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Trauer


    Theorie - Erwachsene

    Information für Angehörige, Freunde und Bekannte

    Der Umgang mit Trauernden

    Vorwort
          Kontakt zum Trauernden
          Überwindung der Hilflosigkeit
          Erste Reaktionen auf die Todesnachricht
          Praktische Hilfe
          Zeit und Aufmerksamkeit
          Angebot zur Hilfe
          Entferntere Beziehung
          Hilfe am Arbeitsplatz
          Was tut nicht gut?
    Nachwort
    Dank




    Vorwort

    (Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Susanne Fudickar)

    Vor vier Jahren ist unser jüngster Sohn Matthias im Alter von 20 Jahren plötzlich verstorben. Nach seinem Tod haben wir sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, wie Freunde, Verwandte, Kollegen und Bekannte mit uns umgegangen sind. Wir haben einerseits positive Erfahrungen gemacht, die auch zu neuen Kontakten und sogar zu neuen Freundschaften geführt oder bestehende Freundschaften intensiviert haben. Andererseits haben wir leider auch negative Erfahrungen machen müssen, die uns zunächst zusätzlich belastet und traurig gemacht haben. So haben wir vermeintlich gute Freunde – von zufälligen Begegnungen abgesehen – das letzte Mal auf der Beerdigung unseres Sohnes gesehen.
    Aus Gesprächen mit anderen Betroffenen weiß ich, dass nicht nur wir derartige Erfahrungen verkraften müssen. Ich habe daher nach einiger Zeit Vorträge zu dem Thema „Vom Umgang mit Trauernden“ gehalten, die auf sehr positive Resonanz gestoßen sind. Aus dem Kreis der Zuhörer wurde angeregt, den Vortrag zu veröffentlichen, um einen größeren Kreis von Menschen erreichen zu können. Dieser Anregung bin ich gerne gefolgt.
    Ich hoffe, dass ich mit diesem kleinen Ratgeber dazu beitragen kann, Menschen zu unterstützen, die Trauernden zur Seite stehen wollen. Die Aufforderung, Trauernden Anteilnahme zukommen zu lassen und sie emphatisch und einfühlsam zu behandeln, ist zwar einerseits richtig, andererseits aber zu pauschal, um wirklich Hilfestellung leisten zu können. Daher gebe ich auch konkrete Beispiele und Anregungen, wie man trösten und Hilfe leisten kann, und lege dar, was uns persönlich verletzt und was uns besonders gut getan hat. Ich hoffe, Sie als Leser werden dies nicht als zu kategorisch empfinden, sondern sich anhand dieser Vorschläge leiten lassen, auch andere Ideen für den konkreten Trauerfall zu entwickeln, die zu Ihnen und dem Trauernden passen.
    Oliver


    Kontakt zum Trauernden

    Viele Menschen haben Angst, in einem Trauerfall das Falsche zu tun – und deshalb tun sie lieber gar nichts. Um gar nicht erst in Verlegenheit zu kommen, meiden sie Begegnungen und ziehen sich zurück. Doch statt den Trauernden damit zu entlasten, erreichen sie das Gegenteil: Die Betroffenen fühlen sich allein gelassen.
    Für Trauernde gibt es mittlerweile eine Menge Literatur, die Hilfestellungen während des Trauerprozesses leisten kann. Es gibt inzwischen auch viele professionelle Angebote für Trauernde wie Trauergruppen, Trauercafés und sogar spezielle Reiseangebote für Trauernde. Daran, wie die Zahl dieser Angebote gewachsen ist, lässt sich aber auch ablesen, dass der Trauer im sogenannten normalen Leben kein ausreichender Raum zugestanden wird. Dadurch können sich Verwandte, Freunde, Bekannte und Kollegen damit beruhigen, dass professionelle Trauerbegleiter auch eher als sie selbst geeignet sein werden, Menschen in Trauer beizustehen. Das aber stimmt nicht. Denn der Trauernde leidet darunter, dass er neben dem Verlust eines geliebten Menschen auch den Verlust weiterer Beziehungen beklagen muss. Es ist also wichtig, dem Trauernden auch als darin nicht geschulter Mensch beizustehen.
    Die fehlende Fähigkeit, Trauernden beiseite zu stehen, hat nicht zuletzt auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Durch fehlende oder unzureichende Anteilnahme sind trauernde Arbeitnehmer nur bedingt leistungsfähig oder müssen Trauernde mit teuren Therapien und Medikamenten versorgt werden.

    Daher möchte ich Sie als Nichtbetroffene motivieren, die weit verbreitete Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit, das „Sich-nicht-trauen“ zu überwinden und Sie ermuntern, auf Trauernde aktiv zuzugehen und ihnen dadurch beizustehen. Natürlich können Außenstehende die Trauer nicht wegnehmen, aber sie können sie lindern und den Trauernden damit trösten und ihm Halt geben.
    Wegen unserer Erfahrungen geht es natürlich in erster Linie um den Umgang mit trauernden Eltern. Aufgrund der von mir geführten Gespräche weiß ich aber, dass vieles auch gilt, wenn der Partner oder die Eltern – jedenfalls in (zu) frühen Jahren – versterben oder sogar auch, wenn es um eine andere außergewöhnliche Krisensituation geht, z.B. den Umgang mit Schwerkranken oder Sterbenden und mit ihren Angehörigen.
    Weniger Unsicherheiten im Umgang mit Trauernden bestehen in der Regel nur dann, wenn der Tod zu einem Zeitpunkt kommt, in dem er als „normal“ empfunden wird, wenn also im höheren Lebensalter der Partner oder die alt gewordenen Eltern versterben. Aber auch für diese „Normalfälle“ kann meinen Ausführungen vielleicht die eine oder andere Anregung entnommen werden.
    Oliver


    Überwindung der Hilflosigkeit

    Was können Außenstehende nun tun, um einem Trauernden beiseite zu stehen?
    Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass es auf jeden Fall falsch ist, gar nichts zu tun. Dies gilt jedenfalls dann, wenn man den Betroffenen mehr als nur flüchtig kennt. Aber selbst bei einer nur flüchtigen Bekanntschaft ist eine Reaktion schön, denn jede - auch noch so kleine - Reaktion ist für den Trauernden wie ein Strohhalm. Im Übrigen klärt das auch die Situation – der Trauernde weiß dann, dass sein Gegenüber von dem Tod des Angehörigen erfahren hat. Bei fehlender Reaktion bliebe eine entsprechende Unsicherheit zurück.

    Es gilt, das eigene Gefühl der Hilflosigkeit und Verlegenheit zu überwinden und einfach das zu tun, was man möchte. Man kann nicht viel falsch machen! Haben Sie einfach den Mut zu trösten. Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, was der Trauernde erwartet oder wie er das eigene Handeln vielleicht bewerten wird. Denn der Betroffene erwartet zunächst einmal gar nichts. Er ist mit sich selbst, seinen Gedanken und Gefühlen vollauf beschäftigt – erst später wird er enttäuscht sein, wenn nichts passiert ist. Denn von Freunden gemieden zu werden, fügt zusätzlichen Schmerz zu.

    Trauernde haben auch viel Verständnis dafür, wenn Nicht-Betroffene unsicher und unbeholfen sind – Sie können Ihre Hilflosigkeit Ihnen gegenüber also ruhig zugeben. Trauernde sind aber später kompromisslos, wenn sie in der ersten Zeit nach dem Todesfall durch Freunde enttäuscht werden.
    Oliver


    Erste Reaktionen auf die Todesnachricht

    Zumindest dann, wenn man eine Todesanzeige erhalten hat, sollte man in irgendeiner Weise auf die Todesnachricht reagieren. Denn die Angehörigen signalisieren dadurch entweder eine eigene Nähe oder eine vermutete Nähe des Verstorbenen zu dem Empfänger. Falls überhaupt keine Reaktion erfolgt, grübelt man darüber nach, ob die Anzeige nicht angekommen ist oder der Empfänger sich möglicherweise dadurch belästigt fühlt, weil aus seiner Sicht weder die eine noch die andere Beziehung besteht.

    So hat es mir sehr wehgetan, dass ein Mann, mit dem unser Sohn während seines FSJ-Jahres kurz vor seinem Tod Kontakt hatte und dem wir deshalb eine Todesanzeige geschickt hatten, gar nicht reagiert hat und auch bei unserer ersten zufälligen Begegnung ohne ein Wort der Anteilnahme an mir vorbeigegangen ist.
    Welche konkreten Reaktionen sind möglich?
    Zunächst sind Kondolenzbriefe für die Angehörigen eines Verstorbenen sehr wichtig. Besonders gut tun Briefe, in denen über persönliche Erinnerungen an den Verstorbenen und gemeinsame Erlebnisse mit ihm berichtet wird – auch wenn es nur kleine Begebenheiten sind, weil der Kontakt nicht besonders nah war oder lange zurückliegt. Es tut gut zu erfahren, dass andere Menschen den Verstorbenen geschätzt haben und man etwas über ihn erfährt, was man selbst noch nicht wusste. Besonders schön ist es auch, wenn der Verstorbene treffend und liebevoll charakterisiert wird.

    Natürlich liegt es nicht jedem, die passenden Worte schriftlich auszudrücken, daher sind auch Karten mit dem Aufdruck „Herzliche Anteilnahme“, einem Gedicht oder Zitat oder mit den schlichten Worten „Ich denke an Euch“ besser als Schweigen. In der heutigen Zeit halte ich es auch nicht generell für zu unpersönlich, eine E-Mail oder auch eine SMS an den Trauernden zu schreiben, es muss nicht zwingend ein handgeschriebener Brief mit dem Füller sein. Wichtig ist nur, dass die Form der Anteilnahme zum Schreiber passt und dieser seine Anteilnahme ehrlich zeigt. Eine Mail, die von Herzen kommt, ist allemal tröstender als ein Brief eines privaten Freundes oder Bekannten auf Geschäftspapier.

    Schön ist es, wenn Blumen geschickt werden, und zwar nicht nur zur Beerdigung, sondern auch nach Hause. Ich selbst habe es als wohltuend empfunden, dass wir nicht nur typische Beerdigungsblumen bekommen haben, sondern z.B. auch bunte Tulpensträuße. Eine Freundin hat dies bestätigt.

    Besonders wichtig ist für die Angehörigen die Teilnahme an der Trauerfeier und an der Beerdigung, und zwar auch dann, wenn man keine Todesanzeige bekommen hat, sondern von dem Tod durch die Zeitungsannonce oder durch Berichte Dritter erfahren hat. Anders als ich es vor dem Tod unseres Sohnes gedacht und selbst gehandhabt hatte, ist es schön, wenn die Begleitung des Verstorbenen auf seinem letzten Weg nicht nur alternativ zu einem Kondolenzschreiben erfolgt, sondern wenn die Angehörigen sowohl schriftliche als auch persönliche Anteilnahme erfahren dürfen.
    Uns hat es sehr gut getan, dass viele Menschen zu der Beerdigung unseres Sohnes gekommen sind. Es war für uns auch gut und richtig, die Anteilnahme an seinem Grab entgegenzunehmen. Wir sind vorher gefragt worden, ob wir uns „das antun wollten“. Im Verhältnis zu dem, was wir ohnehin aushalten müssen, war das aber letztlich etwas, was gut für uns war. Das haben nicht nur wir so empfunden, sondern dies ist mir auch von anderen Betroffenen bestätigt worden. Daher sollte man nicht versuchen, die Angehörigen davon abzuhalten in der Annahme, ihnen dadurch weiteres Leid ersparen zu können. Treffen die Angehörigen allerdings eine andere Entscheidung, so sollte man auch das respektieren und nicht versuchen, sie davon zu überzeugen, dass es besser sei, am Grab zu stehen.
    Oliver


    Praktische Hilfe

    Bis zur Beerdigung kümmern sich oft Verwandte um die betroffenen Angehörigen. Wenn diese von weiter her angereist und nach der Beerdigung wieder nach Hause gefahren sind, sind die Trauernden völlig auf sich allein gestellt. Wie kann man dann und auch in späteren Zeiten Hilfe leisten?
    Zunächst kann man ganz einfach praktische Hilfe leisten, weil die Trauernden auch mit kleinen Dingen des alltäglichen Lebens völlig überfordert sein können. Man kann Einkäufe erledigen, Essen kochen, Fahrdienste übernehmen, Kinder beaufsichtigen, bzw. sich auch wirklich um die Kinder kümmern und sich mit ihnen beschäftigen. Gerade wenn ein Kind aus der Familie gestorben ist, ist dies wichtig, weil die Eltern selbst zu schwach sind, den Geschwisterkindern die Aufmerksamkeit zu geben, die sie in einer natürlich auch für sie sehr schweren Zeit besonders benötigen. Denn für die Eltern existiert zunächst nur das tote Kind.

    Man kann aber auch die Betroffenen dabei unterstützen, dass diese in die Lage versetzt werden, die Dinge des alltäglichen Lebens wieder selbst zu bewältigen. Auch hier möchte ich einige Beispiele nennen, die mir in guter Erinnerung geblieben sind.

    Eine Freundin hat mich zwei Wochen nach dem Tod unseres Sohnes zum Einkaufen in einem Supermarkt begleitet. Alleine hätte ich das nicht geschafft, ich kam mir völlig fehl am Platze vor und ich wusste auch nicht, was ich in meinen Einkaufswagen legen sollte.

    Eine andere Freundin hat mich abgeholt und ist mit mir zu unserem Sportverein gefahren, damit ich dort meine ehrenamtlichen Aufgaben zumindest ansatzweise erfüllen konnte.

    Eine weitere Freundin hat mir beim Einräumen unserer neuen Küche, die wir kurz vor dem Tod unseres Sohnes bestellt hatten, geholfen. Abgesehen davon, dass es mich ohnehin nicht interessierte, wäre ich mit den Entscheidungen, wo Geschirr und Töpfe unterzubringen sind, allein völlig überfordert gewesen.

    Eine andere Freundin hat mich beim Einkauf neuer Kleidung begleitet – es hat lange gedauert, bis ich mich wieder völlig selbstständig in einem Kaufhaus bewegen konnte.
    Oliver


    Zeit und Aufmerksamkeit

    Eine Vielzahl von Möglichkeiten, dem Betroffenen etwas Gutes zu tun, sind unter dem Stichwort „Schenken Sie dem Trauernden Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit“ zusammenzufassen. Einige Beispiele:

    - Besuche und Telefonate

    Sprechen Sie mit dem Trauernden und hören Sie ihm aufmerksam zu. Persönliche Besuche sind schön, ebenso gut sind aber auch Telefonate, für die Sie sich allerdings Zeit nehmen sollten. So hat es mir sehr gut getan, dass eine Freundin aus der Ferne mich in den ersten Monaten nach dem Tod unseres Sohnes regelmäßig ein bis zwei Mal in der Woche angerufen hat.
    Reden Sie bei diesen Telefonaten oder Besuchen auch über den Verstorbenen. Erzählen Sie von Erlebnissen mit ihm, und zwar auch über lustige Begebenheiten, die sie mit ihm erlebt haben. Fordern Sie auch die Angehörigen auf, über den Verstorbenen zu sprechen. Freuen Sie sich gemeinsam über schöne Erinnerungen und haben sie auch keine Scheu davor, gemeinsam zu lachen.
    Genauso gut tut es allerdings auch, gemeinsam zu weinen. Tränen tun dem Trauernden gut. Es tut ihm gut, wenn Sie ihm signalisieren, dass Sie nicht erwarten, dass er sich zusammenreißt und seine Gefühle unterdrückt. Sie haben sich daher nichts vorzuwerfen, wenn Sie den Trauernden mit einer Bemerkung über den Verstorbenen zum Weinen gebracht haben. Sie haben ihm dadurch kein neues Leid zugefügt, im Gegenteil. Lenken Sie daher nicht ab und wechseln Sie nicht das Thema, wenn die Tränen fließen.
    Nennen Sie den Verstorbenen beim Namen. Haben Sie den Mut, den Namen zu erwähnen und Geschichten zu erzählen. Viele erwähnen den Namen nicht aus Angst, die Trauernden an ihren Schmerz zu erinnern, aber man vergisst die Trauer ohnehin nicht – der Schmerz ist immer präsent. Im Übrigen sind das Hören und das Aussprechen des Namens auch tröstlich und man ist dankbar, wenn man merkt, dass auch andere Menschen Erinnerungen mit dem Verstorbenen verknüpfen.
    Dies gilt nicht nur für die unmittelbare Zeit nach dem Tod, sondern insbesondere auch für spätere Zeiten – auch nach vielen Jahren. Es ist schön, wenn ganz locker, selbstverständlich und unbefangen über den Verstorbenen gesprochen wird – auch sonst hat man ja keine Hemmungen, über Abwesende zu reden. Erinnerungen an den Verstorbenen dürfen und müssen ausgesprochen werden – so bleibt der Tote ein Stück weit lebendig.
    Stellen Sie sich gemeinsam mit dem Trauernden auch vor, was der Verstorbene jetzt wohl machen würde, was er zu diesem oder jenem Problem sagen würde.
    Sie können auch gemeinsam schweigen – wichtig ist, dass einfach jemand da ist, der die Trauer mitträgt.
    Nehmen Sie Anteil, aber bemitleiden Sie den Trauernden nicht, das hilft ihm nicht weiter.

    - Einladungen

    Sprechen Sie Einladungen aus, z.B. zu einem Abendessen mit wenigen Personen, die die Trauernden gut kennen, größere Partys sind für Trauernde dagegen nicht geeignet.
    Aber: Schicken Sie z.B. zu runden Geburtstagen auch dann eine Einladung, wenn Sie davon ausgehen, dass die Betroffenen nicht kommen – anderenfalls fühlen diese sich ausgeschlossen. Lassen Sie sie selbst die Entscheidung treffen.
    Laden Sie den Trauernden auch zu besonderen Tagen wie Heilig Abend oder Silvester ein – auch wenn Sie diese Tage dann anders und insbesondere nicht so unbeschwert verbringen können, wie dies normalerweise der Fall ist. So haben Freunde berichtet, dass es ihnen sehr gut getan hat, dass ihre Freunde spontan ihren traditionellen Weihnachtsbesuch ausgeladen und sie unmittelbar nach dem Tod des Sohnes eingeladen und sich so um sie gekümmert haben.
    Wenn bei kirchlichen Familienfesten (z.B. Konfirmationen oder Hochzeiten) Fürbitten für den Verstorbenen gesprochen werden, tut auch das sehr gut. So ist er dann doch auf eine besondere Weise mit dabei.

    - Bewegung und Freizeitbeschäftigung

    Bieten Sie dem Trauernden in der ersten Zeit nach dem Tod Ihre Begleitung zu Spaziergängen an, denn Bewegung an frischer Luft tut immer besonders gut.
    Ermuntern Sie den Trauernden auch zu anderen sportlichen Betätigungen. Ohne diese Ermunterung durch Freunde wären wir nicht so schnell wieder auf die Idee gekommen, Golf zu spielen, obwohl dieser Sport sehr wichtig für uns ist. Mit Begleitung bei den ersten Runden war es dann aber möglich und hat uns gut getan.
    Schlagen Sie dem Trauernden vor, auch andere Hobbies und sonstige Freizeitgestaltungen wieder aufzunehmen und begleiten Sie ihn in der ersten Zeit.
    Fragen Sie den Trauernden, ob er mit Ihnen ins Kino oder ins Theater geht. Falls er zögert, weil er nicht weiß, ob er sich eine derartige Veranstaltung schon zumuten kann, machen Sie ihm klar, dass er jederzeit auch vor Ende der Veranstaltung nach Hause gehen kann, wenn es ihm zu viel wird.

    - Ferien

    Bieten Sie dem Trauernden an, mit Ihnen in den Urlaub zu fahren, vielleicht für ein Wochenende oder auch für eine längere Zeit. So hat es uns sehr gut getan, dass Freunde uns angeboten haben, mit ihnen für ein paar Tage an die See zu fahren. Andere Freunde haben uns aufgefordert, mit ihnen für zwei Wochen zu verreisen. Es ist wohltuend, wenn man umsorgt wird und man bei Unternehmungen, die man zum ersten Mal nach dem Tod wieder aufnimmt, nicht alleine ist.

    - Gedenktage

    Wichtig ist es, an den Geburtstag oder den Todestag des Verstorbenen zu denken, in der ersten Zeit auch nach 3 oder 6 Monaten nach dem Tod. Es tut einfach gut, feststellen zu dürfen, dass auch andere Menschen sich erinnern. Zeigen kann man seine Anteilnahme durch eine Karte, ein Foto, Blumen oder einen Anruf.
    Denken Sie aber auch an zukünftige Tage, wie z.B. den Schulanfang, das Abitur, das Examen oder den Eintritt in den Ruhestand, für den vielleicht schon vieles geplant war.

    - Andenken

    Besonders gefreut haben wir uns auch, wenn Blumen oder kleine Andenken auf dem Grab unseres Sohnes lagen, auch wenn wir nicht wissen, von wem dies war. Man freut sich natürlich darüber, dass auch andere Menschen das Grab besuchen. So hat mir eine Bekannte, erst über drei Jahre nach dem Tod unseres Sohnes erzählt, dass sie öfter sein Grab besucht.
    Suchen Sie nach Fotos, auf denen der Verstorbene abgebildet ist. Wir waren sehr berührt, als wir von Freunden unseres Sohnes eine Zusammenstellung von Fotos in einem kleinen Album zu seinem ersten Geburtstag ohne ihn erhalten haben.
    Fragen Sie andererseits auch selbst nach einem Foto des Verstorbenen oder auch nach einem kleinen Erinnerungsstück – natürlich nur dann, wenn es Sie wirklich interessiert.

    - Fragen nach dem Befinden

    Fragen Sie verständnisvoll nach dem Befinden des Trauernden und zwar auch nach längerer oder langer Zeit, und besonders auch konkret nach dem Befinden im Hinblick auf die Trauer. Dabei ist es wichtig, wirklich an der Antwort interessiert zu sein und vor allen Dingen auch für jede Antwort offen zu sein. Man muss es dann auch auszuhalten können, wenn der Betroffene äußert, es gehe ihm schlecht.

    Oliver


    Angebot zur Hilfe

    Wenn Sie Hilfe leisten wollen, überlegen Sie sich, wie Sie die Trauernden konkret unterstützen können und bieten Sie diese Hilfe dann an bzw. leisten Sie sie einfach.

    - Wann?

    Reagieren Sie schnell, und zwar so schnell wie möglich – sonst ist es irgendwann zu spät. Die Annahme, die Trauernden erst einmal zur Ruhe kommen zu lassen, sollte nicht dazu führen, den Kontakt zu ihnen zu unterbrechen und sie allein zu lassen. Natürlich brauchen Trauernde Ruhe, aber sie müssen nicht in Ruhe gelassen werden. Ein unterbrochener Kontakt wird schnell zu einem abgebrochenen. Der Trauernde verändert sich und ist später nicht mehr bereit, dann, wenn es ihm besser geht, alte Kontakte, die geruht haben, wieder aufzunehmen. Denn man kann Monate oder Jahre später mit der Beziehung nicht mehr da anknüpfen, wo sie mit dem Tod des Angehörigen geendet hatte – und der Trauernde will das dann auch nicht mehr.

    - Wie?

    Sagen Sie nicht: „Ruf´ oder sprich´ mich an, wenn Du Hilfe brauchst“, denn dieser Aufforderung nachzukommen ist dem Trauernden schon zu viel. Rufen Sie ihn selbst an, suchen Sie den Kontakt und zwar immer wieder, auch wenn Sie eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen haben. Dem Trauernden fällt es einfach unglaublich schwer, selbst aktiv zu werden und Hilfe anzufordern.

    Fragen Sie auch nicht: „Kann ich irgendwie helfen?“, sondern machen Sie konkrete Vorschläge: „Ist es Dir recht, wenn ich
    vorbeikomme, wenn wir dieses oder jenes miteinander tun, wenn wir einfach nur ein bisschen telefonieren?“
    Fragen Sie mehrfach nach. Wenn Ihr Angebot vielleicht an einem Tag abgelehnt wurde, wird es an einem anderen Tag dankend angenommen. Denken Sie daran, dass die Stimmung von Trauernden stark schwankend sein kann.
    Seien Sie auch nicht verletzt, wenn die angebotene Hilfe nicht angenommen wird, wenn der Trauernde also mit sich und seinem Schmerz allein sein will. Da dies nur selten ein andauernder Zustand sein dürfte, bieten Sie Ihre Hilfe immer wieder an. Irgendwann kommt das Angebot vielleicht zur rechten Zeit. Machen Sie sich deutlich bewusst, dass Sie mit einer Absage leichter klar kommen können als der Trauernde damit, dass Sie sich zurückziehen.

    Wenn der Rückruf, um den Sie auf dem Anrufbeantworter gebeten haben, nicht erfolgt, glauben Sie nicht, der Trauernde wolle keinen Kontakt zu Ihnen. Er hat nur einfach nicht die Kraft, sich um diesen Kontakt selbst zu kümmern. Denn aufgrund der Trauer lähmt ihn eine riesengroße Antriebsschwäche. Er freut sich aber, wenn Anrufe kommen und er nicht selbst aktiv werden muss. Sagen Sie also nicht: „Du kannst mich jederzeit anrufen, wenn Du mich brauchst“, sondern machen Sie selbst diesen ersten Schritt, und zwar immer wieder.

    Erkundigen Sie sich, wenn Sie mit dem Trauernden befreundet sind, auch nicht über Dritte nach seinem Befinden, sondern fragen Sie ihn selbst.

    - Wer?

    Jeder, der das Bedürfnis verspürt, einem Trauernden beistehen zu wollen, sollte versuchen, das auch umzusetzen. Wünschenswert wäre es insoweit, wenn sich einerseits auch mehr Männer um Trauernde kümmern würden. Schön wäre es auch, wenn nicht überwiegend Mütter und Witwen, sondern vermehrt auch Väter und Witwer getröstet würden. Denn Sie haben an den oben angeführten Beispielen gesehen, dass mehr Freundinnen trösten und eher die Mütter getröstet werden.
    Oliver


    Entferntere Beziehung

    Wenn Sie den Trauernden nicht so gut kennen, also nicht mit ihm befreundet sind, wird von dem Trauernden nicht erwartet, dass Sie den persönlichen Kontakt suchen. Sie sollten das Thema aber auf jeden Fall ansprechen, wenn Sie den Betroffenen das erste Mal nach dem Tod treffen, auch wenn dann schon eine längere Zeit zurückliegt. Eine Kollegin sagte mir, als wir uns nach dem Tod meines Sohnes zufällig auf dem Flur begegneten: „Ich habe mir vorgenommen, nicht einfach an Ihnen vorbeizugehen, wenn wir uns das erste Mal treffen, aber was ich sagen soll, das weiß ich nicht.“
    Oft muss man dann natürlich weinen, der Kondolierende muss sich aber nicht entschuldigen, denn er hat nichts Falsches, sondern genau das Richtige getan. Insbesondere muss er nicht sagen „Ich wollte Sie nicht daran erinnern“ – man denkt ohnehin an nichts anderes.

    Sie müssen auch gar nicht viel sagen. Eine Umarmung, ein „Es tut mir so leid“ oder „Wir waren auch alle sehr getroffen“ reicht völlig, wenn diese Worte von Herzen kommen. Wenn Sie nicht wissen, was Sie sagen sollen, dann sagen Sie eben gerade das, nämlich „ich weiß nicht, was ich sagen soll, mir fehlen die Worte“. Durch derartige einleitende Worte ergibt sich dann meist ein längeres Gespräch.
    Oliver


    Hilfe am Arbeitsplatz

    Die Wiederaufnahme der Arbeit bedeutet für den Trauernden einerseits eine gewisse Ablenkung dadurch, dass man bestimmte Dinge erledigen muss. Der Tag bekommt eine Struktur, die damit anfängt, dass man morgens nicht im Bett bleiben kann, sondern aufstehen muss.
    Andererseits bereitet einem die Arbeit große Schwierigkeiten. Die Konzentrationsfähigkeit ist reduziert. Das Interesse fehlt. Die Dinge, die man bearbeiten oder über die man nachdenken soll, sind für Trauernde zunächst nicht mehr wirklich wichtig. Die Werte haben sich verschoben. Streitigkeiten und Probleme anderer kommen einem selbst irrelevant und nichtig vor. Oftmals hat der Trauernde auch Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

    Arbeitgeber und Kollegen können den Trauernden dabei unterstützen, dass dieser von der Arbeit nicht überfordert wird, er seine Arbeit gut erledigt und dass sie ihm auch wieder Spaß macht.
    Während der Fehlzeit am Arbeitsplatz in der ersten Zeit nach dem Tod ist es gut, wenn der Trauernde wirklich umfassend vertreten wird und nicht Berge von Arbeit auf ihn warten, wenn er zurückkehrt. So ist mir der Einstieg in die Arbeit dadurch erleichtert worden, dass sämtliche Akten restlos bearbeitet waren und die Vertretung nicht nur so erledigt wurde, wie dies bei einer urlaubsbedingten Abwesenheit der Fall ist.

    Kollegen sollten den Betroffenen aber auch in der Zeit danach, wenn dieser wieder am Arbeitsplatz ist, fragen, ob sie ihm Arbeit abnehmen können und etwaig auflaufende Rückstände selbst bearbeiten. Insbesondere sollten Kollegen und Chefs von besonderen Belastungen des Trauernden absehen. Signalisieren Sie dem Trauernden als Vorgesetzter, dass er jederzeit gehen kann, wenn er sich schlecht fühlt. Seien Sie als Arbeitgeber soweit wie möglich flexibel. Informieren Sie den Trauernden gegebenenfalls auch über Wiedereingliederungsmaßnahmen, also eine zeitweise Reduzierung der Arbeitszeit nach der Abwesenheit und besprechen Sie mit ihm, was genau ihm helfen kann, z.B. die zeitweise Übernahme einer einfacheren Tätigkeit.

    Aber auch wenn der Betroffene von außen gesehen „funktioniert“ und seine Arbeit erledigt, sollten Kollegen und Chefs nicht so tun, als ob alles in Ordnung sei. Vielmehr sollten sie auch dann Anteilnahme und Interesse durch persönliche Gespräche zeigen.

    Manchmal ist Hilfe auch durch ganz unbürokratische Maßnahmen möglich. So durfte unsere Tochter, die mehrere Klausuren durch den Tod ihres Bruders verpasst hatte, eine dieser Klausuren ohne Aufsicht zu Hause nachschreiben und ihrem Professor die Arbeit einfach zumailen.
    Oliver


    Was tut nicht gut?

    Bestimmte Verhaltensweisen oder gedankenlose Äußerungen tun dem Trauernden gar nicht gut und verletzen oder verbittern ihn sogar. Auch hierzu möchte ich einige Beispiele geben.

    Wie ich anfangs schon erwähnt habe, ist es gar nicht gut, aufgrund eigener Hilflosigkeit nichts zu tun.
    Meiden Sie den Trauernden auch nicht dadurch, dass Sie die Straßenseite wechseln, wenn Sie ihm begegnen, oder dass Sie sich hinter dem Supermarktregal verstecken, wenn Sie ihn zufällig beim Einkaufen treffen. Ist Ihnen allerdings ein solches Verhalten in einer spontanen Reaktion passiert, muss das nicht das Ende Ihrer Beziehung bedeuten. Haben Sie dann den Mut zu einem Anruf oder zu einer Karte und geben Sie ihre Hilflosigkeit ruhig zu. Der Trauernde hat dafür Verständnis.

    Äußern Sie keine „Tröstenden Worte“, die keine sind, bzw. vom Trauernden nicht als solche erkannt werden können.
    So ist bei dem Tod eines Kindes oft zu hören: „Gut, dass Ihr noch andere Kinder habt.“ Das tröstet nicht, denn die Trauer über den Verlust eines Kindes wird nicht durch die Liebe zu den anderen lebenden Kindern erleichtert. Genauso wenig tröstend ist es für jüngere Eltern, wenn geäußert wird „Ihr könnt ja noch andere Kinder haben“. Für jung Verwitwete ist es kein Trost, wenn ihnen versichert wird, wieder einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu finden oder wenn sie einige Zeit nach dem Tod des Partners gefragt werden „Bist Du denn noch immer solo?“
    Auch Beschwichtigungen oder Bewertungen wie „Es ist besser für ihn oder sie“ oder „Wer weiß, was ihm oder ihr erspart geblieben ist“ sollte man besser für sich behalten. Denn man weiß nicht, wie der Trauernde das empfindet. So hat es unsere Familie sehr verletzt, als wir in einem Kondolenzschreiben nach dem Tod meiner Schwiegermutter gelesen haben, sie habe kein lebenswertes Leben mehr gehabt, weil wir – und auch meine Schwiegermutter – das anders beurteilt haben.
    Stellen Sie auch keine Mutmaßungen darüber an, wie Sie selbst mit einer solchen Situation umgehen würden. Äußerungen wie „Ich hätte das nicht überlebt“ oder „Ich weiß gar nicht, wie ich damit fertig werden würde“, sind wenig hilfreich. Sie sollen zwar Anteilnahme vermitteln und zum Ausdruck bringen, dass dem Trauernden wirklich etwas Schlimmes widerfahren ist. Tatsächlich wird damit aber nichts anderes ausgesagt, als das es aus Sicht des Tröstenden besser ist, dass nicht er, sondern der Trauernde mit dem Tod konfrontiert worden ist. Denn schließlich hat dieser es ja überlebt und wird augenscheinlich auch irgendwie damit fertig.
    Erlauben Sie sich kein Urteil über das Verhalten des Trauernden, bevormunden Sie ihn nicht und erteilen Sie ihm keine Ratschläge, auch wenn diese noch so gut gemeint sind. Äußerungen wie in den folgenden Beispielen sollten daher nicht gemacht werden: „Du solltest wieder oder noch nicht anfangen zu arbeiten“, „Du solltest mal verreisen“, „Es wird Dir gut tun, dieses oder jenes zu tun“, „Du musst wieder unter Menschen gehen“, „Du brauchst Ablenkung“, „Du musst mal auf andere Gedanken kommen“, „Das Leben geht weiter“, „Mit der Trauer muss es langsam mal gut sein; Du hast genug getrauert, das Jahr ist um“.
    Machen Sie stattdessen Angebote und überlegen Sie mit dem Betroffenen gemeinsam, was ihm vielleicht gut tun könnte und unterstützen ihn bei dem, was er tun möchte.
    Umgekehrt sind auch Äußerungen wie „Ganz so traurig kann es ja wohl nicht sein“ oder „Du bist ja schon ganz gut darüber weggekommen“, nicht angemessen, nur weil der Trauernde lacht oder zu einem Zeitpunkt zu einem Fest geht, zu dem es nach dem Dafürhalten von Nicht-Betroffenen noch zu früh ist.
    Stellen Sie bei Kontakten mit dem Trauernden nicht die eigenen Probleme in den Vordergrund, jedenfalls nicht in der ersten Zeit. So ist es für Eltern eines verstorbenen Kindes kaum erträglich, von anderen Eltern über Alltagsprobleme, die diese mit ihren Kindern haben, zu hören. Schwer zu ertragen sind auch Gespräche über nicht lebensbedrohliche Krankheiten des Tröstenden, wie z.B. Rückenprobleme.
    Trauernden Eltern sollte man im Hinblick auf die lebenden Kinder auch nicht die Frage stellen „Was machen denn Ihre Kinder, ist es nicht schön, wenn die Kinder jetzt alle aus dem Haus sind?“ Fragen Sie lieber „Was machen Ihre anderen Kinder?“
    Gleiches gilt für die Bemerkung gegenüber einer Witwe, man selbst sei froh, wenn der Mann mal aus dem Haus sei.
    Besonders weh tut es dem Trauerenden, wenn nach der Beerdigung oder bei zufälligen Treffen Hilfe in Form von Einladungen o.ä. angekündigt wird, diese Angebote aber nicht in die Tat umgesetzt werden. So ist der Trauernde hilflos und enttäuscht, wenn er vergeblich auf die angekündigte Einladung zum Frühstück oder zu einem Glas Wein wartet. Machen Sie solche Äußerungen also nur dann, wenn Sie wirklich vorhaben, sie in die Tat umzusetzen und setzen Sie sie dann auch tatsächlich um, und zwar zeitnah.
    Schicken Sie zu den eigenen Geburtstagen der Trauernden keine gedankenlosen Glückwünsche. Formulierungen wie „Alles Gute zu
    Ihrem Jubeltag“ oder „Ich wünsche Dir einen fantastischen Geburtstag mit vielen kleinen Überraschungen“ ½ Jahr nach dem Tod, sind nicht angemessen.

    Begrüßen Sie den Trauernden nicht mit einem fröhlichen „Na, geht´s gut?“ und gucken dann befremdlich, wenn die Antwort „nein“ lautet. Bei der Frage „Wie geht es Dir“ hört der Betroffene an der Betonung genau, ob der Fragende wirklich eine ehrliche Antwort haben will und daran auch interessiert ist oder ob es nur eine Floskel ist. Ist es nur eine Floskel, sagen Sie stattdessen lieber nur „Guten Tag“.
    Oliver


    Nachwort

    Die Gabe, einfühlsam mit Trauernden umgehen zu können, ist keine Frage des Alters oder der Lebenserfahrung. Einige der Freunde und Klassenkameraden unseres Sohnes haben wunderbare Briefe geschrieben und haben uns besucht, während einige unserer Freunde nichts mehr von sich haben hören lassen. Diese Fähigkeit hängt auch nicht unbedingt von den eigenen Lebensumständen ab. Natürlich wissen Menschen, die einen ähnlichen Verlust erlitten haben, vielleicht besser, wie sie dem Trauernden beistehen können. Aber es gibt auch Menschen, die einem besonders gut helfen, von denen man es gar nicht erwartet hätte. So haben uns Freunde, die keine Kinder haben, sehr unterstützt, während wir von Freunden mit Kindern gemieden wurden, als wäre der Tod ansteckend.

    Ich bin aber davon überzeugt, dass man selbst daran arbeiten kann, die Einfühlsamkeit vorsichtig zu entwickeln und es zu lernen, auf Trauernde zuzugehen, wenn einem wirklich etwas an diesen liegt. Vielleicht hilft es, sich klar zu machen, dass auch man selbst eines Tages vom Tod und von Trauer betroffen sein kann. Ganz sicher hilft es, wenn man sich klar macht, dass es einfacher ist, auf den Trauernden zuzugehen, als für den Trauernden mit der veränderten Lebenssituation zurecht zu kommen.

    In dem nachfolgend zitierten Gedicht kommt sehr treffend zum Ausdruck, wie sehr der Trauernde auf Hilfe angewiesen ist, um ins Leben zurückzufinden.

    Im Land der Trauer
    will die Nacht
    nicht mehr aufwachen.
    Mond und Sterne haben
    längst ihr Leuchten
    eingestellt.
    Selbst die Schatten
    gingen in der Finsternis
    verloren.
    Schwarze Gräser
    säumen unseren Weg,
    den wir nicht
    sehen.

    Doch jede Hand,
    die man uns
    entgegenstreckt,
    verwandelt sich
    in Licht.

    Renate Salzbrenner

    Oliver


    Dank

    Ich danke allen, die uns in der schweren Zeit nach dem Tod unseres Sohnes unterstützt haben und uns auch heute verständnisvoll begleiten.

    Herzlich danke ich dem Maler Ton Schulten und seiner Frau Ank für die Genehmigung, das Foto seines Gemäldes als Umschlagseite zu nutzen und Frau Renate Salzbrenner für die Genehmigung zum Abdruck ihres Gedichtes.
    Wuppertal, September 2013

    Susanne Fudickar

    Über Anregungen, Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge
    freue ich mich.
    SusanneFudickar@web.de

    Dieser Text kann hierüber auch als PDF-Datei kostenlos herunter geladen werden.

    Über eine Spende an die gemeinnützige Fudickar-Stiftung, die qualifizierte, bedürftige Studenten unterstützt, würde ich mich freuen:

    IBAN DE12 3307 0090 0223 3880 00
    Deutsche Bank Wuppertal

    Oliver

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