstützt die Begleitung durch einen Erwachsenen die positive Verarbeitung des Ereignisses, so dass es nicht zu einem Trauma kommen muss. Frühere Generationen waren, Menschen auf der Südhalbkugel sind von Kindheit an mit dem Tod konfrontiert gewesen und haben damit leben können. Allerdings sind diese Menschen in der Trauer niemals alleine und können auf feste Rituale zurückgreifen. Der Tod wird nicht verleugnet, sondern gemeinsam begangen.
    Ohne diesen regelmäßigen und gemeinsamen Umgang mit dem Tod sind moderne Individuen, Erwachsene und Kinder, vermutlich sehr viel verletzlicher und schutzbedürftiger. Dabei entsteht die größte Gefahr für Kinder durch eine Verleugnung, Dramatisierung oder Banalisierung des Todes. Zu einem Trauma kann der Tod eines nahen Angehörigen für ein Kind werden, wenn es nicht die Möglichkeit hatte, sich zu verabschieden und das Faktum des Todes zu begreifen.

    Eine Atmosphäre des Leugnens verunsichert Kinder
    Kinder spüren atmosphärisch, dass etwas nicht stimmt. Wird der Tod nicht beim Namen genannt, fantasieren Kinder, was geschehen sein könnte. Diese Phantasien sind oft schlimmer als das Ereignis selbst. Denn sie sehen sich als Auslöser des Wegbleibens des geliebten Menschen oder sehen andere Menschen als die Schuldigen an. Geben wir dem Tod soviel unheimliche Macht, dass wir ihn totschweigen müssen, wirkt sich das auch auf die Kinder aus. Sie spüren dann das Mächtige und haben davor Angst. Somit wird ihnen die Möglichkeit verwehrt, Abschied zu nehmen und im Trauerprozess voranzukommen. Kann ein Kind begleitet Abschied nehmen, wird die Möglichkeit von zusätzlicher Traumatisierung zum Beispiel durch Schuld erheblich verringert.
    Oliver


    Kinder bei der Beerdigung

    Viele Eltern stellen sich die Frage, ob ihre Kinder bei der Beerdigung anwesend sein sollen, und wenn ja, ab welchem Alter. Es gibt hierzu keine Pauschalantworten, da es immer auch auf die Umstände und das Kind ankommt. Eine Grundregel ist sicherlich, dass kein Kind gegen seinen Willen an einer Beerdigung teilnehmen sollte. Nimmt ein Kind teil, so sollte darauf geachtet werden, dass es gut auf den Ablauf wie auf die möglichen eigenen Gefühle vorbereitet wird. Der Ablauf und das Ambiente einer Beerdigung sind Kindern eher fremd, da sie sich nur sehr punktuell eingebunden fühlen. Schwarze Kleidung und ungewohntes Verhalten von Erwachsenen (zum Beispiel Weinen) kann sie verunsichern.
    Deshalb ist es für sie so wichtig, dass ein ihnen bekannter Erwachsener (der selbst nicht zu sehr von eigener Trauer betroffen ist) sie die ganze Zeit über begleitet (zum Beispiel an der Hand hält) und auch für ihre Fragen da ist. So können sie die Sicherheit bekommen, die sie für den Abschied brauchen. Tollen Kinder bei der Beerdigung herum oder werden sie albern bis ausfallend, so kann das bedeuten, dass ihnen die Sicherheit fehlt, um Abschied zu nehmen, oder dass sie sich gegen ihre Traurigkeit wehren (müssen), um nicht erdrückt zu werden.

    Es gibt keine Altersgrenze für die Teilnahme
    Ist das Kind gut vorbereitet, hat es eine Vertrauensperson an seiner Seite und möchte es an der Beerdigung teilnehmen, gibt es keinen Hinderungsgrund. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie Kinder bei der Beerdigung beteiligt werden können: Kleine Kinder können die Blumen für den Grabschmuck mit aussuchen, größere können Bilder malen, die mit in den Sarg oder ins Grab gelegt werden. Der Sarg kann bemalt werden. Stirbt ein Kindergartenkind, können die anderen Kinder Luftballons mit selbst bemalten Karten fliegen lassen. Kinder können am Grab den Korb mit Blumen halten, die dann von den anderen Angehörigen ins Grab geworfen werden. Jugendliche können zum Beispiel auch ein selbst geschriebenes Gedicht vortragen. Je mehr trauernde Kinder Geborgenheit erfahren und in den Ablauf der Beerdigung eingebunden sind, desto sinnhafter und sinnvoller kann für sie der Abschied werden.

    Das Ritual der Beerdigung
    Das Einlassen des Sarges in die Erde ist für Kinder gut nachvollziehbar und verständlich. Der Tote hat nun einen sichtbaren Ort in der Erde. Wenn Kinder Tiere beerdigen, übernehmen sie häufig intuitiv diese Form (zum Beispiel Schachtel, in die das Tier gelegt wird, Loch in der Erde, Holzkreuz mit Namen), auch wenn sie selbst noch nie auf einer Beerdigung waren. Bei Kindern im Vorschulalter und frühen Schulalter kann allerdings die Sorge um den Verstorbenen im Vordergrund stehen, da die Vorstellung von einer reduzierten Lebendigkeit vorherrscht (der Verstorbene atmet oder fühlt noch).

    Teilnahme von Kindern an Ereignissen nach der Beerdigung
    Kinder können grundsätzlich an allen Ereignissen nach der Beerdigung teilnehmen und sich beteiligen, wenn sie es möchten. So zum Beispiel beim Gang zum Grab, beim Ewigkeitssonntag oder Allerheiligen, beim Besuch der Pfarrerin, des Pfarrers im Nachgang, beim Sechs-Wochen-Seelenamt oder beim Todestag. Auch beim Trauergespräch mit der Pfarrerin, dem Pfarrer können Kinder mit ihren Wünschen und Ideen schon einbezogen werden (ab Kindergartenalter). Gemeinsam mit dem Kind können an solchen Stationen auch Rituale geschaffen werden: Grab begießen, Kerzen anzünden, Bild aufstellen, Geschichten erzählen, ein Oma-Erinnerungsessen veranstalten. Kinder, die am gesamten Sterbeund Trauerprozess beteiligt sind, haben die Möglichkeit, aktiv Abschied zu nehmen und ihre Trauer durch Handlungen und Rituale zu verarbeiten.
    Oliver


    Trauer und ihre Überwindung in der Bibel entdecken

    Kinder können sich mit ihren Gefühlen in der Bibel wiederfinden. Besonders gut eignen sich dafür die Psalmen wie zum Beispiel Ps 56,9 „Du sammelst meine Tränen in deinen Krug“. Ältere Kinder können sich auch gut in Sätzen wie Ps 69 „Das Wasser steht mir bis zum Halse“ wieder finden. Die emotionale und doch allgemein gültige Sprache der Psalmen ermöglicht es Kindern, Sprache zu finden und sich und ihre Gefühle darin einzutragen. In Gesprächen und Bildern können die eigenen Erfahrungen anhand der Psalmen verbalisiert oder ausgedrückt werden. Gerade Klagepsalmen (zum Beispiel auch Ps 13; 22) können Kindern dazu verhelfen, auch ihre möglicherweise unterdrückten Gefühle wie Wut, Aggression und Ärger zuzulassen und auszudrücken. Mit ihnen können sich Kinder gleichzeitig auch an Gott als Adressaten ihrer Trauer wenden. Aus der Beschäftigung mit Klagepsalmen kann so ein Gebet erwachsen. Hilfreich kann ein Klagegebet sein, in dem alle Gefühle geäußert werden dürfen, dass dann in ein Bittgebet (um Gottes Beistand) münden kann.

    Biblische Geschichten für Kinder
    Einige biblische Geschichten eignen sich, um mit Kindern auch schon im Vorschulalter über Leben und Sterben, Trauer und Auferstehung(shoffnung) ins Gespräch zu kommen. Anhand der Lebensgeschichte von Abraham (Gen 12-25) wird das Abschiednehmen (auch im Leben) thematisiert. Die Geschichte von Maria Magdalena am Ostermorgen vermittelt Kindern die Wandlung von Trauer in Gewissheit auf ein Leben nach dem Tod (Joh 20,11-18). Das Gleichnis vom Weizenkorn (Joh 12,24) versinnbildlicht für Kinder anschaulich und gut umsetzbar den Prozess von Sterben und Auferstehen.
    Dass Gott tröstet, ist eine Erfahrung, die wir Kindern vermitteln können. Gerade in leibhaftig erfahrenem Trost können sie Gottes Trost spüren:
    beim Streicheln, Wiegen (Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, Jes 66,13), beim Tränen abwischen (Gott wird abwischen alle Tränen, Offb 21,4) und beim Dasein für das Kind (Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken, Mt 11,28).

    Psalm mit Gesten beten
    Das Grundgefühl des Geborgenseins bei Gott kann durch das Beten eines Vertrauenpsalms gestärkt werden. Zum Beispiel kann Ps 139 mit Gesten in einer kindgerechten Sprache mit Kindern gebetet werden. Als Kehrvers sprechen die Kinder: „Bei dir bin ich geborgen Gott“ (Arme werden wiegend vor den Oberkörper gehalten), „Du hältst mich in Deiner Hand“ (Hände werden wie zu einem Gefäß vor dem Oberkörper gehalten). Dazwischen können von einem Erwachsenen Sätze gesprochen werden wie „Manchmal bin ich traurig, weil ...“. Durch die Bewegungen können die Kinder die umfassende Liebe Gottes zu uns auch spüren. In Geschichten, wie die von Zachäus oder Bartimäus, können gerade kleinere Kinder erfahren, dass sie bei Gott angenommen sind, so wie sie sind.
    Oliver


    Kinder in Ihrer Trauer begleiten

    Kinder verfügen über andere kognitive und sprachliche Fähigkeiten als Erwachsene. Deshalb trauern sie anders als Erwachsene. Trauer ist bei Erwachsenen und Kindern ein ganz individueller Prozess. So möchte zum Beispiel ein Kind beim Sterben eines Angehörigen dabei sein und ein anderes möchte das auf keinen Fall. Beide Verhaltensweisen sind in Ordnung. Dennoch lassen sich Gemeinsamkeiten im kindlichen Trauerprozess feststellen. Ihre vielfältigen Gefühle können Kinder am besten nonverbal und spielerisch zum Ausdruck bringen. Begegnen wir trauernden Kindern, ist es gut, sich darauf einzustellen und unser Verhalten an den Kindern zu orientieren, uns von ihnen an die Hand nehmen zu lassen. Sie zeigen uns, wann sie bereit sind ihre Trauer zu verarbeiten und wann sie das gerade gar nicht können. Wir brauchen also Kinder nicht zur Auseinandersetzung mit Tod und Trauer zu zwingen, da sie sich schützen, wenn sie etwas nicht verarbeiten können oder wollen. Wir Erwachsenen haben also alles, um Kinder in ihrer Trauer zu begleiten. Wir brauchen uns nur auf die Trauer einzulassen. Dazu können acht Elemente helfen:
    Oliver


    Über den Tod sprechen

    Es ist gut, Kinder über den bevorstehenden wie über den eingetretenen Tod so bald wie möglich behutsam zu informieren. Dabei ist es hilfreich, den Tod und den Toten beim Namen zu nennen, also Worte zu finden, die die Realität treffen und für Kinder verständlich sind. Werden Kinder nicht informiert, nehmen sie atmosphärisch dennoch wahr, dass etwas nicht stimmt. Das kann sie sehr verunsichern. Wird der Tod als Tatsache benannt, können Kinder eher mit der Realität leben. Für Kinder, die das Wort Tod noch nicht verstehen, sind Beschreibungen (aber nicht Umschreibungen) der Wirklichkeit des Todes hilfreich. Umschreibungen, wie die folgenden, weichen der Realität des Todes eher aus:
    • „Großvater ist eingeschlafen.“
    • „Er war müde ...”
    • „Gott nahm ihn zu sich, weil er so gut war.”
    • „Großmutter ist auf eine lange Reise gegangen.”
    • „Er war krank.”
    Solche Umschreibungen nehmen Kinder oft wörtlich und sie bekommen Angst davor, einzuschlafen, gut zu sein, fragen sich, warum Großmutter sich nicht verabschiedete oder fürchten sich, durch eine leichte Krankheit zu sterben. Die Endgültigkeit des Todes kann Kindern so nahe gebracht werden, dass wir ihnen erzählen, was der Verstorbene nicht mehr tun kann: zum Beispiel „Großvater kann nicht mehr mit dir in den Zoo gehen.“ Die Ursache des Todes muss für Kinder einleuchtend erklärt werden: „Sie war so krank, dass sie sterben musste.“ Es muss den Kindern versichert werden, dass sie keine Schuld am Tod haben. „Deine zornigen Gefühle hatten nichts mit seinem Tod zu tun. Er verstand das schon richtig und wusste, dass du ihn gern hattest.”
    Das Verständnis vom Tod bei Kindern ist in viererlei Hinsicht anders als bei Erwachsenen. Deshalb ist es wichtig, vor allen Dingen im jüngeren Alter, Kindern gegenüber den Tod klar zu stellen: Besonders Kinder im Vorschulalter begreifen den Tod als ein zeitlich begrenztes und daher umkehrbares Ereignis (im Gegensatz zum unumkehrbaren Verständnis des Todes bei Erwachsenen). Sie verstehen sich oder ihre Gedanken als Ursache des Todes (während Erwachsene wissen, dass es andere Ursachen des Todes gibt). Sie stellen sich den Toten mit verminderter Lebensfunktion vor (während Erwachsene wissen, dass Tote keine Lebensfunktionen mehr haben) und halten sich selbst für nichtsterblich(während Erwachsene wissen, dass alle Menschen sterblich sind). Begleitende Aufgabe ist es, diese vier Aspekte des Todes zu erläutern, um mögliche Ängste gerade im Umfeld der Beerdigung abzubauen („Bekommt Opa keine Luft mehr?“). So wird der Trauerprozess ermöglicht.
    Oliver


    Nähe geben

    Trauernde Kinder brauchen die Nähe von vertrauten Erwachsenen. Beim Gang zum Grab kann für ein Kind eine haltende Hand sehr hilfreich sein. Auch bei Gesprächen, beim Weinen, beim gemeinsamem Anschauen von (Bilder)Büchern gibt die körperliche Nähe von Erwachsenen – zum Beispiel auf dem Schoß sitzen – Kindern das Gefühl von Geborgenheit.
    Oliver


    Zeit geben

    Angesichts der allgemeinen Tendenz, die Trauerphase abzukürzen und zur Tagesordnung überzugehen, müssen Kinder wissen und erleben, dass Trauer Zeit braucht und immer einmal wiederkommen kann.
    Oliver


    Begleiten

    Kinder brauchen Begleitung beim Trauern. Für das Kind ist es wichtig zu wissen, von welcher Person es kontinuierlich während der Trauerzeit begleitet wird. Auch bei wichtigen Ritualen wie beim persönlichen Abschiednehmen vom Verstorbenen oder bei der Beerdigung ist eine Begleitung wichtig. Wenn die nächsten Angehörigen selbst von dem Tod direkt getroffen sind, kann eine dem Kind vertraute Person, die selbst nicht so stark betroffen ist, die Begleitung des Kindes übernehmen, zum Beispiel die Patin oder der Pate des Kindes.
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    Gefühlsäußerungen erleichtern

    Trauer und die zugehörigen Gefühle gelten in unserer Gesellschaft wenig und werden deshalb schamhaft verborgen. Diese Scham hat keinen guten Grund, aber schädliche Folgen. Deshalb, ist es wichtig, Kindern (und Erwachsenen) den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen zu erleichtern. So tut es Kindern gut, wenn sie vermittelt bekommen, dass ihre Gefühle in Ordnung sind und dass sie sie auch äußern und zeigen dürfen. Dies kann ihnen auch dadurch vermittelt werden, dass Erwachsene ihre eigene Trauer zeigen. Erwachsene und Kinder können auch gemeinsam weinen. Kinder lernen dadurch, dass sie weinen dürfen und das Weinen gut tun kann. Ein Gespräch mit einem trauernden Kind kann durch eine Handpuppe oder ein Stofftier als Gesprächsmedium in dieser Richtung erleichtert werden.
    Oliver


    Raum für Spiele und kindgerechte Rituale geben

    Kinder leben in der Gegenwart. So können sie in einem Moment hemmungslos weinen und im nächsten Augenblick ganz intensiv spielen. Für beides brauchen sie Raum, denn auch im Spielen verarbeiten sie ihre Trauer. Häufig drücken Kinder im symbolischen Spiel ihre Erfahrungen aus, da sie sich dadurch vom Geschehenen distanzieren können. Eine spielerische Möglichkeit für das Ausdrücken der Trauer bieten Rituale. Sie ermöglichen die Antizipation des Trauerprozesses (bei derBeerdigung zum Beispiel antizipiert das anschließende Essen den Weg aus der Trauer) und die Veröffentlichung des neuen Status (zum Beispiel als Halbwaise oder Einzelkind). Außerdem helfen sie die Leidtragenden zu entlasten und die Situation zu entkrampfen. Auch das Entwickeln von eigenen situations- und kindgerechten Ritualen bietet Kindern eine Möglichkeit, ihre Trauer individuell und nonverbal auszudrücken und doch verstanden zu werden. Das kann zum Beispiel sein, auf eine bestimmte Weise das Grab zu pflegen (Blumen hinbringen oder gießen), ein Oma-Erinnerungs-Essen (mit Bildern von ihr und Geschichten über sie), das Ausführen einer Tätigkeit oder Verhaltensweise des Verstorbenen (den Stock wie Opa benutzen) oder das Weiterführen von gemeinsamen Aktivitäten (den Weg gehen, den das Kind mit dem Verstorbenen immer gegangen ist).
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    Hoffnung über den Tod hinaus ermöglichen

    Schon mit relativ kleinen Kindern (ab circa drei Jahren) ist es möglich, über die christliche Vorstellung des Lebens nach dem Tod zu reden. Natürlich geschieht dies am besten in kindgerechter Sprache: in einfachen kurzen Sätzen. Wichtig dabei ist die Echtheit des Erwachsenen. Kinder spüren, ob wir selber auch daran glauben, was wir sagen. Da sich dasWeltbild des Kindes im Laufe des Erwachsenwerdens ändert, sollten bildhafte Vorstellungen gewählt werden, die mit den Kindern mitwachsen können. Die Redewendung: „Er oder sie ist im Himmel“ ist zum Beispiel brauchbar. Eine Verwechslung mit dem blauen Himmel ist zwar möglich, jedoch nicht von existenzieller Bedeutung. Dagegen erhalten Kinder durch diese Redewendung einen Ort für den Toten, an dem er weiterleben kann. Für Kinder im Vorschulalter kann es ohne weiteres möglich sein, den Verstorbenen gleichzeitig in der Erde und im Himmel zu wissen. So erklärt die vierjährige Clara ihrer zweijährigen Schwester nach einem Friedhofsbesuch: „Die Uroma ist im Sarg unter der Erde.“ Und nach einer kurzen Pause: „Und die Uroma ist im Himmel.“
    Manche Kinder suchen sich eine Erklärung, wie der Verstorbene in den Himmel kommt. So sagt der dreijährige Simon über seinen verstorbenen Bruder, der im Grab liegt: „Wenn die Erde sich dreht, dann fällt er in den Himmel.“ Sätze wie „Ich glaube, dass Oma bei Gott ist, und dass es ihr da gut geht“ qualifizieren den Himmel als Ort der Gottesnähe. Denn auch wir Erwachsenen lokalisieren Gott ja im Himmel (Beispiel: „Vater unser, im Himmel, ...“). Allerdings muss dabei beachtet werden, den Tod nicht derart zu beschönigen, so dass eine Todessehnsucht in den Kindern entsteht und sie selbst den Tod provozieren. Mit Fragen wie „Wie stellst du dir das denn vor?“ kann die Phantasie des Kindes angeregt werden. Der vierjährige Paul antwortet auf die Frage, was er gerne im Himmel machen würde, mit strahlendem Gesicht: „Schaukeln!“. Kinder lernen auf diese Weise, dass es bei Jenseitsvorstellungen kein richtig oder falsch gibt, dass Erwachsene auf diesem Gebiet auch nicht mehr wissen als Kinder. So sagten die Kinder der Familie Huber, wenn sie über Jenseitsvorstellungen sprechen wollten, zu ihren Eltern: „Lasst uns mal wieder darüber sprechen, was ihr auch nicht wisst.“ Gerade Kinder, die es gewohnt sind zu beten, können ermutigt werden ihre verschiedenen Gefühle (Trauer, Wut) auch jetzt Gott zu sagen und den Verlust zu beklagen. Sie lernen so, dass wir Gott unser Leid klagen dürfen.
    Oliver


    Medien und Hilfsmittel einsetzen

    (Bilder)Bücher, Puppen oder Stofftiere können, wie bereits erwähnt, Kinder und Erwachsene in ihrer Trauer unterstützen. Es lassen sich acht verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Büchern unterscheiden:
    (Bilder)Bücher als
    1. Gesprächsanlass: Sensibilisierung für das Thema mit „Leb wohl, lieber Dachs.“, ab Kindergartenalter
    2. Informationsvermittler: mit „Was ist das? fragt der Frosch“, 3- bis 4- Jährige
    3. Distanzierung: Es ist viel leichter, über die Figuren des Buches zu sprechen, ihre Gefühle und Verhaltensweisen zu verstehen und sich dabei den eigenen Gefühlen anzunähern mit „Hat Opa einen Anzug an?“, ab 7 Jahren
    4. Kanalisierung: Eigene Gefühle können in Worten entdeckt und oft erstmals benannt werden mit „Abschied von Rune“, ab 5 Jahren
    5. Solidarität mit „Abschied von Rune“, ab 5 Jahren
    6. Vorbereitung auf schwierige Situationen mit „Mach’s gut, kleiner Frosch“, ab 5 Jahren
    7. Abrundung mit „Leb wohl, lieber Dachs.“, ab Kindergartenalter
    8. Hilfe für Eltern: Verständnis für die Gefühls- und Gedankenwelt von Kindern mit „Abschied von Tante Sofia“, ab 6 Jahren

    Anmerkung: Diese und weitere Fachliteratur findest du im Literaturbereich der Homepage
    Oliver


    Impressum

    Aus einer Broschüre des Diakonischen Werkes der ev. Kirche in Deutschland



    Herausgeber:Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.
    Konzeption und Text:Corinna Hirschberg
    Kontakt:Roswitha Kottnik
    Referat Hospiz
    Postfach 10 11 42, 70010 Stuttgart
    Telefon (0711) 21 59-1 35
    Telefax (0711) 21 59-5 50
    E-Mail: hospiz@diakonie.de
    Bestellungen:Zentraler Vertrieb des Diakonischen Werkes der EKD
    Karlsruher Straße 11
    70771 Leinfelden-Echterdingen
    Telefon (0711)9 02 16-50
    Telefax (0711) 9 97 75 02
    E-Mail: vertrieb@diakonie.de
    Es haben mitgewirkt:Thomas Bäumer, Förderverein krebskranke Kinder, Tübingen
    Petra Borch, Leiterin des Seminars für Seelsorgeausbildung, Stuttgart-
    Birkach
    Gertrud Ennulat, Pädagogin / Autorin, Freiburg
    Margarete Helmes, Förderverein Hospiz, Leonberg
    Inger Hermann, Referentin für Religionspädagogik und Hospiz, Stuttgart
    Bernhard Lehr, Journalist / Filmemacher; Concept Film, Karlsruhe
    Gerlinde Mock, Trauerbegleiterin für Kinder, Stuttgart
    Susanne Stolp-Schmidt, Hospizdienst Rems-Murr-Kreis, Waiblingen
    Oliver


    Dezember 2002

    1. Henry und ich stehen gemeinsam an seinem Sarg. Wir betrachten zusammen diesen wunderhübschen jungen Prinzen in seinem Bettchen. Henry und ich fahren zusammen Straßenbahn. Wir finden es lustig, daß alle denken, Henry sei tot.
    Henry und ich im Wohnzimmer seiner Eltern.Henry liegt auf dem Bett neben mir. Seine Eltern und alle unsere Freunde schauen mich besorgt an. Ich hingegen fühle mich gut. Henry liegt neben mir und lächelt.

    2. Ein großer Kolkrabe im Garten springt nervös von Ast zu Ast. Thomas ist irritiert, einen Raben in der Stadt zu sehen und frägt den Raben, was er da mache. Darauf der Rabe: „Ich bin Henry und hüpfe einfach so herum.“
    (Anmerkung: Als wir im Februar im Naturpark Bayrischer Wald waren, sahen wir einen großen Kolkraben. Er saß auf einem Ast. Als er uns bemerkte, begann er zu krächzen und sprang nervös von Ast zu Ast, bevor er auf uns zuflog und dann abdrehte.)

    3. Ich wache auf und fühle mich im ersten Moment unwohl. Im hinteren Teil meines Zimmers sehe ich einen Schaukelstuhl. Auf ihm glaube ich Henry zu erkennen, zwar nur schemenhaft, aber ich kenne all seine Bewegungen. Er sitzt einfach da und beobachtet mich. Ich schlafe beruhigt wieder ein.
    Oliver


    Februar 2003

    1. Wache aus einem langen,traumlosen Schlaf auf. Höre plötzlich aus Henrys Zimmer in lautes Weinen und Wimmern. Henry weint wie immer sehr exzessiv. Ich stehe auf und stelle mich vor seine Zimmertür. Ich betrete das Zimmer nicht, etwas hält mich davon ab. Ich sage zu ihm: "Henry, höre bitte auf zu weinen, es ist alles gut. Es ist nichts passiert." Henry verstummt.
    Oliver


    März 2003

    1. Vor unserem Haus parkt ein LKW. Ich habe ihn kommen lassen, um alles wegzugeben. In der Küche stapeln sich Kisten voller Wäsche. Zwischen all diesem Chaos sitzt Henry und jongliert mit drei roten Bällen. Ich bin irritiert. Daskann nicht sein, denke ich, mein Henry ist doch tot.
    Henry nimmt mich auf seinen Schoß. Er legt seine großen Arme um meinen Hals und hält meinen Kopf fest. Ich beginne , laut zu weinen. Henry versucht mich zu beruhigen: „ Es ist alles gut. Es geht mir gut. Es gibt keinen Grund zum Weinen.“
    Oliver


    April 2003

    1. Bin zusammen mit vielen Freunden und Bekannten auf einem Fest in einem großen Haus. Suche nach meinem Henry. Sehe ihn in einer Gruppe von mir unbekannten Leuten. Er amüsiert sich gut. Ich gehe durch verschiedene Zimmer in diesem Haus. Henry geht mir hinterher und beobachtet mich, spricht mich aber nicht an. Ich denke: Wir sind getrennt. Ich darf ihm nicht sagen, daß er eine schwere Herzschwäche hat. Aber jemand muß ihm doch sagen, daß er nicht mehr rauchen und trinken darf.
    Ich setze mich an einen Tisch und weine. Henry stellt sich neben mich und gibt mir drei Videokassetten. Er sagt.“ Die brauche ich auch nicht mehr.“
    Ich fasse seine Hand und antworte: „ Ach mein Henry.“

    2. Ich bewege mich durch Wohnungen voller Katzen, durch Wohnungen in Wohnungen mit Menschen und Katzen. Sehe Hausflure voller Menschen und Katzen. Befinde mich auf diversen Stadtfesten. Ein Missgeschick passiert. Ich rufe Henrys Handy an, um seine Stimme zu hören. Doch statt der Ansage kommt ein Film in voller Lautstärke. Die Leute um mich herum schauen ganz seltsam. Mir wird mulmig zumute. Ich krieg das verdammte Gerät nicht mehr aus. Plötzlich steht Henry neben mir und bringt alles in Ordnung.
    Er lächelt ein seltsamens Lächeln.
    Am Ende liegen wir auf die Arme gestützt nebeneinander und schauen uns an. Ich erzähle Henry, wie sehr ich ihn vermisse. Seine Augen und sein Lächeln werden immer leuchtender. Seine blauen Augen verwandeln sich in ein strahlendes grün.
    Oliver


    Juli 2003

    1. Drei lange und abenteuerliche Träume mit Henry. Am Schluß einer dieser Geschichten soll Henry erschossen werden, wenn er auf eine bestimmte Frage keine Antwort weiß; "Wer ist Nick Knatterton?"
    Henry schaut mich an, die Pistole wird an sein Genick gehalten. Ich schreie heraus: "Nick Knatterton ist eine Comicfigur!" Die Pistole wird geladen.
    „Ein Privatdetektiv...“ Ich wache auf und bin schweißgebadet.
    Henry lebt weiter, denn im nächsten Traum sind wir mit dem Mofa unterwegs und haben uns komplett verfahren.
    Oliver


    September 2003

    1. Ich befinde mich mit Henry auf einer einsamen Straße. Es ist dunkel um uns herum. Ich bin mir sicher, wir hätten eben abbiegen müssen, doch Henry besteht darauf, geradeaus zu gehen. Einige Menschen kommen uns entgegen, aber ich kann nicht nach dem Weg fragen, da wir offensichtlich im Ausland sind.

    2. Henry und ich wollen von Heidelberg nach Bruchsal mit einem Bummelzug fahren. Ich bemerke, daß die Strecke, sowie der gesamte Zug eher an eine Achterbahn erinnern. Ich will nicht einsteigen. „Wir haben ja nicht einmal Fahrkarten,“ sage ich zu Henry, doch er läßt sich nicht abhalten, in den Zug einzusteigen.
    Ich hatte recht. Es ist eine Achterbahn. Allerdings fährt sie nur geradeaus. Ein paarmal falle ich beinahe aus dem Wagen, spüre keinen Halt. Beim ersten Stop stellt Henry den Wagen leicht schräg, so dass ich nach hinten an die Lehne gedrückt werde. Er selbst hebt von vorne meine Beine fest.
    Als beim zweiten Stop der Schaffner kommt, sage ich zu Henry: „ Gut, daß ich umsonst mit Dir mitfahren kann, sonst gäbe es wohl eine Strafe für Schwarzfahren.“
    Darauf Henry: „ Nein, kannst du nicht mehr.“

    3. Mehrere Träume mit Henry. Sehe Handlungsfaden nur schemenhaft vor mir. Anscheinend will ich Henry davon überzeugen, wieder bei mir einzuziehen, aber er geht nicht darauf ein, windet sich. Mein Vorschlag scheint ihm unangenehm. So war er früher schon. Hatte er gänzlich andere Vorstellungen als ich, wurde er schon immer sehr zögerlich, ohne zu sagen, was er selber will.
    Oliver


    Der Autor

    Dies sind Träume von Boxer.

    "Es war mir ein Bedürfnis, meine
    Träume zu veröffentlichen. Zum einen will ich damit zeigen, daß unsere geliebten Partner nicht weg sind,sondern uns immer wieder ihre
    Träume schenken. Daß so viele Menschen garnie von ihrem Partner träumen, kann ich nicht so recht glauben. Was ich allerdings glaube ist, daß sich unsere Träume sofort nach dem Aufwachen aus dem Bewußtsein drängen."
    Oliver


    Einleitung

    Wer sich bereits selbst in einer Krankensituation befunden hat, ohne eine entsprechende Vorsorge getroffen zu haben, oder bei Angehörigen erlebt hat, wie hilflos man diesen Situationen gegenübersteht, weiß, wie wichtig vorbenannte Vorsorgeregelungen sind und kennt den dringenden Handlungsbedarf, frühzeitig entsprechende Vorsorge zu treffen.

    Aber wissen Sie auch wie?

    Für diejenigen, die sich – Gott sei Dank – noch nicht in einer solchen Situation befunden haben, möchten wir das Prozedere insgesamt erläutern.

    Es handelt sich bei Patientenverfügung – Vorsorgevollmacht – Betreuungsverfügung um Vorsorgemöglichkeiten, die für Situationen gelten sollen, in denen Sie selbst nicht mehr in der Lage sind, Ihren Willen zu äußern oder durchzusetzen.

    Mit der Patientenverfügung können Sie bestimmen, ob und wie Sie in bestimmten Situa-tionen ärztlich behandelt werden möchte.

    Es ist die – am Besten schriftliche – Anordnung eines Patienten, mit der dieser bestimmt, in welchem Umfang in bestimmten Krankheitssituationen medizinische Maßnahmen ergriffen werden sollen. Sie kann entweder den Wunsch nach medizinischer Maximalbehandlung enthalten oder auch für bestimmte Krankheitssituationen auf Einstellung lebenserhaltender Maßnahmen gerichtet sein.
    Gerichtet ist die Patientenverfügung damit an den Arzt und das Pflegepersonal.

    Mit der Vorsorgevollmacht und der Betreuungsvollmacht bestimmen Sie, wer Sie im Falle eigener Entscheidungsunfähigkeit vertreten soll. Vorsorgevollmacht und Betreuungs-verfügung haben also dieselbe Zielsetzung. Jede von ihnen ist mit einer Patientenverfügung kombinierbar.

    Wer seine Angelegenheiten nicht selbst erledigen kann oder will, kann diese durch einen Vertreter besorgen lassen; diesen Vertreter können Sie in der Vorsorgevollmacht benennen.

    Mit einer Betreuungsverfügung wird dem Vormundschaftsgericht eine Person vorgeschlagen, die im Falle Ihrer psychischen Krankheit oder körperlicher oder seelischer Behinderung zum Betreuer bestellt werden soll. Hiervon wird nur dann Gebrauch gemacht werden, wenn keine Vorsorgevoll-macht erteilt wurde.

    Der Unterschied zwischen Bevollmächtigtem und einem seitens des Gerichts bestellten Betreuer liegt u.a. darin, dass dieser Betreuer der Kontrolle durch das Gericht unterliegt. Gericht und Be-treuer können eigene Kriterien zur Beurteilung des Wohls des Betreuten anlegen, müssen aber die in einer Patientenverfügung festgelegten Behandlungswünsche berücksichtigen.
    Oliver


    I. Patientenverfügung

    Eine Patientenverfügung sollte folgende Angaben beinhalten:
    • Schilderung der Situation, in der sie gelten soll (unheilbare Krankheit, Hirnschädigung, Demenz...)
    • Umfang ärztlicher Behandlung (lebenserhaltende Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung, künstliche Ernährung, künstliche Flüssigkeitszufuhr, Wiederbelebung, künstliche Beat-mung, Dialyse, Antibiotika zur Lebensverlängerung oder nur Linderung der Beschwerden, Bluttransfusion)
    • Organspende
    • Ort der Behandlung: Krankenhaus, zu Hause, Hospiz
    • Hinweise auf weitere Vorsorgeverfügungen
    Wichtig ist, dass Sie bei der Beschreibung der obigen Punkte so konkret wie möglich for-mulieren. Ggf. sollte insoweit bei einer konkreten Krankheitssituation zuvor mit dem Arzt der Krankheitsverlauf und die Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden.

    Damit die Patientenverfügung auch zur Kenntnis des Arztes und Pflegepersonals gelangt, sollten Sie einen Hinweis auf den Aufbewahrungsort bei sich tragen; auch eine eventuell bevollmächtigte Vertrauensperson sollte informiert sein.

    Um die Aktualität und Ernsthaftigkeit Ihres in der Patientenverfügung geäußerten Behandlungswunsches zu unterstreichen, ist zu empfehlen, sie in regelmäßigen Abständen von ein bis zwei Jahren durch erneute Unterschrift zu bestätigen.

    Eine gesetzliche Regelung fehlt bislang. Am 05.11.2004 legte die Bundesjustizminsterin einen Referentenentwurf vor, der die Rechte der Patienten stärkt. Die Entscheidung eines Patienten, eine Heilbehandlung abzulehnen, muß nach der beabsichtigten Regelung in jeder Krankheitsphase beachtet werden.

    Weiterhin sieht der Gesetzesentwurf eine Regelung dazu vor, wann Entscheidungen eines Betreuers oder Bevollmächtigten einer vormundschaftsgerichtlichen Genehmigung be-dürfen.

    Der Gesetzesentwurf wird zur Zeit äußerst kontrovers diskutiert. Die Lesung im Bundestag soll im Frühjahr 2005 erfolgen. Eine Verabschiedung des Gesetzes ist für Herbst 2005 vorgesehen.
    Oliver


    II. Vorsorgevollmacht

    Bei der Auswahl des Vertreters sollten Sie besondere Sorgfalt walten lassen. Ein Vertrauensverhältnis zum Bevollmächtigten ist unerlässlich. Auch sollten Ihre Vorstellungen in den zu regelnden Angelegenheiten möglichst übereinstimmen, damit der Bevollmächtigte tatsächlich später in Ihrem Sinne für Sie entscheidet.

    Ihr Vertreter sollte die Fähigkeit zur Regelung finanzieller Angelegenheiten besitzen, fähig sein, sich gegenüber Ärzten und Institutionen durchzusetzen und im persönlichen Bereich Verständnis für Wünsche und Grundeinstellung des Vollmachtgebers haben.

    Darüber hinaus können Sie auch den Bereich festlegen, in dem Ihr Vertreter für Sie handeln soll. Dies können persönliche Angelegenheiten und/oder Vermögensangelegenheiten sein.
    Die Vollmacht kann als Generalvollmacht ausgestaltet sein oder sich auch nur auf einzelne Aufgaben erstrecken.

    In medizinischen Angelegenheiten ist Ihr Vertreter an eine von Ihnen gefertigte Patientenverfügung gebunden.

    Es können mehrere Bevollmächtigte benannt werden, wobei festzulegen ist, ob sie nur gemeinsam handeln sollen, -was allerdings eher unpraktikabel ist- oder einer lediglich als Ersatzbevollmächtigter im Falle der Verhinderung des eigentlichen Bevollmächtigten handeln kann. Möglich ist auch, einen Bevollmächtigten für Vermögensangelegenheiten und einen anderen für persönliche Angelegenheiten zu benennen.

    Von Gesetzes wegen ist eine besondere Form für die Vorsorgevollmacht nicht vorgeschrieben. Sie sollte gleichwohl immer schriftlich erteilt werden. Bei Abwicklung von Grundstücksgeschäften ist notarielle Beurkundung erforderlich.

    Zu beachten ist, dass Banken oft nur eigene Vollmachtsformulare akzeptieren.

    Ausgearbeitet von RAe Doris Overlack-Kosel und Sylvia Kaumanns, Fachanwältin für Familienrecht, Mönchengladbach, Telefon 0 21 61 / 48 20 20
    Oliver


    Einleitung

    Nach dem Tode seines Ehepartners tauchen immer wieder erbrechtliche Probleme auf, da entweder keine Regelung für den Fall des Todes getroffen wurde, die Erbeinsetzung unklar ist oder durch Einsetzen von Ergänzungspflegern das Verhältnis zwischen überlebenden Ehepartner und den Kindern belastet wird.

    Daher sind folgende Problemkreise aktuell:
    Oliver


    A. Keine Erbregelung

    Wenn keine Erbregelung getroffen wurde, gilt die gesetzliche Erbfolge mit folgender Konsequenz:

    Haben die Eheleute keine anderslautende ehevertragliche Regelung getroffen, leben sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft.

    Beim Tod eines Ehepartners erbt der Ehegatte neben den Kindern des Verstorbenen die Hälfte des Nachlasses. Die andere Hälfte fällt an die Kindern zu gleichen Teilen. Zusätzlich erhält der Ehegatte den sogenannten Voraus, also die zum Haushalt gehörenden Gegenstände.
    Oliver


    B. Gemeinsames Testament

    Wenn ein gemeinsames Testament mit dem verstorbenen Ehepartner aufgesetzt worden war, so stellt sich die Frage, welche Zielsetzung sie festgelegt haben bzw. festlegen wollten.

    Bei Ehegatten mit Kindern wird entweder die finanzielle Absicherung des anderen Ehegatten oder aber die Erhaltung des Vermögens im Vordergrund stehen.

    Daneben kann das Bedürfnis bestehen, für minderjährige Kinder einen Vormund für die persönliche Vorsorge und Vermögensfürsorge zu benennen oder einen Testamentvollstrecker einzusetzen.
    Oliver


    1.) Wechselseitige Erbeinsetzung

    Steht die finanzielle Absicherung des anderen Ehegatten im Vordergrund, so erfolgt in der Regel eine wechselseitige Erbeinsetzung.

    Die Ehegatten setzen sich wechselseitig zum Alleinerben ein und ihre Kinder als Erben nach dem Tod des Letztversterbenden. Der überlebende Ehegatte wird dann Alleinerbe und kann frei über das Erbe verfügen. Er ist wirtschaftlich unabhängig und muss sich nicht mit anderen Erben auseinandersetzen.

    1. Problem:
    Hinsichtlich des zuerst versterbenden Elternteils sind die Kinder praktisch enterbt mit der Folge, dass sie nur Pflichtteilsansprüche geltend machen können, und zwar in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils, allerdings aber auch bereits mit dieser Forderung den überlebenden Elternteil in finanziellen Schwierigkeiten bringen können, wenn die Erbmasse z.B. nur aus einem Vermögensgegenstand besteht, wie z.B. einem Haus, und die Verwertung des Hauses zwingend werden, kann um die Zahlungsansprüche der Kinder befriedigen zu können.

    Selbst wenn die Kinder keine Zahlungsansprüche geltend machen, werden sie oftmals auf Veranlassung eines seitens des Gerichts bestellten Ergänzungspflegers als Pflichterbberechtigte mit ihrem entsprechenden Pflichtanteil in das Grundbuch eingetragen, so dass eine Verwertung des Hauses nur mit ihrer Zustimmung bzw. bei Minderjährigen mit Zustimmung des Vermögenspflegers erfolgen kann.

    Lösung:
    Es wird eine Pflichtteilsverwirkungsklausel aufgenommen und bestimmt, dass das Kind, das nach dem Tod des Erstversterbenden gegen den Willen des Überlebenden den Pflichtteil verlangt, auch nach dem Tode des Längstlebenden lediglich den Pflichtteil erhält.

    Zusätzlich kann zu Gunsten des Kindes, das seinen Pflichtteil nicht geltend macht, ein Vermächtnis in Höhe des gesetzlichen Erbteils ausgesetzt werden. Um finanziellen Schwierigkeiten des Elternteils bei der Erfüllung dieser Forderungen vorzubeugen, kann die Auszahlung des Vermächtnisses gestundet werden, beispielsweise erst mit dem Tod des Längstlebenden fällig werden.

    2. Problem:
    Heiratet der überlebende Ehegatte erneut, steht auch dem neuen Ehepartner ein gesetzliches Erbrecht zu. Die Kinder müssen sich den Nachlass des zuletzt verstorbenen Elternteils, der schließlich auch den Nachlass des zuvor Verstorbenen umfasst, mit dem Stiefelternteil teilen.

    Lösung:
    In einer sog. Wiederverheiratungsklausel können die Eheleute bestimmen, dass sich der Ehegatte bei Wiederverheiratung mit den Kindern nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolge auseinanderzusetzen hat oder er an die Kinder Geldvermächtnisse zu zahlen hat. Das Erbe der Kinder hinsichtlich des Nachlasses des zuerst verstorbenen Elternteils wird dann nicht durch Pflichtteilsansprüche des zweiten Ehepartners geschmälert.
    Oliver


    2.) Vor- und Nacherbfolge

    Steht hingegen die Erhaltung des Vermögens für die Kinder im Vordergrund, so ist die Vor- und Nacherbfolge zu wählen.

    Ziel ist die Sicherung des Vermögens für die nachfolgende Generation. In diesem Fall setzten sich die Eheleute wechselseitig zu Vorerben ein. Nacherben sind die gemeinsamen Kinder.

    Problem:
    Der als Vorerbe eingesetzte Ehegatte ist strengen Beschränkungen unterworfen und muss die Erbschaft ungeschmälert im Bestand erhalten. Er darf aus dem Nachlass nichts verschenken, über Grundstücke nicht verfügen, also z.B. das Eigenheim nicht verkaufen, muss Geld mündelsicher anlegen.

    Lösung:
    Der Vorerbe kann von den Beschränkungen weitgehend befreit werden, so dass er den Nachlass für sich verbrauchen kann und der Nacherbe nur das erhält, was letztlich übrig bleibt. Es bleibt aber beim Verbot, Schenkungen zu Lasten des Nacherben vorzunehmen.

    Diese Regelung ist weniger bekannt und schränkt den Vorerben in seinen Verfügungen über die Erbschaft sehr ein.
    Oliver


    C. Testamentarische Anordnung für Sorgerecht und Vermögen

    Insbesondere, wenn minderjährige Kinder zu Halbwaisen werden, ist dem überlebenden Ehepartner dringend anzuraten, eine testamentarische Anordnung über das künftige Sorgerecht und die Verwaltung des Vermögens zu treffen, solange die Kinder noch minderjährig sind bzw. bei größerem Vermögen in der Regel auch noch über das 18. Lebensjahr hinaus. Eine Trennung von Personenfürsorge und Vermögensfürsorge ist dabei dringend anzuraten.

    1. Problem:
    Haben die Eltern bzw. der alleinsorgeberechtigte Elternteil nichts bestimmt, erhält im Regelfall der überlebende Elternteil das Sorgerecht. Verstirbt auch dieser Elternteil, wird seitens des Gerichts ein Vormund bestimmt.

    Lösung:
    Die Eltern oder der Verwitwete können im Testament einen Vormund benennen. Das Gericht muss dann die Wahl beachten.

    2. Problem:
    Bilden überlebender Elternteil und Kind eine Erbengemeinschaft, kann zur Wahrung der Vermögensinteressen des Kindes seitens des Gerichts ein sog. Ergänzungspfleger bestellt werden. Dies kann den Familienfrieden nachhaltig stören, insbesondere, wenn dieser sich dazu berufen fühlt, nicht nur die Rechte der Kinder zu wahren, sondern auch Interesse an ihrer baldigen Durchsetzung ab Volljährigkeit der Kinder hervorzurufen.

    Lösung:
    Bereits im Testament kann eine Vertrauensperson benannt werden, die das Vermögen des Kindes verwaltet.
    Oliver


    D. Sonstige Anordnungen

    Häufig erfolgt im Testament nicht lediglich die Erbeinsetzung einer einzigen Person, sondern es werden mehrere Erben zu Bruchteilen eingesetzt, eine bestimmte Aufteilung des Nachlasses unter ihnen angeordnet oder zu Gunsten Dritter Vermächtnisse ausgesetzt.

    Problem:
    Die Erben können, sofern sie sich einig sind, von diesen Anordnungen des Erblasser abweichen, beispielsweise den Nachlass anders untereinander aufteilen. Der Erblasser möchte aber, wenn er schon detaillierte Anordnungen trifft, diese befolgt wissen. Häufiger dürfte allerdings sein, dass Streitigkeiten innerhalb der Erbengemeinschaft über die Verwaltung und Auseinandersetzung des Nachlasses entstehen.

    Lösung:
    Im Testament wird bereits ein Testamentsvollstrecker bestimmt, dessen Aufgabe es ist, den Nachlass nach den Vorgaben der Letztwilligen Verfügung zu verwalten oder zu verteilen. Der Testamentsvollstrecker begleicht die Schulden, trägt Sorge für die Erfüllung von Vermächtnissen und Auflagen und verteilt schließlich den Nachlass.

    Ausgearbeitet von RAe Doris Overlack-Kosel und Sylvia Kaumanns, Fachanwältin für Familienrecht, Mönchengladbach, Telefon 0 21 61 / 48 20 20
    Oliver


    Übersicht

    (siehe auch Ratgeber bei Trauerfällen I und II (erhältlich über den Bestatter) und zu erledigen ist und http://www.bestatter.de)
    • Den Arzt benachrichtigen, wenn der Tod in der Wohnung eingetreten ist.
    • Todesbescheinigung (vom Arzt) bzw. Leichenschauschein.
    Das Bestattungsunternehmen kümmert sich um:
    • Überführung der/des Verstorbenen
    • Die Ausstellung der Sterbeurkunden beim Standesamt des Sterbeortes
    • Beerdigung – Beratung über Art der Bestattung
      1. Erdbestattung
      2. Feuerbestattung / Urnenbeisetzung
      3. Seebestattung
      4. anonyme /teilanonyme Beisetzung
      5. Urnenbeisetzung in einem Friedwald
    • Trauerfeier - Mitgestaltung ist möglich (Musik, Texte...)
      1. Mögliche Einbeziehung der Kinder
      2. Terminfestlegung bei Stadt oder Kirche
      3. Abstimmung mit dem Geistlichen oder einem Redner
      4. musikalische Begleitung bestellen
      5. Dekoration für Trauerfeier bestellen
      6. Bestellung vom Sarggebinde, von Kränzen und Handsträußen
      7. evtl. Imbiss (Trauerkaffee, Trauermahl) nach Beerdigung in einem Café, Restaurant oder einer Gaststätte bestellen (Anzahl der Trauergäste)
    wenn man möchte:
    • Todesanzeige bestellen
      1. Zeitungsanzeige – Nachruf
      2. Danksagung
      3. Adressen für Anschriften Trauerbriefe zusammenstellen
      4. Trauerbriefe bestellen u. versenden
    • Trauerkleidung kaufen
    • Weitere Angehörige und Freunde benachrichtigen
    • Aufbahrung
        In der Trauerhalle des Friedhofs oder dem entsprechenden Aufbahrungsraum (Friedhofsverwaltung oder Bestattungsinstitut) ist ein Abschiednehmen am offenen Sarg möglich.
        Dies muss jedoch vorher unbedingt abgesprochen werden, damit für einen würdigen Rahmen gesorgt werden kann.
        Der Sarg darf nur bis 12 Stunden vor der Beerdigung geöffnet bleiben.
    • Friedhofsordnung
        Es gibt gesetzliche Vorgaben der allgemeinen Ruhefristen. Die jeweiligen Friedhofsatzungen können allerdings je nach den Bodenverhältnissen unterschiedliche Regelungen vorschreiben.
        Unterschieden wird auch zwischen Wahlgrab und Reihengrab.
        Reihengrab: Reihengräber sind Gräber, die von der Friedhofsverwaltung zugeteilt werden und eine festgelegte Nutzzeit haben, die nicht verlängert werden kann.
        Wahlgrab: Wahlgräber gibt es in verschiedenen Größen, d.h. für eine bis mehrere Bestattungen. Die Nutzzeit kann bei Bedarf verlängert werden.
    • Bestimmungen bzgl. des Grabsteins
        Bestehen Gestaltungsvorschriften, müssen bei der Auswahl der Grabbepflanzung und des Grabmals diese Vorschriften beachtet werden.

    Quelle: http://www.bestatter.de
    Nordwind


    Im Todesfall ist es unbedingt erforderlich, die folgenden Unterlagen beizubringen

    • Personalausweis des Verstorbenen
    • Todesbescheinigung (vom Arzt bzw. Leichenschauschein)
    • (Bei Ledigen) Geburtsurkunde
    • (bei Verheirateten) Auszug aus dem Familienbuch
    • ist für die Ehe kein Auszug aus dem Familienbuch vorhanden, ist die Heiratsurkunde vorzulegen.
    • (bei Geschiedenen) Rechtskräftiges Scheidungsurteil und Heiratsurkunde oder Auszug aus dem Familienbuch
    • (bei Verwitweten) Auszug aus dem Familienbuch mit Sterbeeintrag des Ehepartners oder Heiratsurkunde und Sterbeurkunde des Ehepartners
    Die vorgenannten Unterlagen sind jeweils im Original zur Beurkundung des Sterbefalls vorzulegen.
    Nordwind


    weitere Unterlagen

    • ggf. Versichertenkarte der jeweiligen Krankenkassen
    • ggf. vorhandener Bestattungsvorsorgevertrag
    • ggf. Versicherungsunterlagen


    Quellen:
    http://www.bestatter.de
    http://www.sterbegeld.de
    Nordwind


    Übersicht

    • Abrechnung mit der zuständigen gesetzlichen Krankenkasse und ggf. mit berufsständischen Organisationen
    • Abrechnungen mit den Lebensversicherungen bzw. Sterbekassen
    • Überbrückungsgeld (dreimonatige Rentenfortzahlung) bei der Rentenversicherungsstelle beantragen
    • (bei Rentenbezug) - Abmelden der Rente bei der zuständigen Rentenberechnungsstelle (in den neuen Bundesländern einheitlich beim Postrentendienst Leipzig)
    • Bei der Bundesversicherungsanstalt Berlin oder bei den Landesversicherungsanstalten den Rentenanspruch geltend machen
    • Erbschein beantragen und Testament eröffnen lassen
      Bei Bedarf:
      1. Einschaltung eines Rechtsanwaltes/Notars
      2. Einschaltung eines Steuerberaters

    • Beamtenversorgung – Beantragung der Versorgungsbezüge bei zuständiger Dienstbehörde und Zusatzversicherung im öffentlichen Dienst
    • Steuerkarte ändern lassen (wird bei der zuständigen Gemeinde gemacht, die auch die Steuerkarten ausstellt.)Für das Sterbejahr und das darauf folgende Jahr steht dem hinterbliebenen Ehepartner die Steuerklasse 3 zu.
    • Bankinstitut über den Todesfall informieren und Übergangsregelung treffen, bis ein Erbschein erteilt ist.

    Bei Alleinstehenden ist zusätzlich zu beachten:
    • Wohnung kündigen
    • Telefon und Zeitungen abbestellen
    • Abmeldung des Autos und der KFZ-Versicherung
    • Kündigung von Mitgliedschaften bei Vereinen
    • Abbestellung von Dienstleistungen
    • Versorgung der Haustiere
    • Versorgung der Blumen und Pflanzen
    • Regelung Haus-/Wohnungsschlüssel
    • Umbestellung der Post
    • Daueraufträge bei Banken/Sparkassen ändern
    • Benachrichtigung evtl. Kreditgeber / Kunden
    • Fälligkeit von Terminzahlungen
    • Regulierung der Heizungsanlage
    • Abstellen von Gas und Wasser
    • Fenster verschließen (Stecker aus Steckdose entfernen)

    Nordwind


    Übersicht

    Rententipps siehe auch unter http://www.bestattungsinstitut.de und Bundesverband der Rentenberater (http://www.rentenberater.de)

    Überbrückungsgeld (dreimonatige Rentenfortzahlung)
    • bei der Rentenversicherungsstelle beantragen

    Anträge auf Witwen-/Witwer- und Halbwaisenrente direkt beim Versicherungsträger stellen:(Tipp: Die Mitarbeiter dort sind oft auch beim Ausfüllen des Antrags behilflich)

    Komplette Unterlagen
    • Sterbeurkunde
    • Familienstammbuch oder Heiratsurkunde
    • Einen gültigen Personalausweis oder Pass
    • Sämtliche Versicherungsunterlagen der/des Verstorbenen
    • Nachweis über eigenes Einkommen
    • Letzter eigener Rentenanpassungsbescheid
    • Geburtsurkunden der Kinder
    Besonderheiten in den neuen Bundesländern
    • Ist die Ausbildung vor der Wiedervereinigung absolviert worden, wird für den Rentenantrag sowohl der Ausbildungsvertrag als auch das Abschlusszeugnis benötigt.
    Informationen und Hilfe bekommt man auch beim Versicherungsältesten.

    Zusatzversorgungskassen:
    Die Zusatzversorgung ist gewerbebezogen. Besteht oder hat eine Mitgliedschaft bestanden, so kann
    Hinterbliebenengeld beantragt werden.
    • Altersteilzeit – Arbeitszeitkonten
    • Urlaubsanspruch - Resturlaubsgeld

    Nordwind


    Antrag zur Hinterbliebenenrente

    (spätestens nach 20 Tagen stellen)

    Bei der Rentenstelle wird ein Antrag auf eine Überbrückungszahlung für drei Monate gestellt. Diese Vorschusszahlung muss nicht zurückgezahlt werden und ist zur Überbrückung der Zeit gedacht, die für die Umrechnung der Rente in eine Witwenrente notwendig ist.
    Benötigt werden die letzte Rentenanpassungsmitteilung und der Ausweis des Antragstellers, die Kontonummer der zuständigen Bank sowie die spezielle Sterbeurkunde. Danach setzt aufgrund ihres Antrages bei der Rentenstelle die Witwenrente mit ca. 60% der vorherigen Bezüge ein.
    Diese Antragstellung kann auch vom Bestattungsinstitut übernommen werden.
    (siehe auch unter http://www.bestattungsinstitut.de)

    Für die Antragstellung zur Hinterbliebenenrente werden folgende Unterlagen benötigt:

    Bei Witwen- und Witwer-Renten ohne Rentenbezug:
    • Familienstammbuch und Sterbeurkunde
    • Einen gültigen Personalausweis oder Pass
    • Kontoangaben mit dem Namen des Rentenantragstellers
    • Sämtliche Versicherungsunterlagen der/des Verstorbenen
    • Letzter eigener Rentenanpassungsbescheid des Rentenantragstellers
      (Versichertenrente aus der Rentenversicherung, Pensionen aus
      Beamtenversorgung, Versichertenrente aus der Knappschaft)
    • Bei Berufstätigkeit letzte Gehaltsbescheinigung des Antragstellers (Erwerbsbezüge/Beamtenbezüge)
    • Letzter Rentenbescheid aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen (Versorgungswerk kammerfähiger freier Berufe, z.B. Ärzte, Apotheker)
    • Flüchtlingsausweise (Verstorbene/Verstorbener und Antragsteller)
    • Geburtsurkunde der Kinder bei Jahrgängen ab 1921, sofern die Babyjahre noch nicht aktenkundig sind.

    Bei Witwen- und Witwer-Renten (bei Rentenbezug des/der Verstorbenen)
    • Familienstammbuch und Sterbeurkunde
    • Einen gültigen Personalausweis oder Pass
    • Kontoangaben mit dem Namen des Rentenantragstellers
    • Letzter Rentenbescheid der/des Verstorbenen
    • Letzter eigener Rentenanpassungsbescheid des Rentenantragstellers (Versichertenrenten aus der Rentenversicherung, Pensionen aus Beamtenversorgung, sämtliche Versichertenrenten aus der Knappschaft. Bei Berufstätigkeit letzte Gehaltsbescheinigung des Rentenantragstellers. (Erwerbsbezüge/Beamtenbezüge)
    • Letzter Rentenbescheid aus berufständischen Versorgungseinrichtungen (Versorgungswerk kammerfähiger freier Berufe, z.B. Ärzte, Apotheker).
    • Flüchtlingsausweise (Verstorbene/Verstorbener und Antragsteller)
    • Geburtsurkunde der Kinder bei Jahrgängen ab 1921, sofern die Babyjahre noch nicht aktenkundig sind.
    • Beleg über die Vorschusszahlung
    Die Ungleichbehandlung von Mann und Frau bei der Hinterbliebenenregelung wurde inzwischen beseitigt. Der Anspruch auf Witwerrente ist nicht davon abhängig, dass die verstorbene Ehefrau zum Familienunterhalt überwiegend beigetragen hat.
    Weiterhin wird ein eigenes Einkommen des überlebenden Ehegatten auf die Rente angerechnet. Es kann also geschehen, dass die Rente nur gekürzt oder überhaupt nicht gezahlt wird. Alle Einkünfte aus Renten- und Beamtenversorgungen werden auf die Witwenrente angerechnet. Unterlagen müssen vorgelegt werden. Dies gilt nicht für die ersten 3 Monate nach Eintritt des Sterbefalls. Deshalb auch bei höheren Eigeneinkünften für diesen Zeitraum Antrag auf Vorschusszahlung bei der zuständigen Stadtverwaltung bzw. Postrentendienst stellen.

    Einkommensanrechnung bei Renten wegen Todes
    Die aktuellen Freibeträge können unter http://gesichertes-leben.de nachgelesen werden.

    Waisenrente

    Waisen bis zum 18. Lebensjahr
    • Geburtsurkunde
    Waisen über dem 18. Lebensjahr bis zum 25. Lebensjahr
    • Geburtsurkunde
    • Schul-, Studium- oder Berufsausbildungsbescheinigung (Lehrvertrag)
    Beamten-Beihilfen
    Stand der Verstorbene in einem Beamtenverhältnis, besteht meist ebenfalls ein Anspruch auf Beihilfen. Die Richtlinien wurden bundeseinheitlich schon stark angeglichen, die Personalberatungsstellen, bzw. die Besoldungsämter sind hier die richtigen Ansprechpartner.
    Pensionen und Beamten-Beihilfe werden über die zuständige Dienstbehörde und Zusatzversicherung im öffentlichen Dienst umgeschrieben bzw. beantragt.

    Quellen:
    http://www.bestattungsinstitut.de
    http://gesichertes-leben.de
    Nordwind


    Zusatzversorgungskasse

    Die Zusatzversorgung ist gewerbebezogen. Deshalb erwerben grundsätzlich nur diejenigen Arbeitnehmer einen Leistungsanspruch, die einen erheblichen Teil ihres Berufslebens in Betrieben des Bau- oder Betonsteingewerbes oder bauverwandter Kassen verbracht haben.

    ZVK des Baugewerbes VVaG
    ZVK des Dachdeckerhandwerkes VVaG
    ZVK des Gerüstbaugewerbes VVaG
    ZVK des Maler- und Lackiererhandwerks VVaG
    ZVK des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks VVaG

    (die Angaben sind den Unterlagen der SOKA-BAU entnommen, müssten aber bei den anderen Zusatzversorgungskassen identisch sein)

    Hinterbliebenengeld

    SOKA-BAU gewährt auf Antrag einmalig ein Hinterbliebenengeld zur Witwen-Witwer- oder Waisenrente. Voraussetzung hierfür ist, dass der verstorbene Versicherte zu Lebzeiten die erforderlichen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt hatte.

    Der Versicherungsfall tritt ein, wenn:
    • Die Ehe am Todestag des/der Verstorbenen bestanden hat
    • Ein Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente aus der gesetzlichen Renten- oder Unfallversicherung besteht
    • Die Wartezeiten durch den/die Verstorbene(n) erfüllt wurden oder die Voraussetzungen unverfallbarer Leistungen gegeben sind.
    Hat ein(e) verstorbene(r) Versicherte(r) keinen anspruchsberechtigten Ehegatten hinterlassen, so erhalten die minderjährigen Kinder bei Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen das einmalige Hinterbliebenengeld. Der Nachweis des Bezuges von Waisenrente aus der gesetzlichen Renten- oder Unfallversicherung muss geführt werden.

    Höhe des Hinterbliebenengeldes

    Aktuellen Zahlen können unter http://ww.soka-bau.de abgerufen werden

    Sind mehrere Waisen anspruchsberechtigt, so erhalten diese das Hinterbliebenengeld anteilig.
    Sofern eine Wartezeitanrechnung von Ausbildungs- oder Tätigkeitszeiten im Baunebengewerbe erfolgt, so werden die Leistungen der entsprechenden Zusatzversorgungskasse auf das Hinterbliebenengeld angerechnet.

    Unverfallbare Leistungen
    Genaue Vorgaben für die Leistungen und die nach der Wartezeit gestaffelten
    aktuellen Zahlen können unter http://ww.soka-bau.de abgerufen werden.

    Antragstellung

    SOKA-BAU kann das Hinterbliebenengeld zur Witwen-, Witwer- oder Waisenrente nur nach Antragstellung durch die Hinterbliebenen des/der verstorbenen Versicherten und bei Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen gewähren.

    Von der Witwe bzw. dem Witwer vorzulegen:
    • Witwen-/Witwerrentenbescheid des Renten- oder Unfallversicherungsträgers mit den dazugehörigen Anlagen
    • Sterbeurkunde, aus der hervorgeht, dass die Ehe am Todestag noch bestand.
    Unterlagen, die von den Waisen bei der Antragstellung vorzulegen sind:
    • Waisenrentenbescheid des Renten- oder Unfallversicherungsträgers mit den dazugehörigen Anlagen.
    • Sterbeurkunde des/der ehemaligen Versicherten.
    • Nachweis über die Anzahl der Geschwister / Geburtsurkunden aller minderjährigen Waisen.
    • Nachweis, dass der/die Verstorbene zum Zeitpunkt des Todes nicht verheiratet war.
    • Bei Personen, die durch gerichtlichen Beschluss zur gesetzlichen Vertretung (Vormund) bestellt worden sind, die Bestallungsurkunde.
    Nachweise für die Wartezeit

    Die Dauer der nachzuweisenden Wartezeit beträgt mindestens 220 Monate. Ausnahmen und Sonderregelungen sowie die anrechenbaren Wartezeiten, die im Geltungsbereich bauverwandter Kassen erworben wurden, können unter http://www.soka-bau.de abgerufen werden.
    Nordwind


    Nachlassgericht - Amtsgericht

    Erbschein
    • beim Notar oder zuständigen Nachlassgericht (Amtsgericht) beantragen
    • maßgebend für die Gebühr ist der Wert des Nachlasses
    Auf Antrag eines Erben (Miterben) erteilt das Nachlassgericht einen Erbschein.
    Der Erbschein ist das Legitimationspapier des Erben zur Verfügung über den Nachlass.
    Dieses amtliche Zeugnis gibt Auskunft über die Person des Verstorbenen, dessen Erben und evtl. Beschränkungen des Erben/ Erbengemeinschaft.
    Ein durch den Notar aufgenommener Antrag beinhaltet meist auch die zur Erlangung des Erbschein notwendige eidesstattliche Versicherung.

    Das Nachlassgericht hat die Aufgabe, Verfügungen von Todes wegen, (Testamente und Erbverträge) eines Verstorbenen zu eröffnen. Jeder, der ein solches Schriftstück in Besitz hat, ist verpflichtet, dieses im Original dem Nachlassgericht abzuliefern.

    Ausschlagen des Erbes beim Amtsgericht
      - Frist innerhalb von 6 Wochen
      - wenn der Partner verschuldet war
      - wenn schon erwachsene Kinder auf das Erbe verzichten (z.B. bei einem Eigenheim) kann man sich so eine spätere Überschreibung sparen
    Annahme und Ausschlagung der Erbschaft
    Wer die ihm zugefallene Erbschaft nicht annehmen möchte, muss sie ausdrücklich ausschlagen, er wird sonst endgültig Erbe.

    Die Ausschlagung ist nur wirksam
    wenn
      sie innerhalb der Ausschlagungsfrist von grundsätzlich sechs Wochen seit Kenntnis vom Anfall der Erbschaft gegenüber dem Nachlassgericht zu dessen Niederschrift abgegeben wurde.

    oder
      durch ein an das Nachlassgericht zu richtendes Ausschlagungsschreiben mit beglaubigter Unterschrift (Notar – Ortsgericht, das innerhalb der Frist eingehen muss.
    Bei Erbschaft der Kinder
      - Nachweis führen, was mit dem Geld passiert



    Quellen:
    Bundesnotarkammer http://bnotk.de
    Pressemitteilung http://www.notar-presse.de
    (dort kann man sich auch über Testament und Erbvertrag, Notarkosten sowie Berechnungsbeispiele informieren)
    ratgeberrecht.de www.ratgeberrecht.de
    (gute Suchfunktion)
    Nordwind


    Sterbefallanzeige - Ortsgericht

    (Ortsgerichte gibt es nur im Bundesland Hessen)

    Durch das Standesamt wird das Ortsgericht von dem Sterbefall benachrichtigt. Umgehend bis ca. 14 Tage nach der Beisetzung erhält man ein Schreiben, dass die Sterbefallanzeige beim Ortsgericht aufzunehmen ist.

    Man wird gefragt, ob man in Nachlassangelegenheiten Auskunft erteilen kann, ob ein Testament vorhanden ist und gebeten, den Vordruck auszufüllen und möglichst kurzfristig an das Ortsgericht zurückzusenden.

    Die Sterbefallanzeige soll Angaben enthalten über:
    1. Namen und Stand,
    2. letzten Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort,
    3. Zeitpunkt und Ort der Geburt und des Todes,
    4. Familienstand,
    5. gesetzliche Erben,
    6. Vorhandensein einer Verfügung von Todes wegen,
    7. allgemeine Vermögensverhältnisse, insbes. Grundbesitz,
    8. eheliche Güterrechtsverhältnisse
    Unter anderem wird gefragt: Grob geschätzte Vermögenswerte

    Hierbei ist zu beachten: Bausparguthaben und Bankeinlagen, die auf Eheleute ausgestellt sind mit der Vereinbarung der gegenseitigen Begünstigung, gehören nicht zum Nachlass und benötigen keinen Erbschein, da die Rechte unmittelbar auf den Begünstigten übergehen.
    (zur Unterscheidung: die Banken melden diese Konten automatisch bei der Erbschaftssteuerstelle)

    Fallen Immobilien unter die Erbmasse, ist der Geschäftswert anzugeben, nicht der niedrigere pauschalierte steuerliche Wert. Da bei Immobilien sowieso ein Notar in Anspruch genommen werden muss, ist es sinnvoll, diese Berechnungen auch durch ihn vornehmen zu lassen.

    Die in der Sterbefallanzeige gemachten Angaben wirken sich direkt auf die Kosten aus. Danach berechnet sich die Gebühr für den Erbschein, ebenfalls die des Notars für den Erbscheinantrag sowie für Immobilienübertragungen.

    Diese Meldung wird an das zuständige Nachlassgericht (Amtsgericht) weitergeleitet.
    Quelle:
    http://www.hessenrecht.hessen.de
    Nordwind


    Finanzamt - Nachlass

    Das Finanzamt ermittelt zunächst den steuerpflichtigen Wert des Erbes. Das ist der Nettowert des ererbten Vermögens abzüglich der Freibeträge.

    Steuerklassen und allgemeine Freibeträge
    Allgemeiner Freibetrag § 16 ErbStG*, seit 01.01.02
    IEhegatten307 000 Euro
    IKinder (eheliche und nicht eheliche Kinder, Adoptivkinder, Stiefkinder, nicht jedoch Pflegekinder)205 000 Euro
    IEnkel, Urenkel, Eltern, Großeltern bei Erwerben von Todes wegen51 000 Euro
    IIGeschwister (auch Halbgeschwister), Geschwisterkinder, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkindern, geschiedene Ehepartner10 300 Euro
    IIIAlle übrigen Erwerber5 200 Euro

    Dem überlebenden Ehepartner und Kindern unter 27 Jahren wird
    zusätzlich ein besonderer Versorgungsfreibetrag gewährt (§ 17 ErbStG*)


    Versorgungsfreibeträge
    für den überlebenden Ehepartner256 000 Euro
    für Kinder und Stiefkinder bei einem Alter bis zu 5 Jahren52 000 Euro
    bei einem Alter zwischen 5 und 10 Jahren41 000 Euro
    bei einem Alter zwischen 10 und 15 Jahren30 700 Euro
    bei einem Alter zwischen 15 und 20 Jahren20 500 Euro
    bei einem Alter zwischen 20 und 27 Jahren10 300 Euro

    Kosten für die Nachlassverbindlichkeiten können ohne Nachweis mit
    einem Pauschbetrag von 10.300,-- Euro vom ererbten Vermögen abgezogen werden.

    Ob und in welcher Höhe Erbschaftssteuer bezahlt werden muss, richtet sich nach dem Wert des Erwerbs (Erbe, Vermächtnis, Pflichtteil) und dem Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser. Je enger der
    Verwandtschaftsgrad, desto niedriger fällt die Steuerklasse und damit der Steuersatz aus.

    Mitteilungspflicht

    Der Fiskus erfährt auf jeden Fall von der Erbschaft. Denn Banken und
    Versicherungen müssen ihm nach dem Tod des Kontoinhabers alle
    wichtigen Informationen liefern, Notare die Behörden über alles informieren, was „für die Festsetzung einer Erbschaftsteuer von Bedeutung“ sein könnte.
    Der Begünstigte selbst ist verpflichtet, drei Monate, nachdem er von seiner Erbschaft erfahren hat, diese dem Finanzamt mitzuteilen (§ 30 ErStG).

    Steuersätze

    Wert des steuerpflichtigen Erwerbs (§10) bis einschließlichIIIIII
    52.0007 %12 %17 %
    256.00011 %17 %23 %
    512.00015 %22 %29 %
    5.113.00019 %27 %35 %
    12.783.00023 %32 %41 %
    25.565.00027 %37 %47 %
    über 25.565.00030 %40 %50 %


    Steuerfrei erben

    Unabhängig von den persönlichen Feibeträgen können zudem einige Vermögensgegenstände und Zuwendungen bis zu einem bestimmten Wert steuerfrei vererbt oder verschenkt werden.
    Was steuerfrei bleibt, ist im § 13 ErbStG/Ziff.1*. geregelt

    Jede Person der Steuerklasse 1 kann Hausrat einschließlich Wäsche und Kleidungsstücke bis zum Wert von 41.000 Euro und andere bewegliche Gegenstände, z.B. Schmuck, PKW bis zum Wert von 10.300 Euro steuerfrei erben.

    Jede Person der Steuerklassen II und III erhält für Hausrat und andere bewegliche Gegenstände einen Feibetrag von insgesamt 10.300 Euro

    Diese Steuerbefreiung gilt jedoch nicht für Zahlungsmittel, Wertpapiere, Münzen, Edelmetalle, Edelsteine und Edelperlen.

    Wertermittlung von Immobilien

    Immobilien lassen sich in der Regel günstiger vererben als
    Barvermögen. Denn für die Erbschafts- und Schenkungssteuer wird der
    Wert des Grundbesitzes nach den Vorschriften des Bewertungsgesetzes
    ermittelt. Das führt oft nur zu einer Bewertung von gut 50 % des
    Verkehrswertes.

    Diese Grundbesitzwerte werden nur in den Fällen ermittelt, in denen sie für die Erbschafts- oder Schenkungssteuer benötigt werden
    (Bedarfsbewertung). Das Finanzamt, in dessen Bereich das Grundstück
    liegt, kann binnen eines Monats oder längerfristig vom steuerpflichtigen
    Erben eine Feststellungserklärung verlangen.

    Der Wert unbebauter Grundstücke
    Er ergibt sich aus den so genannten Bodenrichtwerten, die von
    Gutachterausschüssen der Gemeinden oder Landkreisen auf Grund
    tatsächlich gezahlter Kaufpreise ermittelt werden. Dieser Wert wird um 20 % gekürzt. Im Durchschnitt führt dies zu einer Bewertung in der
    Größenordung von ca. 72 Prozent des Verkehrswertes.

    Der Wert bebauter Grundstücke
    Er wird regelmäßig in einem Ertragswertverfahren errechnet, das im
    Durchschnitt zu einer Bewertung in der Größenordnung von ca. 50 % des Verkehrswertes führt.

    Formel: Jahresnettokaltmiete (Durchschnitt des in der letzten 3 Jahren
    erzielten Jahresmiete) mal 12,5 Prozent abzüglich. Alterswertminderung
    (0,5 % jährlich, maximal 25 %) mal 1,2 (bei 1- und 2-Familienhäusern).
    Dabei ist jedoch als Mindestwert der Wert anzusetzen, den das Grundstück als unbebautes Grundstück hätte. Für Sonderfälle (typische
    Industriegrundstücke, Erbbaurechte oder erbaurechtsbelastete Grundstücke gelten besondere Regelungen.

    Der Wert von Betrieben der Land- und Forstwirtschaft
    Er wird regelmäßig in einem vereinfachten Ertragswertverfahren auf
    Grundlage fester Ertragswerte für die wichtigsten land- und
    forstwirtschaftlichen Nutzungen ermittelt. Hinzu kommt der Wert des
    Wohnteils und ggf. von Betriebswohnungen, berechnet wie bei bebauten
    Grundstücken.

    Vorsicht! Spekulationsfrist
    Wer Haus oder Wohnung erbt, sollte vor einem Verkauf prüfen, wann der
    Erblasser die Immobilie erstanden hat. Nur wenn seither mehr als zehn
    Jahre vergangen sind, fällt beim Verkauf keine Einkommenssteuer an.

    *komplette ErbStG: http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/erbstg_1974/htmltree.html


    Die Informationen zu :
    • Steuerklassen und allgemeine Freibeträge
    • Versorgungsfreibeträge
    • Mitteilungspflicht
    • Steuersätze
    • Steuerfrei erben
    • Wertermittlung von Immobilien
    mit freundlicher Genehmigung von Das Haus aus dem Online-Artikel Erben und vererben – der Staat verdient mit entnommen.
    Nordwind


    Bankangelegenheiten

    Umschreiben gemeinsamer Konten
    • Sterbeurkunde und eventuell Erbschein vorlegen
    Probleme mit einem Bankkonto im Erbfall*

    Hinterlässt der Verstorbene mehrere Erben, bereitet dessen Bankkonto im Nachlass oft erhebliche Probleme. Denn grundsätzlich darf eine Erbengemeinschaft nur einstimmig Überweisungen veranlassen oder Abhebungen vornehmen. Praktisch bedeutet das, dass alle Miterben einen Überweisungsträger oder eine Auszahlungsanweisung unterschreiben müssen. Dies ist im Interesse eines reibungslosen Zahlungsverkehrs weder für die kontoführende Bank noch für die Erbengemeinschaft sinnvoll.

    Ein Problem ist dabei für die Bank zu erkennen, wer alles zu der Erbengemeinschaft gehört. Dies kann nur durch einen Erbschein abgeklärt werden. Dieser wird vom Nachlassgericht auf Antrag i.d.R. frühestens sechs Wochen nach dem Erbfall ausgestellt.
    Wer dieses Vakuum bis Erbscheinerteilung überbrücken will, der hat folgende Alternativen:
    • Der Kontoinhaber erstellt zu Lebzeiten bei seiner Bank eine Kontovollmacht für eine Vertrauensperson, die dann auch nach seinem Tod Gültigkeit behalten soll.
    • Gleichfalls möglich ist die Erstellung einer notariellen Vorsorgevollmacht auch über den Tod hinaus geltend und mit der auch Bankgeschäfte ausdrücklich erlaubt sind.
    Aber Vorsicht! Sind Miterben nach dem Erbfall mit der Bevollmächtigung nicht einverstanden, können sie die Vollmacht widerrufen. Nur mit juristischen Klauseln, wie sie banküblich nicht in Formularen vorgesehen sind, kann das verhindert werden.

    Oft räumen Banken bei Kontoeröffnung einem Mitkontoinhaber, meist der Ehefrau oder einem Geschäftspartner- die Möglichkeit ein, gemeinsam und auch nach dem Tod des anderen über das Konto mit zu verfügen (sogenanntes „Oder-Konto“, d.h. der eine oder der andere Inhaber darf alleine verfügen). Aber auch dies gilt nur solange bis die Erben dagegen einschreiten. Zudem gilt es auch zu beachten, dass mit der Berechtigung, Überweisungen etc. vorzunehmen keinesfalls schon das Recht verbunden ist, eigene Entnahmen von diesem Konto vorzunehmen, ohne dass dies mit dem Erblasser bzw. dessen Erben ausdrücklich vereinbart ist. Bei Verstößen drohen hier Schadenersatzansprüche.
    Ist der Erbschein erteilt, dann können sich die Erben selbstverständlich auf einen Verwaltungsberechtigten einigen und diesen der Bank benennen, falls ein solcher nicht schon durch den Erblasser z.B. in einem Testament bestimmt wurde.

    *Weitere Informationen stellt die Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V. (DVEV) auf ihrer Datenbank interessierten Bürgern unter http://www.dvev.de zur Verfügung


    Begünstigungen für den Todesfall

    Wenn z.B. bei einem Bausparvertrag beide Ehegatten Vertragsinhaber sind und sich gegenseitig begünstigt haben, gehen die Rechte aus dem Vertrag vom Verstorbenen auf den Begünstigten über.

    Der Erwerb der Rechte aus einem Bausparvertrag im Todesfall des Vertraginhabers stellt eine Zuwendung an den Begünstigten dar.

    Der Begünstigte erwirbt die Rechte aus dem Bausparvertrag unmittelbar, so dass sie nicht zum Nachlass des Verstorbenen gehören. Der Begünstigte ist berechtigt, anstelle des Verstorbenen in den Bausparvertrag als Vertragspartner mit allen Rechten und Pflichten einzutreten.

    *( Die Angaben sind als Auszug den Vertragsbedingungen der Bausparkasse entnommen)

    Bausparguthaben und Bankeinlagen, die auf Eheleute ausgestellt sind mit der Vereinbarung der gegenseitigen Begünstigung, gehören nicht zum Nachlass und benötigen keinen Erbschein, da die Rechte unmittelbar auf den Begünstigten übergehen.

    (Zur Unterscheidung: die Banken melden diese Konten automatisch bei der Erbschaftsteuerstelle)
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    Krankenkasse und Versicherungsleistungen

    Krankenkassen-Sterbegeld
    Das in der Vergangenheit gezahlte Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen wurde gestrichen.

    Haushaltshilfe
    • Meist nur dann, wenn der die Kinder versorgende Elternteil gestorben ist.
    • Evtl. mit ärztlichem Attest auch in anderen Fällen möglich, deshalb zur Sicherheit unbedingt bei der Krankenkasse nachfragen
    • Bei bestandener Familienversicherung den Status ändern
    Private Versicherungen

    Versicherungen telefonisch informieren, später dann Sterbeurkunde zuschicken und
    • Versicherung kündigen oder
    • Auf den eigenen Namen umschreiben lassen
    Lebensversicherung der Partnerin/des Partners
    Hier können Sie Ihre Ansprüche geltend machen

    Benötigt werden dazu:
    • Sterbeurkunde
    • Versicherungspolice
    • Eine Vollmacht für das Bestattungsunternehmen, das den Antrag für Sie bearbeiten kann, wenn dies gewünscht wird.
    Der Antrag selbst muss schnellstmöglich bei der Versicherungsgesellschaft eingereicht werden, am besten umgehend. Deshalb nehmen Sie ab besten alle aufgeführten Unterlagen direkt mit.

    Sterbekassen
    Hier gelten sinngemäß die gleichen Voraussetzungen wie bei privaten Versicherungsgesellschaften.

    Berufsgenossenschaften
    Hier meldet der Arbeitgeber selbst den Sterbefall, es kann jedoch nützlich sein, wenn Sie sich zusätzlich mit der zuständigen Berufsgenossenschaft in Verbindung setzen. Gezahlt wird, wenn der Tod in ursächlichem Zusammenhang mit der Arbeit selbst, durch berufsbedingte Wege oder aber durch Berufskrankheit eingetreten ist. Eventuell wird von der Berufsgenossenschaft zur Klärung eine Untersuchung angeordnet.

    Beschädigten-Sterbegeld
    Beim Tode eines Beschädigten wird ein Sterbegeld in dreifacher Höhe der Versorgungsbezüge gezahlt, die ihm für den Sterbemonat zustanden.

    Anspruchsberechtigt sind in folgender Reihenfolge:
    Ehegatte/Ehegattin, Kinder, Eltern, Stiefeltern, Pflegekinder, Enkel, Großeltern, Geschwister und Geschwisterkinder.
    Voraussetzung ist jeweils, dass die Bezugsberechtigten mit dem Verstorbenen in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben.

    Gewerkschaften
    Eine Reihe von Gewerkschaften zahlen ebenfalls Sterbegelder. Der schriftlichen Antragstellung müssen das Mitgliedsbuch sowie die Sterbeurkunde beigefügt werden.

    Weitere Hinweise sind nachzulesen unter http://www.bestattungsinstitut.de
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    Bestattungsarten

    In der Regel dürfen die Angehörigen den Verstorbenen bis zu 36 Stunden im Haus behalten. Der Sarg darf allerdings bis zu zwölf Stunden vor der Beerdigung offen bleiben. Der Tote muss 48 bis 96 Stunden nach Eintritt des Todes beerdigt werden.

    Hat der Verstorbene eine Willenserklärung über die gewünschte Bestattungsart hinterlassen, so sollten sich die Angehörigen daran halten. Ansonsten wird davon ausgegangen, dass die Hinterbliebenen die Form und Art der Bestattung im Sinne des Verstorbenen regeln.

    Erdbestattung: Weit verbreitet ist die traditionelle Erdbestattung in einem Sarg. Es kann sich für ein Wahlgrab oder ein Reihengrab entschieden werden. Beim Wahlgrab können Lage und Größe je nach Friedhofsatzung bestimmt werden. Beim Reihengrab ist das nicht möglich. Der Erwerb des Nutzungsrechtes an einer oder mehrerer Wahlgrabstätten ist auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt, kann jedoch verlängert werden. Das ist in der Regel erforderlich, wenn in der Grabstätte eine weitere Beisetzung erfolgt.

    Für die See- und Feuerbestattung bedarf es einer Unbedenklichkeitsbescheinigung der Polizei, einer Willensbekundung des Verstorbenen oder der Angehörigen, einer Sterbeurkunde und einer
    Urnenaufnahmebestätigung, das heißt, die Bestätigung des Friedhofs, der die Urne aufnimmt. Darum kümmert sich in der Regel das Bestattungsinstitut.

    Feuerbestattung: Die Feuerbestattung ist die Einäscherung eines Verstorbenen mit einem Sarg und die spätere Beisetzung der Aschenreste in einer Urne. Die Beisetzung der Urne ist nicht zeitgebunden, sie darf allerdings nicht mit nach Hause genommen werden. Nach der Verbrennung im Krematorium wird die Asche per Post zum Friedhof geschickt oder vom Bestattungsunternehmen abgeholt. Die Asche bleibt dort, bis ein Termin zur Beisetzung ausgemacht ist.

    Seebestattung: Bei der Seebestattung wird nach der Einäscherung die Urne außerhalb der Drei-Meilen-Zone dem Meer übergeben. Die Angehörigen können auf Wunsch der Seebestattung beiwohnen, die nach alten Ritualen durchgeführt wird. Eine Seekarte mit den genauen Angaben wird erstellt und später ausgehändigt.
    Auch hier sind die gleichen Formalitäten wie schon bei der Feuerbestattung erforderlich. Weiterhin sollte eine besondere Beziehung des Verstorbenen zur See bestanden haben. Die notwendigen Abstimmungen organisiert das Bestattungsinstitut.
    Weitere Angaben können über http://www.bestattungsinstitut.de eingeholt werden.

    Die anonyme Bestattung ist eine Bestattung mit Beisetzung auf einem Gemeinschaftsfeld. Es gibt jedoch hierbei auch regional verschiedene Verfahrensweisen.
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    FriedWald

    Ein Friedwald ist ein naturbelassenes Stück Wald, in dem Menschen ihre Asche am Fuß eines Baumes beisetzen lassen können.
    Die Idee und das Konzept des FriedWaldes stammt aus der Schweiz, dort gibt es seit 1999 die Baumbestattung.
    Seit November 2001 erlauben einige deutsche Bundesländer diese individuelle, naturnahe Art der Bestattung auch in einem deutschen FriedWald.
    Die Baumbestattung im FriedWald bietet eine Alternative zur konventionellen Grabstätte. An einem Baum kann die Asche eines Einzelnen oder einer ganzen Familie eingebracht werden. Die Urne wird direkt an die Wurzeln gegeben und ist biologisch abbaubar, zersetzt sich also innerhalb einer bestimmten Zeit.
    Häufig wird der Baum (die Kosten sind abhängig von Alter und Größe) bereits zu Lebzeiten ausgewählt, durch eine Verleihungsurkunde wird das Nutzungsrecht dokumentiert. Die Bäume eines FriedWaldes sind genau eingemessen, markiert und in ein Baumregister eingetragen.
    Es besteht die freie Wahl, den Baum mit einem Schild zu versehen, auf dem ein Name oder die Daten des dort beigesetzten Verstorbenen eingraviert werden können. Der Baum ist durch eine Eintragung bis zu 99 Jahre gegen Abholzung geschützt.
    Wo es in Deutschland FriedWälder gibt und weitere Informationen können unter http://www.friedwald.de nachgelesen werden.
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    Trauerredner

    Die Idee, jenseits religiöser Inhalte Trauer- aber auch Hochzeitszeremonien anzubieten, entstand vor 20 Jahren in Nordbayern. Dort wurde die Interessengemeinschaft freier Bestattungs- und Feierredner gegründet (IFBF)
    Unter http://www.feierredner.de kann man sich die nach Postleitzahlen geordnete Liste der aktuellen Mitglieder ansehen, teilweise ist auch ein Link auf die entsprechende Homepage des gewünschten Mitgliedes möglich.
    Ein weiterer Verein ist die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier e.V.,
    unter http://www.batf.de kann die Liste der Mitglieder eingesehen werden, hier ist ein filtern nach Postleitzahlen möglich.
    Das Vermitteln eines Trauerredners gehört übrigens auch zum Aufgabengebiet des Bestattungsunternehmens, weitere Informationen unter: http://www.bestatter.de
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    Was ist passiert

    Ich war mit meiner Frau mehr als 25 Jahre verheiratet. Bedingt durch einen Schlaganfall meiner Schwiegermutter hatte meine Frau seit 2005 die Pflege übernommen. Dies hat sie über 5 Jahre sehr stark belastet, da Schwiegermutter erhebliche Wesensveränderungen erfahren hatte, sich nicht mehr helfen lassen wollte und meine Frau stark psychologisch unter Druck setzte. 2009 beginnend konnte meine Frau die Pflege krankheitsbedingt nicht mehr leisten und meldete meine Schwiegermutter im Altenheim an. Damit wurden die psychischen Anstrengungen immer größer, meine Frau baute zusehends ab. Der Schwimmverein war ihr wichtiger als die Organisation zu Hause, sie suchte einen Ausgleich, irgendwie konnte ich das verstehen, aber dadurch war ich häufig allein.

    Es ging auf und ab, gesundheitlich wurde es aber immer schlimmer. 2012 kam meine Frau ins Krankenhaus mit dem Verdacht auf Anämie. Man fand einige Ursachen und bekämpfte diese, eine war intrinsisches Asthma, das mit Cortisonspray behandelt wurde, dazu Antibiotika. Die Auswirkungen teilte man uns nicht mit, auch nicht wie vorsichtig man bei Cortison sein sollte. Direkt nach dem Krankenhausaufenthalt fuhren wir in den Urlaub, meine Frau verhielt sich sehr ruhig und erholte sich langsam. Nach einer Bootsrundfahrt gingen wir ganz langsam einen Weg zu einem Ort hoch. Dabei riss die Achillessehne an, ausruhen, Besuch im Krankenhaus waren die Folgen. Kommentar dort: "Ruhig machen, entweder die Sehne reißt, dann müssen wir operieren, oder sie heilt langsam aus", Medikamente oder Hilfsmittel gab es nicht. Keilschuh, Rollstuhl, etc. beschaffte meine Frau selbst. Wir waren dann mit Rollstuhl auf etlichen Bergen, es war eigentlich recht schön, aber meine Frau wollte dann doch nach Hause.

    Die weiteren Untersuchungen nahmen einige Zeit in Anspruch, insbesondere notwendige MRT-Termine dauerten 6-7 Wochen, undenkbar bei einem akuten Problem. So ganz langsam heilte alles, angeblich war im März 2013 wieder alles ok. Sie fuhr dann ins Trainingslager, ich mit einer Tochter zur Loire. Meine Frau zog sich wieder einen Fußschaden zu, diesmal angeblich Bänderanriss, war aber doch noch einmal die Achillessehne. Es folgten Untersuchungen, dann die Einweisung zu einem Spezialisten nach Wuppertal im Mai. Der schnitt den Unterschenkel auf 20 cm auf, suchte die Sehne, fand keine und brach die Operation ab, da nichts mehr zu machen wäre. Er belog meine Frau nach dem Aufwachen, einen Tag später urteilte er, dass man bei 15 cm nicht mehr vorhandener Achillessehne nicht mehr operieren könne und sie bis zum Lebensende im Rollstuhl sitzen würde und maximal 50 m gehen könne.

    Das hat meine Frau dann in eine totale Depression verfallen lassen, wir machten keinen Urlaub, aber auf Kurzausflügen mit Rollstuhl kamen wir uns wieder näher. Ich kümmerte mich dann um Versorgungsleistungen, niemand glaubte uns. Die Antwort des Sachverständigen war, dass eine Achillessehne wieder heilen würde und dafür keine Versorgungsleistungen notwendig wären. Endlich kam es doch zu einem Termin bei einem Sachverständigen. Wir erzählten unsere Geschichte, er hörte zu, konnte alles nicht glauben. Meine Frau erhielt vorübergehend Versorgungsleistungen und wurde dann untersucht. Urteil: gar nicht gerissen, nur auf 4 cm angerissen, fühlbar, daher die Schmerzen, heilbar innerhalb eines halben Jahres. Meine Frau verfiel fast in Euphorie, angesichts einer neuen Operation hatte sie aber Angst. Über Weihnachten machten wir eine Woche Traumurlaub in Österreich, meine Frau baute wieder auf, es wurde besser und besser, trotz Rollstuhl. Daraufhin beschloss ich noch einmal eine Woche Kurzurlaub mit ihr zu machen. Vorher fuhren wir zur Vorbereitung der Operationen für März noch mal zu einem MRT-Arzt nach Burbach. Dieser diagnostizierte nie gerissen, angerissen auf 4 cm, klar darstellbar, heilbar in einem halben Jahr. Der nächste Euphorieschub, unglaublich, bei 20 cm Wunde hatte ein Arzt völlig falsch diagnostiziert, die anderen per Tasten und MRT den richtigen Zustand festgestellt, von Spezialist konnte kaum die Rede sein.

    Mit dieser Euphorie ging es in eine neue Traumwoche nach Ägypten, Schwimmen im Meer, Schnorcheln, meiner Frau ging es gut, sehr gut. Der Rollstuhl und dessen Antrieb waren jedoch im Urlaub ein Desaster, die Firmen interessierte dies nicht. Mit dem defekten Rollstuhl ging es zurück nach Deutschland, erst mit dem Flugzeug, dann mit der DB, ein Desaster begann. Rollstuhlfahrer werden in Deutschland vollständig diskriminiert, Züge warteten nicht auf Rollstuhl, obwohl darauf hingewiesen wurde, egal, irgendwann waren wir wieder zu Hause.

    Es folgte eine Woche Arbeit, dann ein Besuch im Deutschen Museum in Bonn, wo die Diskriminierungslatte noch höher lag. Meine Frau war nach 2 Stunden Wartens vor Türen völlig genervt und wollte nach Hause. Wir fuhren noch in die Rheinauen, Rollstuhl kaputt, Antrieb defekt, dann noch ein Eis im Sonnenschein und wieder nach Hause. Den ganzen Nachmittag über planten wir die Zukunft in allen Einzelheiten, meine Frau machte Tafelspitz am Abend und ging dann zu Bett. Ich hatte noch zu arbeiten und kam dann nach, küsste sie noch mal. In der Nacht um 3.00 Uhr wachte ich auf, warum wusste ich nicht. Es war so still neben mir. Ich wollte meine Frau wachmachen, streichelte Sie am Arm, aber sie war sehr kalt. Ich und meine Kinder versuchten noch sie wiederzubeleben, aber es gelang uns und den Rettungsleuten nicht. Danach kam die Polizei und auch Kommissare, da man nicht wusste, woran sie gestorben war. Plötzlich stand ich wie ein Mörder oder Totschläger da und durfte mich nicht einmal mehr von meiner Frau verabschieden.
    Oliver


    Die Zeit nach dem Tod

    Am nächsten Morgen, schlafen konnten wir nicht mehr, gingen wir zu meiner Mutter, um sie zu informieren, und dann zu Schwiegermutter. Bei Schwiegermutter kam es zu einem heftigen Disput (nicht von unserer Seite), der uns danach endgültig von meiner Schwiegermutter entfernte. Die Trauerfeier konnten wir zunächst nicht planen, da die Leiche erst freigegeben werden musste. So ordneten wir zu Hause, überlegten die Art der Bestattung, das Grab musste geklärt werden, das Bestattungsinstitut ausgewählt, usw., ein Pfarrer für die Beisetzung gefunden werden. Man ist in den ersten Tag völlig automatisiert gesteuert, alles läuft wie von selbst, wenn man auch alles selbst erledigt. Endlich war die Leiche freigegeben, die Trauerfeier wurde geplant, ich bestimmte mit meinen Kindern den gesamten Ablauf. Die Trauerrede, ein für mich sehr wichtiger Abschied von meiner Frau, schrieb und hielt ich selbst. Der Pfarrer hatte Angst, dass ich 20 Minuten Rede überstehen würde, aber ich sicherte ihm zu, dass das klappen würde. Die Rede hatte ich direkt nach dem Tod geschrieben, immer wieder ausgefeilt, mir dann immer wieder vorgelesen. Auch die Musik bestimmten wir, dann alles weitere, schnell war alles geklärt. Wieder irgendwie automatisch. Ich beschloss dann einen Firmentermin über das Wochenende mit meinen Kindern in Lübeck zu machen, etwas Abstand nehmen, das klappte ganz gut. Es blieb nur noch ein Tag bis zur Trauerfeier und Beisetzung, wieder und wieder wurde die Trauerrede gelesen, mir selbst vorgetragen. Die Trauerfeier wurde von extern vorbereitet, das war gut so. Ich versuchte mich von meiner Frau zu verabschieden, da man den Sarg nicht mehr öffnen wollte. Schwiegermutter wurde hereingeschoben im Rollstuhl, fing ein Riesentheater an und drängte mich vor dem Sarg an die Seite. Es war unerträglich sie neben sich zu haben. Die Trauerfeier war eine Wohltat, wir konnten gut Abschied nehmen, viele waren gekommen, insbesondere der Schwimmverein und viel Nachbarn. Die Trauerrede hielt ich bis zum Ende fast ohne Tränen, ich hatte viel über uns erzählt, was wir erlebt haben und was zum Schluss passiert ist. Erst beim endgültigen Abschied brach ich in Tränen aus. Der Pfarrer beendete die Trauerfeier und ging mit mir und den Kindern und dem Sarg zum Grab. Schwiegermutter wurde auch dorthin geschoben und brach einen Riesenstreit mit dem Pfarrer an, falsche Grabstelle, usw., dann das gleiche noch einmal mit dem Friedhofsgärtner, es war unerträglich. Als wir auch das hinter uns gebracht hatten, fuhren wir mit einer kleinen Trauergesellschaft in ein Restaurant, hier waren wir schon etwas gelöster und ruhiger und sprachen über die Zukunft. Das war dann wohl die erste Trauerphase.

    Die zweite begann mit der Änderung des Hauses, da ich im Schlafzimmer nicht mehr schlafen konnte und nachts immer um 3 Uhr aufwachte, dies änderte sich bis heute nicht richtig. Ich vergrub meine Trauer in Arbeit, sowohl zu Hause an Haus und Garten, als auch an meinem Arbeitsplatz. Diese Phase dauerte etwa einen Monat an.

    Die dritte Phase überschreibe ich mit Abschied nehmen. Ich besuchte die Orte der letzten Urlaube mit meiner Frau. Dabei gab es einige Déjà-vus-Erlebnisse. Sitzen zu Silvester am gleichen Tisch, ich gleicher Stuhl, bei meiner Frau stand eine Kerze und vieles mehr. Es war alles sehr ruhig, in etwa 10 Tagen Urlaub las ich immer wieder die Trauerrede.

    Nach dem Urlaub lebte ich noch ein paar Tage davon und hatte danach ein sehr negatives Erlebnis, das mich wieder zurückwarf. Diesmal deckte ich meine Trauer mit meinen Hobbies ab, total intensiv, die ganz Umwelt auslassend arbeitete ich an Garteneisenbahn und Modellbooten. Irgendwie tat es gut, aber ich realisierte, dass ich allein war.

    Letztendlich konnte es so nicht weitergehen und ich beschloss einen Restart. Noch einmal machte ich Anfang Juli Urlaub in Ägypten, unserem letzten gemeinsamen Urlaubsort, noch einmal suchen nach Erinnerungen, aber bereits Überlegungen, wie es weitergeht. Ich suchte in Partnerforen nach Witwen, mit denen man neu anfangen könnte.

    Seit letzter Woche ist die nächste Phase angebrochen, mit einer Witwe habe ich mich schon zweimal getroffen und lange Zeit beim Spaziergang ausgetauscht, mal sehen wie es weitergeht.


    Bei allem haben mich meine volljährigen Töchter gut unterstützt, wir sind ein gutes Team, das zusammenbleibt. Finanzielle und organisatorische Probleme haben mich hart getroffen, aber wir schaffen das.
    Oliver


    Autor

    Bernd, im August 2014
    Oliver


    Vorwort

    (Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Susanne Fudickar)

    Vor vier Jahren ist unser jüngster Sohn Matthias im Alter von 20 Jahren plötzlich verstorben. Nach seinem Tod haben wir sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, wie Freunde, Verwandte, Kollegen und Bekannte mit uns umgegangen sind. Wir haben einerseits positive Erfahrungen gemacht, die auch zu neuen Kontakten und sogar zu neuen Freundschaften geführt oder bestehende Freundschaften intensiviert haben. Andererseits haben wir leider auch negative Erfahrungen machen müssen, die uns zunächst zusätzlich belastet und traurig gemacht haben. So haben wir vermeintlich gute Freunde – von zufälligen Begegnungen abgesehen – das letzte Mal auf der Beerdigung unseres Sohnes gesehen.
    Aus Gesprächen mit anderen Betroffenen weiß ich, dass nicht nur wir derartige Erfahrungen verkraften müssen. Ich habe daher nach einiger Zeit Vorträge zu dem Thema „Vom Umgang mit Trauernden“ gehalten, die auf sehr positive Resonanz gestoßen sind. Aus dem Kreis der Zuhörer wurde angeregt, den Vortrag zu veröffentlichen, um einen größeren Kreis von Menschen erreichen zu können. Dieser Anregung bin ich gerne gefolgt.
    Ich hoffe, dass ich mit diesem kleinen Ratgeber dazu beitragen kann, Menschen zu unterstützen, die Trauernden zur Seite stehen wollen. Die Aufforderung, Trauernden Anteilnahme zukommen zu lassen und sie emphatisch und einfühlsam zu behandeln, ist zwar einerseits richtig, andererseits aber zu pauschal, um wirklich Hilfestellung leisten zu können. Daher gebe ich auch konkrete Beispiele und Anregungen, wie man trösten und Hilfe leisten kann, und lege dar, was uns persönlich verletzt und was uns besonders gut getan hat. Ich hoffe, Sie als Leser werden dies nicht als zu kategorisch empfinden, sondern sich anhand dieser Vorschläge leiten lassen, auch andere Ideen für den konkreten Trauerfall zu entwickeln, die zu Ihnen und dem Trauernden passen.
    Oliver


    Kontakt zum Trauernden

    Viele Menschen haben Angst, in einem Trauerfall das Falsche zu tun – und deshalb tun sie lieber gar nichts. Um gar nicht erst in Verlegenheit zu kommen, meiden sie Begegnungen und ziehen sich zurück. Doch statt den Trauernden damit zu entlasten, erreichen sie das Gegenteil: Die Betroffenen fühlen sich allein gelassen.
    Für Trauernde gibt es mittlerweile eine Menge Literatur, die Hilfestellungen während des Trauerprozesses leisten kann. Es gibt inzwischen auch viele professionelle Angebote für Trauernde wie Trauergruppen, Trauercafés und sogar spezielle Reiseangebote für Trauernde. Daran, wie die Zahl dieser Angebote gewachsen ist, lässt sich aber auch ablesen, dass der Trauer im sogenannten normalen Leben kein ausreichender Raum zugestanden wird. Dadurch können sich Verwandte, Freunde, Bekannte und Kollegen damit beruhigen, dass professionelle Trauerbegleiter auch eher als sie selbst geeignet sein werden, Menschen in Trauer beizustehen. Das aber stimmt nicht. Denn der Trauernde leidet darunter, dass er neben dem Verlust eines geliebten Menschen auch den Verlust weiterer Beziehungen beklagen muss. Es ist also wichtig, dem Trauernden auch als darin nicht geschulter Mensch beizustehen.
    Die fehlende Fähigkeit, Trauernden beiseite zu stehen, hat nicht zuletzt auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Durch fehlende oder unzureichende Anteilnahme sind trauernde Arbeitnehmer nur bedingt leistungsfähig oder müssen Trauernde mit teuren Therapien und Medikamenten versorgt werden.

    Daher möchte ich Sie als Nichtbetroffene motivieren, die weit verbreitete Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit, das „Sich-nicht-trauen“ zu überwinden und Sie ermuntern, auf Trauernde aktiv zuzugehen und ihnen dadurch beizustehen. Natürlich können Außenstehende die Trauer nicht wegnehmen, aber sie können sie lindern und den Trauernden damit trösten und ihm Halt geben.
    Wegen unserer Erfahrungen geht es natürlich in erster Linie um den Umgang mit trauernden Eltern. Aufgrund der von mir geführten Gespräche weiß ich aber, dass vieles auch gilt, wenn der Partner oder die Eltern – jedenfalls in (zu) frühen Jahren – versterben oder sogar auch, wenn es um eine andere außergewöhnliche Krisensituation geht, z.B. den Umgang mit Schwerkranken oder Sterbenden und mit ihren Angehörigen.
    Weniger Unsicherheiten im Umgang mit Trauernden bestehen in der Regel nur dann, wenn der Tod zu einem Zeitpunkt kommt, in dem er als „normal“ empfunden wird, wenn also im höheren Lebensalter der Partner oder die alt gewordenen Eltern versterben. Aber auch für diese „Normalfälle“ kann meinen Ausführungen vielleicht die eine oder andere Anregung entnommen werden.
    Oliver


    Überwindung der Hilflosigkeit

    Was können Außenstehende nun tun, um einem Trauernden beiseite zu stehen?
    Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass es auf jeden Fall falsch ist, gar nichts zu tun. Dies gilt jedenfalls dann, wenn man den Betroffenen mehr als nur flüchtig kennt. Aber selbst bei einer nur flüchtigen Bekanntschaft ist eine Reaktion schön, denn jede - auch noch so kleine - Reaktion ist für den Trauernden wie ein Strohhalm. Im Übrigen klärt das auch die Situation – der Trauernde weiß dann, dass sein Gegenüber von dem Tod des Angehörigen erfahren hat. Bei fehlender Reaktion bliebe eine entsprechende Unsicherheit zurück.

    Es gilt, das eigene Gefühl der Hilflosigkeit und Verlegenheit zu überwinden und einfach das zu tun, was man möchte. Man kann nicht viel falsch machen! Haben Sie einfach den Mut zu trösten. Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, was der Trauernde erwartet oder wie er das eigene Handeln vielleicht bewerten wird. Denn der Betroffene erwartet zunächst einmal gar nichts. Er ist mit sich selbst, seinen Gedanken und Gefühlen vollauf beschäftigt – erst später wird er enttäuscht sein, wenn nichts passiert ist. Denn von Freunden gemieden zu werden, fügt zusätzlichen Schmerz zu.

    Trauernde haben auch viel Verständnis dafür, wenn Nicht-Betroffene unsicher und unbeholfen sind – Sie können Ihre Hilflosigkeit Ihnen gegenüber also ruhig zugeben. Trauernde sind aber später kompromisslos, wenn sie in der ersten Zeit nach dem Todesfall durch Freunde enttäuscht werden.
    Oliver


    Erste Reaktionen auf die Todesnachricht

    Zumindest dann, wenn man eine Todesanzeige erhalten hat, sollte man in irgendeiner Weise auf die Todesnachricht reagieren. Denn die Angehörigen signalisieren dadurch entweder eine eigene Nähe oder eine vermutete Nähe des Verstorbenen zu dem Empfänger. Falls überhaupt keine Reaktion erfolgt, grübelt man darüber nach, ob die Anzeige nicht angekommen ist oder der Empfänger sich möglicherweise dadurch belästigt fühlt, weil aus seiner Sicht weder die eine noch die andere Beziehung besteht.

    So hat es mir sehr wehgetan, dass ein Mann, mit dem unser Sohn während seines FSJ-Jahres kurz vor seinem Tod Kontakt hatte und dem wir deshalb eine Todesanzeige geschickt hatten, gar nicht reagiert hat und auch bei unserer ersten zufälligen Begegnung ohne ein Wort der Anteilnahme an mir vorbeigegangen ist.
    Welche konkreten Reaktionen sind möglich?
    Zunächst sind Kondolenzbriefe für die Angehörigen eines Verstorbenen sehr wichtig. Besonders gut tun Briefe, in denen über persönliche Erinnerungen an den Verstorbenen und gemeinsame Erlebnisse mit ihm berichtet wird – auch wenn es nur kleine Begebenheiten sind, weil der Kontakt nicht besonders nah war oder lange zurückliegt. Es tut gut zu erfahren, dass andere Menschen den Verstorbenen geschätzt haben und man etwas über ihn erfährt, was man selbst noch nicht wusste. Besonders schön ist es auch, wenn der Verstorbene treffend und liebevoll charakterisiert wird.

    Natürlich liegt es nicht jedem, die passenden Worte schriftlich auszudrücken, daher sind auch Karten mit dem Aufdruck „Herzliche Anteilnahme“, einem Gedicht oder Zitat oder mit den schlichten Worten „Ich denke an Euch“ besser als Schweigen. In der heutigen Zeit halte ich es auch nicht generell für zu unpersönlich, eine E-Mail oder auch eine SMS an den Trauernden zu schreiben, es muss nicht zwingend ein handgeschriebener Brief mit dem Füller sein. Wichtig ist nur, dass die Form der Anteilnahme zum Schreiber passt und dieser seine Anteilnahme ehrlich zeigt. Eine Mail, die von Herzen kommt, ist allemal tröstender als ein Brief eines privaten Freundes oder Bekannten auf Geschäftspapier.

    Schön ist es, wenn Blumen geschickt werden, und zwar nicht nur zur Beerdigung, sondern auch nach Hause. Ich selbst habe es als wohltuend empfunden, dass wir nicht nur typische Beerdigungsblumen bekommen haben, sondern z.B. auch bunte Tulpensträuße. Eine Freundin hat dies bestätigt.

    Besonders wichtig ist für die Angehörigen die Teilnahme an der Trauerfeier und an der Beerdigung, und zwar auch dann, wenn man keine Todesanzeige bekommen hat, sondern von dem Tod durch die Zeitungsannonce oder durch Berichte Dritter erfahren hat. Anders als ich es vor dem Tod unseres Sohnes gedacht und selbst gehandhabt hatte, ist es schön, wenn die Begleitung des Verstorbenen auf seinem letzten Weg nicht nur alternativ zu einem Kondolenzschreiben erfolgt, sondern wenn die Angehörigen sowohl schriftliche als auch persönliche Anteilnahme erfahren dürfen.
    Uns hat es sehr gut getan, dass viele Menschen zu der Beerdigung unseres Sohnes gekommen sind. Es war für uns auch gut und richtig, die Anteilnahme an seinem Grab entgegenzunehmen. Wir sind vorher gefragt worden, ob wir uns „das antun wollten“. Im Verhältnis zu dem, was wir ohnehin aushalten müssen, war das aber letztlich etwas, was gut für uns war. Das haben nicht nur wir so empfunden, sondern dies ist mir auch von anderen Betroffenen bestätigt worden. Daher sollte man nicht versuchen, die Angehörigen davon abzuhalten in der Annahme, ihnen dadurch weiteres Leid ersparen zu können. Treffen die Angehörigen allerdings eine andere Entscheidung, so sollte man auch das respektieren und nicht versuchen, sie davon zu überzeugen, dass es besser sei, am Grab zu stehen.
    Oliver


    Praktische Hilfe

    Bis zur Beerdigung kümmern sich oft Verwandte um die betroffenen Angehörigen. Wenn diese von weiter her angereist und nach der Beerdigung wieder nach Hause gefahren sind, sind die Trauernden völlig auf sich allein gestellt. Wie kann man dann und auch in späteren Zeiten Hilfe leisten?
    Zunächst kann man ganz einfach praktische Hilfe leisten, weil die Trauernden auch mit kleinen Dingen des alltäglichen Lebens völlig überfordert sein können. Man kann Einkäufe erledigen, Essen kochen, Fahrdienste übernehmen, Kinder beaufsichtigen, bzw. sich auch wirklich um die Kinder kümmern und sich mit ihnen beschäftigen. Gerade wenn ein Kind aus der Familie gestorben ist, ist dies wichtig, weil die Eltern selbst zu schwach sind, den Geschwisterkindern die Aufmerksamkeit zu geben, die sie in einer natürlich auch für sie sehr schweren Zeit besonders benötigen. Denn für die Eltern existiert zunächst nur das tote Kind.

    Man kann aber auch die Betroffenen dabei unterstützen, dass diese in die Lage versetzt werden, die Dinge des alltäglichen Lebens wieder selbst zu bewältigen. Auch hier möchte ich einige Beispiele nennen, die mir in guter Erinnerung geblieben sind.

    Eine Freundin hat mich zwei Wochen nach dem Tod unseres Sohnes zum Einkaufen in einem Supermarkt begleitet. Alleine hätte ich das nicht geschafft, ich kam mir völlig fehl am Platze vor und ich wusste auch nicht, was ich in meinen Einkaufswagen legen sollte.

    Eine andere Freundin hat mich abgeholt und ist mit mir zu unserem Sportverein gefahren, damit ich dort meine ehrenamtlichen Aufgaben zumindest ansatzweise erfüllen konnte.

    Eine weitere Freundin hat mir beim Einräumen unserer neuen Küche, die wir kurz vor dem Tod unseres Sohnes bestellt hatten, geholfen. Abgesehen davon, dass es mich ohnehin nicht interessierte, wäre ich mit den Entscheidungen, wo Geschirr und Töpfe unterzubringen sind, allein völlig überfordert gewesen.

    Eine andere Freundin hat mich beim Einkauf neuer Kleidung begleitet – es hat lange gedauert, bis ich mich wieder völlig selbstständig in einem Kaufhaus bewegen konnte.
    Oliver


    Zeit und Aufmerksamkeit

    Eine Vielzahl von Möglichkeiten, dem Betroffenen etwas Gutes zu tun, sind unter dem Stichwort „Schenken Sie dem Trauernden Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit“ zusammenzufassen. Einige Beispiele:

    - Besuche und Telefonate

    Sprechen Sie mit dem Trauernden und hören Sie ihm aufmerksam zu. Persönliche Besuche sind schön, ebenso gut sind aber auch Telefonate, für die Sie sich allerdings Zeit nehmen sollten. So hat es mir sehr gut getan, dass eine Freundin aus der Ferne mich in den ersten Monaten nach dem Tod unseres Sohnes regelmäßig ein bis zwei Mal in der Woche angerufen hat.
    Reden Sie bei diesen Telefonaten oder Besuchen auch über den Verstorbenen. Erzählen Sie von Erlebnissen mit ihm, und zwar auch über lustige Begebenheiten, die sie mit ihm erlebt haben. Fordern Sie auch die Angehörigen auf, über den Verstorbenen zu sprechen. Freuen Sie sich gemeinsam über schöne Erinnerungen und haben sie auch keine Scheu davor, gemeinsam zu lachen.
    Genauso gut tut es allerdings auch, gemeinsam zu weinen. Tränen tun dem Trauernden gut. Es tut ihm gut, wenn Sie ihm signalisieren, dass Sie nicht erwarten, dass er sich zusammenreißt und seine Gefühle unterdrückt. Sie haben sich daher nichts vorzuwerfen, wenn Sie den Trauernden mit einer Bemerkung über den Verstorbenen zum Weinen gebracht haben. Sie haben ihm dadurch kein neues Leid zugefügt, im Gegenteil. Lenken Sie daher nicht ab und wechseln Sie nicht das Thema, wenn die Tränen fließen.
    Nennen Sie den Verstorbenen beim Namen. Haben Sie den Mut, den Namen zu erwähnen und Geschichten zu erzählen. Viele erwähnen den Namen nicht aus Angst, die Trauernden an ihren Schmerz zu erinnern, aber man vergisst die Trauer ohnehin nicht – der Schmerz ist immer präsent. Im Übrigen sind das Hören und das Aussprechen des Namens auch tröstlich und man ist dankbar, wenn man merkt, dass auch andere Menschen Erinnerungen mit dem Verstorbenen verknüpfen.
    Dies gilt nicht nur für die unmittelbare Zeit nach dem Tod, sondern insbesondere auch für spätere Zeiten – auch nach vielen Jahren. Es ist schön, wenn ganz locker, selbstverständlich und unbefangen über den Verstorbenen gesprochen wird – auch sonst hat man ja keine Hemmungen, über Abwesende zu reden. Erinnerungen an den Verstorbenen dürfen und müssen ausgesprochen werden – so bleibt der Tote ein Stück weit lebendig.
    Stellen Sie sich gemeinsam mit dem Trauernden auch vor, was der Verstorbene jetzt wohl machen würde, was er zu diesem oder jenem Problem sagen würde.
    Sie können auch gemeinsam schweigen – wichtig ist, dass einfach jemand da ist, der die Trauer mitträgt.
    Nehmen Sie Anteil, aber bemitleiden Sie den Trauernden nicht, das hilft ihm nicht weiter.

    - Einladungen

    Sprechen Sie Einladungen aus, z.B. zu einem Abendessen mit wenigen Personen, die die Trauernden gut kennen, größere Partys sind für Trauernde dagegen nicht geeignet.
    Aber: Schicken Sie z.B. zu runden Geburtstagen auch dann eine Einladung, wenn Sie davon ausgehen, dass die Betroffenen nicht kommen – anderenfalls fühlen diese sich ausgeschlossen. Lassen Sie sie selbst die Entscheidung treffen.
    Laden Sie den Trauernden auch zu besonderen Tagen wie Heilig Abend oder Silvester ein – auch wenn Sie diese Tage dann anders und insbesondere nicht so unbeschwert verbringen können, wie dies normalerweise der Fall ist. So haben Freunde berichtet, dass es ihnen sehr gut getan hat, dass ihre Freunde spontan ihren traditionellen Weihnachtsbesuch ausgeladen und sie unmittelbar nach dem Tod des Sohnes eingeladen und sich so um sie gekümmert haben.
    Wenn bei kirchlichen Familienfesten (z.B. Konfirmationen oder Hochzeiten) Fürbitten für den Verstorbenen gesprochen werden, tut auch das sehr gut. So ist er dann doch auf eine besondere Weise mit dabei.

    - Bewegung und Freizeitbeschäftigung

    Bieten Sie dem Trauernden in der ersten Zeit nach dem Tod Ihre Begleitung zu Spaziergängen an, denn Bewegung an frischer Luft tut immer besonders gut.
    Ermuntern Sie den Trauernden auch zu anderen sportlichen Betätigungen. Ohne diese Ermunterung durch Freunde wären wir nicht so schnell wieder auf die Idee gekommen, Golf zu spielen, obwohl dieser Sport sehr wichtig für uns ist. Mit Begleitung bei den ersten Runden war es dann aber möglich und hat uns gut getan.
    Schlagen Sie dem Trauernden vor, auch andere Hobbies und sonstige Freizeitgestaltungen wieder aufzunehmen und begleiten Sie ihn in der ersten Zeit.
    Fragen Sie den Trauernden, ob er mit Ihnen ins Kino oder ins Theater geht. Falls er zögert, weil er nicht weiß, ob er sich eine derartige Veranstaltung schon zumuten kann, machen Sie ihm klar, dass er jederzeit auch vor Ende der Veranstaltung nach Hause gehen kann, wenn es ihm zu viel wird.

    - Ferien

    Bieten Sie dem Trauernden an, mit Ihnen in den Urlaub zu fahren, vielleicht für ein Wochenende oder auch für eine längere Zeit. So hat es uns sehr gut getan, dass Freunde uns angeboten haben, mit ihnen für ein paar Tage an die See zu fahren. Andere Freunde haben uns aufgefordert, mit ihnen für zwei Wochen zu verreisen. Es ist wohltuend, wenn man umsorgt wird und man bei Unternehmungen, die man zum ersten Mal nach dem Tod wieder aufnimmt, nicht alleine ist.

    - Gedenktage

    Wichtig ist es, an den Geburtstag oder den Todestag des Verstorbenen zu denken, in der ersten Zeit auch nach 3 oder 6 Monaten nach dem Tod. Es tut einfach gut, feststellen zu dürfen, dass auch andere Menschen sich erinnern. Zeigen kann man seine Anteilnahme durch eine Karte, ein Foto, Blumen oder einen Anruf.
    Denken Sie aber auch an zukünftige Tage, wie z.B. den Schulanfang, das Abitur, das Examen oder den Eintritt in den Ruhestand, für den vielleicht schon vieles geplant war.

    - Andenken

    Besonders gefreut haben wir uns auch, wenn Blumen oder kleine Andenken auf dem Grab unseres Sohnes lagen, auch wenn wir nicht wissen, von wem dies war. Man freut sich natürlich darüber, dass auch andere Menschen das Grab besuchen. So hat mir eine Bekannte, erst über drei Jahre nach dem Tod unseres Sohnes erzählt, dass sie öfter sein Grab besucht.
    Suchen Sie nach Fotos, auf denen der Verstorbene abgebildet ist. Wir waren sehr berührt, als wir von Freunden unseres Sohnes eine Zusammenstellung von Fotos in einem kleinen Album zu seinem ersten Geburtstag ohne ihn erhalten haben.
    Fragen Sie andererseits auch selbst nach einem Foto des Verstorbenen oder auch nach einem kleinen Erinnerungsstück – natürlich nur dann, wenn es Sie wirklich interessiert.

    - Fragen nach dem Befinden

    Fragen Sie verständnisvoll nach dem Befinden des Trauernden und zwar auch nach längerer oder langer Zeit, und besonders auch konkret nach dem Befinden im Hinblick auf die Trauer. Dabei ist es wichtig, wirklich an der Antwort interessiert zu sein und vor allen Dingen auch für jede Antwort offen zu sein. Man muss es dann auch auszuhalten können, wenn der Betroffene äußert, es gehe ihm schlecht.

    Oliver


    Angebot zur Hilfe

    Wenn Sie Hilfe leisten wollen, überlegen Sie sich, wie Sie die Trauernden konkret unterstützen können und bieten Sie diese Hilfe dann an bzw. leisten Sie sie einfach.

    - Wann?

    Reagieren Sie schnell, und zwar so schnell wie möglich – sonst ist es irgendwann zu spät. Die Annahme, die Trauernden erst einmal zur Ruhe kommen zu lassen, sollte nicht dazu führen, den Kontakt zu ihnen zu unterbrechen und sie allein zu lassen. Natürlich brauchen Trauernde Ruhe, aber sie müssen nicht in Ruhe gelassen werden. Ein unterbrochener Kontakt wird schnell zu einem abgebrochenen. Der Trauernde verändert sich und ist später nicht mehr bereit, dann, wenn es ihm besser geht, alte Kontakte, die geruht haben, wieder aufzunehmen. Denn man kann Monate oder Jahre später mit der Beziehung nicht mehr da anknüpfen, wo sie mit dem Tod des Angehörigen geendet hatte – und der Trauernde will das dann auch nicht mehr.

    - Wie?

    Sagen Sie nicht: „Ruf´ oder sprich´ mich an, wenn Du Hilfe brauchst“, denn dieser Aufforderung nachzukommen ist dem Trauernden schon zu viel. Rufen Sie ihn selbst an, suchen Sie den Kontakt und zwar immer wieder, auch wenn Sie eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen haben. Dem Trauernden fällt es einfach unglaublich schwer, selbst aktiv zu werden und Hilfe anzufordern.

    Fragen Sie auch nicht: „Kann ich irgendwie helfen?“, sondern machen Sie konkrete Vorschläge: „Ist es Dir recht, wenn ich
    vorbeikomme, wenn wir dieses oder jenes miteinander tun, wenn wir einfach nur ein bisschen telefonieren?“
    Fragen Sie mehrfach nach. Wenn Ihr Angebot vielleicht an einem Tag abgelehnt wurde, wird es an einem anderen Tag dankend angenommen. Denken Sie daran, dass die Stimmung von Trauernden stark schwankend sein kann.
    Seien Sie auch nicht verletzt, wenn die angebotene Hilfe nicht angenommen wird, wenn der Trauernde also mit sich und seinem Schmerz allein sein will. Da dies nur selten ein andauernder Zustand sein dürfte, bieten Sie Ihre Hilfe immer wieder an. Irgendwann kommt das Angebot vielleicht zur rechten Zeit. Machen Sie sich deutlich bewusst, dass Sie mit einer Absage leichter klar kommen können als der Trauernde damit, dass Sie sich zurückziehen.

    Wenn der Rückruf, um den Sie auf dem Anrufbeantworter gebeten haben, nicht erfolgt, glauben Sie nicht, der Trauernde wolle keinen Kontakt zu Ihnen. Er hat nur einfach nicht die Kraft, sich um diesen Kontakt selbst zu kümmern. Denn aufgrund der Trauer lähmt ihn eine riesengroße Antriebsschwäche. Er freut sich aber, wenn Anrufe kommen und er nicht selbst aktiv werden muss. Sagen Sie also nicht: „Du kannst mich jederzeit anrufen, wenn Du mich brauchst“, sondern machen Sie selbst diesen ersten Schritt, und zwar immer wieder.

    Erkundigen Sie sich, wenn Sie mit dem Trauernden befreundet sind, auch nicht über Dritte nach seinem Befinden, sondern fragen Sie ihn selbst.

    - Wer?

    Jeder, der das Bedürfnis verspürt, einem Trauernden beistehen zu wollen, sollte versuchen, das auch umzusetzen. Wünschenswert wäre es insoweit, wenn sich einerseits auch mehr Männer um Trauernde kümmern würden. Schön wäre es auch, wenn nicht überwiegend Mütter und Witwen, sondern vermehrt auch Väter und Witwer getröstet würden. Denn Sie haben an den oben angeführten Beispielen gesehen, dass mehr Freundinnen trösten und eher die Mütter getröstet werden.
    Oliver


    Entferntere Beziehung

    Wenn Sie den Trauernden nicht so gut kennen, also nicht mit ihm befreundet sind, wird von dem Trauernden nicht erwartet, dass Sie den persönlichen Kontakt suchen. Sie sollten das Thema aber auf jeden Fall ansprechen, wenn Sie den Betroffenen das erste Mal nach dem Tod treffen, auch wenn dann schon eine längere Zeit zurückliegt. Eine Kollegin sagte mir, als wir uns nach dem Tod meines Sohnes zufällig auf dem Flur begegneten: „Ich habe mir vorgenommen, nicht einfach an Ihnen vorbeizugehen, wenn wir uns das erste Mal treffen, aber was ich sagen soll, das weiß ich nicht.“
    Oft muss man dann natürlich weinen, der Kondolierende muss sich aber nicht entschuldigen, denn er hat nichts Falsches, sondern genau das Richtige getan. Insbesondere muss er nicht sagen „Ich wollte Sie nicht daran erinnern“ – man denkt ohnehin an nichts anderes.

    Sie müssen auch gar nicht viel sagen. Eine Umarmung, ein „Es tut mir so leid“ oder „Wir waren auch alle sehr getroffen“ reicht völlig, wenn diese Worte von Herzen kommen. Wenn Sie nicht wissen, was Sie sagen sollen, dann sagen Sie eben gerade das, nämlich „ich weiß nicht, was ich sagen soll, mir fehlen die Worte“. Durch derartige einleitende Worte ergibt sich dann meist ein längeres Gespräch.
    Oliver


    Hilfe am Arbeitsplatz

    Die Wiederaufnahme der Arbeit bedeutet für den Trauernden einerseits eine gewisse Ablenkung dadurch, dass man bestimmte Dinge erledigen muss. Der Tag bekommt eine Struktur, die damit anfängt, dass man morgens nicht im Bett bleiben kann, sondern aufstehen muss.
    Andererseits bereitet einem die Arbeit große Schwierigkeiten. Die Konzentrationsfähigkeit ist reduziert. Das Interesse fehlt. Die Dinge, die man bearbeiten oder über die man nachdenken soll, sind für Trauernde zunächst nicht mehr wirklich wichtig. Die Werte haben sich verschoben. Streitigkeiten und Probleme anderer kommen einem selbst irrelevant und nichtig vor. Oftmals hat der Trauernde auch Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

    Arbeitgeber und Kollegen können den Trauernden dabei unterstützen, dass dieser von der Arbeit nicht überfordert wird, er seine Arbeit gut erledigt und dass sie ihm auch wieder Spaß macht.
    Während der Fehlzeit am Arbeitsplatz in der ersten Zeit nach dem Tod ist es gut, wenn der Trauernde wirklich umfassend vertreten wird und nicht Berge von Arbeit auf ihn warten, wenn er zurückkehrt. So ist mir der Einstieg in die Arbeit dadurch erleichtert worden, dass sämtliche Akten restlos bearbeitet waren und die Vertretung nicht nur so erledigt wurde, wie dies bei einer urlaubsbedingten Abwesenheit der Fall ist.

    Kollegen sollten den Betroffenen aber auch in der Zeit danach, wenn dieser wieder am Arbeitsplatz ist, fragen, ob sie ihm Arbeit abnehmen können und etwaig auflaufende Rückstände selbst bearbeiten. Insbesondere sollten Kollegen und Chefs von besonderen Belastungen des Trauernden absehen. Signalisieren Sie dem Trauernden als Vorgesetzter, dass er jederzeit gehen kann, wenn er sich schlecht fühlt. Seien Sie als Arbeitgeber soweit wie möglich flexibel. Informieren Sie den Trauernden gegebenenfalls auch über Wiedereingliederungsmaßnahmen, also eine zeitweise Reduzierung der Arbeitszeit nach der Abwesenheit und besprechen Sie mit ihm, was genau ihm helfen kann, z.B. die zeitweise Übernahme einer einfacheren Tätigkeit.

    Aber auch wenn der Betroffene von außen gesehen „funktioniert“ und seine Arbeit erledigt, sollten Kollegen und Chefs nicht so tun, als ob alles in Ordnung sei. Vielmehr sollten sie auch dann Anteilnahme und Interesse durch persönliche Gespräche zeigen.

    Manchmal ist Hilfe auch durch ganz unbürokratische Maßnahmen möglich. So durfte unsere Tochter, die mehrere Klausuren durch den Tod ihres Bruders verpasst hatte, eine dieser Klausuren ohne Aufsicht zu Hause nachschreiben und ihrem Professor die Arbeit einfach zumailen.
    Oliver


    Was tut nicht gut?

    Bestimmte Verhaltensweisen oder gedankenlose Äußerungen tun dem Trauernden gar nicht gut und verletzen oder verbittern ihn sogar. Auch hierzu möchte ich einige Beispiele geben.

    Wie ich anfangs schon erwähnt habe, ist es gar nicht gut, aufgrund eigener Hilflosigkeit nichts zu tun.
    Meiden Sie den Trauernden auch nicht dadurch, dass Sie die Straßenseite wechseln, wenn Sie ihm begegnen, oder dass Sie sich hinter dem Supermarktregal verstecken, wenn Sie ihn zufällig beim Einkaufen treffen. Ist Ihnen allerdings ein solches Verhalten in einer spontanen Reaktion passiert, muss das nicht das Ende Ihrer Beziehung bedeuten. Haben Sie dann den Mut zu einem Anruf oder zu einer Karte und geben Sie ihre Hilflosigkeit ruhig zu. Der Trauernde hat dafür Verständnis.

    Äußern Sie keine „Tröstenden Worte“, die keine sind, bzw. vom Trauernden nicht als solche erkannt werden können.
    So ist bei dem Tod eines Kindes oft zu hören: „Gut, dass Ihr noch andere Kinder habt.“ Das tröstet nicht, denn die Trauer über den Verlust eines Kindes wird nicht durch die Liebe zu den anderen lebenden Kindern erleichtert. Genauso wenig tröstend ist es für jüngere Eltern, wenn geäußert wird „Ihr könnt ja noch andere Kinder haben“. Für jung Verwitwete ist es kein Trost, wenn ihnen versichert wird, wieder einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu finden oder wenn sie einige Zeit nach dem Tod des Partners gefragt werden „Bist Du denn noch immer solo?“
    Auch Beschwichtigungen oder Bewertungen wie „Es ist besser für ihn oder sie“ oder „Wer weiß, was ihm oder ihr erspart geblieben ist“ sollte man besser für sich behalten. Denn man weiß nicht, wie der Trauernde das empfindet. So hat es unsere Familie sehr verletzt, als wir in einem Kondolenzschreiben nach dem Tod meiner Schwiegermutter gelesen haben, sie habe kein lebenswertes Leben mehr gehabt, weil wir – und auch meine Schwiegermutter – das anders beurteilt haben.
    Stellen Sie auch keine Mutmaßungen darüber an, wie Sie selbst mit einer solchen Situation umgehen würden. Äußerungen wie „Ich hätte das nicht überlebt“ oder „Ich weiß gar nicht, wie ich damit fertig werden würde“, sind wenig hilfreich. Sie sollen zwar Anteilnahme vermitteln und zum Ausdruck bringen, dass dem Trauernden wirklich etwas Schlimmes widerfahren ist. Tatsächlich wird damit aber nichts anderes ausgesagt, als das es aus Sicht des Tröstenden besser ist, dass nicht er, sondern der Trauernde mit dem Tod konfrontiert worden ist. Denn schließlich hat dieser es ja überlebt und wird augenscheinlich auch irgendwie damit fertig.
    Erlauben Sie sich kein Urteil über das Verhalten des Trauernden, bevormunden Sie ihn nicht und erteilen Sie ihm keine Ratschläge, auch wenn diese noch so gut gemeint sind. Äußerungen wie in den folgenden Beispielen sollten daher nicht gemacht werden: „Du solltest wieder oder noch nicht anfangen zu arbeiten“, „Du solltest mal verreisen“, „Es wird Dir gut tun, dieses oder jenes zu tun“, „Du musst wieder unter Menschen gehen“, „Du brauchst Ablenkung“, „Du musst mal auf andere Gedanken kommen“, „Das Leben geht weiter“, „Mit der Trauer muss es langsam mal gut sein; Du hast genug getrauert, das Jahr ist um“.
    Machen Sie stattdessen Angebote und überlegen Sie mit dem Betroffenen gemeinsam, was ihm vielleicht gut tun könnte und unterstützen ihn bei dem, was er tun möchte.
    Umgekehrt sind auch Äußerungen wie „Ganz so traurig kann es ja wohl nicht sein“ oder „Du bist ja schon ganz gut darüber weggekommen“, nicht angemessen, nur weil der Trauernde lacht oder zu einem Zeitpunkt zu einem Fest geht, zu dem es nach dem Dafürhalten von Nicht-Betroffenen noch zu früh ist.
    Stellen Sie bei Kontakten mit dem Trauernden nicht die eigenen Probleme in den Vordergrund, jedenfalls nicht in der ersten Zeit. So ist es für Eltern eines verstorbenen Kindes kaum erträglich, von anderen Eltern über Alltagsprobleme, die diese mit ihren Kindern haben, zu hören. Schwer zu ertragen sind auch Gespräche über nicht lebensbedrohliche Krankheiten des Tröstenden, wie z.B. Rückenprobleme.
    Trauernden Eltern sollte man im Hinblick auf die lebenden Kinder auch nicht die Frage stellen „Was machen denn Ihre Kinder, ist es nicht schön, wenn die Kinder jetzt alle aus dem Haus sind?“ Fragen Sie lieber „Was machen Ihre anderen Kinder?“
    Gleiches gilt für die Bemerkung gegenüber einer Witwe, man selbst sei froh, wenn der Mann mal aus dem Haus sei.
    Besonders weh tut es dem Trauerenden, wenn nach der Beerdigung oder bei zufälligen Treffen Hilfe in Form von Einladungen o.ä. angekündigt wird, diese Angebote aber nicht in die Tat umgesetzt werden. So ist der Trauernde hilflos und enttäuscht, wenn er vergeblich auf die angekündigte Einladung zum Frühstück oder zu einem Glas Wein wartet. Machen Sie solche Äußerungen also nur dann, wenn Sie wirklich vorhaben, sie in die Tat umzusetzen und setzen Sie sie dann auch tatsächlich um, und zwar zeitnah.
    Schicken Sie zu den eigenen Geburtstagen der Trauernden keine gedankenlosen Glückwünsche. Formulierungen wie „Alles Gute zu
    Ihrem Jubeltag“ oder „Ich wünsche Dir einen fantastischen Geburtstag mit vielen kleinen Überraschungen“ ½ Jahr nach dem Tod, sind nicht angemessen.

    Begrüßen Sie den Trauernden nicht mit einem fröhlichen „Na, geht´s gut?“ und gucken dann befremdlich, wenn die Antwort „nein“ lautet. Bei der Frage „Wie geht es Dir“ hört der Betroffene an der Betonung genau, ob der Fragende wirklich eine ehrliche Antwort haben will und daran auch interessiert ist oder ob es nur eine Floskel ist. Ist es nur eine Floskel, sagen Sie stattdessen lieber nur „Guten Tag“.
    Oliver


    Nachwort

    Die Gabe, einfühlsam mit Trauernden umgehen zu können, ist keine Frage des Alters oder der Lebenserfahrung. Einige der Freunde und Klassenkameraden unseres Sohnes haben wunderbare Briefe geschrieben und haben uns besucht, während einige unserer Freunde nichts mehr von sich haben hören lassen. Diese Fähigkeit hängt auch nicht unbedingt von den eigenen Lebensumständen ab. Natürlich wissen Menschen, die einen ähnlichen Verlust erlitten haben, vielleicht besser, wie sie dem Trauernden beistehen können. Aber es gibt auch Menschen, die einem besonders gut helfen, von denen man es gar nicht erwartet hätte. So haben uns Freunde, die keine Kinder haben, sehr unterstützt, während wir von Freunden mit Kindern gemieden wurden, als wäre der Tod ansteckend.

    Ich bin aber davon überzeugt, dass man selbst daran arbeiten kann, die Einfühlsamkeit vorsichtig zu entwickeln und es zu lernen, auf Trauernde zuzugehen, wenn einem wirklich etwas an diesen liegt. Vielleicht hilft es, sich klar zu machen, dass auch man selbst eines Tages vom Tod und von Trauer betroffen sein kann. Ganz sicher hilft es, wenn man sich klar macht, dass es einfacher ist, auf den Trauernden zuzugehen, als für den Trauernden mit der veränderten Lebenssituation zurecht zu kommen.

    In dem nachfolgend zitierten Gedicht kommt sehr treffend zum Ausdruck, wie sehr der Trauernde auf Hilfe angewiesen ist, um ins Leben zurückzufinden.

    Im Land der Trauer
    will die Nacht
    nicht mehr aufwachen.
    Mond und Sterne haben
    längst ihr Leuchten
    eingestellt.
    Selbst die Schatten
    gingen in der Finsternis
    verloren.
    Schwarze Gräser
    säumen unseren Weg,
    den wir nicht
    sehen.

    Doch jede Hand,
    die man uns
    entgegenstreckt,
    verwandelt sich
    in Licht.

    Renate Salzbrenner

    Oliver


    Dank

    Ich danke allen, die uns in der schweren Zeit nach dem Tod unseres Sohnes unterstützt haben und uns auch heute verständnisvoll begleiten.

    Herzlich danke ich dem Maler Ton Schulten und seiner Frau Ank für die Genehmigung, das Foto seines Gemäldes als Umschlagseite zu nutzen und Frau Renate Salzbrenner für die Genehmigung zum Abdruck ihres Gedichtes.
    Wuppertal, September 2013

    Susanne Fudickar

    Über Anregungen, Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge
    freue ich mich.
    SusanneFudickar@web.de

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    Über eine Spende an die gemeinnützige Fudickar-Stiftung, die qualifizierte, bedürftige Studenten unterstützt, würde ich mich freuen:

    IBAN DE12 3307 0090 0223 3880 00
    Deutsche Bank Wuppertal

    Oliver


    die Fortsetzung

    Da glaubt man alles wird gut und dann kommt erst recht das tiefe Loch. Die Spaziergänge mit der Witwe waren eine gute Möglichkeit mit der Situation eines Witwers klar zu kommen. Gleichgesinnte haben ähnliche Erfahrungen gemacht und haben bereits gelernt das Leben neu zu organisieren. Zu dieser Zeit ging es seelisch immer weiter bergab, die Spaziergänge waren toll, aber es kam kein Lächeln bei mir auf, wie mit einem Leichentuch bedeckt ging ich neben der anderen Witwe her, die schon wieder Fuß gefasst hatte. Sie merkte genau, wie es mir geht, und machte den entscheidenden Vorschlag, die Probleme doch lieber im Rahmen einer psychosomatischen Kur anzugehen.

    Dies tat ich dann auch. Ich beantragte eine psychosomatische Kur, aus der aber dann eine stationäre Unterbringung über 5 Wochen in einer Klinik mit psychosomatischem Hintergrund wurde. Sehr zu empfehlen ist hier die Habichtswaldklinik in Kassel, dort wurde mir sehr geholfen. Es war schwierig, sich auf die Therapieansätze einzulassen, über Probleme zu reden, aber es half. Man konnte weinen, wurde von der Gruppe aufgenommen, getröstet, schön war es dort. Nebenher viele Spaziergänge, nachdenken, grübeln. Nach 3 Wochen wurde ich mit einer Trancetherapie bedacht, alle aus der Gruppe sagten, dass dies eine unglaubliche Belastung wäre. Was geschah? In einer Kleingruppe waren wir in einem abgedunkelten Raum, jeder machte sich seine Unterlage auf dem Boden zurecht, um sich bequem auf dem Boden auszustrecken. Dann startete die Therapie, Trommelmusik startete sehr langsam und noch leise, wurde immer intensiver, lauter, gleichzeitig forderte der Therapeut auf sehr intensiv und tief zu atmen. Langsam versank man in eine Art Halbschlaf, bei der langsam Bilder und Ereignisse erschienen. Noch hatte wenig mit dem Tod meiner Frau zu tun, es ging es um die gerade zurückliegenden Tage, Spaziergänge mit der Witwe, dann die lange Ehe mit meiner Frau, die Tour über einen Fluss als Flitterwochen, viele schöne Ereignisse. Mehr passierte zunächst nicht, der Therapeut beendete die erste Sitzung, ich war etwas enttäuscht, aber doch verwundert. Anschließend wurden in der Gruppe die Erfahrungen diskutiert. Die nächste Sitzung erwartete ich mit Spannung, gleiche Vorgehensweise, diesmal fiel ich schneller in Trance. Die Träume wurden wild, es schwappte von aktueller Zeit bis vor die Hochzeit, dann die Hochzeit, den Tod, immer wieder hin und her. Ich sah meine Frau, wie sie von unseren verstorbenen Hunden und ihrem Vater abgeholt wurde. Danach wurde es sehr intensiv. Ich erlebte den wirklichen Abschied von meiner Frau, der leider nicht stattfand, da aufgrund des unbekannten Todesgrundes die Leiche von der Polizei abgeholt wurde und kein Abschied möglich war. Ich stand neben meiner Frau, konnte mich verabschieden, es war ein sehr schönes Erlebnis. Danach trennte sich etwas von der Leiche, ich spürte einen Windhauch oder ähnliches, dann war sie weg. Die Trance wurde beendet, wieder wurde in der Gruppe diskutiert. Ich war fasziniert von diesem Erlebnis und hatte verstanden, was mich stark bedrückte. Ich hatte mich nie von meiner Frau verabschieden können, weil sie einfach weg war. Es folgte noch eine dritte Session, gleiches Szenario, aber die Inhalte waren anders. Es ging nur noch um die Zukunft. Was tun, wie tun, wann anfangen, usw. . Neben diesen 3 Sessions und anderen Sitzungen und Therapien hatte mir die Kur sehr geholfen. Nach 5 Wochen fuhr ich als anderer Mensch nach Hause, war aber immer noch sehr traurig.

    Ich berichtete der Witwe, von der ich glaubte und hoffte, dass eine Partnerschaft entstehen würde, von der Kur und meinen Fortschritte und berichtete auch von den 3 Sessions. Leider hat sie meine etwas wirre Darstellung stark verwirrt und direkt nach der Kur wurde unsere sehr lose Beziehung beendet. Ich war wieder allein. Dies war Ende 2014.
    Es folgten Wochen, in denen ich nur noch vor mich hin vegetierte, zu nichts Bock hatte und auch nur wenig Kontakt zu meinen Freunden pflegte. Dies ging so bis März 2015.

    Ich erinnerte mich in der Kur ein Bild von einem Wohnmobil an einem blauen See in toller Landschaft in der Maltherapie gemalt zu haben. Das sollte Teil meiner Zukunft sein. Wieder ein Ziel ausmachen, auf das man hinarbeiten konnte. Ich hatte mein Leben wieder organisiert, finanziell sah es wieder gut aus, nur seelisch war ich noch völlig neben der Spur. Ich suchte ein neues Wohnmobil, fuhr zu Händlern, beschäftigte mich damit sehr intensiv, ich hatte endlich wieder ein Ziel. Das Wohnmobil musste her, um damit wieder mobil zu werden, um etwas zu erleben.

    Im Mai 2015 fand ich etwas passendes, telefonierte mit dem Händler, fuhr direkt mit dem Auto von Dortmund nach Regensburg, sah das gute Stück an, befand es für gut, kurze Rücksprache mit den Kids, Kaufvertrag unterschrieben, Übergabetermin Juni 2015. Stolz wie Oskar fuhr ich zurück, ich hatte erstmals wieder ein Lachen und Grinsen im Gesicht.

    In den nächsten Tagen wurden Pläne geschmiedet. Wohin? Schafft man das allein? Ich hatte schon etwas Angst. Die Zeit bis Juni 2015 verging im Fluge. Das Geld wurde überwiesen, das Wohnmobil angemeldet und schon war ich mit dem Zug auf dem Weg nach Regensburg. Kurze Übergabe, alles klar und schon war ich auf der Autobahn. Es war herrlich wieder mobil zu sein, nur der Beifahrersitz war leer.

    Es folgten schöne Kurztouren, danach Urlaube mit meinen beiden Töchtern, mal nach Kroatien, mal nach Italien, es war schön. Die Zeit verging im Fluge, seelisch war ich immer noch daneben, aber ich hatte Ziele, etwas schönes sehen, dies wahrnehmen, alte Orte aufsuchen, an denen man gemeinsam viel Spaß hatte.

    So folgte Woche um Woche, Monat um Monat, über Silvester ganz allein nach Südfrankreich, aber mit Hund. Schön war die Welt, alles bunt, nur meine Seele war noch grau.

    Das ging so weiter bis Juli 2016. Viel unternommen, viel gesehen, aber innerlich noch down. Ich hatte den Beschluss gefasst, nie wieder eine Partnerschaft einzugehen, nie wieder Enttäuschungen haben.

    Dies änderte sich mit dem Österreich-Urlaub 2016 Juli/August. Neue Ziele wurden angefahren, völlig neues erlebt. Meine Laune besserte sich.

    Ich kam nach Hause zurück und konnte es nicht glauben, ich spürte wieder das Verlangen Frauen kennenzulernen. Bei der Kontaktbörse wurde das Profil geändert, ich glaubte jedoch nicht, dass sich noch jemand melden würde, nachdem ich dort 2 Jahre nicht mehr aktiv war. Aber das Wunder geschah, es meldete sich eine Witwe mit ziemlich gleichen Interessen, danach weitere mit Lächeln und Sympathie.

    Es war, als wenn ein Schalter umgelegt worden wäre. Meine Laune änderte sich, ich konnte wieder lachen, grinsen, das Leben war schön. Ich traf mich mit der Witwe, bislang schon mehrmals.

    Endlich liegt das tiefe Loch hinter mir. Nie wieder falle ich dort hinein! Nie wieder!
    Oliver


    Autor

    Bernd, im August 2016
    Oliver


    Onlineausgaben von Printmedien

    Zeit Online vom 30.12.2012 Disko statt Friedhof
    Wenn in einer jungen Familie ein Elternteil stirbt, trauern Partner und Kinder oft unterschiedlich. Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen – und Ablenkung.

    Allgemeine Zeitung vom 26.11.2017 - Du fehlst - Gedanken über Trauer zum Totensonntag
    Oliver

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