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© 2001 - Robert Scheithe
Trauer


    Praxis - Erwachsene

    Suizid

    Drogentod

    Das Geschehen
    Die Nachricht
    Die Beerdigung
    Erfahrung mit der Trauer
    Nach nun fast 4 Jahren




    Das Geschehen

    Am Samstag den, 03. August 1996 verließ ich wie immer, samstags morgens gegen 8.00 Uhr mit Alexander die Wohnung. Karl-Heinz lag noch im Bett weil er Spätschicht gehabt hatte und ich nicht wollte, dass er durch Alexander, beim Schlafen gestört wurde. Er sagte zwar immer, es würde ihn nicht stören, aber so konnte der Kleine halt draußen bei meinen Eltern im Garten spielen.

    Wir hatten uns für mittags zum Essen bei meinen Eltern verabredet. Als er nicht kam, rief ich ein paar mal daheim an. Keiner meldete sich. Was auch nichts besonderes war, weil Karl-Heinz des öfteren in die Stadt fuhr. Als er gegen 16.30 Uhr immer noch nicht da war, fuhr ich mit Alexander heim. Dort fand ich die Wohnungstür von innen mit der Kette verriegelt. Ich rief und klopfte, aber ich bekam keine Antwort. Dann versuchte ich mit Alexander auf dem Arm die Glasscheibe in der Eingangstür mit meinem Schuh einzuschlagen. Dies misslang. Ich lief in den Keller holte einen alten Metallzapfhahn und schlug damit die Scheibe ein. Alexander damals noch nicht 2 Jahre blubberte irgendwas: „Mama nicht so laut!“

    Da ich durch mein Rufen schon keine Antwort bekommen hatte, wusste ich, dass irgendetwas passiert war. Ich bemerkte schon beim Eintreten einen merkwürdig süßen Geruch. Bevor ich nachsehen ging, setzte ich Alexander in sein Gitterbett. Anschließend ging ich ins Bad, da dort die Tür aufstand. Mein Mann lag vor der Toilette. Zuerst schubste ich ihn mit dem Fuß ihn die Seite und sagte: „Verdammt noch mal dass kannst Du doch nicht machen.“ Danach fühlte ich nach seinem Puls und stellte fest das alles still war.

    Vielleicht schütteln jetzt einige den Kopf, aber für mich war es ihn dem Moment als hätte mir jemand eine dicke Last von den Schultern genommen. Endlich war die Zeit der Angst vorbei; ich wurde nicht mehr belogen, mir wurde kein schlechtes Gewissen gemacht, in der Hinsicht: ich würde ihn durch mein Misstrauen wieder zu den Drogen treiben.

    Ich rief dann den Notarzt. Der wiederum informierte die Kripo bzw. den Leichenwagen. Die Kripobeamten befragten mich über den Ablauf des Tages und ob ich wüsste woher mein Mann sein Heroin habe. Darauf konnte ich ihnen leider nichts sagen.
    Oliver


    Die Nachricht

    Nachdem mein Mann abgeholt worden, war bin ich mit Alexander zu meinen Eltern. Als ich denen sagte das Karl-Heinz tot sei, dachten sie erst ich würde einen Witz machen. Doch als sie den Ernst der Lage erfassten, brach für sie eine Welt zusammen. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten sie nichts davon, dass Karl-Heinz drogenabhängig war. Wir hatten es die ganze Zeit vor ihnen geheimgehalten.

    Alexander fragte einmal in der Zeit nach seinem Papa. Leider konnte zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen dass sein Papa tot ist, hätte ich das zu diesem Zeitpunkt schon getan, wären Alexander viele Trennungsängste erspart geblieben.

    Ich ließ den Kleinen bei ihnen und fuhr dann zu meinen Schwiegereltern. Da mein Schwiegervater zu dem Zeitpunkt schon schwerstkrank war, machte ich mir sorgen, wie er die Nachricht verkraftete. Meine Schwiegereltern nahmen den Tod ihres Sohnes sehr gefasst auf. Wir fuhren dann zu ihren beiden anderen Söhnen. Beide Brüder waren sehr geschockt. Nur bekam ich dann von meinen Schwiegereltern sowie von einem Bruder zuhören, ich hätte ja mal früher etwas sagen können. Dann könnte Karl-Heinz vielleicht noch leben.

    Am nächsten Tag (Sonntag) rief meine Schwägerin (das ist eine andere Geschichte) an, ich solle doch die Nachricht vom Tod meines Mannes seinem Sohn aus erster Ehe selbst mitteilen. Andreas war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre und regelmäßig alle 2 Wochen bei uns. Als ich in sein Zimmer kam, schaute er mich groß an und fragte wieso ich denn da sei. Ich erzählte ihm vorsichtig was passiert war. Er schrie zuerst auf und weinte ganz herzzerreißend. Da kam die Frage nach dem warum?!? Darauf konnte ich ihm leider keine befriedigende Antwort geben.
    Oliver


    Die Beerdigung

    Nach 5 Tagen wurde Karl-Heinz für die Beerdigung freigegeben. Eigentlich wollte ich mich noch von ihm verabschieden, aber das Beerdigungsinstitut riet mir davon ab, wegen der Obduktion.
    Bei der Beerdigung wollte ich von Anfang an Alexander dabei haben. In der Trauerhalle lief Alexander dort herum und schaute sich die Blumen an. Das war für meine Eltern, die sowieso nicht besonders glücklich über meine Entscheidung waren, ein Grund, Alexander mit meiner Freundin auf den Spielplatz zu schicken. Ich war zu sehr mit meiner eigenen Beherrschung beschäftigt. „Der Tot war für mich ja eine Erleichterung!“ Andreas blieb die ganze Zeit an meiner Seite. Als die Beisetzung beendet war, blieben Andreas und ich solange am Grab bis Alexander vom Spielplatz kam und seinem Papa das mitgebrachte Stofftier ins Grab werfen konnte und sich dann mit einem “Tüss Papi“ verabschiedete.
    Oliver


    Erfahrung mit der Trauer

    Ehefrau

    2 Tage nach der Beerdigung bin ich auch wieder zur Arbeit gegangen. Die Kolleginnen und Kollegen zeigte sich sehr erstaunt und wussten gleichzeitig aber auch nicht wie sie sich mir gegenüber verhalten sollten. Nach den Tod meines Mannes kam eine Welle der Hilfsbereitschaft auf mich zu. Ich hatte das Gefühl als wolle mich Gott für die schweren Jahre belohnen.

    Über Weihnachten bin ich mit dem Kleinen zur Kur. Dort merkte ich dann zu erstenmal, dass ich doch nicht so stark war wie ich glaubte. Dort kam für mich der erste kleine Zusammenbruch. Weihnachten war für mich schrecklich.


    Alexander

    In der Nacht vom 04. auf den 05.08. hatte ich das Gefühl als könne ich Alexander nicht weiter belügen. Ich sagte ihm also, dass sein Papa von der Arbeit nicht mehr zurück komme, er sei gestorben. Alexander verstand natürlich mit seinen kapp 2 Jahren die Bedeutung noch nicht. Ich erzählte ihm, dass sein Papa jetzt der hellste Stern am Himmel ist und er versucht immer auf uns aufzupassen. Heute noch schaut Alexander zum Himmel rauf und sagt ab und zu: „Hallo Papi“

    Ein Tag nach der Beerdigung hatte Alexander seinen 2. Geburtstag. Ich ließ diesen Geburtstag nicht ausfallen. Er war zwar nicht so schön wie die folgenden, aber für mich sollte das Leben so normal wie möglich weitergehen.

    Nach etwa einem Jahr fing Alexander jeden Morgen an zu weinen, wenn ich zur Arbeit wollte. Er schrie und tobte, klammerte sich an mich und sagte immer wieder: „Ich habe Angst dass Du nicht mehr von der Arbeit kommst.“ Zuerst konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie er auf die Idee kam. Doch so nach und nach fiel mir ein was ich ihm August 96 gesagt hatte. Auf anraten einer Psychologin klärte ich Alexander über seine Angst auf. Zuerst schaute er mich groß an, dann weinte er ganz kräftig auf. Nach einiger Zeit beruhigte er sich wieder. Danach war die Angst überwunden.

    Heute ist er traurig, dass er keinen Papa wie die anderen hat. Manchmal sagte er dann: „Wenn ich an meinen Papa denke, muss ich weinen. Warum hat Papa Drogen genommen?“ Ich versuch ihm zu erklären, dass sein Papa krank war und er nicht stark genug war, von den Drogen wegzukommen.

    Andreas

    Ist heute 17 und kommt trotz des Todes seines Vaters weiterhin regelmäßig alle zwei Wochen und bleibt über Nacht. Er spricht nicht viel über den Tod und seinen Vater. Nur vor kurzem, als ich ihm von meinem Trauerseminar in Bensberg erzählte, erzählte er mir eine Geschichte, die er mit seinem Vater in der Stadt erlebt hatte. Damals wusste er nicht, warum ihn sein Vater bei McDonalds alleine sitzen ließ und nach einiger Zeit fröhlich wieder auftauchte. Heute weiß er was damals passiert ist. Er macht sich nur Vorwürfe, dass er nicht auf seinen Vater genug aufgepasst hat.
    Oliver


    Nach nun fast 4 Jahren

    Die Zeit verging für mich wie im Fluge. Anderen Menschen gegenüber bin ich toleranter geworden. Ich selbst denke heute zuerst an meine „Kinder“ und an mich bevor ich mich mit Problemen anderer belaste. Zank oder Streit muss für mich kurz sein, ich weiß ja nicht wie lange uns Zeit bleibt, uns wieder zu vertragen.

    Nur bin ich Problemen und Sorgen in der Familie gegenüber Dünnheutig geworden. Ich bin immer schnell mit den Nerven zu ende wenn ich merke es läuft etwas aus der Bahn.

    Ich trauere heute noch um Karl-Heinz; er fehlt mir an allen Ecken und Enden. Vom Kopf her sage ich auch heute noch, es war gut so. Besser damals als heute wo Alexander vielleicht alles hätte mitgekommen. Aber trotz seiner Drogenabhängigkeit war er für mich ein wertvoller Mensch, ein liebevoller Mann und Vater. Der Mann mit dem ich alt werden wollte. Ich fühle mich heute immer noch verheiratet, obwohl ich mir manchmal schon eine Schulter zum anlehnen wünsche.



    Dieser Erfahrungsbericht sollte anonym veröffentlicht werden. Fragen oder Mitteilungen an die Betroffene leite ich gerne weiter. Schickt mir einfach ein Mail.
    Oliver

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